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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981) · p. Seite 23

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981)
Date
1981-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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auf Seide Alltägliches in eine feine poetische Stimmung emporgehoben wurde — oder wie eine anfänglich dunkel erscheinende kleine Farbfläche zu funkeln beginnt, wenn das Auge eine Weile darauf ruht. Dann wird man fühlen, dass hier eine geborene Malerin von ungewöhnlicher Sensibilität am Werke ist. Die Welt wird von ihr nicht als Realität eingefangen, sie liefert ihr nur Anhaltspunkte für malerische Spiele und Phantasien. Es werden nicht düster-tiefsinnig, vielmehr heiter und unbeschwert allerlei Blicke hinter die Kulissen der Wirklichkeit geworfen. Wer diesen Absichten liebevoll nachgeht, spürt den Funken, der in Paula GrünfeldB Begabung lebt, oft nur schlummernd, mitunter preziös umhüllt, aber dann auch leuchtend und glitzernd. Margot Abraham macht dem unvorbereiteten Besucher keine solchen Schwierigkeiten. Aber auch sie begnügt sich nicht mit nur rechtsschaffenen Abbildern der Umwelt, sie weiss ihren Ausschnitten einen persönlichen Grundton zu geben. Das Mädchen mit der Katze haben wir aus einer früheren Begegnung noch m angenehmer Erinnerung. Es erscheint jetzt umkränzt von Parklandschaften, einem hübschen und eigenartigen Füchtestilleben, Apfel auf einer Glasschale von oben gesehen, einem gefälligen Bilde mit Tiefseefischen. Noch entschlossener und unbefangener ist der Realismus von Gertrud Werther-Radlauer (das weibliche Element scheint bei den jüdischen Künstlern Breslaus noch stärker vorherrschend zu sein als in Berlin); ihr tüchtiges Bild des Tauentzienplatzes im Schnee gibt dem Auftreten der Gruppe doch auch einen Lokalakzent. Noch ein paar weitere weibliche Gäste sind zu begrüssen: Magda Dresdner mit zwei sicher und verständnisvoll gezeichneten Köpfen. Emmi Pick mit zwei kleinen, doch in aller Bescheidenheit hervorstechenden Arbeiten, einer illustrativen Miniatur und einem Aquarell italienischer Hausfronten um eine Tempelruine, das in seiner klaren Helligkeit ganz entzückend geraten ist. Zwei Männer retten die Ehre des sogenannten stärkeren hier zahlenmässig erheblich schwächeren Geschlechts: Josef Herold, der Zeichnungen und Malereien von guter Haltung schickte, und Arthur Schwarz, ein Gebrauchs- und Gewerbegraphiker von ungewöhnlichen Gaben. Die Plakate von Schwarz, in der Farbe und den Schriften aufs sorgfältigste durchdacht, haben ihren besonderen Charakter. Seine kleinen Werbesachen, Geschäftskarten, Signete, Schutzmarken, Inserate, sind in der Einfachheit und Schlagkraft der Erfindung ausgezeichnet. Vieles hat Schwarz auch für jüdische Verlage und sonst für jüdische Zwecke gearbeitet. Man nimmt mit Vergnügen die Parade dieser künstlerischen Kleinwerke ab, die so anspruchslos auftreten und doch so wertvoll sind, da sie ihren ganz bestimmten Zweck und Sinn mit klarster Präzision erfüllen. M.O. (Aus: Jüdisches Gemeindeblatt für Berlin Nr. 43, 24.10.37), eingesandt von Heinzwerner Goldstein, Haifa) CHANUKKA-SCHABBAT AUF FAHRT Dass man auf Winterfahrt geht, ist nichts Besonderes; aber wenn man ausser den Skiern und Schlitten auch eine Sefer Thora mitnimmt, Ist es schon nicht so alltäglich. Die Fahrt begann mit der — Zubereitung des