Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Das Haus Sn der Basfer Kcrnhauscgasse (ZUR GESCHICHTE DES EINZIGEN JÜDISCHEN MUSEUMS IN DER SCHWEIZ) Für alle, die es jemals besuchten, besitzt dieses Haus in Basel, Komhausgasse 8, eine geradezu magische Anziehungskraft. Auch wenn Jahre dazwischen liegen, seitdem man in der (auch Jüdischen Kongress-Stadt wiederholt einige Ferienwochen verbracht hat und wiederum verbringt, fühlt man sich beim Betreten dieses Hauses immer wieder so, als sei man erst gestern dagewesen. Es ist nicht nur der Anblick der ausgestellten Raritäten und Kostbarkeiten, der so faszinierend wirkt, sondern ist vor allem die Jüdisch-heimische Atmosphäre, die insbesondere dem reisenden Israeli irgendwie ein „Daheim“ in der Fremde bietet. Er wird höflich und liebenswürdig empfangen, Jeder ist hier ein persönlicher Gast und wird von den betreffenden Damen oder Herren (in diesem Sommer war es Familie Silbiger!) auf viele Dinge aufmerksam gemacht, die ihm beim „Alleingang" vielleicht teilweise entgangen sein würden; dadurch wird sofort beim Eintritt eine Stimmung geschaffen, die wird leider hier im Lande bei ähnlichen Gelegenheiten nur allzu oft vermissen. Es ist sicher diese Stimmung, die nicht nur den Besucher während der Dauer seines Aufenthaltes ln diesen Räumen — sei er kurz oder länger — begleitet, sondern ihn auch immer wieder — siehe oben — hieher zurückkommen lässt. — Laut einem frühen Merkblatt des Museums gab den Anstoss zu seiner Gründung „die grossartige Ausstellung „Monumenta-Judaica" in Köln (19G3/64), an der auch das Schweiz. Museum für Volkkunde, Basel, mit wertvol’cn Beiträgen vertreten war." — .... „es gelang uns, an der Kornhausgasc 8 in Basel ein kleines Museum cinzurichten — ein Museum, das seinen Besuchern interessante Einblicke in jüdische Sitten und Bräuche gewähren soll.“ Im Laufe der Jahre wurde das Museum um weitere Schätze bereichert, die von jüdischen Menschen aus vieler Herren Länder mitgebracht und gestiftet wurden: So sieht man heute zwischen allen Menoroth (Chanukka-Leuchter) einen sehr originellen aus Bagdad, dessen grosse, viereckige Kerzenhalter aus Glas (!) hergestellt sind; er steht in der Vitrine mit nur solchen Leuchtern, teils aus Bronze, teils aus ziseliertem Silber, aber auch aus — Blech! Auch eine nur für 6 Kerzen bestimmte Chanukka-Lampe steht mit in der Reihe, wozu man erfährt, dass sie vermutlich „auf irgendeiner Flucht“ entstand, also in der Eile, die doch leider unseren Menschen so oft geboten war. Neben einer aufgestellten, kompletten „Chuppa“ gibt’s einen herrlichen Thoramantel zu bewundern (18. Jahrhundert), der in kostbarer Stickerei in seiner Mitte die „Opferung Isaaks“, rechts und links davon „Jakobs Traum“ darstellt — auf einem riesigen Stein schläft Jakob nicht nur, sondern hat auch da seine herrliche Vision von der Himmelsleiter. Die einzelnen Teile des kostbaren, wunderbar gearbeiteten „Thora-Schmuckes“ komplettieren d!ese Schau! Besonders bemerkenswert auch der im Katalog aufgenommene Thorazeiger, ebenfalls 18. Jahrhundert, aus Lengnau, vermutlich poln'scher Herkunft. Die ebenfalls abgebildete „Adartafel“, Ende des 19. Jahrhunderts, als Leihgabe des Schweiz. Museums für Volkskunde, dem übrigens auch der genannte Thorazeiger ursprünglich entstammte. Neu hinzugekommen und auch eine Schenkung aus Lengnau ist auch das