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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung · p. Seite 52

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung
Date
1980-05-01
Page
Seite 52 (sequence 2520)
Language
German
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werden, dass man bei uns anfing, den Juden wieder mehr Achtung zu zollen, und als um diese Zeit ein „Verein für Handel und Industrie“ gegründet wurde, wählte man in den Vorstand ausser vier Nichtjuden auch drei Juden, von denen ich einer war. Im Schachklub holte ich mir die Klubmeisterschaft. Wir drei jüdischen Mitglieder waren dort, da wir gute Spieler waren, geachtet, und es entwickelte sich ein beinahe freundschaftlicher Verkehr unter den Mitgliedern, zu denen auch viele Unteroffiziere und Feldwebel der dort in Garnison stehenden Reichswehr zählten. Im Herbst 1924 fand die feierliche Einweihung der Synagoge statt, an der u.a. teilnahmen und Reden hielten: der Landrat, der erste Bürgermeister und der Architekt. Ferner nahmen auch die Beamtenschaft und eine Militärabordnung daran teil. (Die Ironie des Schicksals wollte es, dass derselbe Bürgermeister, der die Synagoge in den Schutz der Stadt nahm, auch sein Amt noch 1938 innehatte, als die Nazibanden diesen schönen Bau niederbrannten. Natürlich war er rechtzeitig von der Deutschnationalen Partei zu der N.S.D.A.P. hinübergegangen). Auch die bauausführende Arbeiterschaft nahm an der Feier teil. Nachdem das Reichsbanner gegründet wurde, trat auch ich als Mitglied bei; doch war ich mehr zahlendes Mitglied. Meine Mutter war politisch sehr interessiert und diskutierte sehr gern mit mir. Wir Kinder gaben nun der alleinstehenden Mutter die Liebe doppelt zurück, die wir einst empfangen hatten. Besondere Freude machte ihr aber mein kleiner Junge, ihr Enkelchen, das sie sehr lieb hatte. Meine Geschwister kamen oft zu Besuch. Mein ältester Bruder war Mitglied der Demokratischen Partei, mein zweiter Bruder, der Rechtsanwalt war sozialdemokratischer Stadtrat, ich selbst war parteilos, ebenso meine beiden jüngeren Brüder. So waren die nächsten Jahre Zeiten eines Aufblühens unserer Stadt, in der viel gebaut wurde und besonders Siedlungen. Ich hatte, sehr viel Arbeit. Aber durch die Gesetzgebung wurde ein Teil meiner Leute (aus der Grosstadt stammend) so dreist, dass ich keine Liebe für die „S.P.D.“-Leute empfinden konnte. Ja einer der Leute, dem ich eine weitere Zulage nicht gewähren wollte, antwortete mir, als ich ihm erklärte, dass ich sämtliche Arbeiter den Winter über durchgehalten hatte, obwohl nicht laufend Arbeit gewesen sei, das hätten Sie garnicht zu tun brauchen, dann hätten wir eben ohne Arbeit unsere Arbeitslosenunterstützung erhalten. In den Gehirnen dieser Leute malte sich die Gesetzgebung der Republik nur zu ihren Gunsten aus. Es war natürlich unausbleiblich, dass sich die Gegensätze zwischen Unternehmer und Arbeiter verschärfen mussten, wenn das Gesetz nur parteimässig ausgelegt wurde. Auch die Dienstmädchen pochten vielfach auf ihren Achtstundentag, obwohl sie in den jüdischen Haushaltungen eine relativ bessere Behandlung erfuhren, als in vielen anderen Kreisen. Aber es zeigte sich, dass dieser Menschenschlag garnicht familiär behandelt, sondern mehr in Distanz gehalten werden wollte. Sie wollten (und das ist das typisch Preussische) immer emporblicken. Z.B. gehörte zu meinen Kunden ein Rittergutsbesitzer, der im Kriege1 Rittmeister war. Sein Diener, der bei ihm Bursche gewesen war, klappte auch noch Jetzt, 7 Jahre nach dem Kriege, mit den Hacken zusammen und antwortete stets „Zu Befehl, Herr Rittmeister“. Das war aber kein Einzelfall. Der Deutsche konnte