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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 34

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 34 (sequence 34)
Language
German
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JOSEPH GUTMANN: VON WESTFALEN NACH BERLIN Dr. Hans Meyer hat dankenswerterweise die Aufgabe übernommen, im Rahmen der Documenta Judaica (No. 5), die Erinnerungen Joseph Gutmanns: „Von Westfalen nach Berlin“. „Lebensweg und Werk eines jüdischen Pädagogen“ herauszugeben. Es sind nicht nur die 88 Seiten der Memoiren, die mit dem Jahre 1895 abschliessen, die „Lehrzeit" bis er seine Aufgabe gefunden hat, sondern insbesondere auch die Anmerkungen, die Kurzbiopraphien der vielen Persönlichkeiten, die in dem Buch genannt werden, die die Veröffentlichung interessant machen, nicht nur für die Schüler Gutmanns, sondern für alle die, die sich mit der Geschichte des deutschen Judentums befassen, eine Fundgrube und eine Erinnerungshilfe. Es beginnt mit den Kindheitserinnerungen in Rees, einer Kleinstadt am Niederrhein, wohin der Vater, ein jüdischer Lehrer und Vorbeter, im Jahre 1866 kommt. Dem fünfjährigen bleibt der Krieg 1870/71 lebendig. Die Familie übersiedelt 1873 nach Vlotho an der Weser, wo er die ersten Schulen, die seines Vaters und dann eine Privatschule, besucht, und wo er oft seine Ferien verbringt. Der Vater wird 1898 pensioniert, und mit dem Hohenzollernorden geehrt. Die 20 jüdischen Familien unterhielten die Schule, die 1873 30 Schüler hatte. Von dem Gehalt konnte keine Lehrerfamilie leben, in Rees 350 Reichstaler im Jahre, in Vlotho 1500 Mark, eine Summe, die in den 25 Jahren niemals aufgebessert wurde, er musste Nachhilfeunterricht geben, und Religionsunterricht in nahen Gemeinden. Das Wissen, dass er in den ersten sechs Schuljahren vom Vater erhält, deutsch, französisch, lateinisch, genügte, um ihn in den späteren Schulen gut mitkommen zu lassen. Nach der Obersekunda verlässt er das Realgymnasium in Minden, um in das Seminar der Marks-Haindorf - sehen Stiftung in Münster einzutreten, der gleichen Anstalt, in der er 1895 als Doktor der Philosophie und nach Ablegung der Staatsprüfung, die ihm die Unterrichtsberechtigung in höheren Lehranstalten gab, Direktor wird. Der Lebensweg führt ihn nach Gera, als Lehrer und Vorbeter. Am dortigen Realgymnasium besteht er 1888 das Abiturientenexamen. Die Gemeinde, zu der auch die Familie Hermann Tietz gehörte, dem Begründer des Warenhauskonzerns, bewilligte ihm ein vierjähriges Stipendium in Höhe von monatlich 60 Mark. Das war die Grundlage zum Studium, er wählte philologische und philosophische Fächer, gleichzeitig belgte er Vorlesungen an der Lehranstalt - später - Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. „Die Vorlesungen reichten für das, was in den Examina verlangt wurde, durchauch nicht aus“. „Man musste schon fleissig arbeiten“. Der junge Akademiker hatte 1892 keine Berufsaussichten. Er ist froh, dass er Erzieher im Reichenheimschen Waisenhaus in Berlin wird. 1895 legt er das schwere Staatsexamen in Münster ab. „Im übrigen verlief meine Tätigkeit seit 1895 so in gewohnten Bahnen, dass eine ausführliche Darstellung sich nicht lohnen würde“. Man darf das Lebenswerk Joseph Gutmanns, 1865—1941, aber nicht um die Jahrhundertwende beenden. Seine Zeit, als Pädagoge, beginnt 1900, als er Leiter der Mädchenmittelschule der jüdischen Gemeinde, Berlin, wird, 1911 wechselt er zur Knabenmittelschule über, der es bis zur Pensionierung 1931 vorsteht. Gleichzeitig ist er Leiter der Kurse zur Ausbildung jüdischer Religionslehrerinnen, 1905, von 1911—1925, Leiter der jüdischen Lehrerbildungsanstalt, 1927 übernimmt er eine Vorbereitungsanstalt des preussischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden, um junge Menschen, die Lehrer werden wollen, zum Abitur vorzubereiten. Nach der offiziellen Pensionierung aus dem aktiven Schuldienst wird er Schulreferent der Jüdischen Gemeinde, ein Amt, dass er bis zu seiner Auswanderung, Juli 1939, ausübt. Er zieht zu seinem Sohn in einen Pariser Vorort, wo er am 23. Jan. 1941 verschied, ihm blieb der physische Zusammenbruch des deutschen Judentums erspart. Seine Veröffentlichungen wenden sich „an Schule und Haus“, wie es damals hiess, insbesondere das Werk über die „Israelitische Religion“, und sein letztes „Bibelkunde“, das das Erscheinungsdatum von 1939 trägt und das letzte jüdische Buch in deutscher Sprache, ist nach der „Kristallnacht“ erschienen. Guttmann stellte einen der prominenten Vertreter der Assimilation dar, der versuchte, zu einer Synthese zwischen „Deutschtum“ und „Judentum“ zu kommen. Er war ein Mensch von ungeheurem Wissen, der mehrere Sprachen beherrschte, Philosoph und Religionswissenschaftler war, von seinem Glauben und der Überzeugung