kleine, ergreifende Gemälde von Alis Guggenheim, betitelt „Totenabbitte“, betende Gestalten rings um eine letzte Lagerstätte mit dem Dahingegangenen. — In einer hier benachbarten Vitrine sieht man unter Glas die handgeschriebenen ersten Einladungen zu den berühmten Basler Zionisten-Kongressen von 1897 und 1901. Ebenfalls hier neu und hochsensationell wirken die fein ziselierten grossen Amulette aus Silber und Bronze, aus Italien des 18. und 19. Jahrhunderts: Ein fast unsichtbarer Knopf öffnet auf Druck eine winzige „Schublade“ für Namenszettel (!). Wenn man bedenkt, dass jedes Amulett immer nur zur Abwehr gegen Zauberei getragen wurde, versteht man die „Zettel-Idee“ natürlich besser; der oder die hier Genannte glaubte sich gegen böse Mächte gefeit. — Im Museum liegt ein stattliches Gästebuch auf, die Eintragungen in vielen Sprachen sind mehr als aussagereich, bieten quasi ein Spiegelbild des „Ahasver“, des ewig Wandernden von Land zu Land! Das Junge, ebenso hübsche wie intelligente Fräulein Silbiger, die an diesem Tage die Führung hatte und ihren Gästen laufend Erklärungen der Museumsstücke gab und zwar in deutsch, englisch und ivrith (auch französisch sprach sie auf Wunsch), war selbst schon in Israel gewesen und hatte einen religiösen Kibbuz besucht; sie beabsichtigt, wieder hierher zu kommen, wir tauschten die Adressen aus und schieden als gute Freunde! — Für den weitgereisten Besucher geht von einem solchen Gespräch viel Antrieb und Kraft aus, man muss dafür danken! Ja, Basel ist für alle, aber besonders für uns Juden und Israelis, eine Reise wert!! Da kann man nur immer erneut auf ein Wiedersehen hoffen, mit jener Hilfe, auf die wir immer bauen. Frieda Hebel Das, in der Tat, ist ein im doppelten Sinn, das heisst nach Inhalt u. Umfang grosses genealogisches Werk: 600 Stammtafeln, den Zeitraum von 1654 bis 1977 umfassend, hat Rabbiner Dr. Malcolm Henry Stern (New York) unter dem nüchteren Titel "First America Jewish Families” ln Jahrelanger, mühevoller Arbeit in alphabetischer Anordnung zusammengestellt. Auf 450 breiten Seiten hat er mindestens 40 000 Namen, geradezu zusammengepresst, registriert. Dabei ist zu beachten, dass es sich „nur“ um die bis etwa 1840 in den USA niedergelassenen Juden und ihre Akommen (bis in unsere Tage) handelt: von Aarons (aus Holland), Abraham (aus England) und Binswanger (Deutschland), bis hin zu Tobias (England), Umstadter (Hannover und Hessen) und Valverde (Brasilien) — um damit eine lediglich andeutungsweise Vorstellung von dem Gesamtwerk zu vermitteln. Soweit wie möglich sind den Namen die Lebensdaten beigegeben, leider aber nicht auch die Berufe; aber das wäre wahrscheinlich unmöglich gewesen. Zweifellos spielen, wie schon das vorstehende Beispiel zeigt, als Ursprungsländer Deutschland, England und die Niederlande die Hauptrolle. Bei Deutschland überwiegen ländliche Bezirke, sowie Mittel- und Kleinstädte, vor allem in Südwestdeutschland (Bayern, Baden, Hessen und Pfalz), ferner Foscn, gelegentlich auch Schlesien, während der Norden und die Mitte (Hamburg, Hannover, Pommern, Sachsen) seltener in Erscheinung treten. Hinzukommen, an den spanischen und portugislschen Namen leicht erkennbar, als Ursprungsgebiete Mittel- und Südamerika, ferner Frankreich (Eisass!). Wenn man von Posen absieht, ist Osteuropa als Ursprungsraum so gut wie nicht vertreten, nahm