Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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UNSERE CHANUKKA-MENORAH MEINE JETZIGE AUSARBEITUNG BERUHT AUF NATIONAL-RELIGIÖSER GRUNDLAGE MIT DEM TITEL: „UNSERE CHANUKKA- MENORAH“ Ich lege Wert auf den Titel „unsere“, weil sie ganz besondere Erinnerungen an meine Kindheit und Jugendjahre in meinem Elternhaus hervorruft. Sie erscheint mir als besonders wichtig, um sie den Translateur Nachkommen, auch wenn sie nicht mehr den gleichen Namen tragen, bekannt zu machen. Auch hängt sie eng zusammen mit der Entwicklung meines ganzen Lebens von Jugend an. _ Als Knabe zwischen 5 und 10 Jahren, beobachtete ich, wie unser Vater, z.Zt. Kantor in einer kleinen Gemeinde in Oberschlesien (Lublinitz) alljährlich kurz vor Chanukkah, eine sehr interssante Arbeit verrichtete, die Herstellung von verschiedenen Figuren und Spielsachen, aus einer Blei- Metallegierung mit bestimmtem Zusatz gegossen. Zur Herstellung der Figuren benützte er ein aus Weidenholz geschnitztes Rohr, das bestimmte Eigenschaften haben musste. Weiden wachsen bekanntlich am fliessenden Wasesr, was mein Vater im Stadtwald ausfindig machte. Das Rohr — etwa 15 cm lang — teilte er der Länge nach in 5 oder 6 Teile, schnitt dann in der Mitte des Rohres das Modell für das Produkt als Hohlraum aus. Dann wurden die Teile wieder zusammengesetzt, fest mit Bindfaden oder Draht zusammen gebunden, so dass sie für die Aufnahme der -flüssigen Metallmasse bereit wurden. Das Metall wurde von meinem Vater in einer eisernen Kelle am Küchenherd unter starkem Feuer flüssig gemacht und vorsichtig in die obere Öffnung des Holzrohres hineingegossen. Der Boden des Rohres war natürlich geschlossen. Die gegossenen Figuren stellten das bekannte Trendelspiel dar, das besonders zu Chanukkah Gross und Klein viel Spass machte. An den 4 oder 5 Seiten des Trendels waren hebräische Buchstaben eingegossen, wie beim bekannten Würfelspiel. Nun komme ich zur Geschichte der Menorah, dem eigentlichen Thema: Was ist und was bedeutet die Menorah? Nach unserer Überlieferung hat Moses auf G’’ttes Befehl hin bei der Wanderung durch die Wüste, einen Leuchter mit 7 Armen benützt. Es war die Menorah, die in folgenden Jahrtausenden als Wahrzeichen des Volkes Israel diente. Sie wird heute noch als ewiges Symbol des Judentums benützt und am Jad Vaschem in Jerusalem, dem Erinnerungs-Denkmal für die im „Holocaust“ umgekommenen Juden, ist sie im grossen Format zu sehen. Sie ist nicht nur in allen Tempeln und jüdischen Organisationen, sondern auch in den jüdischen Haushalten Tradition. Zur Makkabäerzeit wurde sie auf 8 Lichter erweitert und an den Chanukkah-Abenden angesteckt. Sie wird gewöhnlich in halbrunder Form erzeugt und brennend ist sie ein freudiger Anblick. Unsere Menorah hat eine andere Form. Sie besteht aus 8 einzelnen Teilen, kleine Stühle mit verzierten Rückenlehnen. Der Stuhlsitz ist ein geschlossener vertiefter Hohlraum, der als Behälter für den Brennstoff dient. Das Licht kommt vom Brennöl in den Hohlräumen der Stühle. An der Vorderseite der Stühle ist eine kleine Öffnung, die für die aus Watte geformten Dochte bestimmt ist. Die Herstellung der Stühle wurde ebenfalls mittels der in die Holzform geschnitzten kleinen Figuren, die dann mit der gleichen Metallegierung •usgegossen wurden, erreicht. Es ist ein ausgesprochenes Kunstwerk, an welchem