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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 36

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 36 (sequence 36)
Language
German
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Rabbiner Dr. Sali Levi, 1883—1941 Aus der Fülle dieses überaus reichen Lebens beschrieben in der Erinnerungsbroschüre haben wir in Folgendem nur einen Artikel über: Sali Levi in Breslau herausgenommen. Wir wollen kurz seinen Werdegang schildern. Er ist in Walldorf bei Wiesloch, einer bayerischen Kleinstadt, geboren. Sein Vater war Religionslehrer. Nach Absolvierung des Gymnasiums ging der junge Levi auf das jüdische thelogische Seminar nach Breslau und hat dort bald einen Kreis gefunden, der ihn zum Studium anregte. Seine stattliche Erscheinung, seine grosse Begabung, haben ihm, dem rhetorischen Redner bald einen Kreis von Freunden und Zuhörern erschlossen. Im Jahre 1913 war er mein Lehrer im Zwinger Gymnasium. Unvergesslich bleiben seine Religionsstunden, unvergesslich die grossartige Erscheinung in der Uniform eines Feld-Rabbiners im 1. Weltkrieg. Als 2. Rabbiner an die Neue Synagoge in Breslau berufen war er ein treuer Anhänger seines Amtsbruders, Prof. Jakob Guttmann. E.L. ERINNERUNGEN AN RABBINER DR. SALI LEVI IN BRESLAU Um Sali Levi kennenzuiernen, muss man seinem Werdegang folgen: Er kam nach dem Abitur am Heidelberger Gymnasium nach Breslau, dei am weitesten östlich gelegenen deutschen Universitäts-Stadt. Breslau war bis zum Weltkrieg eine Stadt wohlgepflegter geistiger und künstlicher Interessen und der Mittelpunkt Ostdeutschlands. An der grossen, an der "Oder gelegenen Universität lehrten Meister, wie Sombart, Ebbinghaus, Freudenthal, Semrau und andere. Oft konnte man Felix Dahn auf dem Weg zur Universität begegnen. Auch die Studenten des Jüdisch-Theologischen Seminars hörten Kollegien an der Universität, wo sie für jeden Zweig ihres Berufes Anregung fanden. Man nannte Breslau eine Ärztestadt: Hier lebten und lehrten Minkowski, Miculiecz und viele andere. Das jüdische Krankenhaus mit Professor Rosenstein und Kollegen hatte einen ausgezeichneten Ruf. Es gab grosse, wertvolle Bibliotheken, und besonders die Volksbibliotheken unter Leitung von Dr. Berthold Kronthal in den verschiedenen Teilen der Stadt waren einzigartig. Von überall kamen Studenten zum Besuch der Technischen Hochschule. Die Breslauer Theater standen auf hoher Stufe. Breslau galt als Sprungbrett für die ersten deutschen Bühnen. Berühmte Künstler gaben hier Gastspiele. Kainz, Tilla Durieux, Verhunk, Osten, Slezak, Tristdorff ... um einige zu nennen. Im Konzerthaus fanden Orchesterkonzerte statt mit ersten Dirigenten, wie Dohrn und Behr; mit Solisten, wie Paderewski, Slivinski, Lamond, Hubermann, Mischa Elman, Marteau, Theresa Careno, Emmy Destinn gaben Abende. Im Sommertheater auf der Gartenstrasse traten Künstler vom Range Bassermanns auf in Ibsens und Hauptmanns Werken. Alexander Moissi, Gerlach rezitierten. Dies ist nur ein kleiner Teil der Künstler, die kamen, weil sie eine starke Verbindung mit dieser Stadt fühlten. Die hier wiedergegebenen Erinnerungen sind begrenzt, aber sie lassen ahnen, wie lebensvoll der Atem dieser Interessanten Stadt einmal war und wie stark er einen jungen Menschen beeinflussen konnte. Als Sali Levi im Jahre 1903 zum Rabbinatsstudium von Süddeutschland nach Breslau kam, fand er eine ihm völlig fremde Umgebung vor. Er nahm an allem Neuen lebhaften Anteil, vor allem am jüdischen Gemcindeleben, und trat früh an verschiedenste humanitäre Aufgaben heran. In Breslau pulsierte auch ein starkes zionistisches Leben. Man diskutierte nach Vorträgen bis spät in die Nacht hinein, wenn Klee und andere die Vereinigungen besuchten. Männer wie Dr. Sandler und Hugo Schachtel betätigten sich eifrig. Sali Levis Preundeskfpis von Menschen aller Konfessionen wurde in kurzer Zeit, sehr ausgedehnt. Viel trug dazu bei, dass er an verschiedenen Schulen, Lyzeen und Gymnasien Unterricht erteilte, Privatstunden gab und mit den Eltern seiner Schüler -in freundschaftlicher Verbindung stand. In zahlreichen jüdischen Vereinen arbeitet er an führender Stelle, und vom ersten Semester an nahm er sein selbstgewähltes Studium sehr ernst. Er verehrte die Dozenten des Seminars für alle Zeit. Sein Studium befriedigte ihn, und schnell vergingen