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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 31

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 31 (sequence 31)
Language
German
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Es ist beschämend, dass die jüdische Forschung einer jüdischen Gemeinschaft, wie es die Falaschas Abessiniens darstelle, kaum Aufmerksamkeit geschenkt hat. Vor etwas mehr als hundert Jahren, 1864, veröffentlichte der damalige Rabbiner von Eisenstadt im Burgenland, Esriel Hildesheimer, der dann 1878 das Rabbinerseminar in Berlin gründete, einen Aufruf, den Falaschas das Judentum zu erhalten, nachdem die Mission ‘ihnen erzählte, dass sie die letzten Reste einer nicht mehr bestehenden Gemeinschaft darstellen, insbesondere die protestantische Mission war aktiv, die schon 1826 den Schweizer Samuel Gobat schickte, der später die ‘Göbat Schule’ an den Hängen des Zionsberges in Jerusalem errichtete. Die Alliance Israelite Universelle, die kurz vorher geschaffen wurde, beauftragte den bekannten Orientalisten Joseph Halevi die Gemeinschaft zu erforschen. Sein Bericht wird als phantastisch oder unmöglich zu den Akten gelegt. Mehr als' drei Jahrzehnte später gehörte der in Lodz geborene Jacques Faitlowitch zu seinen Schülern, ein glänzender Orientalist und ein frommer Jude, der den Gedanken seines Lehrers aufnimmt. Diesmal ist es Rothschild, der die lange Reise, 18 Monate, nach Abessinien finanziert, 1904/05, denn die Alliance will sich auf keine Abenteuer einlassen. Faitlowich erforscht nicht nur die Sitten und Lebensgewohnheiten der Falaschas, ihre Religion, ihre Legenden und Erzählungen. Er ist um das Schicksal dieser Gemeinschaft besorgt, die er dem Judentum erhalten will. Er gründete die Pro- Falascha-Committees. Bei einem zweiten Besuch wird er von dem damaligen Negus, Menelik II. empfangen, die Kontakte werden aufrechterhaiten. 1913 kann er ‘Fahrbare Schulen’ einrichten, Lehrer, die die Dörfer besuchen und Unterricht abhalten, und ein Internat in Addis Abeba. Während der Kriegsjahre war Faitlowich Dozent in Genf, 1915/20, dann siedelte er nach Amerika über, um sich ganz der Arbeit der Committees zu widmen, die letzten zwanzig Lebensjahre verbrachte er in Tel Aviv, 1935 bis 1955, wo es ihm kaum gelang, die damaligen politischen Führer des Jischuws von der Dringlichkeit der Aufgabe, Kontakte mit den Gemeinden der Falaschas herzustellen, zu überzeugen. Die italienische Eroberung Abessiniens, 1935/36, und der bald nachher ausbrechende Weltkrieg paralysierten die Bemühungen, wenn auch bei der Wiedereroberung, oder der Vertreibung der Italiener, 1941, unter Orde Wingate palästinensische Truppenteile beteiligt waren, und später Israel lange Jahre enge wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zu Abessinien unterhalten konnte, wurde die Frage der Falaschas irgendwie übersehen. Mosche Dayan besuchte das Land 1960 als Landwirtschaftsminister, Golda Meir 1962 als Aussenminister, später Aba Even, man errichtete gemeinsame landwirtschaftliche Projekte, Industrieanlagen wie die Universität. Es ist vielleicht ein Zeichen des Schicksals, dass Dr. Faitlowich keinen aktiven Nachfolger gefunden hat, einen Sendboten, der sich nicht als Angestellter einer Gruppe fühlt, sondern mit vollem Herzen eine Lebensaufgabe ausfüllt. Um 1928/29 brachte Dr. Faitlowich eine Gruppe Jugendlicher nach Jerusalem, aber auch in europäische Städte, wo sie in jüdischen Familien leben sollten, in jüdischen Kreisen, um später in der Heimat von dem Vorhandensein jüdischer Gemeinschaften zu erzählen, um so den Einflüssen der Mission entgegenzutreten. Damals kam auch ein vielleicht sechzehnjähriger