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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 33

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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EGON H. RAKETTE: HÄUSER HABEN VIELE FENSTER Egon H. Rakette, geborener Breslauer, ist Mitbegründer der Gesellsshaft für Literatur und Kunst des Ostens, die auch mit den aus Schlesien stammenden jüdischen Schriftstellern die Verbindung wachhält. Für seine Erzählungen erhielt er mehrmals deutsche Literaturpreise nach dem zweiten Weltkrieg. (So den Eichendorfpreis). Soeben erschien sein neuer Novellenband im Verlag Werner Jarratsch, Heidenheim. Viele Erzählungen berichten von den Leiden der Ostflüchtlinge. So lesen wir vom bitteren Abschiednehmen bei der Flucht aus dem geliebten Traumhaus — „Traumhaus“ heisst auch der Titel der Erzählung —, nachdem er uns dessen Bau hat miterleben lassen. Die Erzählung „Zwangsvollstreckung“ schildert die Schwierigkeiten, in die eine alte Frau nach dem Tod ihres Mannes gerät. Sie weiss, dass ihr ' Mann alle Zahlungen für die Pension, Lebensversicherung und Hypothek geleistet hat, und hofft, sorgenfrei leben zu können. Aber es kommen Mahnungen, die sie nicht versteht und daher nicht beantwortet, bis ihr schliesslich mit Zwangsvollstreckung gedroht wird. Da erst sucht sie einen Anwalt auf. Wie es ihm gelingt, die Zwangsvollstreckung zu verhindern und der alten Frau ihr Häuschen zu retten, will ich nicht vorwegnehmen. „Der Entwurf” erzählt die Lebensgeschichte eines Architekten, der im „Bauhaus“ gelernt hat. In der Nazizeit resigniert er, da der Bauhaus-Stil als entartete Kunst galt, und wird Angestellter einer kleinen Firma. Nach dem Krieg wagt er erneut, sich selbständig zu machen, und beteiligt sich an einem Wettbewerb für ein Hochhaus. Die Jury zeichnet seinen Entwurf einstimmig mit dem ersten Preis aus, beschliesst aber die Ausführung des Baues dem Preisträger Nr. 2, einer leistungsfähigeren Architektengruppe, zu übertragen. „Gewonnen und zugleich verloren“, sagt der Architekt zu seiner Frau. Er fasst sich mit den Worten: „Fast ein halbes Jahrhundert habe ich an dem Turm geplant — ja — ich bin dabei gewesen“. Unter dem Titel „Brief an den Hausbesitzer Siegfried Israel Silberstein“ wird erzählt, dass ein Mann ein Haus am Kurfürstendamm in Berlin gekauft hat und in einem im Dachboden versteckten Tagebuch den Namen des früheren jüdischen Hausbesitzers findet. An ihn schreibt er einen Brief, ohne zu wissen, ob er ihn erreicht und verspricht ihm, das Tagebuch in sein eigenes Testament zu legen, damit einmal dessen Kinder oder Enkel, wenn sie herkommen, es finden. Auch heitere Erzählungen finden wir in dem Band. In „Bauen ist eine Lust“, schildert er die Freuden und Leiden eines Ehepaares, das sich von Freunden verführen lässt, ein Eigenheim zu bauen. Der Spruch mit dem er auf die Glückwunschkarten zum neuen Heim dankt, lautet auf gut Schlesisch „Bauen ist eine Lust — hätt’ ich gewusst / was es kust’t / hätt’ ich’s gelusst. / Ich hab ja nicht gemusst. Der Band enthält 19 Erzählungen, von denen jede von eindrucksvollen Illustrationen von Alfred Georg Seidel begleitet ist. Anni Loewenstein LEARNING to Leam. A Guide to the New Yeshivoth in Israel Von MORDECHAI