Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1980
- Issue
- No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung
- Date
- 1980-05-01
- Page
- Seite 57 (sequence 2525)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ZUM GEDENKEN Mit Wehmut schreibe ich diesen Nachruf für 4 Freunde, deren Wiege in Beuthen gestanden hat und deren Lebensschicksal sie soweit auseinander getrieben hat, dass ein jeder von ihnen seine letzte Ruhestätte an einem anderen Platz gefunden hat. Max Tichauer in Concepcion (Chile, Walter Schüftan in Netania) Israel, Franz Rosenthal in Chicago und Fritz H. Bernstein in Berlin. Vor wenigen Tagen erhielt ich die Nachricht, dass Max Tichauer nach sehr langer und mit unendlicher Geduld ertragener Krankheit von dieser Welt gegangen ist. Max Tichauer kam mit der grossen Einwanderungswelle nach Chile. Aber er liess sich nicht wie die meisten in Santiago de Chile nieder. Er ging nach Concepcion, einer lebhaften Provinzstadt im Süden des Landes. Zusammen mit seiner Gattin Ilse gründete er eine neue Familie, die sein Stolz war. Getreu seiner Familientradition wurde er der geistige Führer der nicht grossen Gemeinde. Er war stolz darauf, dass er in Beuthen noch der Chewra Kedischa angehört hatte und der letzte Präsident der B.B. Mamreh-Loge war. Er fand auch sofort den Kontakt mit den Juden, die schon früher nach Concepcion gekommen waren. Zusammen mit dem unvergessenen Ebo Rothschild führte er die Gemeinde. Jeder von beiden drückte ihr, den für ihn charakteristischen Stempel auf. Aus der Ferne übermitteln wir seiner Gattin, Tochter, Familie und Freunden unser aufrichtiges Beileid. Hoffentlich findet das Werk seine Fortsetzung. Walter Schüftan ist zwar in Beuthen geboren, aber seine Eltern Hugo und Hulda geborene Heiman zogen mit ihrer Familie bald nach Ende des 1. Weltkrieges nach Breslau. Eine meiner stärksten Erinnerungen aus der Kindheit ist mit Hugo Schüftan verbunden, der mit seinen 3 Söhnen Walter, Heinz und Günther am Schabbat in die Synagoge des Jüdischen Krankenhauses kam. In Chile trafen wir uns wieder und blieben in allen Jahren miteinander freundschaftlichst verbunden. Selbstverständlich hat auch Walter den Aufbau unserer Gemeinde mit seinem wärmsten Interesse begleitet. Er wurde Vorsitzender der Gemeinderepräsentanz und aktiver Mitarbeiter der Magbit. Mit seinem Sinn für Humor hat er in Zusammenarbeit mit seiner Frau Ursel geb. Becker oft und gern in Gemeinde und Loge zur Geselligkeit beigetragen. Ihr Sohn Claudio wurde Arzt und ging nach USA, ihre Tochter Leonore ging auf Alija. So kamen auch Ursel und Walter vor wenigen Jahren nach Israel. Den Schmerz über das kürzliche tragische Ableben des so aktiven und lebenslustigen Lebenskameraden hat Walter nicht überwunden. Nach einem relativ leichten chirurgischen Eingriff, setzte sein Herz aus. Franz Roscnthal, der Sohn des Lehrers H. Rosenthal, verliess diese Welt nach einer langen und leider noch immer unheilbaren Krankheit. Mit ihm habe ich ein wesentliches Stück meiner Jugend verloren. Wir studierten zusammen am Breslauer Rabbinerseminar und träumten davon, unser berufliches Leben nebeneinander aufbauen zu können. Die Vorsehung hat es anders bestimmt. Er war stolz darauf, dass er seine Bar Mizwa noch mit Oberrabbiner Dr Kopfstein gefeiert hatte — wohl die letzte vor seinem Ableben. Während seiner Studienzeit und auch später war er besonders innig mit Rabbiner Dr Vogelstein verbunden. Wir studierten auch zusammen an der Deutschen Universität in Prag. Sein beruflicher Weg führte ihn über Reichenbach/Schlesien nach Mannheim. Er war sehr aktiv in der Jugendbewegung (BDJJ). Wir kamen zusammen nach Buchenwald am 10. November 1938. 