Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1980
- Issue
- No. 46-47 (Mai 1980), Fortsetzung
- Date
- 1980-05-01
- Page
- Seite 40 (sequence 2508)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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100 Jahre Robert Stolz Am 25. August 1980 werden 100 Jahre verflossen sein, dass Robert Stolz das Licht der Welt erblickte. Überall ln der Welt wird dieses Tages gedacht, sei es durch Sonderaufführungen oder Ehrungen aller Art. Wien war seit Lanner, seit Strauss auch eine Stadt des Dreiviertel-Taktes gewesen, eine Stadt der Lebensfreude, ein wogender Tanzplatz. Lag es an der Wiener Luft, der Athmosphäre, dem Prater — der Walzer war Wiens ureigenstes Produkt und Besitz. Im Walzer lag Grazie, Anmut, Schönheit und Annäherung. Nach den Obengenannten „Eisten1 hatte Stolz ein hohes Amt zu verwalten, Ihr Werk fortzuführen. Er tat es mit grossem Erfolg, sowohl als Komponist wie auch als Dirigent. Seine geistvoll-fröhliche Musik in beschwingtem Rhytmus geht einem nicht mehr aus dem Ohr. Mit Liebe ist jedes Werk komponiert, nicht für den Meister selbst, nein für uns alle, die beim Anhören die täglichen Sorgen vergessen — es Ist die Musik eines grossen Menschenfreundes. Es ist nicht nötig seine Werke namentlich aufzuzählen — allzu bekannt sind sie uns alle, seine Wiener Lieder, seine Operetten. Stolz sagte: „Ich wünsche mir, dass meine Musik in den Herzen der Menschen weiterlebt. Dann weiss ich, dass ich die Aufgabe, die ich vom Herrgott bekommen, erfüllt und nicht umsonst gelebt habe". Seine Musik lebt in unser aller Herzen weiter, und immer wenn wir seine Musik hören, sehen wir im Geist den Meister vor uns. Julius Sachs (Fortsetzung von Seite 39) Lothar Fischer: HEINRICH ZILLE In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek b. Hamburg 50 Jahre sind seit dem Heimgang von Zille verflossen, aber er lebt weiter in seinen Zeichnungen, die in tausenden von Alben festgelegt sind. Anlässlich des 50. Todestages erschien diese Übersicht über Leben, Schaffen und Werdegang des beliebten „Pinsel - Heinrich". Wir lesen über den Weg dieses „Ur-Berliners“ (der garnicht in Berlin geboren wurde, ebenso wie Claire Walldoff, die den Meister so oft besang und ihn noch populärer machte als er schon war, keine gebürtige Berlinerin war). Zille führte uns das „andere“ Berlin vor Augen, das nicht Glitzernde, das Leben in den Armenvierteln und die dort Beheimateten. Auch wenn seine Typen nicht immer einladend wirken und ihre. Sprache oft vulgaer war, hat Zille es verstanden ihr Aussehen, ihr armseliges Leben, aber auch ihre Freuden in allen Einzelheiten so genau und auch humorvoll zu konterfeien, dass ihm diese Welt dankbar sein müsste, sie gewissermassen uns als Mahnung aufgezeigt zu haben. Seine grosse Künstlerschaft bewährt sich in der Sprache dieser sozial gesehenen Skizzen. Und mit Tucholsky können wir sagen: „Du wahst ein jrossa Melsta. Du hast jesacht, wies is.“ Das Buch bringt uns alles wieder treffend in Erinnerung. Frederick (Fritz) Lechner - als Sänger und Kantor Anfang der dreissiger Jahre wurde in Berlin das jüdische Kulturbund Theater unter Leitung von Dr. Kurt Singer gegründet. Man spielte für das theaterliebende jüdische Publikum. Es traten Jüdische Künstler auf, denen die Mitwirkung auf regulären Bühnen schon versagt war. Der Kulturbund gastierte in der Wiintersaison 1933/34 auch in Breslau. Man sah im Schauspielhaus Mozarts „Hochzeit des Figaro“ in einer vorzüglichen Aufführung. Der Schreiber dieses Berichtes besuchte die Vorstellung und ihm ist heute noch die Darbietung des „Grafen“ in Erinnerung, den Lechner in interessanter Auffassung bot. Die Rolle bietet genügend Möglichkeiten, Bühnentalent und Gesangskunst zu beweisen, und der Künstler tat alles und das Beste, um stürmischen Beifall einzuheimsen. — Lechner gehörte dem Kulturbund von 1933—36 an, sang wichtige Rollen, ua. in „Hoffmans Erzählungen“, „Carmen“, „Fidelio“, „Nabucco“ und „Barbier“. Im Sommer 1936 gab der mit seiner Gattin nach USA fahrende Geselle sein Abschiedskonzert mit den „Liedern eines fahrenden Gesellen" von Gustav Mahler, unter Begleitung des bekannten Dirigenten Steinberg. Lechner war 1904 in Stettin geboren. Durch seine Mutter wurde er für die Musik interessiert. Man zog nach Berlin und 1923 studierte Lechner an der Staatlichen Musikhochschule. Nach mehreren Jahren intensiven Gesangsstudiums debütierte er als „Rigoletto“ höchst erfolgreich. 1933 trat er in Wien in Starvinskys „Les noces“ auf, in der Schweiz sang er in einem Werk von Milhaud, und beim Genfer Festival in Stravinskys “L’histoire du Soldat“. 