BECK The Israel Economist, Jerusalem Von den neuen Yeshivoth in Israel, über die Mordechai Beck eine Übersicht gibt, dürften viele Leser noch nichts gehört haben. Während in den alten Yeshivoth Kinder orthodoxer Eltern tradi- FÜR SIE GELESEN tionelle Erziehung, namentlich im Talmud, erhalten, lernen in den neuen Yeshivoth junge Menschen nach Beendigung ihres Militärdienstes, Studenten, vorwiegend aus Amerika und Kibbuz-Mitglieder, die nach jüdischen Werten fragen. Die neuen Yeshivoth wurden noch dem Sechs- Tagekrieg gegründet. Das ist kein Zufall. Schon am Beginn der zionistischen Bewegung wurde nach dem Verhältnis des Zionismus zum Judentum gefragt. Diese Fragen traten aber hinter dem Kampf um den Aufbau des Landes und der Gründung des Staates zurück. Auch hatten die sozialistischen Führer, unter ihnen grade die „entlaufenen Jeschiwebocherim“, die messianische Hoffnung auf die kommende sozialistische Gesellschaft übertragen. Nun war der Staat gesichert. Aber der Sozialismus enthüllte sich als „der Gott, der keiner war“ (wie der deutsche Titel des bekannten Buches "The God that failed” lautet). Eine geistige Leere wurde spürbar. Junge Menschen begannen nach dem jüdischen Erbe zu suchen, von dem sie abgeschnitten waren. In der Kibbuz-Zeitschrift „Shdemoth“ wurde eine neue Spalte „Zu den Quellen“ eröffnet. Aus Amerika kamen Studenten, die sich für die ferne Weisheit des Zen interessiert haben und endlich die Weisheit in der eigenen Tradtion entdecken. Inzwischen sind in Israel Rabbis herangewachsen und eingewandert, die einen weiteren Horizont besitzen und eine gemeinsame Sprache finden mit den „Baale Teschuva“, den Menschen, die zum Judentum zurückkehren. So ist der leitende Raw einer der neuen Jeshiwoth ein ehemaliger Kibbuznik des Haschomer Hazair. (Diese Jeshiva ist noch nicht in der vorliegenden Broschüre genannt). Das Militär hat den erzieherischen Wert dieser Jeshivoth erkannt Und schickt, wie ich erfahren habe, neuerdings Mitglieder des „Nachal“. der militärischen Grenzsiedlungen, für Kurse in eine dieser Jeshivoth. Noch handelt es Sich um einen Anfang in kleinem Masstab. Aber wenn man damit den bisherigen Gegensatz zwischen den antireligiösen Pionieren und den verknöcherten Vertretern des Rabbinats vergleicht, so kann dieser Anfang nicht hoch genug eingeschätzt werden. Anni Loewenstein EINE LYRIKERIN „Splitter — nackte Wahrheiten“ nennt Lisi Vardon ihre Gedichtssammlung. Doch diese Gedichte sind philosophische Wahrheiten, und so können wir verstehen, was mit diesem seltsamen Titel gemeint ist. Dieser lyrischen Dichterin ist es gelungen, die Leere, in die der Mensch durch Vertreibung aus der heimatlichen Umgebung geworfen wurde, zu überwinden. Wir werden gewahr, wie sie plötzlich ein Gefühl des Erwachens erlebt. Es wird ihr zumute, als sei sie schon einmal dagewesen, und dieses Gefühl erwärmt sie wieder und gibt ihr seelische Kraft. Sie sieht den Weg des Menschen plötzlich klar vor sich, sowohl als Fortschritt wie als Untergang. Sie sieht den Weg, den wir gehen dürfen, im Grunde mit immer derselben Melodie, wie beim Leierkasten. So erscheint es ihr, und doch „erlebt es jeder auf eigene Art“. Das hat ihr Kraft gegeben, nicht nur das Übel der Welt zu sehen, sondern in sich auch die Aufgabe zu