doch die grosse und rapide Einwan- DER WEG NACH AMERIKA BIS 1840 Woher kamen die jüdischen Einwanderer? Zu einer genealogischen Studie derung aus diesen Gebieten erst vor der letzten Jahrhundertwende ihren Anfang. Unter den deutsch-jüdischen Settlern (vor 1840) findet man zum Beispiel auch Haym Salomon (Lissa/Posen 1740 — Philadelphia 1785), bekannt als einer der Financiers der amerikanischen Revolution, seit 1772 in New York ansässig, auch die Nachkommen des hannoverschen Hofarztes Jacob Marx (1743—1789), ferner die aus Langendorf/Oberschlesien stammende Familie Gratz, deren Mitglieder, sämtlich tüchtige Kaufleute, sowohl im jüdischen Leben Philadelphias als auch in der amerikanischen Revolution führend aktiv waren. Interessant sind vor allem drei Beobachtungen: einmal die Mobilität, das heisst in welchem Ausmass und in welcher Richtung sich die Nachkomen der ersten jüdischen Familien in dem USA von der Ostküste über das weite Land westwärts verbreiteten, sodann, wie bei aller Häufigkeit von Mischehen, die Juden im grossen und ganzen der jüdischen Gemeinschaft erhalten blieben und, schliesslich die Entwicklung der Fami’iennamen (von Kroieck zu King, Moses — Phillips, Preiz — Price, Oppenheimer — Ogden, Theim — Tim usw.. usf.); die Stammtafel von Haym Solomon reicht bis zu Wilbur (1920 —) und Craig (1950 —). Die Wassers aus Pommern waren als „Watters“ d;e Pionier-Juden im amerikanischen Bundesstaat Utah. Fast Jede Stammtafel ist für den Wissenschaftler nützlich, mit stichwortartigen' Quellenangaben versehen. Dazu findet man im Anhang die einzelnen Quellen (Manuskripte, Dokumente, Testamente), sowie die einschlägige Literatur einschliesslich der Zeitschriften (darunter z.B. auch die “Year Books” des Londoner Leo-Baeck-Instituts, ab 1956) aufgeführt. Dabei tritt für Europa und den jüdischen Bereich manches unbekannte Material zutage. Werke dieser besonderen Art sind und bleiben stets ergänzungs- und revisionsbedürftig (auch was beispielsweise die Schreibung deutscher Ortsnamen und ihre Zuordnung zu bestimmten Regionen angeht). Das weiss der erfahren-sachkundige Kompilator (1915 in Philadelphia geboren) genausogut wie jeder Benutzer dieser ganz ungewöhnlichen Stammtafelsammlung. Sie ist vorbildlich in der Ausschöpfung der Forschungsmöglichkeiten, in Archiven, historischen Gesellschaften, Gerichten, in Akten jüdischer Gemeinden; selbst Grabsteininschriften wurden weitgehend „berücksichtigt". Und so sehr auch der Band für Zwecke der frühen amerikanisch-jüdischen Geschichts- und Familienforschung gedacht ist — in mannigfacher Hinsicht ist er nicht minder wertvoll und hoch beachtlich für das Studium und die Erkenntnis der ausserordentlich intensiven europäisch-jüdischamerikanischen Beziehung und Beziehungen. Diese „600 Stammtafeln“, eine Koprodukt'on der “American Jewish Archives’’ in Cincinnati/Ohio und der “American Jewish Historical Society’’ in Waltham/Mass., sind schon 1978 erschienen, aber erst später ausserhalb der USA dem Titel nach bekannt geworden. Erfahrungsgemäss dauert die Verbreitung solcher Spezialliteratur lange Zeit. Aber diese „600 Genealogies 1654—1977“, wie der Untertitel lautet, verdient auf beiden Seiten des Atlantik Beachtung und Anerkennung. Malcolm Sterns erstes jüdisch-genealogisches Werk, 1960 herausgekommen, nennt sich “Americans' tjf Jewish Descent”. E. G. L.,Berlin 28