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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981) · p. Seite 19

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981)
Date
1981-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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FOLGENSCHWERE BEGEGNUNG EINES ISRAELISCHEN EIN KAPITEL JUEDISCHE MALERS MIT EINEM DEUTSCHEN KOLLEGEN GESCHICHTE der Maler Hans Werner Brinkmeier (Kassel) übergibt „Yad Väschen»" eines seiner Werke Bei seiner Kasseler Ausstellung besuchte der Tel-Aviver Maler Rila seinen Kollegen H. W. Brinkmeier und sah in dessen Atelier ein Metall - bild des Künstlers „die Folterung des Herrn J.“ (Holocaust). Er war tief beeindruckt und äusserte instinktiv „dieses Bild müsste in Jerusalem hängen.“ Das Bild war unverkäuflich, da es, wie H. W. Brinkmeier erklärte: in einer Zeit einer 3jährigen Krankheit mit 27 Operationen, viel Schmerzen und Gedanken an Tod und Elend entstanden war. Und doch rang sich der Künster zu der Entscheidung durch — im Einverständnis mit seiner Frau — die „Folterung“ dem Volk Israel zu schenken, wenn man einen Platz in Jerusalem fände, wo es für Vergebung, Frieden und Liebe sprechen würde. Bei dem nächsten Israelbesuch einer Gruppe der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Kassel, unter Leitung des 1. Vorsitzenden Herrn Wolfgang Frey war das Ehepaar Brinkmeier auch dabei, um das Bi'd persönlich „Yad Waschern“ zu übergeben. In einer feierlichen Atmosphäre eröffente Herr Armon (Yad-Waschem) in Deutscher Sprache die Zeremonie. H. W. Brinkmeier gab eine kurze Erklärung zum Bild — Sinn und Herstellung — und übergab sein Werk in Anwesenheit von Israelischen Malern und Kunsthistorikern und der ihn begleitenden Gruppe, sowie des Vertreters des Vereins ehern. Kasselaner in Israel, Herrn Walter Felsenthal, der Gedenkstätte. Eine hebräische Erklärung folgte durch einen der anwesenden Israels, der in dem Bild noch eine Menora "entdeckte, die, ungewollt vom Künstler, sich ergeben hatte. Herr Wolfgang Frey sprach in ergreifenden Worten über die vorliegende Tatsache, die im Rahmen seiner Oi-ganisation möglich geworden war. Herr und Frau Brinkmeier waren tief erschüttert und weinten. „Es gibt keinen Platz auf der Welt als „Yad Waschern“ für dieses Bild“, — das war die Meinung aller Anwesenden. Ich sprach mit H. W. Brinkmeier. Auf meine Frage: was ihn zur Entstehung dieses Bildes gebracht hat, sagte er: „Das Bild zeigt verschattet — teils überirdisch strahlend — hinter Stacheldraht — das Gesicht des Herrn J., stellvertretend für 6 Millionen. Die Trostlosigkeit und Ergebenheit in ein Schicksal, dass unbegreiflich, sinnlos zugreift — spricht aus diesen Zügen. Das flammende Vernichtungsfeuer zuckt schon hinter dem Kopf auf. Der Kopf des Hern J. ist vom Stacheldraht gefangen. Es hätte auch eine Hand öder viele Hände sein können, die verkrampft und tot darin hingen/ Durch die Reflexion des Metallbildes flammt das ganze Inferno der Vernichtung. — Menschen meines Volkes begingen entsetzliche Verbrechen. Millionen jüdischer Mitbürger wurden gefoltert, vergast und verbrannt. Jeder Deutsche (auch der Junge) fühlt bei dem. Gedanken an diese Greuel, Entsetzen, Scham und einen Drang, den überlebenden dieses geschändeten Volkes die Hand zu reichen und um (vielleicht mögliche) Vergebung zu bitten.