Junge über Jerusalem, Paris in das Haus eines Verwandten nach Leipzig, ein in Deutschland jener Tage unerhörtes Ereignis, dass ein recht hübscher schokoladenbrauner Junge in einer gutbiirgerlichen Jüdischen Familie auftaucht. Er lernte schnell deutsch und hebräisch, das er etwas konnte und das die Die Falaschas DAS SCHICKSAL EINER ALTEN JÜDISCHEN GEMEINSCHAFT Von H. W. GOLDSTEIN Umgangssprache der ersten Wochen war, aber ausser dem Hausherrn verstanden die Familienmitglieder nur wenige Worte, vervollständigte er sich an der von Dr. Carlebach geleiteten jüdischen Schule, dem Vater des frühverstorbenen Journalisten Esriel Carlebach. Unser Johoschua war aktiv in den jüdischen Jugendgruppen, aber er wurde von den technischen Errungenschaften Europas mehr beeinflusst als von seiner ihm zugedachten Aufgabe, und — leider — haben diese Jugendlichen, von denen man niemals wieder etwas gehört hat, wohl kaum ihr Ziel erreicht, aktiv in ihrer Heimat zu sein. Die Geschichte der Falascha ist mit vielen Annahmen und Fragezeichen versehen. Sie selbst bezeichnen sich als Nachkommen eines Menelik, einem Sohn des König Salomos mit der Königin von Saba, von der die Schrift erzählt, dass sie ihn besuchte. Der Name bedeutet in der semitischen Geez-Sprache, in der ihre religiösen Schriften abgefasst sind, aber auch die der Abessinischen Kirche, soviel wie die Zugewanderten, von dem Stamm palesch. Sie selbst bezeichnen sich als Beta Esra’el (Bet Israel). Es ist möglich, dass das Judentum ihnen durch jüdische Stämme gekommen ist, die lange vor Mohammed das Küstengebiet der Südarabischen Halbinsel bewohnten, andere glauben, durch jüdische Händler, die aus Ägypten kamen. Auffallend ist, dass die Abessinische Kirche, eine der ältesten christlichen Gemeinschaft, die gleiche religiöse Sprache benutzt und einige der Religionsvorschriften der Juden wie die Beschneidung übernommen hat. Die Eroberung Ägyptens durch den Kalifen Omar, um 640, und die Arabisierung des Landes trennt die abessinische Kirche von den Kopten, der Religion, die die Ureinwohner Ägyptens angenommen hatten, aber auch die Juden von Kontakten mit der Jüdischen Welt. Der Negus Negesti, der König der Könige, hatte, solange Abessinien Kaiserreich war, den Löwen von Juda als Wappenschild. Man nimmt heute an, dass die Falaschas eine semitisch-hamitische Mischrasse darstellen, die hellere wie dunklere Typen aufweist. Der Streit der Gelehrten geht darum, welchen Einfluss orientalische Juden aus Arabien auf die negroide Bevölkerung hatten. Die lange Geschichte der Falaschas ist eine Kette von Unterdrückungen, Zwangsbekehrungen und Vernichtungen, die an das Schicksal europäischen Judentums erinnert. Nach der Sage haben Kaiser aus ihren Kreisen regiert, andererseits war die Bevölkerung ihnen gegenüber misstrauisch, in der Verteidigung der Grenzen gegen islamische Stämme im Sudangebiet. Im 16. Jahrh., als sie noch eine einflussreiche Gruppe oder Stammesgemeinschaft darstellten, lebten sie unter einem König Gideon und seiner Frau Judith, sie kämpften zuerst mit den Moslems, stellten sich aber dann auf die Seite des Negus, und vorloren die Kriege mit ihm. Die Tatsache des Gemetzels, das folgt, dringt bis nach Safed, wie wir aus einer Schrift des Isaak Lurla wissen. Die Angaben über die Zahlen der Falaschas beruhen alle auf Schätzungen. Um vorsichtig zu sein, wollen wir die kleinsten Zahlen nennen, die von 25 bis 30 000 Seelen sprechen. Sie leben in kleinen Dörfern, auf Hügeln, in der Nähe von Flüssen. Soweit sie Landwirtschaft betreiben, bearbeiten sie gepachteten Boden, die meisten sind Kleinhandwerker, die Keramiken herstellen. Weben, Spinnen, Goldarbeiter und Schmiede. Ihr