Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1980
- Issue
- No. 46-47 (Mai 1980)
- Date
- 1980-05-01
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Jahre Tel-Aviv— auch das gab es Ä. KW*** iW*> jiKi.awww1-11» 1979 waren die 70-Jahr-Feiern Tel Avivs. Ich nehme das zum Anlass an einiges zu erinnern, damit es in unserer schnellebigen Zeit nicht der Vergessenheit anheim fällt. EIN BUCH ANNIE MAINZ: DAS IST TEL AVIV! Verlag M. Lessmann, Hambug. 1934 Wenn überhaupt, so ist dieses schöne Buch wohl nur noch vereinzelt in Privatbesitz vorhanden. Über 50 Photos schauen einen an, und man sieht, wie Tel Aviv einst aussah — als wir ins Land kamen. Manche Plätze, Strassen, Häuser erkennt man noch jetzt, nur die Mentalität, die aus den Abbildungen spricht, ist anders. So war es früher. Verlorenes bekam man mit Sicherheit wieder. Finderlohn? Der Chauffeur winkt dankend ab. „Geben Sie es dem Keren Kajemeth als Spende“ Oder erinnern Sie sich noch, dass man die Wohnungstüren nicht abschliessen brauchte, und es wurde nichts gestohlen. Eines „schön, heissen“ Tages wird das ein Steinmeer sein, wie eben eine Grosstadt nicht anders sein kann. Aber hier vor noch nicht 50 Jahren ist alles im originellen Reiz des Aufbaus, des Schaffens und Werdens zu sehen. Annie Mainz - David kam enthusiastisch her und photographierte, wie sie es sah. (Die meisten Abbildungen im Buch sind von üir selbst photographiert). Purim, dieses lustige Fest voller Verkleidungen und bunten Treibens, wird hier gezeigt, wie man es feierte. Die ganze Stadt war ein Purimfest. Wir sehen das „fliegende Kamel“ der Levantemesse und andere Bilder Derselben. Auch vom Rothschild Blvd. ist die Rede, und vom Strand, wo sich am Shabbath ganz Tel Aviv im Badekostüm traf. Wir sehen „Gasos“ Buden und die noch nicht geschmackvollen Geschäfte. Ebenfalls zeigt uns die Verfasserin Kamele und Esel, die durch die Stadt wandern. Erinnern Sie sich noch an den alten Feuerwehrwagen? Und im Norden und Osten, wo heute die moderne Wohn- und Geschäftsgegend ist, war nichts als Sand, Sand und nochmals Sand. Zu allen Photographien gibt die Verfasserin treffende Erklärungen und in der Einleitung spricht sie auch von den damaligen Problemen der Stadt und denen, den die Neueinwanderer aus Deutschland sich gegenübergestellt sahen — aber über alles schreibt sie in einer Verständnis- und liebevollen Art. Es ist alles anders geworden, die Menschen, die Zeiten, die Stadt Bialiks, wie sie Annie Mainz schildert und aufzeigt. Die Herausgabe des Buches damals war eine anerkennenswerte Leistung, und so ist dieses kostbare „Buch der Erinnerung“ wert, erhalten zu bleiben. Denn ein jeder soll wissen: So war es damals. TRUMPELDORSTR. 16 Wer heute an. dem schon baufällieen Haus vorbei geht, beachtet es wohl kaum, obwohl einem der etwas sonderbare, altertümliche Baustil auffallen könnte. Wer erinnert sich noch, dass „damals“ hier auch das Büro des Philh. Orchesters war, oder das hier vor langer Zeit der Komponist J. Gorochov - Admon mit seiner Frau, der Opernsängerin, wohnten? Hauptsächlich war das Haus aber jahrzehntelang bekannt, weil sich hier das Hotel Hattendorf befand. Vor nicht langer Zeit ist es endgültig geschlossen worden. Das Haus, mit den weitläufigen Nebenräumen, den grossen Terrassen, und dem separaten Eingang der meisten Zimmer, hatte wohl in früheren Jahren schon als Hotel gedient. Es war kein Glaspalast, wie man heute die Hotels baut; hatte aber eine glänzende Lage in dem wirtschaftlich aufstrebenden Tel Aviv früherer Jahre. 1937 wurde das Hotel von dem Berliner Dr. Loewy - Hattendorf und seiner Frau gegründet und war bis zum Anfang des 2. Weltkrieges auch die Unterkunft vieler aus Deutschland stammender Neueinwanderer, bis diese eine Wohnung gefunden hatten. Die Betreuung war vorbildlich. Während dieses Krieges wohnten Beamte der Mandatsregierung, Militärs und Geistliche verschiedenen Glaubens hier. Da die Besitzer Aerzte waren, diente das Gebäude nach dem Krieg a's Unterkunft für chronisch Kranke der „Kupath Cholim“. 