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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung · p. Seite 49

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung
Date
1980-05-01
Page
Seite 49 (sequence 2517)
Language
German
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die 4jährig war, da die Schweizer Personen, die mit Kindern unter 6 Jahren dorthin flüchteten, nicht zurückwiesen. Ebenfalls meine Schwägerin Else, die wir aus dem Lager in Gurs befreien konnten und ihre Tochter Helga Hessen wir eiligst aus einem entfernten Oseheim herkommen, um mit uns zu flüchten. Wir mussten in nächtlicher Wanderung viele Kilometer bergauf bis zu 2000 Meter Anhöhe heraufklimmen. Schmuei bei der Hand und Miri auf dem Rücken in einem Sack. Auf der Bergspitze trafen wir einen Polizisten. Wir befürchteten, dass es ein Deutscher sei. Es war aber ein Schweizer Grenzpolizist. Ich ging ihm entgegen, um mich zu stellen und er sollte nicht berichten können, dass er uns gefasst hat. Er meinte, wir müssen mit ihm zu Fuss herunter, bis ganz unten zum See zur Grenzstation. Ich erwiderte ihm, dass ich bei der Ermüdung diesen schwierigen Abstieg mit dem Kind auf dem Rükken, nicht wagen könne. Er erwiderte mir, zum Ruhen sei jenseits der Grenze mehr Gelegenheit und ich solle mich entscheiden. Er willigte jedoch ein, Miri selbst auf den Rücken zu nehmen und gab mir Tornister und Gewehr. Nach vielen Stunden Marsch kamen wir unten in St. Chatel an und wurden über Nacht in ein Zimmer eingeschlossen. Am Morgen nach Verhör, ihnen war von der Ankunft der Deutschen noch nichts bekannt, schickten sie uns per. Bahn unter Bewachung weiter nach Martigny - les - Bains. Unterwegs kauften fremde Frauen den Kindern Süssigkeiten, so erbärmlich müssen wir ausgesehen haben. In Martigny sandten sie Else und die Kinder zur Versorgung ins Spital und ich kam in eine Einzelzelle ins Gefängnis. Durch die vergitterten Fenster hörte ich dann die Zeitungsverkäufer ausrufen, dass Mussolini kapituliert hat und ganz Frankreich von den Deutschen besetzt ist. Nach 2 Tagen wurde ich zum Polizeioffizier gerufen und ich war Zeuge folgender Szene: Der Gendarm führte ein christliches Künstlerpaar vor, das einen Vertrag zum Lausanner Stadttheater in der Tasche hatte, aber in Frankreich in Chamonix das Visum zur Einreise in die Schweiz nicht erhalten konnten, da die deutsche Armee herannahte. Er befahl die Leute am selben Morgen an die gleiche Stelle zu bringen, wo man sie gefasst hatte. Dann wandte er sich an mich und meinte, jetzt verstehe ich, warum er mich rufen liess, denn, die Schweiz liess Leute ohne Visum nicht automatisch herein. Bevor er sich in meinem Falle entscheide, soll ich ihm erklären, wer auf der anderen Seite der Grennze es organisiere, Kinder nachts ohne Begleitung über die Grenze zu schicken. Ich, als Heimleiter wisse ja sicherlich hierüber gut Bescheid. Ich brauche ihm nicht sofort zu antworten, ich hätte in meiner Zelle genug Zeit zum Nachdenken, was ich ihm zu berichten habe. Nach 2 Tagen sandte er mir einen Polizisten mit Schreibmaschine mit dem Aufträge zu schreiben, was ich ihm diktiere und dies hätte ich dann zu unterschreiben. Alsdann würde man sich über meinen Verbleib in der Schweiz entscheiden. Ich erklärte dem Polizisten, d.h. ich diktierte ihm in die Maschine, dass ich jenseits der Grenze nur der lokale Leiter des Heimes war, aber von den Zentralen nie darüber unterrichtet wurde, wo die Kinder herkamen, die man mir schickte und wohin sie kamen, falls sie weggeschickt wurden. Diese, meine offizielle Erklärung hat er dann akzeptieren müssen. Man