Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1980
- Issue
- No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung
- Date
- 1980-05-01
- Page
- Seite 48 (sequence 2516)
- Language
- German
- Belongs to
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Vom Dunkel zum Licht, ein dornenbesaeter Weg 1933 —1948. Tatsachenbericht Bis Februar 1933 — ich war damals 27jährig — wohnte ich bei meinen Eltern in Frankfurt a/Main. Im Februar desselben Jahres wurde ich nachts auf der Strasse von der Nazi-Jugend überfallen, zu Boden geschlagen und verletzt und musste mich in ärztliche Behandlung begeben. Ich beschloss mit Einwilligung der Eltern, am Wahltage Hitlers Jenseits der Grenze zu sein und begab mich nach Frankreich, wo ich schon seit 1931 geschäftliche Beziehungen hatte. Ich führte seit 1931 ein Familienhotel an einem Badeplatz während der Sommer Saison, das ich bis Kriegsausbruch — 1939 auch weiterhin besass. Im November des Jahres 1933 heiratete ich in Paris, wir wohnten in Paris bis Kriegsausbruch lm Jahre 1939, während der Saison auch in unserem Hotel in Vittel/Vogesen. Dort hatten wir bei Kriegsausbruch durch den Ansturm der Flüchtlinge aus dem Eisass enorm zu tun. Dies war im September. Ich wurde jedoch sofort als Ausländer interniert und mein Schwiegervater musste allein die Schliessung des Hotels durchführen. Sie verliessen dann Vittel, dies war nicht weit von der Grenze, um mit Sack und Pack nach Süd-Frankreich zu flüchten, wo mein Schwager Dr. Robert Nerson s.A. sich in einem Dorfe als Arzt niedergelassen hatte. Unterwegs fuhren sie noch bei mir vorbei, wo ich unter Bewachung in einer Scheune festgehalten wurde. Nach wenigen Tagen erschien ein Comitee von Offizieren, die auch meine Befreiung bewilligte, da meine Frau französische Staatsbürgerschaft besitzt. Ich fuhr zurück nach Vittel — es war Erew Jom Kippur — bekanntlich war meine Familie schon fort. Ich fand ein Zimmer bei einem christlichen Bekannten. Jom Kippur, war die Synagoge sehr stark besetzt, hauptsächlich von Flüchtlingen aus dem Eisass. Man bat mich als Vorbeter für Schacharith zu fungieren. Als ich damit gerade geendet hatte (d.h. stehend 3 Stunden), erschienen 2 Polizisten, die mir erklärten, dass ich als Ausländer hier kein Wohnrecht mehr hätte Im Prinzip müssten sie mich wieder inhaftieren, da sie mich jedoch kannten, empfahlen sie mir sofort abzureisen. Ich beriet mich mit einem anwesenden Rabbiner, der meinte, ich solle tatsächlich sofort abreisen, aber unterwegs bei Nacht anbeissen. Ein christlicher Geschäftsfreund brachte mich per Auto zur Bahn nach Dijon. Dort wartete ich im Wartesaal die Nacht ab. Nach Mitternacht fuhr ein Personenzug in die Haute Savoie. Ich riskierte es ohne Papiere zu reisen, ging aber an der Grenzstation Annemasse nicht den offiziellen Ausgang heraus. Mit der Strassenbahn und noch 7 Kilometer zu Fuss gelangte ich in Boege — Haute Savoie an, wo selbst die Polizei sich wunderte, wie ich ohne Papiere dorthin gelangte. Da mein Schwager als Arzt dort sehr bekannt war, liessen sie mich für einige Zeit in Ruhe. Wir mieteten bei Bauern eine kleine Wohnung. Ich selbst erhielt jedoch eine Vorladung von der Präfektur in Annecy und wurde wiederum interniert. Dieses Mal kam ich in ein grosses Lager Bei Lyon. Dort gab es nur 2 Möglichkeiten Entweder sich als Kriegsfreiwilliger zur Fremdenlegion zu melden oder als unerwünschter Ausländer in einem Lager, hinter Stacheldraht, für Kriegsdauer zu