Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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I Anekdoten um Emil Ludwig (ZU SEINEM HUNDERTSTEN GEBURTSTAG, 25.1.1981) ZUSAMMENGESTELLT VON A. TOBIAS Ata er schon ein berühmter Autor war, drahtete eine amerikanische Zeitung an ihn: „Schreiben Sie 1000 Worte über Gott. Wir haben 2 Millionen Leser!“ Ludwig drahtete zurück: „Uber Gott könnte Ich nur 2 Millionen Worte für 1000 Leser schreiben.“ (Aus: .Geschenke des Lebens“) * Richard Lichtheim erzählt in seinen Lebenserinnerungen: Es war im „Petit Cercle“, einem Klub in Konstantinopel, wo Emil Ludwig mir in einem tiefen Ledersessel gegenübersass. Wir tranken Burgunder und plauderten. Dann fragte er, wie ich zum Zionismus gekommen sei, und ich begann zu sprechen. Emil Ludwig hörte zu, sah mich dann eine Weile an und sagte schliesslich mit seiner leisen Stimme: „Sie sind Ja ein Romantiker“. (R. Lichtheim „Rückkehr“) * Der Vater des Schriftstellers, Hermann Ludwig Cohn, war ein weit über Breslau hinaus bekannter Augenarzt. Einmal begann er eine Rede im Bürgersaal des Breslauer Rathauses mit den Worten: „Ich feiere heute das 25jährige Jubiläum meiner Kämpfe mit der Stadt Breslau.“ (Aus „Geschenke des Lebens") * Einer unserer Lehrer pflegte in den Geschichtsstunden Emil Ludwigs historische Biografien recht kritisch zu beurteilen. Als die Klasse einmal bei diesem Lehrer eingeladen war, sah ich zu meinem Erstaunen in dem Bücherschrank eine ganze Reihe Ludwigs stehen. Einem Klassenkameraden machte ich eine diesbezügliche Bemerkung; da meinte dieser: „Das macht er nur, damit wir nicht merken, wo er seine Weisheit her hat.“ * In der Vorrede zu seinem Buch „Geschichte der Deutschen“, das In Zürich 1945 erschien, schreibt Ludwig: „Deshalb widme ich meine Fehler den Experten, die sie suchen.“ * Eine kleine Geschichte aus dem 2. Band dieses Werkes: Zum fünften Male zeichnete die Paul-Dierichs- Stiftung im Kasseler Presse- und Druckzentrum Mitbürger aus, die sich besondere Verdienste um das gesellschaftliche Zusammenleben erworben haben. „Wir haben gesucht, — und haben sie gefunden — Menschen, die mehr getan haben für ihre Mitmenschen, als das üblicher Weise der Fall ist“, sagte Dr Paul Dierichs bei der diesjährigen Preisverteilung. „Viele von ihnen leisten ihre Arbeit im. Verborgenen, eben weil sie keinem Auftrag folgen. Und sie bekommen nur in den wenigsten Fällen andere Anerkennung dafür als die unsrige." Die Hälfte der Auszeichnungen ging bisher an Bürger, die sich im Bereich des Medizinisch-Sozialen einsetzten. An zweiter Stelle steht die Pflege der Kunst, mehrere Preise gingen an Mitbürger, die für die bauliche Erhaltung ihrer Stadt gekämpft haben, einige im Bereich des Sports und des Fremdenverkehrs. In diesem Zusammenhang fuhr Als am selben Mittag die Nachricht von der Berliner Revolution (vom November 1918) in Petersburg eintraf, wurde das Telegramm vom deutschen Botschafter, dem Grafen Mirbach, verlesen. Die Herren erschraken, legten die Gabeln weg, sahen einander erbleichend an. Am meisten aber erschrak der servierende Diener, der Soldat war. Er fühlte wohl, dass er in diesem Augenblick allein das deutsche Volk darstellte und irgend etwas tun müsste. Sollte er rufen: „Es lebe die Republik!“? Sollte er einen Teller zerschlagen? In seiner Verlegenheit zog er sich für alle Fälle die weissen Handschuhe aus; dann servierte das deutsche Volk mit blossen Händen weiter. * 1926 schreibt Emil Ludwig über die Chaluzim des Emek Jisrael: „Alle aber vereinigt dieses: Abkehr von Europa, Abkehr von den Städten, Abkehr von der Zerstreuung. Ist es nicht wider die Natur?... Warum nun zwischen Kühen, Pflügen und dem Opfer der Genüsse? Weil es kein Opfer ist, weil eine sublime Wollust aus diesem Neubeginnen in ihr Herz steigt, weil die Kämpferfreude am Aufbau sie belebt, wenn die Härte des Tages sie niederschlägt... Was aber drinnen im Lande vorgeht, dieses stumme, leise, unaufhaltsame Vordringen in die alte Erde, ist heute schöner, als es in 10 Jahren noch sein kann. (Aus: „Am Mitteimer“) * Der Schluss eines 1928 geschriebenen Briefes an Emil Ludwig: „So — jetzt habe ich Sie so lange aufgehalten, unten stehen gewiss die Amerikanerinnen und bitten um Autogramme, die Frau schwingt in der Küche den Kochlöffel und bittet in den Platinspeisesaal — die deutschen Kritiker der katholischen Provinzpresse bringen Ihnen einen Fackelzug — da will ich nicht länger stören. Ihr alter und Sie und Ihre Gemahlin schönstens grüssender Tucholsky Dr. Dierichs fort: „In diesem Jahre ehren wir einen echten Kasseläner, der in Israel lebt, Ernst Freudenthal". Für die Verständigung zwischen Deutschen und Israelis, für zahlreiche Kontakte zwischen Nordhessen und Israel, Kontakte zwischen Jugendlichen der beiden Länder, hat sich in den vergangenen zehn Jahren kein zweiter so aktiv eingesetzt wie der Vorsitzende des Vereins ehemaliger Kasselaner in Israel, Ernst Freudenthal. