Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1981
- Issue
- No. 48-49 (1981)
- Date
- 1981-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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nen Bekenntnis zum Nur-Humanismus berichtete Jean Amöry eindrücklich in seinem Buch „Jenseits von Schuld und Sühne“, das es nicht geeignet war, in den Schrecken der Konzentrationslager zu überstehen; und Nur-Solidarität birgt erfahrungsgemäss die Gefahr in sich, nur auf Gleichgesinnte angewandt zu werden. Wie aber wäre es, wenn sich — unter dem Ziel der Förderung von Toleranz als „erster Schritt“ — alle zusammenschlössen: Alle, die Nächstenliebe, alle, die Humanität und alle die Solidarität für die optimale Form zwischenmenschlicher Beziehungen ansehen? Sollte das nicht möglich sein, wo doch bei allen drei Gruppen die Zuwendung zum Mitmenschen zentrales Anliegen ist? Es sollte möglich sein; und vielleicht könnte es bewirken, dass Förderung von Toleranz in einem Masse Wirklichkeit würde, die die Welt verändert? Eine Förderung, die vielleicht die Welt dem Frieden näherbringt? Dem Frieden? Schalom? Vielleicht, Vielleicht? Vielleicht! ÖRSSUku.; v/ tt// Jugendbild von dem Studenten Leo Baeck etwa um das Jahr 1896). Er wohnte damals bei der Familie Salo Freund, Breslau, Breitestr. 4/5 und lehrte die älteste Tochter, jetzt Frau Bella Holzer, geh. Freund; wohnhaft in Tel Aviv, Chen Blvd. 48, dis Ein Mal Eins pamEamoaatmHHHoa PAPIERWAREN ROTKOWITZ BUROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ Office Equipment and Stationery Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. 625420 Rabbiner Dr. Leo Baeck s. a. ZUM 25. TODESTAG — 2. NOVEMBER 1956 — 2. NOVEMBER 1981 Von E. M. HAUSCHNER Am 2. November 1981 jährt sich zum 25. Mal der Todestag von Rabb. Dr. Leo Baeck, der letzte Repräsentant des deutschen Judentums, welches durch Hitler vernichtet wurde. Um das monumentale Lebenswerk von Rabb. Dr Leo Baeck eingehend zu würdigen, müsste man ein Buch schreiben und man wird es auch — aber im Rahmen eines Zeitungsartikel können nur die wichtigsten Punkte seines Lebens und Werkes berührt werden Leo Baeck wurde am 23 Mai 1873 in Lissa/ Posen als Sohn des Rabbiner Samuel Baeck geboren. Es war für ihn nur selbstverständlich, dass er die Familientradition fortsetzte und auch Rabbiner wurde. Er ging'zuerst nach Breslau ans Frankelsche Rabbinerseminar und nachher an die Hochschule für die Wissenschaft der Judentums. Da er aber merkte, dass die talmudischen Studien an der Hochschule nicht ausreichen für eine gediegene talmudische Bildung, wie er es für sich und andere Rabbiner forderte, vertiefte er dieselben durch intensives Lernen im Beth Hamidrasch in Berlin. Seine ersten Rabbinate waren Oppeln (1897) und Düsseldorf (1907). Schon als junger Rabbiner erregte er Aufsehen. Als im Jahre 1897 der allgemeine deutsche Rabbinerverband die Resolution des Vorstandes gegen die Abhaltung des ersten Zionistenkongress (von Herzl „Protestrabbiner“ genannt), bestätigen sollte, weigerten sich nur 2 Rabbiner diese' Resolution zu unterschreiben: Dr. Leo Baeck und Dr. Saul Kaatz (Rabbiner in Hindenburg). Im Jahre 1912 ging er als Gemeinderabbiner nach Berlin und gleichzeitig wurde er an die Hochschule fürdie Wissenschaft des Judentums als Dozent für Midrasch und Homiletik berufen. Seine Liebe galt dem Talmud und Midrasch und der griechischen Klassik. Nachdem 2. Weltkrieg erzählte er Dr. Jeschajahu Awiad, damals der israelische Gesandte in der Schweiz (früher Dr. Oskar Wolfsberg, einer der Leiter des Misrachi), dass er jeden Morgen