1940 rettete er sich nach USA. Er wurde Rabbi mehrerer Reformgemeinden und wurde Mitglied der Executive der Central Conference of American Rabbis. Nach meiner Alija trafen wir uns fast jedes Jahr, wenn er Gruppen seiner Gemeinde „Temple Ansche Sholom“ in Chicago Hight begleitete. Wir sahen die Wertschätzung und Verehrung, die ihm die Gemeindemitglieder entgegenbrachten. 1964 wurde ihm vom Hebrew Union College in Cincinatti der Doktor „honoris causa" verliehen. Unsere aufrichtige Teilnahme gilt seiner Gattin Harriet und ihren beiden Töchtern Hannah Selma und Debbie. Fritz H. Bernstein (sein Vater bekannt mit dem Namen Raflik, hatte ein Geschäft am Ring), gehörte zu unserem Kreis. Er war uns ein guter Freund, ehrlich, aufrichtig und immer zur Stelle, wenn man ihn brauchte. Einen Lebenskameraden hat er leider nicht gefunden. So war er allein als er in Berlin im Jüdischen Krankenhaus von dieser Welt ging — nur begleitet von dem Berliner Gemeinde-Rabbiner M. Lubliner, dem er auch in Santiago de Chile verbunden war. HILDEGARD LEWKOWITZ s.A. Am 23.7.79 wurde Frau Hildegard Lewkowitz geb. Bloch in Haifa zur ewigen Ruhe gebracht. Sie war die Witwe unseres unvergessenen Lehrers, des Dozenten des Breslauer Rabbiner Seminars Dr Albert Lewkowitz. Durch die Beziehungen meiner Pflegemutter Ella Mandowsky s.l. zu ihrer Mutter Martha Bloch s.l. hatten wir stets warme Beziehungen mit dem Gelehrtenhaus. Sie hat trotz allen Leids, das über sie kam, niemals ihre tiefe Religiosität, ihren vornehmen, ausgeglichenen Charakter verloren. Als über Europa die Nacht einbrach, war das Ehepaar Lewkowitz im Konzentrationslager. Es gelang Prof. Efraim E. Urbach seinen Lehrer und Kollegen nach Israel zu retten. Leider kam ein Sohn im KZ um. Sie hat ihren geliebten Gatten und ihren zweiten Sohn in Israel auf ihrem letzten Weg begleiten müssen. Sie verlor nie die Haltung. Sie war aktiv, freundschaftlich. Sie wollte niemals jemandem zur Last fallen. Und doch war sie selbst so hilfsbereit. Hilde Lewkowitz wurde von uns uneingeschränkt bewundert. Prof. Efraim E. Urbach hielt an ihrem Grabe den Nachruf, der dieser „Eschet Chajil“ zukam. Worte der Verehrung und Freundschaft. Israel Egon Loewenstein In Memoriam Lotte Schlesskow Als Tochter des bekannten Oppelner Arztes, Sanitätsrat Dr. Ismar Schlesinger war die jüngere Schwester unseres langjährigen Vorstandsmitgliedes, Frau Miriam Schmerel-Hofstein, mit einer besonders schönen Stimme begabt. Aus diesem Grunde ergriff sie das Gesangsstudium. Zur Ausbildung ging sie nach Breslau und studierte erst bei dem bekannten Bass-Bariton Martin Abendroth. Sie verfügte auch über schauspielerisches Talent und war von angenehmer äusserer Erscheinung, sodass sie sich der Bühnenlaufbahn widmen wollte. Sie wechselte deshalb zur weiteren Ausbildung zu der Gesangspädagogin Irmgard Freund- Mott hinüber. Diese stellte die Künstlerin dem Kapellmeister Julius Prüwer vor, woraufhin sie (etwa 1930) als Opernsoubrette am Breslauer