schickte uns alle 7 in ein Auffanglager zur Quarantäne in Lausanne. Mit der Aussenwelt durften wir dort keinen Kontakt haben, sodass auch die nächsten Verwandten nicht einmal ein Paket abgeben konnten. Mit Arbeit haben sie mich verschont, da die Kinder ihre Mutter nicht zur Seite hatten und ich mich um sie kümmerte. Am Ende der Quarantäne, am Rosch Haschana, wurden wir versetzt und ich kam in ein Heim am Genfer See in Lausanne. Dort wurde ich Küchenchef und erhielt als Privileg ein Einzelzimmer. Nachts konnte ich auf der anderen Seite des Sees die Lichter von St. Paul erkennen und musste mich bangend fragen, wie es meiner Frau dort erginge? Rabbiner Munk aus Paris kam auch in dieses Lager, später auch mein Sohn. Eines Tages erhielt ich die indirekte Nachricht, dass meine Frau ebenfalls nach der Schweiz flüchten konnte, da das Heim in dieser gefährlichen Grenzzone geschlossen werden musste. Sie gelangte durch Schnee und Eis zu einem Pfarrer, der ihr behilflich war, nach Basel zu den Eltern weiter zu kommen. Sie wurde dann interniert und mit einigen Schwierigkeiten sogar ins gleiche Lager zu mir gesandt. Später fand sie Beschäftigung in einem Heim für Flüchtlingskinder in Basel, zusammen mit Dr. Rothschild, der heute auch in Eretz lebt. Ich wurde später in ein Arbeitslager versetzt und arbeitete auch in der Küche. Durch Vermittlung der Agudah kam ich dann in die Leitung eines Heimes für französische Kinder in Tavannes bei Bern. Die offizielle Leitung hatte eine Schweizerin aus Zürich, die aber nach kurzer Zeit krankheitshalber aufhören musste. Mir wurde dann die offizielle Leitung übertragen. Ferner betreute ein örtliches Komittee von Juden das Heim, auch Christen freundeten sich an. Als das Heim im Jahre 1945 aufgelöst wurde, erhielt ich, trotz Flüchtling, ein sehr gutes Zeugnis vom Roten Kreuz Kinderhilfswerk in Bern, das mir hier die Anstellung erleichterte. Als Frankreich nun 1944 befreit war, reiste meine Frau mit unseren' Kindern nach Frankreich zurück. Ich hatte zur Einreise noch keine gültigen Papiere. So erhielt ich polizeiliche Verständigung, mich erneut in ein Arbeitslager zu begeben, .mit Freikarte für die Fahrt. Ich antwortete mit dem Stempel vom Roten Kreuz, dass Herr Wolf 3 Tage Urlaub hat und dann sich hinbegeben wird. Ich erledigte mir meine Abschiedsbesuche in Basel, organisierte noch, dass 2 Jungens aus Frankreich, die im . Institut von Dr. Ascher in Baix les Bains waren, und auch zurück wollten, mich trafen. Mit der Freikarte fuhr ich zur Grenze und als die Zöllner mit ihren Hunden die entgegengesetzte Richtung nahmen, rutschten wir den vereisten Berg herunter zur französischen Grenze, wo ich mit meinem Militärbuch der Legion sofort aufgenommen wurde. Meine Frau fand in der Leitung eines Kinderheims von der OSE in Montintin Arbeit und ich in deren Büro in Marseille Beschäftigung. Dies alles durch meinen Schwager, der auch dort tätig war. Uns wurde dann die Leitung eines OSEHeimes übertragen, das Jugend, die aus dem Lager in Buchenwald gerettet wurde, aufnahm. Das Heim war in einem geräumigen Schloss in Ambloy. Die Arbeit war sehr schwierig, da nicht genügend pädagogisches Personal vorhanden war und es an Erfahrung fehlte, wie man Kinder und junge Leute, die nur Grausamkeiten vor sich gesehen hatten, zu behandeln habe. Das OSEHeim wurde später von Ambloy nach Taverny verlegt und von dort nach Versailes. Wir zogen dann nach Sevres, wo meine Frau ein kleineres Heim für kleinere Kinder leitete. Ich hörte auf bei der OSE und arbeitete bei einer israelischen Kooperative in Paris. Als die Regierung hier in Eretz im Jahre 1948 