nach dem Morgengebet ein Blatt Talmud lerne, und dann, L’hawdil, ein Kapitel aus einer griechischen Tragödie in der Ursprache lese. Im Jahre 1906 erschien sein erstes Buch, eigentlich sein Hauptwerk, „Das Wesen des Judentums“. Dieses Buch war eine jüdische Antwort auf das Büch von Adolf von Harnack: „Das Wesen des Christentums". In diesem Buche stellte Harnack tendenziös die Weisen des Talmuds, in ganz verzerrter Weise dar. Dr. Baeck war einer der drei jüdischen Gelehrten, welche sich mit dem Christentum, vom jüdischen Standpunkt aus gesehen befassten: Dr. Baeck und Prof. Joseph Klausner s.A. und der unter uns weilende Prof. David Flu.sser, welcher dieses Jahr mit dem Israel-Preis ausgezeichnet wurde. Aber wenn Rabbiner Dr. Baeck bis 1933 einer der grössten jüdischen Persönlichkeiten Deutschlands war, war er vom Jahre 1933 das anerkannte Oberhaupt des deutschen Judentums. Als Leiter der Reichsvertretung der deutschen Juden, bemühte er sich das schwere Schicksal der jüdischen Gemeinschaft zu erleichtern, Wege zur Auswanderung zu suchen, Notleidende zu unterstützen. Wir alle wissen: Nächstenliebe birgt die Gefahr in sich, nicht praktiziert zu werden, an praktizierte Nächstenliebe hat es zu allen Zeiten immer wieder erheblich gefehlt — christlich getaufte Vertreter einer Religion der Nächstenliebe haben sie in unserer eigenen jüngsten Geschichte sogar bis zum Brudermord hin vergessen; von dem reijüdlsches Leben zu aktivieren, Gemeinden ln jeder Beziehung kulturell und materiell beizustehen. Er war das, was man in der Zeit des babylonisschen Talmuds einen „Resch Galuta“ nannte, ein Oberhaupt der Diaspora. Trotz der Möglichkeit, welche ihm geboten wurde nach Amerika oder England auszuwandern, er erhielt auch eine Berufung an die Hebräische Universität in Jerusalem, wollte er die jüdische Gemeinschaft in Deutschland nicht verlassen und ging mit einem der letzten Transporte nach Theresienstadt. Auch dort entfaltete er unter den schwersten Umständen, eine grosse Tätigkeit als Lehrer und Seelsorger, und trotz Hunger und Kälte hielt er Vorträge über Maimonides und andere jüdische Themen. Am Anfang des Jahres 1944 erschien in der Misrachizeitung „Hazofeh“ eine Artikelserie von Rabbi Benjamin (Pseudonym von Jehoschua Radler- Feldmann). über die Erneuerung des Synhedrion. In diesen Artikeln setzte er sich mit dem Problem auseinander, welche Eigenschaften die Mitglieder dieses Synhedrion haben müssen. In diesem Zusammenhang nannte er auch den Namen von Leo Baeck als Beispiel für selbstlose Hingabe und Aufopferung für die Gemeinschaft, als eine der Haupteigenschaften. In Theresienstadt vollendete er auch sein letztes Buch „Dieses Volk“. Nach seinen eigenen Worten „in den Jahren des Terrors in Berlin begonnen, auf Papierfetzen im Konzentrationslager beendet“. Dieses Buch ist das Ergebnis seiner Auffassung von Judentum und von jüdischer Existenz. Hervorgehoben sei hier die Übersetzung, welche gleichzeitig auch Erklärung ist, von dem Vers in der Thora, „Liebe Deinen Genossen — er ist wie Du“, die Leo Baeck in seinem letzten Buch gibt. Fast alle Übersetzer der Bibel, seit Luther, übersetzen: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“. Erst Leo Baeck hatte das Einfühlungsvermögen in die hebräische Sprache und übersetzte das hebräische „Kamocha“ in seinem eigentlichen Sinn: „Er ist wie Du“. Mit Dr. Leo Baeck ist der letzte Repräsentant des deutschen Judentums dahingegangen, der in sich die Vielfältigkeit des deutschen Judentums verkörperte: Jüdische Tradition u. Weltoffenheit, Zionsliebe und Universalismus. 4