für den Schabath bestimmten Kartoffelsalates. Sieben Jungen, mit Je drei Pfund gekochten Kartoffeln, einer sauren Gurke und einem Küchenmesser bewaffnet, hielten letzten Donnerstag zwei Stunden lang die Küche meiner Mutter im Belagerungszustand. In Reinerz, unserem Standort, legten wir unsere Rucksäcke ab und machten einen kräftigen Marsch, da sich der Schnee langsam In Wohlgefallen aufgelöst hatte. Nachmittags, um 3 Uhr ist alles wieder zur Stelle. Jetzt erreicht die Vorfreude ihren Höhepunkt. Die einen holen grosse weisse Bogen Papier und Retsszwecken, belegen damit die Tische, um eine festlich gedeckte Tafel zu markieren, die anderen rühren Griesbrei, wieder andere befestigen ihre Chanukalichte auf dem Brett einer Zigarettenkiste; die Mädel plätten ihre unterwegs zerdrückten Kleider, als letztes erhält die Sefer-Thora einen ihr gebührenden Platz, der Esra-Wimpel wird neben ihr aufgepflanzt. — Nach grösster Geschäftigkeit ist nun alles für den Empfang des Schabbat bereit. Einer nach dem anderen zündet sein Chanukalichte! an, wobei mit der anwachsenden Helligkeit auch die Stimmung sich steigert. Dann dröhnt strassenweit das Moaus Zur, und jeder fühlt sich in seiner Begeisterung als Juda Makkabi. Nun folgt das Festessen: Griesbrei mit Himbeersaft. Dieses opulente Mahl wird durch unzählige S’miroth unterbrochen. Nach dem Benschen, das mindestens eine Viertelstunde dauerte, wird gelernt. Den Abschluss bildet ein Spaziergang Im Nebel. Eigentlich wollten wir rings um den Brunnen am Ring Horra tanzen; da es aber glatt und abschüssig war, tanzten wir auf der Chaussee. Am nächsten Morgen ist alles um 8.30 Uhr zu Schacharith zur Stelle. Jeder hat seine Mizwah Das Leinen wurde unter drei Leuten verteilt; natürlich bekommt jeder Chawer einen besonderen Mischeberach. Alle gewohnten Melodien werden mehrstimmig gesungen. Es ist ein Gottesdienst mit Begeisterung. Erst um 10.30 Uhr sind wir fertig, und heisser Kaffee vom Tage vorher steht auf dem Tisch. Der von jedem mitgebrachte Kuchen wird zu einem riesigen Berge aufgestapelt und nach gebührender Bewunderung vertilgt. Das Frühstücksmahl ist glücklich um 12 Uhr zu Ende. Nach einem gemütlichen Spaziergang wird um 2 Uhr die Sidra gelesen und Hagescher „gelernt“ Nach Mincha erfolgt die feierliche Enthüllung des riesigen Kartoffelsalateimers. Der Salat wird vornehm auf Papptellern serviert; mit einem Ende Wurst in der Hand dünkten wir uns als Fürsten. Nun kommt der eigentliche Höhepunkt: die S’udah sch’lischith. Nach der Verteilung von Süssigkeiten und Früchten erzählt einer über den Aufbau einer Kolonie, während ein zweiter über Mizwoth hat’lu- Joth baarez spricht. Dann singen wir. Wir singen alte palästinensische Lieder, lustige und schwermütige, dann Lieder, die vom Aufbau erzählen, aber auch Lieder, die von ernstem, tief religiösem Charakter erfüllt sind. Dabei wird es dunkel, kaum sind die Umrisse der Chawerim erkennbar. In dieser Stunde fühlen wir die echte Schabathm’nuchah; es ist uns ein Erlebnis. Ein Lichtschein von draussen führt uns ln die Wirklichkeit zurück. Überrascht stellen wir fest, dass es bereits seit einer Stunde S’man ist. Wir machen Hawdalah und rufen uns gegenseitig im Chor „a gite Woch“ zu. Bald erstrahlen von neuem die Chanukalichter. Und die Freude beginnt auch von neuem. Ein Schabbat ist zu Ende gegangen, der unvergesslich bleibt. Erwähnt sei noch die Horra mit Tallith und