darum die ersten Studienjahre. Im Jahre 1909 wurde Sa’.i Levi eine, aussergewöhnliche Auszeichnung zuteil. Seine Lehrer, die Dozenten des Jüdisch-Theologischen Seminars, schlugen ihn für die Stelle eines zweiten Rabbiners, neben Professor Jakob Guttmann, vor, und er wurde noch als Student einstimmig für diesen vielumworbenen Posten gewählt. Diese Wendung in seinem Leben kam für ihn völlig unerwartet. Sie erfüllte ihn mit demütiger Dankbarkeit. Sein Verhältnis zu dem viel älteren Kollegen blieb Immer vollkommen ungetrübt, und der private Verkehr im Hause Guttmann gab ihm Anregung und Freude. Als er im Jahre 1941 in Berlin zur ewigen Ruhe gebettet wurde, bewiesen die drei überlebenden Kinder Jakob Guttmanns ihre Treue zu Sali Levi. Gern führte ihn während seiner Studienzeit der Weg zur Storchsynagoge, und auch mit dem sehr verehrten Rabbiner Dr. Rosenthal und dessen Söhnen verband ihn herzliche Freundschaft. Sali Levis Amtstätigkeit in Breslau war ein dauernder glänzender Aufstieg, bis er sich freiwillig als Feldgeistlicher zum Armee-Oberkommando X im Osten meldete. Man darf sagen, dass ihm die Stadt Breslau die Grundlage für seine spätere Entwicklung gab. . g. Dr. Hermann (Zwi) Stahl Zum Gedenken 1979 waren es 25 Jahre, seit dem Ableben dieses in Deutschland und hier bekannten Arztes. Geboren wurde Dr. Stahl 1880 in Gross-Stre* litz O.S. (bei Beuthen). Sein Vater, Jakob Stahl, war ein Gelehrter und „Chovev Zion“ und führte das Haus im reliögiösen Sinne. Dr. Stahl besuchte das katholische Gymnasium in Beuthen und nebenbei die Religionsstunden bei Dr. Kopfstein s.A., wobei es zu Konflikten kam, da Dr. Stahl schon damals Zionistische Ideen verfocht und dies im Gegensatz zur Einstellung der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung, sodass es zu Beschwerden bei Dr. Kopfstein kam — doch liess Dr. Stahl sich nicht von seiner Überzeugung abbringen. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte er Medizin, grösstenteils in Berlin. Auch hier setzte er nebenbei seine zionistische Tätigkeit fort und nahm an verschiedenen Kongressen teil. Auf dem 6. Zionistischen Kongress gehörte er zu denen, die gegen Uganda stimmten. 1905 liess ei sich als Arzt nieder — zunächst in Tarnowitz. 1913 besuchte er zum ersten Mal Palästina und erwarb auch Boden auf dem Karmel, welcher sich bis heute im Besitz der Familie befindet. Im 1. Weltkrieg diente Dr. Stahl a's Militärarzt. Nach dem Weltkrieg spezialisierte er sich als Kinderarzt, und war auch Gründer und bis zu seiner Auswanderung aus Deutschland Leiter der „Jüdischen Kinderhilfe". Diese Institution wirkte in den ärmeren Vierteln im Osten Berlins. Es war für ihn, ebenso wie für die anderen Ärzte, selbstverständlich, hier ohne jede Bezahlung tätig zu sein. Politisch stand Dr. Stahl eine Zeitlang dem „Hapoel Hazair“ nahe und war mit vielen dessen Führern und im Besonderen mit Chaim Arlosoroff befreundet. — Mit der „Bne Brith“ Loge war er lange eng verbunden — zunächst mit der „Berthold Auerbach“ Loge in Berlin, deren Präsident er auch war, und später hier im Lande mit der „Schaar Zion“ Loge, 1936 als Mitbegründer der „Bialik“ Loge und 1946 als Gründer der „Menora“ Loge, deren Wirken er jahrelang seinen Stempel aufdrückte. — Zu den Mitbegründern von „Ichud Schiwat Zion“ gehörte er ebenfalls. 1934 wanderte die Familie hier ein und Dr. Stahl übte seinen Beruf — wie so Viele damals — unter grössten Einordnungsschwierigkeiten, privat und im öffentlichen Gesundheitswesen für Kinder und Säuglinge in verschiedenen Teilen der Stadt aus — und besonders auch bei der jemenitischen Bevölkerung Tel-Avv:s. Bestimmt hat seine damalige Tätigkeit viel zur Hebung des Gesundheitsstandards der Kinder beigetragen. Leider widerfuhren Dr. Stahl auch viele persönliche Schicksalsschläge. Ein Sohn fiel im Krieg, im Mai 1948 bei Jerusalem, seine Tochter erlitt schwere Verletzungen als Offizierin bei der Eroberung von Safed und seine Frau starb plötzlich im Jahre 1952, aber all dies konnte ihn nicht von seiner medizinischen und verzweigten öffentlichen Tätigkeit abhalten. Noch am Tage seines Ablebens arbeitete er in seiner Praxis wie üblich. Die Vielen, die Dr. Stahl ärztlich betreute und denen er zur Seite stand, werden diesen gütiger. Menschen und Arzt nicht vergessen. 36

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