Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Eine Erinnerung, die nicht verlöscht Auf meinem Lebensweg durch die Kontinente begleitet mich seit meiner Kindheit eine Übersetzung der „Vier und zwanzig Bücher der Heiligen Schrift“ unter der Redaktion von Dr. Zunz aus dem Jahr 1885 mit der Widmung: Dem Confirmanden Hugo Mandowsky vom Jugend-Bildungsverein, Beth Hamidrasch, Glogau, d. 9. July, 1873. Es wird nicht mehr viele geben, die sich dieser imponierenden Persönlichkeit erinnern werden. Am 25. Juni, 1874 ist er in Glogau (E.tern: Simon und Rosalie geb. Kober) geboren.'Nach einer Lehrzeit, bei der ihm vt: wandschaftiich verbundenen Metallfirma Josef Kober, Breslau, wurde er im Jahre 1912 Mitinhaber der Metallhüttenwerke Schäfer & Schael (Breslau—Graebschen). Am 21. Januar (TU B-Schwat) 1924 wurde er sehr plötzlich nach einem kurzen, aber erfolgreichen Leben seiner untröstlichen Frau Ella gab. Levy s.A. entrissen. Beide haben in meinem Leben eine entscheidende Rolle gespielt und darum seinen ihnen diese Zeilen der Erinnerung gewidmet. Noch 55 Jahre später bleibt mir die Ergriffenheit unvergessen, die mich erfasste, als unser Rabbiner Dr. Moses Hoffmann in seiner an mich gerichteten Bar-Mizwaansprache dieses Mannes gedachte, der auch am jüdischen Gemeindeleben aktiv interessiert war. Ich weiss keine würdigere Ehrung a’s aus einem Büchlein zu berichten, das ich gehütet habe. Am 8. Oktober 1918 hielt er in der Generalversammlung des Vereins Deutscher Metallhändler, Berlin, Börse einen Vortrag: Grossrussland seit Februar 1917. Mit unwesentlichen Abänderungen, die sich aus der Zuhörerschaft ergaben, wurde dieser Vortrag auch in der Lessing-Loge, Breslau am 12. Oktober, 1918 gehalten. Vielleicht hat sein Inhalt über die Jahrzehnte hinweg noch ein gewisses Allgemeininteresse bewahrt. Davüberhinaus mag auch die Reaktion eines bewussten Juden und Deutschen — der Zeit entsprechend — auf die russische Revolution nicht ohne Bedeutung sein. Natürlich erfordern Inhalt und Raum der „Mitteilungen“ starke Kürzungen. Im Aufträge des Reichswirtschaftsamt und der Kriegsmetall A. G. trat er am 10. Juni, 1918 zusammen mit dem Prokuristen Gottfried Goldschmidt von der Firma Aron Hirsch & Sohn, Halberstadt & Martin Brunn von der Kriegsmetall A. G. die Reise nach Petersburg (heute Leningrad IEL.) an. Russland war vom kaiserlichen Deutschland besiegt worden. Der Zar hatte rach der Februarrevolution 1917 abgedankt. Auf die provisorische Regierung Kerensky folgfte im Oktober Lenin, der mit unumschränkter Macht herrschte. Für das kaiserliche Deutschland schienen sich neue erfreu iche Aussichten zu eröffnen. Man liebte zwar das kommunistische Regime nicht; aber wenn man mit dieser Weltmacht einen billigen Frieden schloss, der ihm die wirtschaftlichen Reserven des Ostens zur Verfügung stellte, dann konnte man sich noch lange gegen seine westlichen Gegner behaupten. Vielleicht war es dann sogar möglich, sich im Westen einen Verständigungsfrieden zu erkämpfen. Heute wissen wir, dass diese Möglichkeit durch den Frieden von Brest-Litowsk verspielt -wurde Man hatte einen Friedensvertrag des Triumphes und der Rache vorgezogen. Die deutsche Delegation fuhr mit dem Auftrag festzustellen, ob sich in Grossrussland Geschäfte ermöglichen Hessen, und