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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981) · p. Seite 18

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981)
Date
1981-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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Felix Adler und zum Judaismus Eine Persönlichkeit, die ln höchstem Grade beeinflusst war von dem Jüdischen Ideengehalt, jedoch mehr ln philosophischer als in ritueller Hinsicht, war Felix Adler. Er ist seit dem Aufblühen des nationalen Elements unter den Juden und der Gründung des jüdischen Staates in gewissem Grade als ein „Abtrünniger“ angesehen und — meiner Meinung nach — ungerechtfertigter Weise als jüdischer Denker in den Hintergrund gedrängt und etwas in Vergessenheit geraten. Sein Vater Samuel wurde nach .seiner Auswanderung aus einem kleinen deutschen Ort in der Nähe von Worms im Jahre 1857 aufgefordert, das Rabbinat des Tempels Emanuel in New York zu übernehmen, woraus hervorgeht, dass er sich grosser Anerkennung weiter jüdischer Kreise während dieser Zeit erfreut haben musste. Er führte erhebliche den Gottesdienst betreffende Reformen ein, die eine grosse Erleichterung für viele bedeuteten, indem sie sich von manchen religiösen Pflichten befreit fühlten ohne dass dadurch grundlegende Ideen des Judaismus beeinträchtigt wurden. Er betrachtete es als seine Aufgabe, diese Ideen durch Schulung zu verbreiten ohne zu viele Wert auf die Innehaltung des Jüdischen Rituals zu legen. Er war einer der ersten prominenten Vertreter des Reform-Judentums. Sein Sohn Felix war als Nachfolger seines Vaters für das Rabbinat ausersehen. Im Jahre 1873 wurde er in Heidelberg zur Freude und Genugtuung seines Vaters Doktor für semitische Studien. Doch wurde er durch sein Studium an deutschen Universitäten angeregt, sich auch mit nicht-jüdischen Denkern und Vertretern humanitärer und sozialer Ideen zu beschäftigen, wodurch ein Zwiespalt und allmählich eine Entfremdung gegenüber rein-jüdischer Einstellung sich nicht vermeiden lless. Seine erste öffentliche Ansprache fand im Mai 1876 statt, es war eine gut besuchte Veranstaltung. Er betonte, dass er daran arbeitet eine neue Religion aufzubauen, die zwar die Jüdische Überlieferung zur Grundlage habe, die jedoch solide ethische Werte in den Vordergrund stellte, für alle Menschen, Juden und Nichtjuden, für Religiöse ebenso wie für Atheisten, kurz, für alle, die keine Befriedigung in den bisherigen organisierten Kirchen, Synagogen und Moscheen gefunden haben. Er wollte: Völker sollten vereinigt sein in ihrer Leidenschaft für das Gute. Um nicht in zu grossen Zwiespalt mit religiösen Juden zu geraten, wählte er den Sonntag vormittag als Zeitpunkt für die Andacht und seine Predigten. Seine Neuerungen wurden zum Teil von der Presse, jedoch auch von vielen anderen verurteilt. Felix A. verwarf die auch vom Reform-Judaismus vertretene Anschauung, dass die Juden ausersehen waren, ethische Ideale zu verbreiten und entfremdete sich so allmählich mehr und mehr von den orthodoxen wie auch von den liberal eingestellten Juden .Gott ist nach ihm die Verkörpung unserer höchsten moralischen Werte. Sein Kampf wurde unterstützt von Männern wie Julius Rosenbaum, dem Arbeiterführer Samuel Gompers und Henry Morgenthau. Auch Joseph Seligman, der damals nach seiner Auswanderung aus Deutschland in wenigen Jahren in New York imerhört reich geworden war, war neben vielen andern in hohem Grade beeindruckt von Felix Adler. Adler konnte bei seiner sensitiven Charakseine Einstellung ter-Anlage menschliches Elend nicht mit Gottes Allmacht in Einklang bringen. So entfernte er sich zur grossen Enttäuschung seines Vaters mehr und mehr auch von dem Judaismus in seiner reformierten Form. Er sprach das erste Mal als Gast im Tempel Emanuel 1873, betonte die moralischen Werte der jüdischen Überlieferung, ohne auf die Frage des göttlichen Ursprungs des Alten Testaments einzugehen. Einige Jahre später setzte er Humanismus und „Ethische Kultur“ an die Stelle religiösen Glaubens und begründete die “Society of Ethical Ciüture”. Der Gedanke, den gefühlsmässigen Charakter des Glaubens an Gott mit all den Wundern und Legenden des Alten Testaments, zu ersetzen durch mehr rationalistischen Gedankengang der ethischen Kultur fand nicht viel Anklang, weder bei dem durchschnittlichen amerikanischen