wir uns jeden Chanukkah erfreuten. Dieser Chanukka-Leuchter befindet sich G.s.d. noch im Famhienbesitz, bei meinem Neffen Translateur in New-York, der ihn auch benützt. Er wird hoffentlich einmal in einem Museum einen Platz finden. Zurückkommend auf die Art der Herstellung dieses „Fabrikates“, aus der bestimmten Bleilegierung, möchte ich ausführen, dass diese ein grosses Omen für meine zukünftige Lebenslaufbahn bedeutete. Als ich nämlich im Jäher 1898, mit 18 Jahren meine kaufmännische Laufbahn begann, — Beim Eintritt als Lehrling in einem bekannten Metallschmelzwerk und- Metallhandlung Josef Kober Breslau Schlesien war es das erste was ich zu sehen bekam das vchmelzen von Metallen und merkwürdigerweise die gleiche Legierung die mein Vater benutzte für die Erzeugung seiner Producte. Hier lernte ich die Fabrication in einem Grossbetrieb kennen, eigentlich dieselbe Methode die mein Vater am Küchenherd benutzte. Das Schmelzgut wurde hier in einem grossen eisernen eingemauerten Kessel unter starkem Feuer zum schmelzen gebracht und dann in eiserne Formen gegossen. Die Producte waren ein sogenanntes Lötzinn, ein grosser Handelsartikel der in kleinen und grossen Betrieben gebraucht wurde. Er diente zum Zusammenlöten von Blechen und anderen Metallen Dachbedeckungen etc. Es war ein grosser Artikel mit dem ich später viele Jahre zu tun hatte. Als Kuriosum möchte ich hier folgendes einfügen: Bei Eintritt in das Büro von Josef Kober wurde man mit folgendem Sinnspruch empfangen: Sag’ was Du willst kurz und bestimmt Lass alle schönen Phrasen fehlen, Wer nutzlos unsere Zeit uns nimmt Bestiehlt uns und Du sollst nicht stehlen. Diesen Sprucji prägte ich mir genau ein und habe ihn auch in meinem Leben angewand. Bei meiner Übersiedlung nach Berlin konnte ich in einem gleichartigen Metallschmelzunternehmen meine praktischen Kenntnisse wesentlich erweitern und verbessern. Der Zufall fügte es, dass die gleiche Meta.legierung, die mein Vater benutzte als Basis gebraucht wurde für eine etwas veränderte die meiner Firma später patentiert wurde. Das Product brachte ihr einen sehr bedeutenden Verdienst ein. Daraus entwickelte Bich dann das Millionen Metallhüttenunternehmen — „Zinkraffinerie Oberspree“ in Berlin Oberschöneweide. Einige Jahre später als Dachgesellschaft der „Deutsche Metallhandel“ Acs. Ges. Berlin. Ein gütiges Schicksal verhalf mir zu der Position die ich in beiden Unternehmen als Kaufmännischer Direetor einnahm und ausüben konnte bis das Unternehmen ganz kurz vor Hitler in andere Hände überging. Das war nach gerade 25jähriger Tätigkeit seit ich bei der ursprünglich kleineren Firma eintrat. Nun noch etwas Persönliches als Abschluss meiner Ausführungen: Wenn ich mein langes Leben zurückdenke und mich frage? Würdest Du wenn Du nochmals beginnen solltest, Dein Leben genau so leben wie bisher, würde ich es trotz mancher „Auf und Abs" wahrscheinlich positiv beantworten. Die Befriedigung die ich in meinem hohen Alter empfinde, das „Peace of Mind“ habe ich vor allem der Göttlichen Vorsehung zu verdanken, aber auch dem Einfluss meiner Jugendjahre in Verbindung mit der von meinem Vater angefertigten „Chanukkah Menorah“. Salo Translateur Miami Beach, *•!*'■*!.*!•*■*!*':*1*i*l.*i*i*b*•*.*!*;i Up. *. J* " * mm*. Chanukkaleuchter (Menorah) aus Bleimetall gegossen von. Kantor Gerson Translateur, Lublinitz O/S, etwa um das Jahr 1880 11