1958 wurde aus dem Krankenheim wieder ein Hotel. Die Leitung ging in die Hände der Tochter und des Schwiegersohnes des Arzt-Ehepaares, Gerda und Ernst Bernstein, über. Es sei speziell ihr intensives und freundliches Bemühen, um die Gäste hervorgehoben. Der Betrieb wurde zuerst als Pension, später als Hotel geführt. Bis die neuen Gross-Hotels am Strand und im Norden von Tel Aviv entstanden, war das Hotel Hattendorf für Tel Aviv ein Begriff — es war eines der wenigen „europäisch“ geführten. Was aus dem Grundstück werden wird, weiss man nicht. DIE DEUTSCHSPRACHIGE BUHNE „HAGESCHER“ 1953—1973 Es ist notwendig, auch noch einmal von der deutschsprachigen Bühne „Hagescher“ zu berichten. Nicht mehr viel gedrucktes Material (Programmhefte, Kritiken usw.) aus der 20jährigen Tätigkeit der Bühne befindet sich in Händen von Frau Rose Natan, einer, die seinerzeit unter den treibenden Kräften, bei Gründung der Bühne und im Laufe der Jahre der Existenz von „Hagesehev“, war. Immer wieder wurde Frau Natan gebeten, das Material dem Theatermuseum und deutschen Theaterarchiven zu überlassen — so müssen wir uns also weitgehend auf das Gedächtnis verlassen. Zwar gab es Habimah, Ohel, das Kameri- Theater und das Haifaer Theater usw., aber sie spielten natürlich in Hebräisch, und viele wollten gern noch Theater in ihrer Muttersprache hören. Diese war allerdings im Lande in jenen Jahren verpönt. Jedoch einige mutige Persönlichkeiten taten sich zusammen und versuchten unter unendlichen Schwierigkeiten und ohne jegliche Unterstützung deutschsprachiges Theater zu schaffen. Man wollte eine Brücke zum hebräischen Theater hauen, tat sich zunächst als Lesegruppe zusammen und brachte auf diese Art Stücke des hebräischen Theaters zur Darbietung. Doch das genügte nicht, es wurde notwendig, komplette bühnenmässige Aufführungen zu bringen und die Gruppe tat es. Der Spielplan reichte vom Ernsten bis zur Komödie. Es wurden Werke von Frank, Sartre, Priestley, Levln, Maugham, snaw, Schnitzler, uanr, Brecht und Dernburg gegeben (um nur einige zu nennen, stellvertretend für viele). Die Presse hatte vielfach Gelegenheit, über die Aufführungen von „Hagescher“ zu berichten. Hierbei waren neben israelischen Zeitungen auch Blätter aus München und der Schweiz vertreten. Die Schauspieler waren: die Damen Rose Natan, Stella Braunstein, Hansi Libon, Clara Pick- Gernod, Hanna Attir, Paula Schiller, Lee Moos, Lisi Barschal, Clara Müller-Neustadt, R. Gelber, Jeanette Goldfarb, und die Herren Ernst Stössl (künstlerischer Leiter) Felix Rossert, Claus Rossert, Ch. Gassner, A. Bergstein, J. Schapiro, W. Woog, Helmut Gans, J. Roll, A. Biedermann, E. Veit, A. Mandl, R. Tal, Wartski, Pelleg, Weiss, G. Baer, A. Korn und Regew. Als Bühnenbildner fungierten Alex. Mandl und E. Veit, als Souffleuse Frau Bein, und die Administration lag in den bewährten Händen von Friedei Schwartz. Von Regisseuren sind mir in Erinnerung: F. Rossert, Ch. Gassner A. Wolf, Bergstein, Werner Ben Jossef (Münster). Leider musste „Hagescher“ vor einigen Jahren schliessen. Einige der Hauptdarsteller waren nicht mehr am Leben, es gab Besetzungsschwierigkeiten und selbstverständlich besuchte ein grosser Teil des potentiellen Publikums mehr und mehr das hebräische Theater. Wie schade, dass diese Bühne nicht mehr besteht. Zu erwähnen wären auch noch die Leseabende aus Werken von Hans Habe, H. Böll und G. Grass, die persönlich in diesem Rahmen aus ihren Werken vorlasen. Was „Hagescher“ seinem Publikum an lebendigen Kräften, an Anregung auf literarischem Gebiet und an zielsicherer Pflege der Schauspielkunst schenkte, das soll nicht vergessen werden. Julius Sachs 35