allenfalls einen Reichspräsidenten von Hindenburg ertragen, aber keinen Sattler - meister Ebert. Weitere 7 Jahre später hat dann der Hitlerismus mit diesem Geist aufgeräumt. Nun kam auch langsam wieder das Hakenkreuz an die Oberfläche. Erst schüchtern, aber dann, als die Republik sich so 150%ig demokratisch gebärdete und den Dingen ihren Lauf liess, gewann die neue Partei, besonders unter der weiblichen Jugend Anhänger. Aber noch war es nicht von solcher Bedeutung, da die Ortsgruppe nur selten Versammlungen abhielt. Seitdem Hindenburg Reichspräsident war, dessen Wahl von den Linksparteien sehr bekämpft wurde, war unbedingt der Druck nach rechts zu verspüren, obgleich das Regime anscheinend objektiv war Oft mussten wir zur Wahlurne gehen, so schnell wechselten die Regierungen. Und immer die vielen Versammlungen ermüdeten und wurden schon langweilig. Da trat ein neues Moment ein. Die NSDAP hatte zii ihren Versammlungen den Juden den Zutritt verboten. Um nun nicht zurückzustehen, schrieb auch die Deutschnationale Volkspartei auf ihre Wahlplakate „Juden Zutritt verboten“. Damit hatte die antisemitische Tendenz bereits auch im Bürgertum Platz ergriffen. Trotzdem besuchten wir Frontsoldaten diese Versammlungen, und man wies uns nicht aus dem Saal, aber sprechen durften wir auch nicht. Eine besondere Stellung nahm bei uns das Zentrum ein. Der linke Flügel war sehr judenfreundlich eingestellt, während ihr rechter Flügel (Leute ä la Papen) sehr reserviert tat. Im allgemeinen waren aber die Katholiken sehr korrekt und bewiesen den jüdischen Bürgern grösstes Vertrauen. Ich selbst zählte katholische Nachbarn zu meinen besten Freunden, und Gutsbesitzer, sowie Bauern schenkten mir uneingeschränktes Vertrauen, das ich in jeder Hinsicht rechtfertigte. Im Jahre 1926 erlebten wir wieder das Glück, dass meine Fraue den zweiten Sohn gebar. Ich nahm eine grosse Wohnung in einem Neubau, .den ich selbst für einen Baumeister installiert hatte. Der Umstand, dass der Reichspräsident im grossen und ganzen sein Amt sehr objektiv ausübte, schaffte ihm die wohlwollende Unterstützzung vieler Linkskreise, während für viele Nationalsozialisten der Mann als Verräter der Monarchie galt und in den üblen Agitationsblättchen der Nazis als Stütze der Judenrepublik galt. Der Bürodirektor des Landrats, Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei No. 20, mit dem ich viel zu verhandeln hatte, da ich für den Kreis grosse Bauten zu installieren hatte, schenkte mir seine Freundschaft. Er war mit dem bauleitenden Architekten (derselbe, der s.Zt. unsere Synagoge gebaut hatte) zum Einkauf der Materialien mit mir nach Berlin gefahren, wo wir zwei Tage gemeinschaftlich verlebten. Es waren vorbildliche preussische Beamte, und auch meine Korrektheit bei Erfüllung meiner Verträge und Arbeiten machte sie mir zu Gönnern und Freunden. Ein ähnliches Verhältnis entwickelte sich mit dem deutschnationa’en Stadtbaumeister, der mich ebenfalls bevorzugte, während ich bei dem katholischen Stadtrat stets das Gefühl hatte, dass hinter seiner ausgesuchten Höflichkeit etwas Hinterhältiges lauerte. Der deutschnationale Bürgermeister unterhielt sich sehr häufig mit mir, wenn wir uns trafen. Ja, anlässlich eines Herrenabends, den der Verein für Handel und Industrie gab, zu welchem die Prominenten eingeladen waren, und an dem ich ein Referat als Vorstandsmitglied hielt, tranken und prosteten mir alle Herren sehr herzlich zu. Wohin ich in der Stadt kam, brachte man mir Achtung entgegen und sogar Leute, welche schon Mitglied der Nazipartei waren, ignorierten die Tendenzen der Partei mit mir. Versuche eines Teils meiner Arbeiter, welche mich verleiten wollten, Arbeiten