Juden noch bei den zahlreichen Jüdischen Einwanderern, die — was sehr zu verstehen ist — in erster Linie daran interessiert waren, Verdienstmöglichkeiten zu finden und daher viel zu erschöpft waren, sich mit Jüdischer Religions-philosophie zu beschäftigen. Sie waren vertraut mit Jüdischer Tradition, respektierten sehr ergeben' die Feiertage mit ihren meistens sehr eindrucksvollen Symbolen und waren daher nicht in der Lage, dem Ideengang Felix Adlers zu folgen. Die zionistische Welle, die um die Jahrhundertwende noch keine erhebliche Rolle gespielt hatte, erreichte naturgemäss ihren Höhepunkt in der Zeit von Hitlers Machtergreifung, sodass Felix Adlers Ideen mehr und mehr ihren Einfluss verloren. Immerhin hat auch heute noch Felix Adler eine nicht ganz unbeträchtliche Anhängerschaft und nicht wenige lassen ihre Kinder in Schulen für ethische Kultur erziehen. Zusammenfasesnd ist zu sagen, dass — obwohl die Zeitentwick.ung mit ihren ausgesprochenen nationalen Strömungen recht ungünstig auf seine Ideen einwirkte — Felix Adlers Betonung ethischer Werte, sein Kampf gegenüber Jeder Art von materialistischen Denken und seine absolut idealistische Einstellung ihn zu einem der hervorragenden Jüdischen Denker der neueren Zeit machen. Dr. Carl Sachs, Plalnfield, N.Y. Büste ron Max Tau s.A. enthüllt am 12. März 1981 im Hauptsaal des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Frankfurt a/M. LEBENSGESCHICHTE IN ABSENDERSTEMPELN Zum 75. Geburtstag von Professor BERNHARD DRILLING Nur ln seltenen Fallen können Absenderstempel als Merkzeichen für ein konsequent aufgebautes Arbeitsleben angesehen werden. Aber wer sich, aus gegebenem Anlass, mit dem Werdegang von Bernhard Brilllng beschäftigt, weiss das zu schätzen, zumindest in Bezug auf die letzten 30, 40 Jahre dieses unermüdlich forschenden und schreibenden Historikers, dessen FUnfundslebzlgster auf den 3. Juni fiel. Lautete „es“ 1951, noch in Maschinenschrift, schlicht „Rabb. B. Brilling' (Tel Aviv), so hiess es 1958, aus Münster/W., wohin er 1957 übergesiedelt war, bald „Rabbiner Dr. B. Brilling, ehemaliger Archivar der Synagogengemeinde Breslau“ — inzwischen war Brilling nämlich mit einer schon ln den 30er Jahren Weitgediehenen „Geschichte der Juden ln Breslau von 1454 bis 1702“ verdientermassen zum Dr. phil. promoviert worden, in Münster, seiner dritten (oder gar vierten Heimat; denn er stammt aus dem posenschen Tremessen). Von 1927 an hatte er an der Universität Breslau und gleichzeitig am dortigen Jüdisch- Theologischen Seminar studiert, und war 1939 nach Palästina ausgewandert, wo er bis 1957 in den Diensten der Stadt Tel Aviv stand. An dem der Universität Münster angegliederten „Institutum Judaicum Delitzschianum" wurde er der Gründer und Leiter der Abteilung für die Geschichte der deutschen Juden und bald auch mit entsprechenden Vorlesungen und Übungen betraut. Etwa ab 1966 findet man in Brillings Stempel die Bezeichnung „Oberkustos“, ab 1970 den Titel „Akademischer Oberrat" und seit 1973 hinter dieser Bezeichnung die Buchstaben „i.R.“ worunter indes weder seine Abteilung noch seine akademische Lehrtätigkeit wesentlich „zu leiden“ haben, bis auf den heutigen Tag. Die „Stempelreihe“ wurde fortgesetzt: Vor etwa mehr als zwei Jahren wurden, bis auf den Rabbiner, alle bis dahin geltenden Amtsbezeichnungen durch den Professortitel ersetzt oder überholt, mit dem Dr. Brilling vom Minister für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf) „in Würdigung verdienstvoller Arbeit“ ausgezeichnet wurde. In der Tat: diese war und — bleibt besonderer Beachtung wert, allein wenn man die zahllosen historisch-genenealogischen Arbeiten betrachtet, die er auf seinen Spezialgebieten, der Geschichte der Juden in Schlesien und Westfalen (mit Grenzgebieten), im verflossenen Habjahrhundert veröffentlicht hat, neuerdings mehr in deutschen historischen Zeitschriften und Jahrbüchern als in der jüdischen Presse der Welt. Nicht nur wegen seiner ausgezeichneten hebräischen Kenntnisse hat sich der „junge“ Professor zu einem häufig konsultierten' Experten qualifiziert, der, wo es Not tut, vor ermahnender Kritik nicht zurückschreckt. Auch deshalb kann man nur wünschen, dass die Zeichen „i.R.“ noch lange ihre in der Praxis sehr eingeschränkte Bedeutung behalten. Ernst G. Lowenthal, Berlin 18

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