ob die für die Kriegswirtschaft so wichtigen Metalle für Deutschland erreichbar wären. Da Mandowsky schon im Jahre 1913 in Petersburg und Moskau gewesen war, boten sich ihm interessante Vergleichsmöglichkeiten. Von ISRAEL EGON LOEWENSTEIN, Jerusalem Nach anfänglichen Reiseschwierigkeiten konnte er während der wöchentlichen Aufenthaltes — Juni/Juli 1918 — aus den Kreisen der Grossindustrie, Grosshandels und Grossfinanz, sowie amtlichen Stellen viel Interessantes sehen und hören. Es herrschte Kriegsmüdigkeit. Transportprobleme. Der Verfall der Disziplin, das Sinken der Produktion führten zu chaotischen Zuständen. In Fabrikbetrieben und Schiffswerften kam es zu furchtbaren Auftritten. Polizeiwachen, Justizgebäude und Gefängnisse wurden eingeäschert und die Insassen befreit. Nach schweren inneren Krisen kam. es 1917 zu den bekannten blutigen Oktoberereignissen. Lenin und Trotzky errangen den Sieg. Massnahmen der Sowjetregierung werden berichtet. Die Privatbanken werden besetzt und nationalisiert. Der Grossgrundbesitz auf dem Lande wird enteignet. D.as kapitalistische System soll zerstört werden. Die Herrschaft des Voikes und des Proletariats werden angestrebt. Das rief den Widerstand aller Kreise hervor, die an dem Bestand der früher herrschenden Verhältnisse interessiert waren. Bank, Post, Eisenbahn — und Telegraphenverkehr iitten schwere Störungen. Das Chaos wurde immer grösser. Die Lohnforderungen der Arbeiter konnten niijht befriedigt werden. Die Städte zeigten vielfache Spuren des Verfalls. Imponierend wie früher war nur noch die Peter-Paul Festung, auf der ALBERT (BENZION) KEMPINSKI, s.A. Nach langem, schweren Leiden verschied Albert (Benzion) Kempinski früher Breslau, im Alter von 69 Jahren. Er hinterlässt Frau und 2 verheiratete Töchter. Albert war der älteste der 6 Söhne des Grosskaufmanns in der Stahlwarenbranche in Bres’au, Herrn Israel (Alusch) Kempinskl, s.A. und Frau Sara, s.A. Die Eltern mit den 6 Söhnen kamen aus Traschka (Polen) und wurden im Jahre 1920 in Breslau ansässig. Seine Laufbahn begann Albert als Lehrling im angesehenen Leinenhaus Bielschowski in Breslau und arbeitete sich dort mit Fleiss zum Abteilungsleiter empor. Jedoch, mit der behördlichen Arisierung der Firma Bielschowski verliess er diesen Arbeitsplatz, ging auf „Hachschara", kam 1938 zur Alija, und war seither bis zu seinem Ableben im November 1980, in Kirjat Bialik ansässig. Drei seiner Brüder gehörten zu den ersten Ansiedlern von Kirjat Bialik und nahmen an der Errichtung dieves Ortes grossen Anteil. Zwei weitere Brüder sind nicht mehr am Leben; Max (Meir) ist im Jahre 1967 einem schweren Arbeitsunfa'l erlegen, und der jüngste Bruder, Gustel (Gabi) ist 1943 a’s Soldat der britischen Armee gefallen. Von der grossen Familie Kempinski, denen allen das Glück beschert war aus Breslau nach Israel zu kommen, sind nur noch drei der Brüder cm Leben: Willi (heute Seev Dagan) befindet sich in Ejn Charod Ichud, Fritz (heute Efrajim Dagan), wohnt in Kirjat Bial'k und Bernhard (heute Chajlm Bar-Kama), der der bekannte Verfasser der hebräischen Stenografie in Anlehnung an das weltbekannte Gregg-System ist, lebt in Tel-Avlv. Den Drei Kempinskis, sowie allen weiteren Familienangehörigen, übersenden wir unser herzliches Beileid. noch immer mittags, um 