bleiben. Ich entschied mich für die Legion. Bei der medizinischen Kontrolle meinte der Arzt, ich sei zwar zu schwächlich für den Dienst in Nord-Afrika, könnte mich jedoch dort als Hotelier sicherlich in der Küche nützlich machen. Man erhielt sofort 5 Tage Urlaub, ich war dann in Thonon, wurde dort für einige Wochen krank. Um gesund geschrieben zu werden, musste ich per Tender in ein Lazarett in den Bergen. Da ich aber kein Held im Fahren bin, kam ich so weiss dort an, dass mich niemand fragte, was ich wollte und wurde sofort auf einige Wochen ins Bett gesteckt. Dann musste ich zurück nach Lyon, von dort in das Durchgangslager der Legion in Fort St. Jean am Hafen in Marseille. Dort musste man zur Anhöhe schwere Steine heraufschleppen, die beim Abtransport wieder heruntergeworfen wurden, damit die Nächsten auch Beschäftigung vorfinden. Das Regime war sehr streng zur Abschreckung und Einschüchterung. In dieser Stimmung ging es dann per Frachtschiff nach Nord-Afrika auf 10 Monate bis Kriegsende ohne Urlaubsmöglichkeit ("Ende 1939 bis Oktober 1940). Wir kamen in Oran an, von dort ging es nach Sidi-bel-Abes und ich kam zur Ausbildung nach Saida. Das Regime war sehr streng und ungerecht und wegen Bagatellen kam man ins Gefängnis. Die Vorgesetzten waren keine Kriegsfreiwilligen, sondern 5- oder lOjährig Engagierte. Sie waren brutal und besonders zu Leuten mit Brille sehr gehässig. In ihren Augen sind diese die Intelligenz, die sie besonders schikanieren wollten. Wenn man im Schlafsaal Leute zur Arbeit suchte, musste ich sofort die Brille in die Tasche nehmen, sonst war ist stets bei Kohlenschaufeln und Kistenschleppen dabei und wurde auch grundlos auf 6 Tage ins Gefängnis gesteckt. Von den Schiessübungen war ich wegen meiner schlechten Augen befreit. Zu anderen Trainings- und Tagemärschen wurde ich jedoch stets herangezo'gen. Die Post funktionierte sehr unregelmäsig. Gesundheitlich ging es mir nicht schlecht, da ich Hitze besser vertrage, als Kälte. Zu Pessach hatten wir (d.h. die Religiöse) Erlaubnis, in der Stadt Mittag zu essen und war ich mit Marc Breuer bei einer Familie in Saida. — So ging es ca. 10 Monate von Januar bis Oktober. Als nun die Deutschen Frankreich besiegten, musste die Legion die Waffen abliefern und die Mannschaft wurde in Arbeiterkolonien in die Wüste geschickt, von wo fast niemand lebendig herauskam. Um vor der Verschickung in die Wüste von der Legion befreit zu werden, muste man binnen weniger Tage folgende 3 Bedingungen erfüllen: 1. Nachweis für Frankreich gültige Papiere, 2. Polizeilich beglaubigte Bescheinigung, wo man wohnen wird, 3. Nachweis der Existenzmöglichkeit (Kapital) Frankreich habe den Krieg ver'oren und könne Ausländer nicht ernähren. Zu Nr. 1: Uns wurden beim Engagement in die Legion die Papiere abgenommen und wir mussten diese jetzt von neuem beweisen. Ich erhielt von Boege per Flugpost durch die Gendarmerie Fotokopie meiner noch gültigen Papiere. Zu Nr. 2: Durch meine Frau erhielt ich polizeilich beglaubigtes Zeugnis, wo ich wohnen werde. Zu Nr. 3: Tch liess mir durch meinen Schwager in Boege einen grösseren Betrag telegrafisch anweisen. Inzwischen gab es jedoch eine neue Bestimmung. Bargeld wird als Beweis nicht anerkannt, man könnte es sich am Platz geliehen haben. Als ich das Gold erhielt, musste ich den Betrag stets bei mir herumtragen, da viel gestohlen wurde. Die ganze Sache war überhaupt sehr gefährlich, da die Araber die Soldaten Samstag nachts