Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Ortsgruppe etwa das doppelte ihres Anteils an der jüdischen Bevölkerung beträgt, wobei die im Ausland geborenen Juden (s.o.), die fast ausschliesslich zur konservativen Richtung gehörten, nicht entscheidend ins Gewicht fallen. Denn auch unter den 81 im Inland geborenen sind den gesetzestreuen Juden zumindest 28 Mitglieder (— 34.6%) zuzurechnen. Dieses Ergebnis stellt die von Ginat aufgestellte Behauptung, dass die .assimilierten, deutsch-jüdischen Familien ... dem deutschen Zionismus sein charakteristisches Gepräge“ gaben, zumindest für Breslau in Frage und scheint die Wienensche Vermutung zu bestätigen. Doch sei zugegeben, dass die Führung und Leitung der Bewegung in Breslau — wie im Reich überhaupt — in den Händen von Menschen lag, die „assimilierten, deutsch-jüdischen Familien" entstammten. Unter den Mitgliedern der Organisation hingegen war der Prozentsatz der „positiv-jüdisch“ denkenden wohl weit grösser als allgemein angenommen wird. Es bleibt die Frage offen, welche Schicht — die führende oder die geführte — einer Bewegung ihr „charakteristisches Gepräge“ gibt. 3. Berufszugehörigkeit: Die von der Namenliste und unserer Umfrage erfassten 137 Mitglieder gehörten folgenden Berufsgruppen an, wobei wir notgedrungen den zum Vergleich herangezogenen Definitionen der amtlichen Statistik von 1907 folgen: Berufsgruppe Zion. Ortsgruppe Jüd. Bevölkerung Zahl % Zahl % + / — Selbständige Kaufleute u. Industrielle 77 56,2 2931 31,1 + 25,1 Angestellte 9 6,6 1710 18,2 — 11,6 Arbeiter u. Handwerker 5 3,7 1553 16,4 — 12,7 Freie Berufe und öffenl. Dienst 21 15,3 833 8,8 + 6,5 Ohne Beruf 25 18,2 2406 25,5 - 7,3 Insgesamt: 137 100 9443 100 Aus dieser Gegenüberstellung lassen sich mR. folgende Schlüsse ziehen: a) Die von Arbeitgebern abhängigen oder selbständigen, aber wirschaftlich schwächeren Berufsgruppen (Angestellte, Arbeier und Handwerker), waren in der zionistischen Ortsgruppe nur mit etwa 10% vertreten, während sie ln der Berufstatistik der Breslauer Juden fast 25% ausmachten. Hier dürften nicht unberechtigte Befürchtungen vor gesellschaftlichen, wenn nicht gar wirtschaftlichen Repressalien, mitgespielt haben. b) Die selbständigen, mehr oder weniger unabhängigen Kaufleute und Industriellen hingegen, denen jeder 4. Breslauer Jude zuzurechnen ist, behaupteten in der zionistischen Ortsgruppe die Mehrheit, ohne Jedoch — wie die Zusammensetzung des Vorstandes lehrt — einen entsprechenden Einfluss auf die Führung auszuüben. c) Diese liegt in den Händen der Akademiker (hier unter „freie Berufe“ eingeteilt, die in der zionistischen Ortsgruppe ebenfalls sehr viel stärker vertreten sind als in der jüdischen Bevölkerung, doch steht Ihr Anteil weit hinter dem der „selbständigen Kaufleute“ zurück. d) Da es sich bei der Gruppe „ohne Beruf" fast ausschliesslich um Studenten handelt (unter den 25 Angehörigen dieser Gruppe befinden sich nur 2 Rentiers, alle übrigen sind Studenten), können wir die Differenz von 7,3% ausser Acht lassen. Dürften doch die als „ohne Beruf“ aufgeführten 2406 Breslauer Juden zumeist von ihrem Kapital oder ihrer Rente gelebt