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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1981-01-01 · No. 48-49 (1981) · p. Seite 15

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1981
Issue
No. 48-49 (1981)
Date
1981-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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MÜTTERCHEN EVA So wurde sie von allen genannt, die ihr Liebs und Verehrung entgegen brachten. Ihr Name war Baronin Eva Maria von Thiele Winkler. Ihre Familie gehörte zu den reichsten aristokratischen Familien, die rechtzeitig die Chancen erkannten, die der Kohlen- und Erzbau für Oberschlesien bedeuten wird und sie besassen die Ländereien, wo der Bergbau begann. Aber die Erbin dieses grossen Vermögens hatte wenig Interesse an dem Reichtum. Ich habe an anderer Stelle von dem Marrannensohn Bernardo erzählt, dem Vater der „Niemandskinder". Hier will ich bloss ganz kurz erzählen, um was es sich dabei handelte. Eine Gruppe junger, frommer Menschen, die eigentlich sich für Missionsarbeit in Afrika vorbereiteten, begann in den Slums in London, wo es in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts weder Schulzwang, noch Jugendfürsorge gab, wie man bei Dickens nachlesen kann, Abendschulen für Strassenkinder einzurichten, so kam Bernhardo, der auch zu der Gruppe gehörte und sich mit dem Problem beschäftigte, auf den Gedanken „Der Offenen Tür“, dii., eine ‘Organisation zu gründen, die diesen verlassenen Kindern helfen sollte. In Deutschland übernahm diesen Gedanken Mtterchen Eva. „Die Offene Tür“ wollte bedeuten, offen für jedes Kind in Not. Gleichzeitig eine Abkehr von dem bis dahin üblichen Waisenhaus-System. Man muss Bücher gelesen haben, wie das traurige Buch „Die Waise von Lofood“, um einen Begriff zu bekommen, wie es in solchen Anstalten zuging, wobei ich glaube, so schlimm, wie in England, waren die Waisenhäuser in Deutschland nicht, wo unter dem Deckmantel von charitativen Institutionen, die Leiter sich auf Kosten der armen Waisen bereicherten. Heute ist die Idee des Kinderdorfes allgemein. (Es mag bloss daran erinnert werden, dass Ben Schemen und sein Vorgänger in Kowna nach dem Vorbild der „Offenen Tür“ eingerichtet waren). Vor dem ersten Weltkrieg waren etwa 8000 Kinder in Deutschland in Heimen der „Offenen Tür“ untergebracht. sind wir mit Geld etwas knapp, da haben wir unserem Morgengebet die Bitte um Cacao beigefügt, und nun am gleichen Tag bringt Ihr uns Cacao!" Typisch für die „Offene Tür“ die keine festen Einnahmen hat, die nicht bettelt, sondern das Vertrauen auf Gott und die Menschen hat, die schon zur Zeit helfen werden. Und so geschieht' es auch. Selbst mein Vater, der für öffentliche Wohltätigkeit nicht viel übrig hatte, aber die „Offene Tür“ bekam umsonst Bürsten und Besen. Handwerker machten in ihrer freien Zeit die Reparaturen. Später einmal besuchte ich das grosse Kinderdorf bei Beuthen. (Leider ist mir der Name entfallen), wo mehrere 100 Kinder untergebracht waren. Sie waren in „Familien" eingeteilt. Jede Familie bewohnte ein eigenes, kleines Haus und bestand aus 10 Kindern-verschiedensten Alters, meist war ein ganz Kleines dabei, Mädchen und Jungen zusammen. Mittagessen wurde aus der Centralküche gebracht, die anderen Mahlzeiten stellten die Kinder unter der Leitung einer „Mutter“ und einer „Tante“, einer Schwesterschülerin, selbst her. Jede Familie hatte einen Namen und gleiche hübsch bunte Kleidung Familie „Ehrenpreis“ hellblau, Familie „Heckenrose“, nellrot. Die schwerste Strafe, die verhängt wurde, war Entziehung der Arbeit: „Dir kann man keine Arbeit anvertrauen, Du bist nicht zuverlässig genug!“ In dem Kinderdorf bei Beuthen lernte ich auch Mütterchen Eva kennen, von deren Persönlichkeit man sofort beeindruckt war. In Erinnerung blieben mir ihre Augen, die wie zwei b’aue Edelsteine leuchteten, nie wieder habe ich solche gesehen. Ich sagte ihr, wie sehr mir die bunten Kleider gefielen, sie lachte und antwortete: „Bunter Katun kostet nicht mehr als grauer“. Ich dachte an unsere Schuluniform, schwarze Kleiderschürzen mit roter Borte. Hitler schloss alle Anstalten der „Offenen Tür“, wie auch andere besondere Lehranstalten. Vera Rpsenbaum- London Hofdame der Prinzessin von Burgund, Maria der Schönen, nachdem Karl der Kühne in der Schlacht bei Nancy besiegt und getötet worden war. Sie war auf dem Weg nach Wien, konnte aber nicht weiter. Die fremde Dame wollte für die Gastfreundschaft danken, das konnte sie nur auf eine einzige Weise. Sie hatte ihr Klöppelkissen mitgenommen, und lehrte ihre Gastgeberin die Kunst, Spitzen zu machen. Eines Tages, als die beiden Damen vor dem Klöppelkissen sassen, kamen wieder hungrige