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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung · p. Seite 44

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung
Date
1980-05-01
Page
Seite 44 (sequence 2512)
Language
German
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um 7 Uhr und 25 Minuten. Ja, so war es ausgerechnet worden, — 7 Uhr 30 wäre schon zu spät gewesen I Denn der Schabbath war von früh morgens bis „Nacht“ genau eingeteilt gewesen. In unzähligen Privathäusern wurden in Zirkeln und in Synagogen in geschlossenen Kreisen „Schiurim" gelernt — das Thema und der Vortragende waren völlig voneinander verschieden. Hier wurde der Wochenabschnitt mit „Raschi“, dort mit Ibn Esra, an anderer Stelle mit dem Ramhan gelernt. Mischnah, Gemara, Schulchan Aruch, — die Auswahl war für den Lernbegierigen unbegrenzt. Am Bornplatz hielt Oberrabbiner Spitzer allsabbatlich einen lstündigen Vortrag über das Werk „Herzenspflichten“, der Schuldirektor Josef Carlebach, der später Oberrabbiner von Hamburg wurde, hielt nachmittags am Schabbath Vorträge über die Bücher Hiob, das Hohelied, Ruth und die „Prediger“. Jahrelang strömten die Hamburger in den grossen Saal des Logenheims, um diesen tiefschürfenden, geistreichen Vorträgen zu lauschen, die Carlebach in seiner gewählten Sprache zu einem wahren Kunstgenuss zu machen verstand. Die Zahl der regelmässigen Hörer ist mit 500 gewiss nicht zu klein bemessen und diejenigen, die sich immer wieder von neuem durch Carlebachs Vortragsweise hinreissen liessen, werden diese Weihestunden nicht vergessen. — Es gab auch einen „Lernverein“, genannt der Mekor Chaim, die „Quelle des Lebens“, in dem an den Wochentagen abends und am Schabbath von morgens bis abends alle biblischen und talmudischen Themen gelernt wurden, auch hier schwankte die Zahl der Jeweiligen Teilnehmer zwischen dreissig und zweihundert. schah das meiste, ob es sich um Gebote zwischen G’tt und Mensch oder um solche zwischen Mensch und Mensch handelte, auf diesem Gebiete ehrenamtlich. Die fast 20 „immatrikulierten Mohelim“, die vom Oberrabbiner gleichfalls bestätigt werden mussten, vollzogen die Aufnahme der neugeborenen Knaben in den Abrahamsbund — ehrenamtlich. Die „Kabranim“, die Mitglieder der Beerdigungsbrüderschaften, verrichteten die letzten Liebesdienste an den Toten „leschem mizwah“, schlossen ihre Geschäfte und verloren drei bis vier Stunden ihrer Arbeitszeit, um ein Gebot erfüllen zu können. Es gab in Hamburg bedeutende Geschäftsleute, die täglich morgens ihre Angestellten vor der Arbeit um sich sammelten und mit ihnen 10 bis 15 Minuten lang einen Bibel- oder Talmud- Abschnitt „lernten“. Es gab Kaufleute, Rechtsanwälte und Ärzte, die am Freitag, dem Rüsttag zum Sabbathtage, frei machten, um bei Freunden und Bekannten für wohltätige Zwecke oder verarmte Familien zu sammeln, ohne Rüsksicht darauf, dass sie ihre Zeit für ihre eigene Tätigkeit verwenden könnten. Ja, es war eine herrliche Gemeinde, dieses Hamburg, eine „Ir waem bejisrael“ par excellence. Ihre Mitglieder, soweit sie nicht in den Jahren des Grauens umgekommen sind, sind in alle Weltteile zerstreut, und es dst erfreulich festzustellen, dass überall da, wo sich mehrere Mitglieder der früheren Hamburger Gemeinde irgendwo in der Welt trafen, der Versuch gemacht wird, die grossen Traditionen dieser altehrwürdigen Gemeinde fortzusetzen. Trotz all dieser Versuche wird es natürlich niemals gelingen, den alten Glanz wieder herzustellen. Aber Hamburgs Eigenschaft als Überseehafen machte sich in einer weiteren Synagoge bemerkbar: die Synagoge in den Auswandererhallen. Die Auswandererhallen waren eine Einrichtung der hamburger Hafenbehörden bzw. der Hamburg - Amerika Linie, die für meist unbemittelte Durchwanderer zu niedrigen Preisen Wohn- und Essgelegenheiten eingerichtet hatten. Hier konnten sie sich vom Tage ihrer Ankunft in Hamburg bis zu dem Augenblick aufhalten, an dem sie das Schiff bestiegen, das sie in die überseeischen Länder bringen sollte... Zehntausende russische Juden, die in den 90er Jahren und zu Beginn unseres Jahrhunderts ihre Heimat verliessen, fanden hier, auf der „Veddel“ vor der Reise in die ungewisse Zukunft mit tatkräftiger Unterstützung der hamburger Gemeindegremien und zahlreicher Vereine (der grösste unter ihnen war der „Verein zur Unterhaltung durchreisender Israeliten“) brüderliche Aufnahme. Zahllose Familien boten sich an, um den meist vor den russischen Pogromen Geflüchteten am Freitag Abend und den anderen Schabbath Mahlzeiten ein Heim zu bieten. Das „Daniel Wormser-Haus“ war von dem Stifter auf