minderer Qualität auszuführen und statt der vertraglichen Lieferungen schwächeres Material zu liefern, weil auch die Konkurrenz so handelte, prallten an mir ab, da ich mich zunächst nicht von dem geraden Wege entfernen wollte, der mir soviel Erfolg und Vertrauen eingebracht hatte. Auch wollte ich mich keineswegs in die Hände dieser Menschen geben. Ich hatte mir einen guten Ruf erworben, und den wollte ich behalten. Auch viele Offiziere: 1er Reichswehr setzten sich mit mir an einen Tisch, wenn wir uns ln einem Lokal trafen. Ja, sie grüssten sogar zuerst, wenn sie mit der Truppe vorbeimarschierten und mich trafen. Anlässlich des 50jährigen Bestehens der Baugewerkschule fand eine grosse 8tägige Ausstellung statt, an der ich mich in grossem Umfange beteiligte und auch Anerkennung erhielt. Bei der Feier selbst legte auch ich als Vertreter des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gemeinsam mit zwei Kameraden einen Kranz im Vorraum nieder, wo ein grosses Fenster in Mosaik-Bleiverglasung den gefallenen Schülern der Anstalt gewidmet war und bei dieser Jubiläumsfeier enthüllt wurde. Inzwischen war ich in der jüdischen Gemeinde Repräsentanten-Vorsteher geworden, obwohl ich der jüngste Repräsentant war. Wir hatten auch eine Gedenktafel für unsere gefallenen Gemeindemitglieder in der neuen Synagoge angebracht. Bald darauf wurde auch in Schneidemühl auf dem jüdischen Friedhof ein schöner Gedenkstein zum Gedächtnis an die jüdischen Gefallenen enthüllt. Unser Frontbund war in grosser Anzahl erschienen, und ausser den Schneidemühlern, deren Leiter ein Oberleutnant Edel war. (Im Felde war er Adjutant des Hauptmanns und Schriftstellers Walter Bloem gewesen und auch von ihm in seinem Kriegsbuche erwähnt worden) waren auch viele behördliche und militärische Abordnungen erschienen. Während der ergreifenden Feier erschien ein Flieger niedrig über die Versammlung und warf einen riesigen Kranz ab. (Fortsetzung folgt) HOREN MIT EINEM AKZENT Ich bringe hier einige Gedanken unter dem Titel „Hören mit einem Akzent“. Warum unter diesem Titel? Man weiss, dass mit einem Akzent gesprochen, sogar auch geschrieben wird. Doch ich höre mit einem Akzent und glaube, dass unsere Glaubensgenossen das gleiche tun ohne es zu wissen. Nachstehend einige Gründe hierfür. Ich bin in Deutschland in einer kleinen Stadt nahe der polnischen Grenze geboren. Ich wuchs unter christlichen Freunden auf, besuchte christliche Schulen, las deutsche Bücher und Zeitungen. Nach aussen hin schien alles in Ordnung und normal, nicht nur mir, sondern auch meinen Eltern, sowie den andern Einwohnern dieser kleinen Gemeinde. Sie alle sprachen die gleiche Sprache, wie ihre christlichen Freunde. Sie handelten und benahmen sich wie sie, kleideten sich wie sie und zweifelten nicht daran, dass sie deutsch waren wie die Anderen. Der einzige Unterschied war ihre Religion. Wenn ich aber hinaus lauschte, vernahm mein Ohr nicht die gleiche Sprache wie meine Eltern und meine andern jüdischen Freunde. Damals konnte ich mir nicht erklären, was es war, das so völlig fremd klang. Als ich heranwuchs erfasste ich, dass mein Ohr nicht deutsch, sondern jüdisch war. Was mein Ohr vernahm, brachte ich stets in Verbindung mit dem Juden in mir, obwohl ich nicht religiös war und damals von Zionismus nichts wusste. Ais Hitler zur Macht kam, vermochten meine Eltern und meine jüdischen Nachbarn die Bedeutung von allem noch immer nicht zu erfassen. Wenn ein christlicher Bekannter mit ihnen sprach, glauben sie es, wenn dieser zu ihnen sagte: „Wir meinen ja nicht Sie“. Ihr Ohr war noch immer deutsch, oder besser gesagt, nicht jüdisch. 52

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