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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981) · p. Seite 22

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981)
Date
1981-01-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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Aus alten Zeitungen... VEREIN ISRAELITISCHER LEHRER IN SCHLESIEN BERICHT ÜBER »IE 47. JAHRESVERSAMMLUNG, BRESLAU, »EN 15. DEZEMBER 1929 Die zahlreich besuchte Versammlung wurde vom Vorsitzenden Moops-Bres’au um 11% Uhr in der „Eintracht“ mit den üblichen Begrüssungsworten eröffnet. Nach Erstattung des Jahresberichts berichtet er über die zum ersten Male ausserhalb Breslaus stattgefundene ausserordentliche Vereinstagung ln Oppeln und gibt Kenntnis von der Gründung des ersten Pflegschaftsbezirks. Abwechselnd zwei- bis dreimal im Jahre kommen die Kollegen aus diesem Bezirke zusammen, wohnen dem Unterricht bei und tauschen dann in einer Konferenz ihre Meinungen und Gedanken über das Gehörte aus. „Den Vorständen dieser fünf Gemeinden haben wir von dieser Einrichtung Mlteilung gemacht und um ihre persönliche Teilnahme ersucht. Wir gehen damit um, zur Hebung und Belebung des Religionsunterrichts einen weiteren Pflegschaftsbezirk zu schaffen. Dass wir das Vertrauen so mancher Gemeinden geniesten, ersehen wir aus Anfragen u. Bitten bei Neubesetzung von Stellen. Denn es liegt uns sowohl im Interesse des Judentums als auch in der Wertschätzung unseres Standes sehr viel daran, einen gut vorgebildeten und ln Jeder Beziehung einwandfreien Lehrernachwuchs zu erhalten.“ Auf die Frage der Einrichtung von Bezirksrabbinaten eingehend, hebt der Vorsitzende hervor, dass die Lehrer keine prinzipiellen Gegner dieser Einrichtung sind, wenn eine solche für die kleinen Gemeinden, in denen kein genügend vorgebildeter Beamter vorhanden ist, geschaffen wird, Jedoch nur bei voller Währung seiner rechtlichen und wirtschaftlichen Interessen und ohne Schmälerung seines Ansehens. Kollege Davidsohn erhält das Wort zu seinem Vortrag über „Apologetik im Religionsunterricht“. Redner gibt eine Schilderung der grossen, die heutige Zeit beherrschenden Gegensätze, von denen auch die Jüdische Jugend erfasst ist. In ihrem Ringen um sich selbst dürfe man die Jugend trotz aller zu gebenden Freiheit nicht allein lassen, müsse ihr Führer sein, ohne dass sie es merkt, müsse teilnehmen an ihrem Streben um eine neue Verlebendigung des Jüdischen. Darauf fasst er das gesamte Gebiet der Apologetik in drei Hauptpunkte zusammen: 1. Die Auseinandersetzung mit dem Weltbild der Zeit; 2. Die Auseinandersetzung mit den fremden herrschenden Religionen; 3. Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Strömungen innerhalb des Judentums. Er weist auf die Wirkung des naturwissenschaftlichen und biologischen Unterrichts auf die Jugend hin und zeigt, wie der Materialismus sich in Gegensatz zur theistischen Gottesidee stellt. Er berührt die Richtung des Darwinismus, Monismus und Pantheismus und kommt zur Erörterung des religiös-geschichtlichen Unterrichts. Dabei setzt er sich gleichzeitig mit der positiven und liberalen Strömung innerhalb des Judentums auseinander und beleuchtet die Frage, wie die Bibel im Unterricht zu behandeln sei. In allen diesen Erörterungen berührt er die Widersprüche des Erkennens und Erlebens in dem Menschen, namentlich in dem sich entwickelnden Menschen in der Jugend. In der Auseinandersetzung mit dem Christentum zeigt er besonders die Probleme auf, welche im Unterricht behandelt werden müssen. Nach Angabe der Literatur für den Lehrenden und seinen Unterricht gibt er als methodische Ausführung eine Probebehandlung der Schöpfungsgeschichte bzw. des 1. Kapiteis der Genesis. Zum Schluss zeigt er die Forderungen, welche er an die jüdische Lehrerpersönlichkeit stellt. In der Diskussion beleuchtet Herr Dozent Dr. Heinemann das Thema von anderen Gesichtspunkten aus. Er zeigt an einer Reihe von Beispielen'’ wie er Apologetik der Schule behandelt wissen ‘wolle und weist nach, wie heikel das Gebiet werden und welche Schäden es durch falschen Gebrauch evtl, anrichten könne. Nach einem Schlusswort des Referenten, in welchem er seine Stellung teils verteidigt, teils Irrtümer, die beim Anhören des Vortrages unterlaufen sind, richtig stellt, erhält Kollege Wieser das Wort .zu seinem Vortrage Uber die Frage: „Wie interessieren Wir das Eltrnbaus für den Religions-Unterricht?“ Der Vortragende geht vom Thema aus, das im ■Juni 1927 auf der Oppelner Versammlung angeschnitten wurde und das heute zu praktischer Arbeit führen soll. Es gibt kein Allheilmittel dafür! Das Hebräische abzuschaffen, um so die grösste Schwierigkeit zu beseitigen, ist bei der Lehrerschaft gar nicht diskutabel. Um aber Erfolge zu erzielen, müssten mehr Stunden für den Religions-Unterricht angesetzt werden. Aber zu diesem Zwecke muss das Interesse der Eltern systematisch geweckt werden. Redner stellt folgende Bedingungen auf: 1. Der Lehrer muss gut vorgebildet, gehaltlich und in seiner Stellung fest und unabhängig gestellt sein, um sich voll seiner schweren Aufbauarbeit widmen zu können. Diese Arbeit erfordert Aufopferung seiner ganzen Person. 