T’fillin am folgenden Tage innerhalb des Morgengebetes; sein Refrain war: „l’schanah habaah b’jruschalajim". Michael David Lewy (Eingesandt von Frau Hannah Hahn, geb. Lewy, Tel Adaschlm) JUEDSSGHE JUGEND IM UEBERGANG LUDWIG TIETZ, 1897 — 1933 Bitaon Verlag, 15 Ramöamstr. Tel Aviv Ludwig Tietz zusammen mit Leo Baeck und wenigen anderen ist zu danken, dass in der kritischen Zeit des Machtangriffs der Nazis die zersplitterten, gegensätzlichen Gruppen des deutschen Judentums geeinigt und ein jüdisches Erziehungswerk aufgebaut wurde. Er wird in mehreren Aufsätzen In dem vorliegenden Band gewürdigt, den Gustav Horn, ein Mitglied des Kibbutz Hasorea, soeben herausgab. Ludwig Tietz wurde 1897 als Sohn einer assimilierten grossbürgerlichen Familie geboren, die mit den Inhabern der beiden Warenhauskonzerne verwandt ist. Als Schüler trat er in die Jugendbewegung der „Kameraden“ ein. Durch seine Vornehmheit, seine menschliche Weite und sein unparteiliches Judentum gewann er das Vertrauen von allen, mit denen er in Berührung kam. Charakteristisch ist sein Ausspruch „Wir können nur dann innerlich freie Menschen sein, wenn wir das Judesein in uns bejahen und wenn wir unsre Jugend, solang sie noch aufgeschlossen ist, in diesem Sinn erziehen." Kein Wunder, dass er bald in die Bundesleitung der „Kameraden“ gewählt und nach seinem Studium in das Präsidium des „Centralvereins“ aufgenommen wurde. Er war in der Spezialfürsorge für Flüchtlinge aus dem Osten tätig, um die sich die zionistischen sowenig wie die nichtzionistischen Bünde kümmerten. „Es war kein ‘Herabsteigen’ zum Hilfsbedürftigen, sondern die unmittelbare Schaffung einer Vertrauensbasis auf gleicher Ebene", hob Jakob Julie Thaler hervor. Eva Michaelis-Stern erzählt, wie freundlich dieser Aristokrat in den proletarischen Kreisen empfangen wurde. Bei einem Besuch ihres Vaters, Prof. William Stern bei ihnen, verstand es Tietz, das Fremdheitsgefühl zu überbrücken. Wenig bekannt und in diesem Band nicht einmal erwähnt ist seine Mitarbeit an dem „Arbeitskreis der jüdischen Jugendgruppen Berlin“, die Mitte der 20er Jahre für landwirtschaftliche und handwerkliche Ausbildung proletarischer und sozial benachteiligter Jugendlicher und 1933 für ihre Alija sorgten. Über diese Arbeit erfahren wir aus dem schönen Heft „Niskor“ zum Andenken an Alice Hoyda. Innerhalb des C.V. kämpfte Tietz für die Beteiligung am Palästina-Aufbau. Bei der Erweiterung der Jewish Agency setzte er durch, dass den Mitgliedern des Präsidiums der Eintritt in die Agency freigestellt wurde. Im Jahre 1927 gelang es ihm, den. „Reichsausschuss der jüdischen Jugendverbände“ zu gründen und in ihm die ideologisch getrennten Bünde und Jugendgruppen zum 1. Mal zur gemeinsamen Jugendarbeit zusammenzufassen. Er diente 1933 als Vorbild für den Zusammenschluss aller Richtungen in der „Reichsvertretung der deutschen Juden". Zahlreiche Erinnerungen und Dokumente geben uns ein Bild dieser unvergesslichen Persönlichkeit. Eva Reichmann-Jungmann berichtet: „Er ahnte das düstere Geschick früher als wir." Als er 1933 plötzlich aus dem Leben schied, schrieb Chajim Weizmann an Leo Baeck: „Ich bin tief erschüttert durch den tragischen, vorzeitigen Tod von Ludwig Tietz, den ich als einen der glänzendsten und hingebungsvollsten Jugendlichen Führer des deutschen Judentums kannte." Anni Loeweneteln - Pribatsch 23

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