12 Uhr — wie in der Zeit des zaristischen Regimes — der übliche Schuss gelöst wurde. Auffallend war der Mangel an öffentlichen Verkehrsmitteln, ihre Überfüllung und Teuerung. Inzwischen sind viele der in dem Vortrag erwähnten politischen und wirtschaftlichen Ereignisse in Geschichtsbüchern beschrieben worden. Das Ergebnis der Reise wird formuliert: „Das Verhalten der Räteregierung und deren fortgesetzt erfolgende, die Situation immer mehr erschwerenden Massnahmen durch Erlassen von Dekreten, deren Übertretung rücksichtslos mit den schwersten Strafen geahndet wurde, machten aber die Ergreifung grosser für uns reservierter Partien Metalle unmöglich". Unter diesen Umständen kamen die durch die Delegation erreichten Abschlüsse über die Ausfuhr von Metallen und Rohstoffen nicht zur Ausführung. Am 18. Juli traten die drei Herren die Heimreise an, angesichts der zunehmenden Choleragefahr und der unsicheren politischen Situation. Zudem hatten sie ihre Mission erfüllt. Der Abschluss des Vortrags steht im Zeichen der Hoffnung auf den Erfolg der Friedensinitiative des Präsidenten der USA W. Wilson. Die abschliessenden Hoffnungen Hugo Mandowskys s.A. haben sich nicht erfüllt. Das Herz dieses ausgezeichneten Mannes setzte leider am Tu B’Schwat 1924 — 21. Januar aus. FAMILIE KEMPINSKL Der Unterzeichnete kannte die Familie Kempinski und war mit inr in enger Freundschaft verbunden. Jeden Mittwoch erschien der Familienvater, Herr Israel (Alusch) Kempinski in Rosenberg O/S, um an die Grenze Zawisna zu fahren. Die Familie stammte aus Praschka, Polen, ein Grenzort, der durch eine Brücke mit Deutschland verbunden war. Herr Kempinski, als Vertreter und Grosskaufmann von Bolinger Stahlwaren, war als Exporteur nach Polen sehr bekannt. Der Unterzeichnete hatte Gelegenheit, mit ihm auf der Fahrt nach Landsberg O/S, bzw. Zawisna, wo er amtlich tätig war, den Genannten, besonders gut kennenzulernen. Er bewunderte seine lebensjahende Auffassung, seine grossen Kenntnisse des jüdischen Schrifttums und es war immer ein ernstes anregendes Gespräch zwischen beiden. Da die Familie 6 Söhne hatte, waren in jedem Jahrgang der Rhedigerschule die Brüder Kempinskl vertreten. In der Moritzstrasse und vorher in der Gabitzstrasse, fanden im Hause Kempinski Tischtennis-Tourniere und Fussballspiele statt. Immer wieder waren die Bar-Mizwahfeiern der Kinder in der Rhedigerschule, die von dem Lehrer Franz Rösenstein gut vorbereitet wurden, ein Gesprächsthema in den religiösen Kreisen Breslaus. Der unvergessliche Rabbiner Dr. Louis Lewin s.A.. der früher in Kempen in Posen und in Kattowitz O/S anltierte, der ausgezeichnete Forscher jüdischer Geschichte, dessen Que lenangaben in allen wichtigen Instituten heute noch erscheinen, wie Leo Baeck Institut etc. war ein Freund der Familie. Nicht unerwähnt darf die Mutter der 6 Söhne, Sara Kempinski, geb. Lipschuetz, aus Wielun sein, die ausserordentlich tüchtige und liebe Gattin und Mutter, die ein offenes jüdisches Haus führte und dafür sorgte, dass ausser der grossen Familie immer wieder Gäste an den Schabbatoth und Feiertagen eingeladen wurden. Aus de m reiigiösen Judentum Breslaus gehört die Familie Alusch Kempinski zu den besten und beliebtesten. Dies schreibt in wahrer Freundschaft der Unterzeichnete. E. L. 16