seinen Namen gebaut worden, um den Alten und Schwachen unter den Durchwanderem liebevolle Betreuung und ärztliche Hilfe angedeihen zu lassen. Die Synagoge wurde von der Hamburger Gemeinde in ihre Obhut genommen, und eine unter der Aufsicht des Hamburger Oberrabbinats stehende Küche garantierte die rituelle zuverlässige Verpflegung. Ausser den amtlich bestellten Aufsichtspersonen, die vom Oberrabbiner bestätigt werden mussten, waren auch viele ehrenamtliche Helfer zur Stelle. Einer von ihnen, der kinderlose Isaak Moses war täglich im Sommer und Winter „draussen“, um nach dem Rechten zu sehen und zur Verfügung zu stehen, wenn Rat und Tat von ihm gebraucht wurde. Schabbath für Schabbath legte er den eineinhalbstündigen Weg von seinem Hause am Grindelholf zu Fuss zurück, da er ein Gefährt nicht benutzen wollte, ungeachtet sengender Hitze im Sommer oder grimmiger Kälte im Winter. Überhaupt ge¬ „Was gewesen, kommt nicht wieder, Aber ging es leuchtend nieder, — Leuchtets lange noch zurück.. Schlossbemerkung: Es wurde in diesen Ausführungen der Versuch gemacht, das hamburger jüdische Leben in und um seine Synagogen im letzten Jahrzehnt vor seiner Zerstörung aus eigener Erinnerung zu zeichnen. Natürlich erheben diese Seiten keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Zusammenhang mit der Geschichte der Hamburger jüdischen Friedhöfe, einer Zeichnung der verschiedenen hamburger jüdischen Schulen, der Logen und zahlreichen Vereinigungen könnte die Beschreibung des jüdischen Lebens in Hamburg wesentlich vervollständigt werden. Der Schreiber behält sich vor, auch diese Gebiete der Vergessenheit zu entreissen und ist für Mitteilung von Einzelheiten und Anregungen aus dem Leserkreise dankbar. Die Arbeit, von der bereits 2 Folgen erschienen, wurde bereits vor 20 Jahren geschrieben. Inzwischen weilt ein Teil der erwähnten Personen nicht mehr unter uns..." Ausser den Synagogen auf Hamburger Gebiet gab es noch Betstätten ln Altona, Wandsbek und Harburg. Bis zur Napoleon-Herrschaft waren die drei-Gemeinden — unter dem Namen AHU zusammengefasst unter einheitlicher geistlicher Führung und zu Beginn des vorigen Jahrhunderts wurden die 3 Rabbinate voneinander getrennt. Die Altonaer Synagoge war ein ehrwürdiger Prachtbau, und wurde auch von allgemeinen nichtjüdischen Instanzen als Sehenswürdigkeit bezeichnet. ABBILDUNG DER STORCHSYNAGOGE IN BRESLAU In der Beilage der „Jerusalem Post“ vom 13. Juni 1980 befindet sich eine Abbildung des Innenraumes der leider vor einigen Jahren durch Feuer beschädigten Storchsynagoge in Breslau. LIED DER AUSWANDERER Wir ziehen nun zum fernen Strand Wir ziehen Ins gelobte Land Nicht jubelnd froh, — nein wund im Herzen Nach heisser Schmach — in bittren Schmerzen Ein Kind, — das von der Heimat süss Ein Jäher Elternzorn verstiess, Das sich in Qual am Boden wand — So ziehen wir ins ferne Land. Das Land, das wir in Glut umschlossen Für das der Brüder Blut geflossen, Wo unsre Eltern sind begraben Will uns nicht mehr als Söhne haben, Man nahm uns Würden, Ämter, Brot, Stiess uns hinab in Schmutz und Kot. So ziehn geächtet und verkannt Wir nun ins ferne Rettungsland. Habt Ihr. vergessen, deutsche Brüder Wie mit Euch singend Kampfeslieder Auch wir begeisterungsvoll gezogen Mit Euch in Kampf und Todeswogen? Wie wir geteilt das letzte Brot Geteilt der Seele höchste. Not, Und spricht für uns kein deutscher Mund? Wir warten qualvoll Stund auf Stund. Die deutsche Sprache, die wir hegten. Bis in den fernsten Zonen pflegten, Die wir gelehret unsre Kinder, Dient Jetzt uns nur als Qualverkünder. Nicht, soll'n in ihren Laut ergiessen.. Wir ferner Jüdische Kunst und Wissen, — So ziehn das Antlitz abgewandt, Wir trauernd nun aus diesem Land. Zieh Deine Furchen teurer Kiel — Bring uns geschwind ans ferne Ziel — Dass in der Arbeit wir vergessen, — Das Los, das Hass uns zugemessen. Gern woll’n wir schwere Lasten tragen Um Frieden, Heimatluft uns plagen — O tauch bald aus dem Nebel auf Gelobtes Land, und nimm uns auf! I I I I I I 1 i 8 I VERBAND EHEMALIGER BRESLAUER IN ISRAEL Hierdurch werden die Mitglieder des Verbandes zu der am Dienstag, den 15. Juli 1980 stattfindenden Mitgliederversammlung eingeladen. Ort der Versammlung: Tel Aviv, Hotel Sinai, Trumpeldorstr. 11 Zeit: nachmittags — 5 Uhr Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes 2. Neuwahlen für den Vorstand 3. Wahl einer Finanzkommission 4. Diverse. (Wir haben die Zeit der Versammlung so gelegt, damit die auswärtigen Mitglieder Gelegenheit haben, zu erscheinen). 1 I I I I I I I 8 I 44

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