besessen, dass er die Zeichen an der Wand nicht erkennen konnte. (Sein Nachfolger als Leiter der Mädchenschule, Meir Spanier, scheidet in der Nazizeit freiwillig aus dem Leben). Ein Buch über eine endgültige Vergangenheit. Ja. Aber auch für die, die Gutmann nicht persönlich begegnet sind, bringt es eine Fülle aus der Geschichte des deutschen Judentums, Documenta Judaica. H.W, Goldstein ZWI ASARIA: „Die Juden in NiedersachsenJi Verlag Gerhard Rautenberg. Leer. Ostfriesland Als gebürtiger Emder, dessen Familie nachweislich seit 1770 in Emden ansässig war, kenne ich viele Gemeinden und Städte in Niedersachsen und mit vielen stand ich auch in religiös-politischer Verbindung. Nach dem Kriege Sind schon viele Bücher über Städte und jüdische Gemeinden geschrieben worden, aber das Werk, das Dr. Asaria geschaffen hat, steht einzig da. Ueber 270 Gemeinden und Städte in Niedersachsen gibt er eine Definition die einfach einzig ist. Er schreibt über die Landesrabbinate Hannover, incl. Reg. Bezirk Lueneburg, Landesrabbinat Stade, Landesrabbinat Ostfiesland, Landesrabbinat Hildesheim, Landesrabbinat Braunschweig und Landesrabbinat Oldenburg mit all ihren vielen kleinen Gemeinden. Dr. Asaria hat in fast lOjähriger unglaublicher Arbeit, ich war oft Zeuge davon wie er Mosaikstein auf Mosaikstein zusammensetzte, ein Werk geschaffen, das einzig dasteht. Das Buch ist mit herrlichen Illustrationen versehen. Jeder Vorsitzende oben erwähnter Landsmannschaften müsste das Buch käuflich erwerben und es seinen Mitgliedern zugänglich machen. (Die Stadt Hannover hat 900 Bücher für ihre Schulen erworben und es dürfte in keiner Schule fehlen. Die Stadt Emden hat ihren ehemaligen Bürgern das Werk kostenlos zur Verfügung gestellt). „Ner Tamid“ nennt Dr. Asaria, der selbst den Holocaust überlebt hat, sein Werk. Er hat Tausende in Bergen Belsen zur letzten Ruhe gebracht und hat sein Werk den Millionen gewidmet, die den letzten schweren Weg gegangen sind Wir, die wir das Glück haben in Israel zu leben, müssen ihm dankbar sein, uns solch ein Nachlass hinterlassen zu haben, ln welchem noch einmal all die vielen jüdischen kleinen Gemeinden vor unserem geistigen Auge vorbeiziehen und das unbedingt wert ist, ins Hebräische übersetzt zu werden. Jehuda Jaari Die Saga der Familie Levy Unter diesem Titel ist kürzlich auf dem hebräischen Buchmarkt ein Buch erschienen, welches allgemeine Beachtung verdient, obwohl es eine einzelne Familie zum Gegenstand hat. Zugrunde liegen Familiepapiere dieser Familie, die durch einen an sich bedauerlichen Zufall in die Aussenwelt gelangt und schliesslich dem Verfasser des Buches zugänglich geworden sind. Zusammen mit den intensiven und langwierigen Nachforschungen des Verfassers haben diese ihm die Möglichkeit gegeben, konkret die Geschichte einer gebildeten bürgerlichen jüdischen Familie in einer Kleinstadt Pommerns durch 7 Generationen von der Mitte des 18ten Jahrhunderts bis zur Kristallnacht des Jahres 1938 darzustellen. Es ist die Geschichte des wirtschaftlichen und ideellen Aufstiegs dieser bewusst jüdischen Familie, welche sich dem deutschen Kulturkreis engstens zugehörig fühlte, und des Misslingens dieses Bestrebens, endend mit der Zerstörung des Familien-Vermögens durch die Nazis und der Ermordung des letzten Repräsentanten der Familie im Heimatort in der Kristallnacht. An Hand der Wirklichkeit stellt sich uns das Auf und Ab der Auswirkung der Emanzipation auf eine jüdische Familie typischer Art in Deutschland dar. Sie tritt vor uns stellvertretend für ungezählte ähnliche Familien und führt uns die Tragik dieser unerwiderten jüdisch-deutschen Liebe plastisch vor Augen. Darin liegt die Bedeutung dieses Buches, das hebräisch geschrieben und verlegt, demnächst auch in deutscher, französischer und englischer Sprache auf den Markt kommen dürfte. Der Verfasser, Roman Frister, hat damit ein Werk geliefert, das nicht nur für diejenigen von Interesse zu sein hat, die jede Periode der versuchten deutsch-jüdischen Symbiose miterlebt haben, und ihre unmittelbaren Nachkommen, sondern hierüber hinaus für alle, denen die Bedeutung jener nun schon zur Geschichte gewordenen Periode klar ist. J. F. Wolfsohn ZUM ANDENKEN AN MEINE ELTERN Gedenken Ich sah in dem spiegelnden Saal Auf einmal den bleichen Schein, Ich hörte ein schmeichelndes Wort Und dachte nur, nichts ist mein. Es haben sich Augen getrübt, Mein Leben ins Licht zu heben, Es haben sich Hände gemüht, Mir sichres Geleit zu geben. Verdorrt und vertrocknet der Tag, Dass immer mein Trank bereit, Durchwacht und durchgrübelt die Nacht Für meine Geborgenheit. Ihr Liebenden gabt meiner Welt Den hellen festlichen Rahmen, Wie mahnende Schrift an der Wand Erscheinen mir eure Namen. Else Meidner 34

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