Stadttheater engagiert wurde.'Zunächst sang sie in Sonntag-Nachmittag-Vorstellungen, z.B. in der „Verkauften Braut“, im „Rosenkavalier“ und „Waffenschmied" kleinere Rollen. Auch das Gretel in Humperdincks „Hänsel und Gretel“ war ihre erfolgreiche Rolle, ebenso wie viele andere, doch endete ihre Laufbahn allzufrüh. Ein starkes Talent voller Hoffnung für die künstlerische Zukunft ist mit der gesamten Familie leider umgekommen. Aber sie lebt weiter — im Gedenken ihrer Schwester und ihrer vielen Freunde. 3. S. Wolfgang Seew Bar Lew (Laoueur) s.A. Vor einigen Wochen ist der oben Genannte nach schwerer Krankheit heimgegangen. Im Jahre 1905 in Breslau geboren, hat er sich schon in seiner Jugend zionistisch orientiert und war bereits im Jahre 1925 in Palästina, wo er in der Landwirtschaft schwer arbeitete. Durch klimatische Verhältnisse bedingt musste er nach Breslau zurückkehren, arbeitete in dem bekannten Reisebüro HAPAG und lernte dieses Fach von Grund auf. Er heiratete Alisa Wollmann aus einer sehr bekannten Familie. Im Jahre 1934 wanderte er von neuem mit seiner Gattin ein und es gelang ihm seine Eltern und die Eltern seiner Frau ins Land zu bringen. Hier arbeitete er im Reisebüro „Orient Lloyd“, das In der Hauptsache Kunden aus Deutschland betreute. Als die Reisezeit immer schwächer wurde, war er ein treuer Angestellter der Firma Fama und später beim Hamaschbir Hamerkasi. Seine Arbeitskollegen rühmten ihn als gewissenhaften Mitarbeiter und überaus kameradschaftlichen Menschen. Das Haus Bar Lew ist immer ein Treffpunkt vieler Freunde und Bekannten. Sohn, Tochter und Enkelkinder sind eng mit der Mutter im Andenken an den Vater verbunden. Schon im Breslauer Blau-Weiss war er beliebt und geachtet. Am 30ten Tage nach seinem Heimgang haben sich viele alte Breslauer eingefunden, um ihm die Ehre zu erweisen. Dies brachte der Sekretär unseres Verbandes in Worten der Anerkennung und Liebe zum Ausdruck. Er bleibt uns unvergessen. Verband ehemaliger Breslauer in Israel Minna Czollak s.A. Im Alter von 74 Jahren ist Frau Minna Czollack am 17. Adar 5739 in London aus den Wirren des Lebens dahingegangen, in die Welt des Friedens. Frau Czollak war die Tochter des angesehenen Zahnarztes Dr. Cohen in Rewicz (Provinz Posen) und siedelte nach der polnischen Besetzung mit ihrer Familie nach Breslau über. In Breslau heiratete sie Amandus Czollack, Studienassessor an der jüdischen Realschule zu Breslau. In hingebender Treue bewährte sie sich ihrem Gatten als Lebensgefährtin. Als sie gezwungen waren 1939 ein neues Leben in London aufzubauen, teilte sie mit ihm Leid und Freud und verscheuchte durch ihren Zuspruch seine Sorgen. Als G’ttes Ratschluss 1948 vorzeitig ihren Bund getrennt und der Tod ihr den Gatten raubte (Mutter und Schwester waren leider in Auschwitz umgekommen), erlosch das Licht der Liebe nicht. Sie übertrug es auf die Neffen ihres seligen Mannes, mit denen sie in steter Verbindung stand. Es leuchtete fort in den Herzen der vielen Kinder, die sie in einem orthodoxen Kindergarten in London N. 16, betreute, und deren Mütter, denen sie bereit war eine hilfreiche Hand zu bieten. „Auntie Minnie“ (so nannte man sie). Die Heimgegangene wird ihnen und all den guten Freunden, für die ihr Haus immer offenstand, in segensreicher Erinnerung bleiben. Rev. Martin Miloslawer, London 57