haben. Die Zahl der Studenten und Rabbinatskandidaten wird wohl kaum mehr als 4,5% betragen haben, sodass ihr Anteil an der zionistischen Ortsgruppe — den Akademikern ähnlich — ebenfalls überdurchschnittlich hoch lag. Zusammenfassend ergibt sich also, dass Akademiker und Studenten in der Breslauer Ortsgruppe „wortführend" waren, die breite Schicht der Mitglieder hingegen dem bürgerlichen Mittelstand angehörte. Ohne die finanzielle und moralische Unterstützung dieser, meist konservativen „Baale Batim“ wären die representativen, intellektuellen Führer des deutschen Zionismus zu Generälen ohne Heer“ herabgesunken. Die noch ausstehende Sozialgeschichte des deutschen Zionismus sollte den hier für eine der aktivsten Ortsgruppen ermittelten Ergebnissen Rechnung tragen. Joseph Walk ANMERKUNGEN 1) Kurt Blumenfeld: Im Kampf um den Zionismus, Briefe aus fünf Jahrzehnten, hrsg. von Miriam Sambursky und Jochanan Ginat, Stuttgart, 1976. 2) AaO, 9. 3) AaO, 10. 4) Bericht der Breslauer Zionistischen Vereinigung, Breslau, Juni 190 4— Tammus 5664. Ausser der „Mitglieder- und Spender Liste“ enthält der Bericht einen Aufurf von Hugo Schachtel, dem 1. Vorsitzenden der Breslauer Ortsgruppe, sowie eine Aufzählung von 9 Publikationen mit der Überschrift „Empfehlenswerte Lektüre“. 6) Siehe meinen Artikel „Der Zionist" — zur Geschichte der ältesten zionistischen Zeitung Deutschlands, im MB, Wochenzeitung des Irgun Olej Merkas Europa, Tel-Aviv, vom 14. April 1976. Der erste der veröffentlichten Briefe Blumenfelds (vom 28.4.1911) ist an Schachtel gerichtet (AaO, 39). 6) Im Besitz des Leo Baeck Institutes New York, dessen Leiter Dr. Grubel mir diese Aufzeichnungen freundlicherweise zur Verfügung stellte. 7) Bruno Blau: Zur Statistik der Juden in Breslau, Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, 11. Jahrgang, Heft 2/3, Febr./März, 1915, S. 35. 8) Heinrich Silbergleit: Die Bevölkerungs- und Berufsverhältnisse der Juden im Deutschen Reich, 1. Band: Preussen, Berlin, 1930, S. 24. 9) S. Adler-Rudel: Ostjuden in Deutschland 1880—1940, Tübingen, 1959, S. 164 (siehe auch S. 26). 10) Max Wiener: Jüdische Religion im Zeitalter der Emanzipation, Berlin, 1933, S. 238. 11) Im Jahre 1926 setzte sich die Repräsentantenversammlung der Breslauer Jüdischen Gemeinde aus 13 Liberalen, 4 Zionisten (darunter 1 — Misrachi), 3 Konservativen und 1 Orüiodoxen zusammen (Jüd. Rundschau, 22.1.1926). Die „Gesetzestreuen“ bildeten also 23,8%, eine Zahl, die den Schätzungen jüdischer Statistiker gleichkommt. Siehe z.B. Felix Theilhaber: Der Untergang der deutschen Juden, München, 1911, S. 43, der mit „gesetzestreu" die Juden bezeichnet, welche „Die Sabbatheiligung und Beobachtung der Speisegesetze“ einhalten, eine Definition, die auf die konservativen Mitglieder der Breslauer Gemeinde zutrifft. 12) Statistik des Deutschen Reichs, Bd. 203, Berufs- und Betriebszählung vom Juni 1907, Berlin, 1910, S. 594—598. Diese Aufstellung machte mir Prof. Schmertz zugänglich. 13) Häufig bezogen sic hdie Antworten auf dieselben Personen, sodass wir uns im allgemeinen auf doppelte und dreifache Auskünfte stützen konnten. In Zweifelsfällen entschieden wir nach der Mehrheit der erhaltenen Antworten. WIR GRATULIEREN Herrn Prof. Dr. Bernhard Brüling, Muenster/ Westfalen, Hollenbeckerstr. 