spüren, das Übel der Welt zu verkleinern. So zeigt sie uns, wie es ihr gelang, wieder Weg vor sich zu sehen, „um Meister seiner selbst zu sein“, wie sie es nennt. Später aber, als sie doch gewahr werden muss, „wie alles Böse überstieg die Ufer“, da stellt sie die Frage an die Menschheit, „wie könnt Ihr wieder — Alle — dazu schweigen? Das Gewahnsein des schrecklichen Endes, das die Menschen in den Todeslägern fanden, drückt sie tief nieder. Silhouetten und Schattenbilder von Anerl begleiten die Gedichte in zurückhaltender Form und verstärken doch die angedeutete Situation. Sogar ein Lesezeichen hat man für den Leser dieses wertvollen Lyrikbandes zugefügt. Jedoch nicht nur ihren seelischen Lebenspfad hat sie dichterisch gestaltet. Ein hübsches Liederbuch für Kinder in hebräischer Sprache hat sie geschaffen unter dem Titel: „Grossmutter, sing uns ein Lied“. Aus der Kraft ihrer Seele kam der Wille, eine Brücke zu schaffen für die aus anderm Lande eingewanderte Grossmutter zu den in Israel aufgewachsenen Enkeln. Mit Bildern und zugefügter Melodie, so dass ein gemeinsames Singen und Spielen leicht begonnen werden kann, schenkt sie uns ein Mittel zur Annnäherung. Dieser Versuch ist ihr mit dem entzückenden Liederbuch gelungen. Anni Loewenstein Lisi Vardon: „Splitter — nackte Wahrheiten“ „Sawta, Sawta, schirl lanu Schir" beides im Traklin-Verlag, Tel-Aviv. ERINNERUNGSBLÄTTER AN DEN ARBEITSKREIS BERLIN Herr Philipp Hoyda, Ramat Chen, hat mit vielen seiner Kollegen ein Gedenkbuch über den „Arbeitskreis jüdischer Jugendgruppen Berlin“ herausgebracht. Das Buch bringt Aufsätze und Bilder aus der zionistischen Arbeit dieses Kreises aus einer Zeit, die um das Jahr 1920 und weiter Chalutzgruppen für Palästina vorbereitete. Intensive zionistische Arbeit wurde damals schon geleistet. Chawerim und Chaweroth haben diese Arbeit in die Tat umgesetzt und sind als Landwirte ln das damalige Palästina eingewandert. Es ist unbeschreiblich, welcher Idealismus dazu gehörte, unter den schwierigsten Bedingungen den Boden für die kommenden Einwanderer vorzubereiten. Das Buch ist in iwrith geschrieben, um so der Jugend in Israel einen Einblick zu geben, von dem Idealismus der damaligen jungen Menschen, die heute zum Teil noch wichtige Posten in den Kibbuzim, in der Regierung und an anderen Orten ausfüllen. Wir danken von dieser Stelle aus Herrn Philipp Hoyda für seine schöne Gabe. Das Buch ist ebenfalls ein würdiges Gedenkblatt an die Mitglieder des Arbeitskreises, die nicht mehr am Leben sind. E. L. STUDIENRAT Dr. ALFRED COHN, s.A. Das Seminar der Kibbuzim „Oranim“ und das Seminar der Kibbuzim in Tel Aviv, haben gemeinsam eine ausgezeichnete Broschüre in iwrith zum Andenken an den oben Genannten herausgebracht. Die Veranlasser und Gestalter sind: Ernst Horowitz, Beth Haschita, Mosche Jadaja, Chanita und D. Ben Schachar, Haifa. Unser Verband hat sich an der Aufbringung der Kosten für diese ausgezeichnete Broschüre geldlich beteiligt. Sie ist ln iwrith geschrieben und ist zu beziehen durch: Mosche Jadaja, Bibliothekar, Seminar Oranim, Post Kirjath Tivon. Zur Deckung der Unkosten bitte IL 15.— beizulegen. In Nr. 47 wird eine ausführliche Besprechung des Buches s.G.w. erscheinen. 33

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