Bergarbeiterfrauen, um Brot zu bitten. Da hatte Barbara Uttmann plötzlich eine Idee: Sie lehrte die Annaberger Frauen die Kunst. Frau Uttmann muss eine sehr begabte Organisatorin gewesen sein. Es dauerte garnicht lange, da war ein Klöppelkissen in jedem Haus. Die Frauen arbeiteten, die Männer zogen durch ganz Europa und verkauften die Spitzen zu guten Preisen. Das Erzgebirge hatte seine Industrie für ein paar Jahrhunderte, bis die Maschine Spitzen billiger herstellen konnte. Aber nicht alle Arten, so erhielt sich die Kunst der handgearbeiteten Spitze bis zum Ende des ersten Weltkrieges, dann aber hörte man nicht mehr das Klappern der hölzernen Klöppel. Aus China wurden herrliche, handgearbeitete Spitzen zu Spottpreisen eingeführt. Wer hat die Chinesen gelehrt? Während des Krieges war ein paar sächsischen Kriegsgefangenen die Flucht aus Russland geglückt. Sie kamen bis nach China, und dort blieben sie, denn China nahm sie auf, da dieses Land in dem ersten Weltkrieg neutral geblieben war. Jedes Erzgebirge-Kind, Junge wie Mädchen, kann klöppeln. Aus Langeweile begannen einige der Gefangenen Spitzen zu machen. Die Chinesen erlernten bald das Handwerk. So kam es, dass Landeskinder es waren, die die heimatliche Industrie vernichten halfen. In Wirklichkeit war der Schaden nicht gross, denn inzwischen war eine bedeutende Textilindustrie entstanden, noch einbringlicher war die neue Touristik, sowohl als Sommer-Ferien Aufenthalt, und noch mehr im Winter, denn es war ein ideales Skisportgelände. Endlich schien eine gute Zeit für diese arme Gegend zu erwarten sein, aber es kam anders. Die Jugendgruppe für Sozial-Arbeit wollte einmal eine Anstalt der „Offenen Tür“ sehen, und so wanderten wir nach Obemick, in der Nähe von Breslau. Dort, mitten im Buchenwald, war die Jagdvilla, die der reiche Brauereibesitzer Kipke gestiftet hatte. Eigentlich wollte er damit seinen Namen verewigen, aber Mütterchen Eva lehnte es ab, unter dieser Bedingung die Villa, es war eigentlich ein Schloss, anzunehmen. „Unsere Arbeit ist nicht geschaffen, um den Namen eines Menschen zu verherrlichen." So willigte Kipke ein, und spendete noch eine grosse Summe zur Umgestaltung des Baues. Als Geschenk schleppten wir 5 Kilo Cacao mit. Hier waren nur 80 Kinder untergebracht. Ein grosser Garten mit Blumen und Gemüse bebaut. Nach Aussehen und Benehmen der Kinder, hätte kein Mensch glauben können, dass das alles Kinder aus zerrütteten Familien waren. Die Väter meist Trinker, die untersten, sozialen Schichten. Die Begrüssung durch die Schwestern — alle dergleichen Anstalten werden von evangelischen Schwestern, welche einem besonderen Orden angehören, verwaltet. Wir hatten unseren Cacao abgegeben, da sahen sich die Schwestern an und lachten. Dann entschuldigten sie sich und erklärten: „Heute morgen hat die Schwester, die die Küche versorgt, uns gesagt, der Cacao ist zu Ende, und augenblicklich Klöppelspitzen „Was für ein angenehmer Zeitvertreib, zusammen mit Freundinnen am Klöppelkissen zu sitzen!“ „Ja, aber in anderen Zeiten war das keine Spielerei, sondern die einzige Waffe gegen den Hunger“. Mitten auf dem Markt in Annaberg, einem kleinen Städtchen im sächsischen Erzgebirge, steht ein schönes Denkmal, eine Dame in mittelalterlicher Tracht, die Spitzen klöppelt, ihr Name Barbara Uttmann, eine Patricierin. Der gute Geist dieser Stadt* sie, die das Erzgebirge vor dem Verhungern rettete. Die Erdehier ist unfruchtbar, das Klima rauh, der Winter lang, heftige Winde und viel Schnee und Kälte. Arbeit gab es nur in den Silbergruben. Aber eines Tages waren die Adern, die das kostbare Metall enthielten, leer. Die Arbeit in den Gruben war zu Ende, mit der Arbeitslosigkeit begann die böse Zeit. Barbara Uttmann, die Frau eines reichen Mannes, versuchte zu helfen, so viel sie konnte. Aber was änderte es, wenn sie Brot austeilte? Es waren zu viele Hungrige, und nicht nur für die hatte sie zu sorgen. So flüchtete in ihr Haus eine Nach der kurzen Blüte ist das Erzgebirge wieder so arm, wie es vor Barbara Uttmann war. Doch in Erinnerung blieben mir die schönen Abende in Rochlitz, wenn all die „Maiden“ in ihren blauen Kleidern und weissen Schürzen vor ihren Klöppelkissen sassen und unsere geliebte Direktorin uns vorlas. Vera Rosenbaum-London Ml Iji Ü § Ö3 m in m 1 m i i 03 | 03 iä r gMg ct; 4 o» J 0^2 D8IWEC 2P Ob es Briss ist, oder Chuppe, Lieber Freund, das ist ganz schnuppe. Du musst dich an Tcheleth wenden, dort bist Du in besten Händen. Denn das Fest im Tcheleth - Saal ist erfreulich allzumal. TCHELET" TEL-AVTV, SHEINKINSTR. 59. TEL. 22 05 45 ÖJ 03 03 | 01 Ö3 03 Ö3 Ö3 03 03 in m Ö! 03 15

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