“ H. W. Brinkmeier 1923 in Bielefeld geboren, absolvierte nach Schulzeit die Gesamt-Hochschule für Gestaltung in seiner Geburtsstadt. Eilernte ausser Malen und Graphik die technischen Seiten, Buchbinden, Handsetzen für Druckerei, Druckvorgänge aller Art und Kenntnisse der Papiere. Er fing als Werbegraphiker an seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Später fügteer Fotographien hinzu und wurde in der Grossindustrie ein bekannter Fachmann für Messestände und Fotoreportagen im In- und Ausland. Durch seine Krankheit musste er seine Tätigkeit unterbrechen. Während dieser Zeit fing er zu malen an, um seine sozial-kritischen Gedanken auszudrücken — Papiercollagen, Versuche mit Metall (gebranntes Blech) — symbolisch realistische Bilder entstanden und so auch das oben beschriebene Holocaust-Bild. 1974 machte seine erste Ausstellung in Kassel die Kritik auf ihn aufmerksam. Der Dokumenta- Kritiker Lothar Orzechowski spricht von der starken inhaltlichen Aussage der Metallbilder — zu den Brotbildern: Brot ist das Material, das II. W. Brinkmeier immer in neue Bedeutungs-Zusammenhänge bringt — die Collagen nennt er visuelle Phänomenen-Vasarely ähnlich. Weitere Ausstellung 1975 und 1977, während der Dokumenta im Schlösschen Bellevue. Dorf zeigt er Aquarelle, Cöllagen, Materialbilder und Zeichnungen, ein vielseitiger Künstler — man möchte glauben, dass die Werke von verschiedensten Künstlern geschaffen seien. 1979 fing H. W. Brinkmeier an mit Kohle Landschaftsbilder zu zeichnen. Der gesamte Cyklus „Landschaftsarchitektur" wird 1981 während der Bundesgartenschau in Kassel zu sehen sein. Die Probeausstellungen im Kunstkreis Hofgeismar und anderen Orten haben bereits bewiesen, dass es hier um einen ganz besonderen Künstler geht, dessen Möglichkeiten noch nicht erschöpft sind. Ob die politischen Aussagen des Künstlers im Beschauer nachhaltend verbleiben werden — und ob wirkungsvoll — wird die Entwicklung der Menschheit beweisen müssen. Friedei Schwartz AUS EINEM! BRIEF VON HERRN H. W. BRINKMEIER Liebe Frau Schwartz, Unsere Gedanken weilen noch ständig im Gelobten Land. Die Eindrücke, die wir während unserer Israelreise gesammelt haben, lassen sich erst nach und nach verarbeiten. Dabei ist es schwer, sie gerecht einzuordnen. Zuviel Positives häuft sich da. Ich glaube aber, das beglückendste Erlebnis war die ehrliche Freundschaft, die uns überall entgegenschlug. Selten in meinem Leben wurden mir so viele Freundschaften angetragen, wie von Ihrem Volke. Ich bin zutiefst dankbar. Neben der grossartigen Landschaft, dem Licht und den Kontrasten — löste die Aufbauleistung der Juden, die einem überall entgegenspringt, die grösste Faszination bei mir aus. Hier wurde Stein zu Brot — Wüste zu fruchtbarem Agrarland. Hier wird begreiflich, dass dieses Volk den Holocaust überleben musste. Das erschütternste Erlebnis jedoch war für mich die Übergabe des Bildes. Der vorhergehende Rundgang — und das damit verbundene Aufwtthlen — zerrten (verständlicherweise) gewaltig an den Nerven. Ich musste meine Worte mehrmals unterbrechen. Aber muss man sich an diesem Ort der Tränen schämen? Ich glaube, alle Anwesenden haben ähnlich gefühlt. Nach der Ansprache von Herrn Armon stand impulsiv Jona Mach auf und interpretierte mit ergreifenden Worten das Bild. In Jona und Esther fanden wir echte Freunde. Ich möchte heute noch einmal meine Einladung wiederholen. Betracten Sie mein Haus als das Ihre. Seit