Wohngebiet liegt zwischen dem Tanasee, wo der Blaue Nil seinen Anfang nimmt, und dem Bergland zur sudanesischen Grenze. Sie errichten sich strohgedeckte Hütten, eine davon wird das Gotteshaus, der Mesgid. Einige leben in der Provinzhauptstadt Gondar. Ihre Umgangssprachen sind Amharisch und Tigre, während, wie schon erwähnt, die handgeschriebenen Bibelbücher, aber nicht in Rollenform, in Geez sind. Sie kennen die 24 Bücher der Schrift und einige der Apocryphen, wie Tobias, Judith, Die Weisheit Salomos, Ben Sira und die Makkabäerbücher. Ihre Priester nennen sie Cahen, es sind die geistigen Führer der Gemeinschaft, aber auch die Schächter, denn sie achten die Speisevorschriften, und unterscheiden zwischen reinen und unreinen Tieren, sie waschen sich vor dem Essen die Hände und sprechen ein Tischgebet. Sie leben in Einehe, die Hochzeitszeremonie währt eine Woche, wobei keine Eheschliessungen im Monat Nissan wie in der Regenperiode, Juli bis September, abgehalten werden. Die männlichen Babies werden am siebenten Lebenstag beschnitten, die weiblichen zu einem späteren Datum, ein Vorgang, der von Frauen ausgeführt wird. Sie kennen strenge Reinigungsvorschriften für Frauen und Wöchnerinnen, sie halten auch sieben Trauertage, den Schabbat und die Feste, mit Ausnahme von Chanuka und Purim, die nach der babylonischen Gefangenschaft geschaffen wurden, und das ist vielleicht ein Hinweis auf ihre lange Vergangenheit. Am Pessach wird auf einem Altar vor dem Gotteshaus ein Opfertier geschlachtet. Ihr Kalenderjahr kennt 12 Monate mit 29 bzw. 30 Tagen und einem Schaltjahr alle vier Jahre. Leider ist noch kein Versuch unternommen worden, den Legendschatz und die Folklore der Falaschas gründlich aufzuzeichnen. Äthiopien, wie der offizielle Name von Abessinien lautet, heisst auf hebräisch Kusch und im arabischen Chabasch, ist während der letzten Jahre in das Blickfeld der internationalen Politik gerückt, in die Auseinandersetzung zwischen dem Osten und dem Westen, nachdem es viele Jahrhunderte entfernt von den Kraftlinien der Welt lag. Es geht um die Neuaufteilung Afrikas, wie schon einmal vor hundert Jahren, als der Spätkommer Italien 1889 Abessinien zum Protektorat erklärte, aber schon 1896 gelang es, den Besetzer zu vertreiben, ein damals für Afrika unerhörtes Ereignis, dem England und Frankreich, die sich ihre. Teile Afrikas gesichert hatten, lächelnd zusahen. Im Augenblick — keiner weiss wie lange, gehört Abessinien zur russischen Einflusssphäre — das Wort Protektorat ist altmodisch, verstaubt,, — während Israel zur amerikanischen Sphäre gerechnet wird. Das ist das, was die Lage der ^alaschas so problematisch macht, die Jüdische Bevölkerung ist zwischen den Mülsteinen der grossen Mächte gekommen. Aus irgendeinem Grunde hat man in den Jahren der Zusammenarbeit von Israel aus nichts unternommen, um die kleine jüdische Gemeinschaft zur Auswanderung und Ansiedlung in Israel anzuregen, ihnen selbst fehlen geistige Führer und Organisationen, und Dr. Faitlowich hat keinen Nachfolger gefunden. Es ist zu hoffen, dass man noch nicht den Anschluss verpasst hat, um diese kleine Gruppe zu retten, denn in Abessinien heute ist sie dem Untergang preisgegeben, da sie weniger Verbindung mit Jüdischen Gemeinschaften ausserhalb des Landes hat, als die Gemeinden in den Oststaaten. Ob nun der semitische oder hamitische Einfluss vorherrschend ist, wie man sich gerne streitet, ist uninteressant, und ein Land, das Vietnam-Fiüchtlinge aufnimmt, sollte alles tun, um diese Juden mit langer jüdischer Vergangenheit, ob sie nun auf Salomon zurückgeht oder erst später beginnt, zu retten. 31

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