Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Zwei Bücher von Barbara Just-Dahlmann X. Simon, 2. Tagebuch einer Staatsanwältin erschienen im Radius-Verlag, Stuttgart, das erste 1980, das zweite 1979. Simon, nach dem die Erzählung von Barbara Just-Dahlmann heisst, ist der Vorname des Inhabers der „Kakadu-Bar“ im Hafenviertel von Mannheim. Er ist in dem galis'schen Städtchen Z'oczow geboren und kam nach dem Krieg nach Mannheim. Als Motto ist dem Buch der Satz aus den Sprüchen der Väter vorangestellt: „Verurteile deinen Nächsten nicht: Du Weisst nicht, was du in seiner Lage getan hättest“. Was hat dieser Spruch mit dem Inhaber des Nachtlokals zu tun? Die Erzählerin wendet sich damit gegen das Gerede, das jeder, der einmal Deutschland besucht hat, hört: „Die meisten Barbesitzer in den üblen Vierteln sind doch nun mal die Juden ... Das sei ‘typisch’ .. .Sie finden das ‘natürlich’? .. .Davor darf man doch nicht die Augen versehliessen.“ Jedoch schreibt die Dichterin: „Es ist nicht ‘natürlich’, dass nach 1945 so ein hoher Prozentsatz der wenigen Entronnenen Barbesitzer wurde.“ Vielmehr wuchs Simon in „einer Welt gelebter Weisheit und tradierter Religiosität“ auf und hätte alles andere werden können als ein Barbesitzer, wenn — Ja wenn ihn nicht der Krieg aus dieser Welt herausgerissen hätte, als er 19 Jahre alt war. Er machte das Grauen der deutschen Besetzung mit und überlebte den Krieg wie durch ein Wunder. Spannend und erschütternd wird sein Schicksal erzählt. Was diese Leidengeschichte vor anderen auszeichnet, ist, dass die Verfasserin bei der Zentralen Stelle zur Verfolgung von NS-Mordverbreehern in Ludwigsburg mitgearbeitet und, wie sie in einem anderen Buch „Tagebuch einer Staatsanwältin" bekennt ,„die Zeit bewusst miterlebt“ hat. Aber kann ein Beamter, selbst wenn es ihm ernst damit ist, die Mörder vor Gericht zu bringen, auch „bewusst miterleben“, was den Juden geschehen ist? Ihr war es möglich, weil ihre berufliche Arbeit sie zur Frage trieb „Was ist Schuld?“ und sie in ostjüdischen Erzählungen Belehrung suchte, was chassidische Rabbis über Schuld dachten. Sie lernte ihre Aussprüche und Geschichten kennen, die „von Mund zu Mund weiter erzählt wurden — Ja, bis wann?“ Bis die Ostjuden „ausgerottet, ermordet, totgeschlagen“ wurden. Das wird in dem Buch „Simon“ erzählt. einem Verurteilten nach der Entlassung aus dem Gefängnis zu einer Stellung zu verhelfen oder einen illegal eingewanderten Gastarbeiter vor der Ausweisung zu bewahren. Aber oft steht sie furchtbaren Schicksalen gegenüber, ohne eingreifen zu können. Dann seufzt sie wie Tewje, der Milchmann, in „Anatewka“: „Lieber Gott, was kommt als auf mich zu? Lieber Gott, so beweglich bin ich nicht.“ Manche Fälle werden mit Humor erzählt. So wird ein als korrekt bekannter Stadtangestellter bei einem Einbruch erwischt, einem „schweren“, der nur mit Gefängnisstrafe bestraft werden kann. In diesem Fall droht dem Vorbestraften die Entlassung. Aber bei Volltrunkenheit, die der Angeklagte vorbrachte, kann er mit einer Geldstrafe davonkommen. Dem stand die Aussage des Polizisten entgegen, der Angeklaglte sei nüchtern gewesen. Sie plädiert für Vollrausch und blinzelt dem Vorsitzenden zu: „Es ist durchaus möglich, dass ein Volltrunkener beim Anblick eines Polizeibeamten stahlnüchtern wird.“ Ihr „Schützling“ kam um die Gefängnisstrafe herum. Auch in diesem Buch kommt sie auf den Holocaust zu sprechen. Die Verbreitung von Flugblättern: „Kauft nicht bei Juden... Der Jude ist unser Feind“ 1978 in Mannheim, wo sie als Staatsanwältin tätig ist, veranlasst sie, die furchtbarsten Abschnitte aus einem Buch von Eli Wiesel wiederzugeben, in dem er die Verbrennung von Kindern schildert. Mit Kollegen diskutiert sie über den Film „Holocaust“, der damads lief. Gegen die Bedenken von Eli Wiesel und anderen Schriftstellern, dass das Grauen durch den Film kommerzialisiert und in eine Seifenoper verwandelt werde, argumentiert sie: „Soll Unsagbares un-gesagt bleifen? Wie soll die Menschheit überhaupt fassen, was da geschehen ist, wenn es ihr nicht in fassbarer Form mitgeteilt wird?