meiner Rückkehr versuche ich Israel-Eindrücke visuell aufzubereiten. Die ersten Arbeiten werde ich in der Kasseler Weihnachtsausstellung des BBK zeigen. Ich hoffe, dass ich bis Mitte' nächsten Jahres eine Ausstellung zusammenbringe unter dem Thema: Israel — mit deutschen Augen gesehen... Irgendwo in Europa, in einem kleinen Städtchen wurden sie geboren. Gingen dort zur Schule, heirateten dort, kannten nichts anderes als ihr Städtchen, ihre Heimat. Waren zufrieden, wussten wo sie hingehörten, wo sie zuhause waren. Bekamen dort 3 Söhne die langsam zu Jungen Männern heranwuchsen. Alle drei wurden zu Bürgern erzogen, die über Rechte und Pflichten ihres Lebens Bescheid wussten. Da, eines Tages mussten sie aber hören, dass sie kein Recht mehr hatten weiter zu leben. Nicht nur sie, nein, esgab sehr viele in ihrem Städtchen, die den Befehl erhielten, zu sterben. Und nicht nur in ihrem Städtchen, in Dörfern, in grossen Städten, Ja in ganz Europa wurde harmlosen Leuten, Männern, Frauen, Kindern und Greisen der Befehl erteilt — zu sterben. Das heisst, sich zu versammeln, um gemeinsam umgebracht zu werden. .. .Damit wollte sich ein Tyrann seine Macht erkaufen. Doch mit unschuldigem Blut erkauft man keine Macht, darin ertrinkt man selbst! Der Beschlus war gefasst, der Befehl erteilt, allein der Glaube, es war zu unglaubbar, fehlte Anfangs. Eben weil er gerade denen erteilt wurde, denen reiner Glaube ein Begriff war. Selbst den sogennanten „Freien" unter ihnen fehlte, wenn auch für sie unbewusst, es nicht an Glauben. Die Wenigen, die vermeinten Bich davon befreit zu haben, wussten nicht, wie oberflächlich dieses „sich Befreien“ nur möglich war. Ohne es zu wissen, war es in ihnen verwurzelt, denn es wurde mit ihnen mit geboren. . Dieser Glaube muss nicht ein nur „religiös“- Bedingter sein. ES ist der Glaube an etwas höheres, reineres, ethischeres des Menschlichen-Seins. Die diesen Befehl überlebten, werden es beweisn. Nein, sie konnten nicht glauben, nicht begreifen und bis sie es doch begriffen hatten, waies für viele zu spät, sich zu retten. Denn der Befehl war ein Total-Befehl eines Tyrannen der seine willigsten Helfer fand. Und das, in einem Land, ln dem man es am wenigsten erwartete, seiner besonderen Schöngeistigkeit -und hohen Kulturstufe wegen. Doch, nur das Stufensteigen ist schwer, herunter rutschen geht eins - zwei. Ja, der Befehl war erteilt und nun arbeiteten die Getreuen mit wahrem Eifer, um so schnell als möglich ihrem Tyrann zu melden, der Letzte ist vernichtet. Sie erschossen, sie marterten, sie vergewaltigten, sie vergifteten, sie verbrannten, zuerst nur Tote, später auch an lebendigem Leib. Sie hatten ihre wahre Freude daran. Sie pfiffen und sangen dazu und da sie doch gebildet und kultiviert waren, so waren es Motive aus Opern und Symphonien. Und so gelang es ihnen 6 Mill. zu vernichten. Sie meinten Helden zu sein und waren die brutalsten Mörder. Sie meinten ein Volk zu vernichten, es entstand aber neu. Neu, kräftiger und gesünder. Das alles klingt Euch wie eine Grusel-Geschichte, doch wir wissen es, haben es selbst — überlebt —, es ist das ein Stück wahre Geschichte des 20ten Jahrhunderts! Die Verbrechen haben die Verbrecher begangen. Dass aber die ganze übrige Welt dazu geschwiegen hat, ist fasst unverständlicher als das Verbrechen selbst. Lisi Vardon 19

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