wegen ihres kleinen Solds überfielen und ich hatte einen solch grossen Betrag bei mir. Ein Unteroffizier hatte für meine I^age Verständnis, gab mir während der Dienststunden Urlaub, um in die Stadt zu gehen. So eröffnete ich in Saida auf meinen Namen ein Bankkonto, das in letzter Minute als Dokument anerkannt und meinen Akten beigefügt wurde. Von den Tausenden.von Kameraden gelang cs ca. 80 befreit zu werden, wo ich auch dabei war. Es ging dann per Frachtschiff nach Marseille, wo ich Erew Jom Kippur anlangte. Unterwegs nach Lyon nahm ich nur Tee mit Sacharin zu mir, da wir noch keine Lebensmittelkarten hatten. Angekommen in Lyon war schon Kol Nidrei. Wohin gehen? Ich hatte Lyon im Jahre 1939 als schöne, lebhafte Stadt gesehen und nun waren es verlassene, traurige Strassen, nach verlorenen Schlachten und mit den bangenden Gesichtern, was wohl der morgige Tag bringen wird. Wo ein Zimmer finden und wo werde ich anbeissen? Ich begab mich zur Adresse des koscheren Restaurants, das ich kannte, um mich zu beraten. Ich fand es verschlossen und vermietet an ein Minjan. Schmutzig, wie ich war und ohne zu wissen, wo zu nächtigen, ging ich nicht hinein und machte mich weiter auf die Suche nach einer Lösung, jedoch ohne Erfolg. Ich ging zurück in das Lokal, um evtl, dort im Korridor zu nächtigen. Wie gross war meine Überraschung. Als das Minjan gerade zu Ende war und elsässische Flüchtlinge sich dort befanden, stürzten sich mein Schwager Raymond und Jean Jacques s.A. auf mich, sowie mein Onkel Henry Samuel s.A. aus Muehlhause, der mich zivil einkleidete, sodass ich Jom Kippur in die Schul gehen konnte. Ich übernachtete bei ihm und konnte auch dort anbeissen. Nach vielen Monaten milchiger Kost. Ein Tag nach Jom Kippur gelangte ich, genau wie im Vorj ehre, wieder zu Hause in Thonon an. Unsere Miri war damals 16 Monate alt und wollte die ersten Tage mich garnicht kennen. Dies war im Oktober 1940. Wir blieben in Thonon. Im Frühjahr 1941 eröffneten wir ein Kinderheim der OSE in den Bergen bei Boege. Es handelte sich um ca. 60 französische Kinder, deren Eltern fliehen mussten. Es war ein Bauernhaus, sehr primitiv und wenig Personal zu finden. Juden wohnten dort überhaupt nicht. Boege, wo die Eltern bei Yvonne wohnten, war viele Kilometer zu Fuss zu erreichen. Das ganze Gebiet war von Italienern besetzt und dennoch hörte man von Gestapo Kontrollen an den Bahnausgängen. Wenn man nachts ein Auto anhalten hörte, war man schon voll Angst. Als ich den Pfarrer in der Nähe fragte, wo ich nötigenfalls mich bei ihm verstecken könne, lehnte er es glatt ab, da er selbst Angst hatte. Das Heim wurde 1943 in ein grösseres Gebäude auf der Anhöhe über Evian - les - Bains, am Genfer See verlegt. Dies war auch in den Bergen und dort begannen die Partisanen sich zu organisieren. Nach all den Ereignissen durften wir an uns nicht denken. Wir hatten viele elternlose Kinder zu betreuen und wenig Personal. Als ich im gleichen Jahre einen Anruf meines Schwagers Armand, der bei der Zentrale der OSE in Annecy arbeitete, erhielt, dass ich sofort wegmüsse, da die Italiener sich zurückziehen, und die Deutschen stündlich erwartet werden, beschlossen wir, meine Frau als Leiterin im Heim zurück zu lassen, bis die Auflösung und Unterbringung der Kinder geregelt sein wird, aber ich selbst mit meinen Kindern fliehen und von den Partisanen in die Berge begleitet wurde, um die Schweizer Grenze zu erreichen. Ich nahm Schmuei 9jährig und Miri mit, 48