1935 wurde er nach Brüssel eingeladen und trat dort in mehreren Rollen auf. 1936 wanderte er wie gesagt mit seiner Frau Eva, Tochter des bekannten Tolstoj-Übersetzers und Begründers des Schillertheaters, Berlin, Dr. Raphael Loewenfeld, in USA ein. Sein Debüt in Amerika war mit dem Boston Symphonie Orchester, unter Dr. Serge Kussevitzky. Ferner gastierte er mit dem New Yorker Philharmonie Orchestra. Im Laufe der Jahre Ist er wohl als Solist mit allen bedeutenden Orchestern der USA auf getreten. Ebenso absolvierte er erfolgreiche Gastauftritte in Buenos Aires (Theatro Colon) und in Australien. 1937 wurde er Kantor der Central Synagogue New York City. Jeden Sonntagmorgen ward seine Stimme in “The Message of Israel” (allwöchentl. “Coast to Coast”ABC Broadcast) gehört. Hier hat er bedeutsame Werke namhafter jüdischer Komponisten auch zeitgenössische, bekanntgemacht. Die Würde und Schönheit der Synagogenmusik ist sein besonderes Anliegen und hat er diese im Laufe der Jahre der immensen Zahl der Hörer der Sendungen nähergebracht. J. S. HANS - ULRICH ENGEL EINE STADT - ZWEI NAMEN: Breslau - Wroclaw Bilder aus der Geschichte einer Europäischen Stadt Der Text obiger Sendung des Bayerischen Rundfunks wurde ln „GEHÖRT — GELESEN“ Manuskriptauslese des Bayerischen Rundfunks Heft Nr. 12. Dezember 1979 abgedruckt. In der Sendung kamen u.A. Walter B. Goldstein, Dagmar Nick u. die Sängerin Lucie Eger zu Worte. RITA ATLASZ EINST STERN AM OPERNHIMMEL Da waren bei Theateragenten in Berlin unzählige Junge Künstler, die ein Engagement suchten. Die Theateragenten hörten sich die angehenden „Stars“ an, aus allen Orten waren die Theatergewaltigen hergekommen, um ihr Personal zu vervollständigen. „Ich möchte Rita Atlasz nochmals hören! Sie hat mir gestern vorgesungen, sie hat fabelhaftes Sing- und Spieltalent, bewegt sich auch ungezwungen“, sagte der Direktor aus Liegnitz, „Mir feit ein lyrischer Sopran“. So kam es, dass Rita Atlasz ihr erstes Engagement nach Liegnitz erhielt. Sie war am Sternschen Konservatorium augebildet worden und war in hohem Grade talentiert. Eigentlich war sie ein lyrischer Sopran; sie sang die Micaela (Carmen), den Siebei (Margarethe) und den Cherubin (Figaro) und vieles Andere, aber sie beherrschte viele Sopran-Stimmlagen. Später ging sie nach Bern, Biel, Bielefeld und Ulm. Auch das Humperdinck-Gretel hat Rita gesungen. Es war üblich, gleichfalls Operettenrollen zu übernehmen und so sah man sie in der „Fledermaus“, mal als Rosalinde, mal als Koloraturenlachende Adele. Jawohl, mein Herr Marquis! Sie gefiel in Kalman und Abraham-Operetten, sie sang die Christel von der Post im .Vogelhändler“ und stellte dabei fest, dass es „bei der Post nicht so schnell ginge“. Darin hat sich' scheinbar seitdem nichts geändert, wozu auch? Als Rita nach und nach ins Koloraturfach überging, entzückte sie die Opernfreunde als Frau Fluth (lyrischer Koloratur-Sopran), als Gilda (lyr. Koloratur-Sopran) und Rosine und Norina. Als „Königin der Nacht“ (dramatischer Koloratur-Sopran) reüssierte sie traumhaft schön. Als die Nazis das Regime antraten, ging unsere Künstlerin zum „Jüdischen Kulturbund“ (Intendant Dr. Singer) über, wo sie unter den Dirigenten Rosenstock und Steinberg in ihrem Rollenfach höchst erfolgreich war. Nach der Kristallnacht verliess sie ihr Geburtsland über England. Ihr Ziel war Amerika, wo Sie den Neffen des Malers Hermann Struck heiratete. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere gab sie die Theater-Tätigkeit leider auf und spielt nur noch hausfrauliche Rollen. Ihr Sohn ist ein bekannter Zahnarzt in New-York, wo die Familie lebt. J. S. AUTOGRAMME-AUSSTELLUNG DER BEKANNTEN SCHRIFTSTELLERIN NORA HAUBEN Die Stadtverwaltung Tel 'Aviv hat in ihrer Stadt-Bibliothek eine ausgezeichnete Autogramm- Ausstellung der oben Genannten zur Schau gebracht, die von vielen besucht und bestaunt wurde. Bereits vor einigen Jahren haben wir auf diese einmalige Sammlung aufmerksam gemacht. Sie war diesmal gerahmt und ausserordentlich ästhetisch angeordnet. Wir fanden darin hunderte Signierungen und Briefe von Politikern, Schriftstellern, Malern, Wissenschaftlern und vielen anderen. Es ist unmöglich, in diesem Rahmen alle Namen zu nennen. Stellvertretend für viele erscheinen: Winston Churchill, de Gaulle, Willy Brandt, oder von Wissenschaftlern, Albert Einstein, Hans Habe und viele bedeutende Schriftsteller. Sogar Könige und grösste Schauspieler unseres Jahrhunderts sind vertreten. Wir wünschen von dieser Stelle aus Nora Hauben viel Erfolg in ihrer Arbeit und weitere Publizität. L 40