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, die ihm in den vergangenen Jahren verliehen wurden, kam nun noch eine weitere hinzu: Der Paul-Dierichs-Preis. Zahlreiche Ehrengäste aus dem öffentlichen Leben, wie auch Freunde des Preisträgers waren zugegen, ebenso auch seine Mitarbeiterin Frau Friedei Schwartz (Journalistin) und andere ehemalige Kasselaner aus Israel. Friedei Schwarz ZUM GEDENKEN AN PROFESSOR OTTO GILES (PR AUSNITZ) Als Sohn des Professors für Hygiene Wilhelm Prausnitz in Breslau am 1.7.1904 geboren, studierte Otto Karl Prausnitz, der seit seiner Auswanderung 1933 den von seiner englischen Mutter übernommenen Namen Giles führte, an den Universitäten von Basel und Breslau die Rechte, promovierte daselbst mit einer sehr guten, 1928 in einer angesehenen Reihe erschienenen Dissertation über die „Forderungsverrechnung“ (Skontration) und habilitierte sich alsbald als Privatdozent bei dem bekannten, geistig so lebendigen Breslauer Germanisten Eugen Rosenstock-Huessy für Deutsche Rechtsgeschichte und Bürgerliches Recht. In England fand der Jung verheiratete deutsche Hochschullehrer — eng verbunden mit seiner schlesischen Heimat, mit Kollegen und Freunden, zum Beispiel, mit seinem Onkel, dem Breslauer Romanisten Eberhard Friedrich Bruck und mit dem Zivilstrafrechtler Ernst Cohn — nach schweren Anfängen nicht nur eine auskömmliche Stellung bei der Britisch Broadcasting Corporation (BBC), sondern es gelang ihm auch, in für kontinentaleuropäisch vorgebildete Juristen seltener Weise mit dem ganz andersartigen Common Law vertraut zu werden. Während sich ersteres vor allem in den Kriegs- Jahren in seiner Tätigkeit beim Nachrichtendienst der BBC niederschlug — der auch von deutscher Seite, obgleich es offiziell verboten war, ihn zu hören, wegen seiner „Strategie der Wahrheit“ geschätzt wurde —, wird letzteres belegt durch eine Reihe von wertvollen und erfolgreichen Veröffentlichungen, unter denen die — zuerst mit Lord Chorley gemeinsam bearbeiteten, dann von Otto Giles allein fortgeflihrten — Bücher über „Mercantile Law“ (Kaufm.nnnsrecht) und „Shipping Law“ (7. Aufl. 1980) besonders hervorgehoben seien. Wer die unzähligen, so lebendig beschriebenen Fälle in diesem „Schiffahrtsrecht“ künftig studiert — bekanntlich Ist das britische Common Law kein Gesetzes —, sondern ein Fall-Recht —, der wird zumeist keine Ahnung haben von der Herkunft des Verfassers dieses umfangreichen Werks (457 S.), dem seine rechtshistorische, sowie, weit darüber hinausgreifend, in deutscher Wissenschaft und Literatur wurzelnde Bildung, unterstützt von seiner treuen Gattin, hierbei keinen geringen Dienst geleistet hat. Zu erwähnen ist auch sein „Uniform Commercial Law" (Leyden 1970, 200 S.), ein für die Wissenschaft des Internationalen Privatrechts wichtiges Buch, weil es die Geltung völkerrechtlicher Verträge vor den nationalen Gerichtshöfen behandelt. Die Arbeit in seinem, Gästen immer offenstehenden, Haus in Reading — zwischen Oxford und London gelegen — setzte Otto Giles, der durch seine charaktervolle, bescheidene und teilnehmende Haltung, sein Wissen, sein weltanschauliches Ringen um religiöse Werte Familienangehörigen und Freunden viel gegeben hat, bei abnehmenden Kräftn fort bis über den 75. Geburtstag hinaus; dann führte ein Schlaganfall zu schwerem, tapfer ertragenem Leiden, von dem er am 6.10.1980 erlöst wurde. In Ventnor (Isle of Wight) ist dieser liebenswerte und vorbildliche Gelehrte beigesetzt; die ihn gekannt, wissen, was sie an ihm verloren haben. Freiburg i. Br. Hans Thiemc ERNST FREUDENTHAL MIT DEM PAUL - DIERICHS - PREIS AUSGEZEICHNET UNEIGENNÜTZIGKEIT UND INITIATIVE GEWÜRDIGT 13