23 zur Verleihung des Leo-Baeck-Preises. Es ist uns unmöglich, im Rahmen dieser Zeilen, die ausserordentlich grosse und wertvolle Arbeit des Jubilars auf dem Gebiet der Familien- und Gemeinde-Forschung zu beschreiben. In der jüdischen Presse, aber auch in der samten Forschungswelt hat sich Brilling einen Namen gemacht, der weit über die Bundesrepublik hinausreicht. Dr. E. G. Loewenthal, Eerlin, hat es verstanden, in kurzen Worten seine Lebensweg zu beschreiben. Wir, die wir ihn noch vom Breslauer Seminar, her kennen, wünschen ihm die Kraft, noch viele, viele Jahren in Rüstigkeit seine Arbeit fortzus tzen. * Herrn Raw Israel Egon Loewenstein, Jerusalem, Alfasistrasse 37, zur Verleihung des Dr. h.c. von der Weltvereinigung des konservativen Judentums. Wir freuen uns mit dem Jubilar, der eng mit unserem Verband und der Centra, die er in Süd-Amerika seinerzeit mitbegründet hat, verbunden ist. Seine unermüdliche Arbeit, seine grosse Bescheidenheit und die Gabe, sein Wissen den Zuhörern zugänglich zu machen, schätzen wir sehr. Möge er mit seiner Gattin noch viele, viele Jahre in Jerusalem, der Stadt seiner besonderen Liebe, die erspriesslich Arbeit fortsetzen. Ein Dorf in Israel Du fühlst den Frieden seiner Gärten und das Behagen seiner kleinen Häuser umgeben Blumen, eingebettet in das Grün, und spürst die Meinung sich in Dir erhärten, so musst Du leben, Mensch, fern allem Lärm. Schon längst hast Du im Jagen der Geschäfte es vergessen, das zarte Rot, bei Abends Neige an den Horizont gemalt, der Pappeln Rauschen, Knospen, taufrisch angebrochen, was Du versäumt hast all die Jahre kannst Du Jetzt ermessen beim Anblick dieses Dorfes, ruhend in sich selbst. Hanna Blitzer, geb. Ilse Pagel, fr. Beuten O/S Sein 75. Lebensjahr vollendte am 3. Dezember 1980 der in seiner Wahlheimat Zürich im Ruhestand lebende, aufgeschlossen-interessiert geblieben Pädagoge Josef Rabinowitz, ein weltoffener Orthodoxer S. R. Hischscher Prägung, akademisch-bildungshungrig und ebenso belehrungseifrig, auf Jüdischem wie auf allgemeinem Gebiet, musisch angehaucht und musikliebend, „alte Schule“ und Modernes vereinend. Das sind Eigenschaften und Neigungen, mit denen sich manches Handicap überwinden lässt. Man soll „Jossi“ Rabinowitz nur erzählen hören, wie er die Hohen Feiertage zum Beispiel in der Davoser „Etania“ Jahr für Jahr mitgestalten hilft und welchen anerkennenden Zuspruch er findet! Der in Frankfurt am Main geborene Jubilar wirkte, nach Absolvierung von Jeschiwot in Deutschland und Ungarn und des Jüdischen Lehrenseminars In Köln, sowie zusätzlichen Studien an der Universität Freiburg i.Br., an jüdischen Schulein BEUTHEN und Altona und betätigte sich gleichzeitig in der jüdischen Jugendpflege. Nach seiner Übersledlung nach Palästina (1934) war er auch dort als Lehrer beschätftigt; seitdem hat er seinen ständigen Wohnsitz in- Jerusalem. Mögen diesem lebensbejahenden, menschennah-kontaktreichen Mann noch viele gute Jahre beschieden sein! Dr. E. G. Lowenthal 10