“ Wie einfach und einleuchtend ist der entscheidende Gesichtspunkt gesagt! Beide Bücher verdienen einen grosen Leserkreis. Annl Loewcnstein PAUL MÜHSAM Spiegelbild eines Welterlebens Ich glaube, seit Johann Peter Hebel am Beginn der jüdischen Emanzipation hat kein deutscher Schriftsteller mit soviel Verständnis und Liebe über Juden geschrieben wie Barbara Just-Dahlmann am Ende des Judentums in Deutschland. Kein Wunder, dass diese Frau d’ss „Tagebuch einer Staatsanwältin“ schrieb, um zu zeigen, dass auch Staatsanwälte Menschen sind. „Sie sollten streng sein, wo Brutalität am Werk ist, und sie sollten verständnisvoll und barmherzig sein, wo menschliche Schwäche das Nachdenken über die Solidarität der Sünder (krimineller wie nicht-krimineller) nahelegt,“ fordert sie von den Staatsanwälten. Das erste ist selbstverständlich. Dass sie auch die zweite Aufgabe auf sich nehmen können, ersehen wir nicht nur aus der Erzählung „Simon“, sondern auch aus diesem „Tagebuch“. Wo die Verfasserin eine Möglichkeit sah, versuchte sie und gelang es ihr auch manchmal, Hg. Else Levi-Mtihsam, Herder-Weg 2 D-7750 Konstanz Else Levi-Mühsam hat Texte aus veröffentlichten und unveröffentlichten Werken ihres Vaters Paul Mühsam herausgegeben. Die Auswahl ist für diejenigen Menschen bestimmt, schreibt die Herausgeberin, die noch für „die Mysterien der Schöpfung, die Geheimnisse des Lebens und des Todes“ offen sind. Ein Satz sei wiedergegeben, aus dem zu ersehen ist, dass bei Paul Mühsam die Weisheit der jüdischen Tradition, wie der deutschen Philosophie fortlebt: „Törichter noch als der krasseste Aberglaube, ist die Leugnung der Existenz eines Gottes, während doch der winzigste Grashalm von dem Walten eines Schöpfers zeugt.“ (Das Büchlein kann von der Herausgeberin direkt bezogzen werden.) Annl Loewenstein ICH BIN IN SEHNSUCHT EINGEHUELLT SELMA MEERBAUM-EISINGER Hoffmann und Campe-Verlag, 1980 Ich möchte leben. Ich möchte lachen und Lasten heben und möchte Känmfen und lieben und hassen und möchte den Himmel mit Händen fassen und möchte frei sein und atmen und schreien. Ich will nicht sterben. Nein. Nein... Der Herausgeber Jürgen Serke fand dieses Gedicht von Selma Meerbaum-Eisinger aus Czernowitz, die 18jährig in einem KZ umkam, in der Anthologie eines Ostdeutschen Verlags. Er war so erschüttert von dem Gedicht, dass er der Spur des Mädchens nachging, und fand ihren hinterlassenen Gedichtsband. Der Band enthält 57 Gedichte, hierunter Übersetzungen aus dem Französischen von Verlaine, aus dem Jiddischen von Itzik Manger und aus dem Rumänischen. Das erste Gedicht, das sie im Alter von 16 Jahren schrieb, ist schon das einer Dichterin. Das letzte begann sie zwei Jahre später und hat den Zusatz: „Ich habe keine Zelt gehabt zu Ende zu schreiben.“ Sie wurde deportiert. Der wenige Jahre ältere Paul Celan aus Czernowitz war ein Verwandter von ihr. Er überlebte das KZ und wurde der grösste Lyriker ln Deutschland nach dem 2. Weltkrieg. Man kann dem Herausgeber zustimmen: „Wer in Zukunft von Anna Frank spricht, wird auch von Selma Meerbaum-Eisinger sprechen müssen — wie von zwei Schwestern, von denen die eine dokumentierte, was die andere dichtete." Annl Loewenstein DIE SCHWANGERSCHAFT UND DIE GEBURT Ein sehr aufschlussreiches Handbuch für Schwangere und Mütter Ist aus der Feder von Frau Sophie Engelsman Huisman, Ramat Chen, erschienen. Die Verfasserin ist seit vielen Jahren Hebamme in dem angesehenen Assutah-Hospital, Tel Aviv, und bekannt durch ihre besonderen Fachkenntnisse. Dazu verfügt sie über ein ausgezeichnetes menschliches Einfühlungsvermögen. Unzählige Gebärende vergessen nicht die grosse Hilfe in ihrer schwersten Stunde. Das Buch ist Wegweiser für alle werdenden Mütter und beantwortet viele Fragen in dieser Beziehung. Es ist ganz modern, aktuell und vielseitig, wissenschaftlich fundiert und anerkannt von Prof. Dr. Erwin Rabau, Tel Aviv, der das Vorwort geschrieben hat. Da, Buch hat 3. Abteilungen: 1. Schwangerschaft und Geburt, Anleitung und Erklärung, 2. der Säugling, Stillen, und andere Ernährung, 3. Gymnastikübung in der Schwangerschaft und nach der Geburt. Eine Liste von 800 hebräischen Jungen und Mädchennamen aus der Bibel und der modernen Zeit ist darin zu finden. Der Titel des Buches lautet: „tt1?) inn *iDixn pmno’an ns’iyn Das Buch ist reichlich illustriert und hat 208 Seiten. Es ist in der israelischen Presse ausserordentlich günstig beurteilt. Der Preis ist 125.— Schekel, freibleibend. Das Buch ist in Iwrith geschrieben und in Jeder Buchhandlung des Landes zu haben. Ein passende« Geschenk für Ihre Töchter und Enkelkinder. E. L. 27