2. Regelmässig wiederkehrende Elternversammlungen und ein Elternbeirat sollen dem Lehrer moralischen Rückhalt und auch finazielle Stütze für die Religionsschule geben. Sachliche Aussprachen können grosse Erfolge herbeiführen. 3. Auch die Kanzel des Gotteshauses soll, besonders an den hohen Feiertagen, an denen der grösste Teil der Gemeindemitglieder anwesend ist, zu Ansprachen über den charakterbildenden Wert, auf die Bedeutung des Religions-Unterrichts, für den Bestand des Judentums, auf die Erziehung zur Elternliebe, auf die hebräische Gebetssprache usw. dienen. 4. Die besten, interessantesten Lehrmittel müssen angeschafft werden. Der Lehrer muss sich gut vorbereiten und auf Jede Weise den Unterricht angenehm machen. (Schülerreferate, Aufsätze, grammatische Arbeiten, Erzählungen, Gesänge.) Bei zutage tretenden Konflikten muss der Lehrer die Eltern besuchen, um mit ihnen darüber zu sprechen. 5. Der Lehrer sei auch sonst Freund und Führer der Jugend. Er veranstalte für sie Wanderungen und Feste, lade sie zu Sabbath-, Seder- und sonstigen Feiern ein, bilde für die schulentfallene Jugend einen Jugendverein und schaffe so bewusst eingestellte jüdische Jugend, die, erwachsen, dereinst ihrer Familie zur Freude, dem Judentum zur Zierde gereiche. Der Lehrer muss Idealist sein, um dies alles mit freiem Herzen, unbeschwert durch die Sorge des Tages, zu leisten. Durch Zwang und Obrigkeitspielen von Behörden ist kein wahrer Erfolg zu erzielen. Schafft einen guten, arbeitsfreudigen Lehrerstand, gesicherte Lehrersteilen, schafft Vertrauen zwischen Elternhaus und Schule. Die Besprechung über den Vortrag wurde bis nach Beendigung des dritten Referats über „Neuerscheinungen auf fachwissenschatlichem Gebiet“, das Frl. Else Menken hielt, zurückgestelt. (Das Referat ist inzwischen ln der „Jüdischen Schulzeitung" zum Abdruck gelangt.) Die ausgedehnte Aussprache über beide Vorträge hatte den von allen Debatterednern übereinstimmenden Wunsch gezeigt, das mehr als bisher und intensiver das Hebräische in der Religionsschule betrieben werde. Es wird beschlossen, auf der nächsten Versammlung Referate über „Neuzeitliche Methodik des hebräischen Unterrichts“ halten zu lassen. Hierfür stellten sich die Herren Rabbiner Ellguther und Dr. Wahrmann zur Verfügung. Die Vorstandswahl ergibt die Wiederwahl des bisheriges Vorstandes. H. Moops, Vorsitzender, B. Heidenfcld, Schriftführer. (Aus: „Blätter für Erziehung und Unterricht“, Beilage d. israelitischen Familienblatt. 27.2.1930 Eingesandt von M. Brilling JUEDISCHE KUENSTIER AUS BRESLAU Zu seiner Oktober-Ausstellung im Clubheim des Jüdischen Frauenbundes, Marburger Strasse, hat das Kunst-Sekretariat des Kulturbundes Breslauer jüdischer Künstler eingeladen. Die Auswahl, von Fachleuten in Breslau selbst getroffen, lässt wieder erkennen, wie viele und verschiedenartige Begabungen ln unserem engeren Kreise allenthalben zu finden sind. Die Proben aus Dresden, die 1936 ln Berlin durch die „Reichsausstellung" im Gemeindemuseum vorgeführt wurden, finden Jetzt eine willkommene Ergänzung. Vor allem erfährt man Näheres von der Malerin Paula Grünfeld, die damals auffiel. Sie gehört zu denen, die auch heute noch ganz von den Bestrebungen und Zielsetzungen der ersten nachimpressionistischen Jahre erfüllt sind, ein ohne Zweifel starkes Talent, wenn auch manchen, oft verblüffenden Schwankungen unterworfen. Vielfache Anregungen und Stile finden hier ihren Niederschlag. Bald denkt man an Matisse, bald an seinen Schüler Moll, dann wieder an Munch oder an Chagall, dessen charakteristischer Dreiklang dunkelblau-dunkelrot-rosa öfters wiederkehrt. Etwas zusammenhanglos stehen geschmackvolle, ganz leicht und reizend hellbunt hingesetzte Blumenstilleben neben Bildern von gespenstischen kleinen Puppen, stehen kühle, herbe Stimmungen, wie die Winterlandschaft mit den schwarzen kahlen Bäumen vor bleichen Hausfassaden, neben prickelnden Malereien, die an Vuillard erinnern. Mitunter lässt sich Paula Grünfeld auch unbesorgt gehen und gibt einem koloristischen Einfall nicht genug bildmässlgen Unterbau. Aber man mache sich nun, wenn man sich vielleicht zuerst ein wenig befremdet fühlen sollte, die Mühe und das Vergnügen, die einzelnen Sachen nahe und aufmerksam, ruhig und langsam zu betrachten. Man verfolge etwa, wie auf einem winzigen Bildchen ein kleiner Baum, eine Laterne, der Mond am Himmel und eine hellrosa Strasse zusammengefügt sind, und wie dabei fast mit der Zartheit einer chinesischen Malerei 22

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