entstand, konnten wir gemeinsam mit Flüchtlingen aus den Lagern via einem Misrachilager in Marseille nach Eretz gegangen. Rosch Haschanah waren wir noch bei unserer Schwägerin und am Jom Kippur in einem Durchgangslager in Marseilles. Am 2. Sukkoth konnten wir per Frachtschiff Weiterreisen, um Simchat. Thora in Haifa anzukommen. Wir kamen ins Lager in Pardess Chana, wo mein Schwager als Arzt fungierte. Ich reiste viel herum, um Arbeit zu finden und übernahm die Leitung einer Zorchania in einem Dorf bei Rechowoth. Es kamen dort viele neue Olim, die alle noch keine Papiere hatten und es war sehr schwer, genügend Lebensmittel zu beschaffen. Die Leute hatten nicht sofort Lebensmittelkarten und die Zorchania war das einzige Geschäft am Platze. Ich hatte 3 Verkäufer, fuhr aber den ganzen Tag mit einem Wagen und Esel herum, um Ware einzuholen, sogar bei Dunkelheit. Dies war nicht ungefährlich, da noch Wächter nachts von Arabern erschossen wurden. Dies war 1949. Im Jahre 1950 fing Malben - Joint seine Tätigkeit durch Eröffnung von Heimen an und mittels meiner Empfehlung aus Bern fand ich sofort Arbeit. Im Jahre 1950 zogen wir nach Akko, wohnten zunächst in der Altstadt neben Arabern, um später eine Wohnung in Amidar zu erhalten. Ich war 4 Jahre in Akko, 1 Jahr in Zfat als Leiter des Malben Altersheims und von 1955 bis 1970 ln Bat Jam. Wir wohnten im Altersheim im Schikun Amidar. Die Zentrale von Malben war in Tel Aviv, das Helm im Schikun und es gelang mir, es gut zu entwickeln. Im Jahre 1970 wurde das Heim als solches geschlossen, da in den grösseren Heimen genügend freie Betten vorhanden waren. Gemeinsam mit der Irijah wurde ein Tagesheim eröffnet. Ich verliess jedoch den Posten im Pensionsalter und wir zogen nach Petach Tikwah. Ich möchte noch erwähnen, dass mein Zwillingsbruder Emanuel nach jahrelanger Trennung auch nach Frankreich zurückkam. Er war mit den Freifranzosen, den de Gaullisten — im Orient und wir wussten nichts von einander. Er wohnt heute in Jeruschalajim. Nebenbei bemerkt, haben wir durch die Deutschen Einrichtung und Möbel in Vittel und in Paris verloren. Dies ist in grossen Zügen die Geschichte meiner Vergangenheit. Als Rösumg möchte ich auf die Schilderung zurückkommen, wie ich im Jahre 1933 Frankfurt a/Main mit einem kleinen Köfferchen für immer verliess, ins völlig Ungewisse und wie mir G’tt geholfen hat, hier in Israel meine lieben Kinder religiös aufzuziehen und entsprechend zu verheiraten. G’tt sei Dank, dass wir hier im heiligen Land im Alter ein sorgenfreies Leben führen können, umringt von Kindern und Enkeln, dass wir in einer Gemeinde nach unserem Sinne leben, Zeugen sind von der Entwicklung des Landes und dem Aufbau von Jaruscholajini. All dies düngt uns manchmal als Traum, und wir beten zu IHM, dass Er uns, den Kindern und dem ganzen Land weiter Seinen Schutz gewährt. Salomon-Sam Wolf-Bein Petach Tikvda (früher Paris) r-;-■>> I Einerseits und Andrerseits 1 I Einerseits und Andrerseits I Steh’n im Leben stets bereit | Und erfordern Unsrerseits I I Einen endgültigen Bescheid. | Einerseits soll man so leben 1 Als ob der heutige Tag I I Würde unser letzter sein | Darum stopf in ihn hinein . | Wohltaten und Hochgenuss I I Resultat — ein guter Schluss. I Andrerseits lebst Du richtig * Nimmst Du Dich nicht so wichtig I I Glaubst Du heute hast Du Sorgen | 1 Mach sie Dir erst übermorgen . I Denkst Du doch einmal ans sterben I I Lach im Geist mit Deinen Erben ■ Du lebst heiter und in Frieden I I So ein Leben kann man lieben. ■ | Hans Seidenberg, Culver City, Cal. | 49

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