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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 26

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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suchen. Und ich fand es schön genug für die Gelegenheit und für alle erdenkbaren festlichen Gelegenheiten. Aber es war ein einfaches Kleid. Und auch die Hochzeit selber war keine grosse Festlichkeit. Wir konnten nicht einmal in einem besonders geschmückten Wagen zur Trauung fahren. Wir kamen als gewöhnliche Bürger, und Edith konnte erst in einem Nebenzimmer des Betsaals, in dem die Trauung stattfand, ihr weisses Brautkleid anlegen. Es waren damals schlechte Zeiten für die Juden in Deutschland. Man musste vermeiden aufzufallen. Der Vater der Jungen Braut war im Ausland. Und nur Ediths Mutter und ihre älteste Schwester Grete waren bei unserer Hochzeit zugegen. Aber dafür hielt der amtierende Junge Rabbiner, Dr. Fritz Salomonski, eine besondere schöne Rede für uns. Ich hatte ihm kürzlich ein kleines Heft gegeben, eine kurze „Grundlegung zur Ethik“, die ich 1936 in Berlin veröffentlicht hatte. Nun machte er einen Gedanken aus diesen meinen Betrachtungen zum Thema seiner Predigt. Das Wesen alles Guten, so hiess es in meiner Schrift, ist eine Regung liebender Hingegebenheit. Es kann ein liebendes Sich-hingeben an ein anderes Lebewesen sein; es kann aber auch liebende Hingebung sein: an eine Idee, für die wir uns einzusetzen, für die wir zu leben beschliessen. Das Leben des Guten ist Leben des Wohlwollens für einen anderen Menschen, wohlwollende Sorge um ein Tier, dem wir uns verbunden fühlen. Das Leben des Guten ist aber auch anders: Begeisterung für eine Idee, die wir in unserm Dasein zu verwirklichen trachten. In beiden Fällen aber, in der Hingabe wohlwollender Liebe wie in der Hingabe begeisterten Schaffens, entspricht, entspringt Jeder Regung des Guten ein eigenes und besonderes Glück. In Wohlwollen und in Begeisterung, in Jedem Tun eines Guten, ist dem Menschen ein eigenes Gefühl von Glück zuteil: eine Art von Sich-zu-Hause-Fühlen in der Welt... In seinem Roman vom „Kleinen Mann“ erzählt Hans Fallada einmal von dem Glück zweier Menschen, die in Liebe einander zugetan sind. „Sie gehen immer Arm in Arm”, so schreibt er, „es ist wie ein Zuhausesein auf allen diesen weltenweiten Strassen. ..“ Ein Zuhausesein in aller Unruhe der Welt, eine innere Heimat auf Erden, ein inneres Haus im Leben — das ist das Glück der Liebe. Ein inneres Haus im Leben — das wäre Jedenfalls, so meinte unser Prediger, eben das, was Jeder Freundschaftsbund, jede Liebe, jede Ehe sich letzlich vor allem wünschte, erträumte, erhoffte, erwartete. Das war es, was er nun auch dem Brautpaar wünschte, das jetzt vor ihm stand. Carl J. Sachs, m.d. ERZÄHLT AUS SEINEM LEBEN Wenn man einer vorgerückten Altersgruppe angehört, ist es wohl angebracht, zurückzudenken an Vorkommnisse und Erfahrungen vergangener Zeiten, die für Leser, die besagter Altersgruppe angehören und vielleicht auch für jüngere Leser dieses Blattes von Interesse sein mögen. Da ich von relativ unpolitischen, mehr allgemein-intellektuellen Eltern abstamme, hatte ich in meiner Jugendzeit grössten Respekt vor deutschen grossen Persönlichkeiten und sah nicht den verheerenden Einfluss, den Militarismus auf das Deutsche Reich hatte. Der erste Weltkrieg mit dem Vorstoss in Belgien hatte mir zwar etwas die Augen geöffnet — mein Bruder hatte jahrelang den Krieg mitgemacht — doch war ich recht enttäuscht, als ich am 9. November 1918 als Sanitätssoldat fertig ausgebildet nicht zum Transport zur Truppe zugelassen wurde, da Deutschland besiegt war. Mein medizinisches Studium absolvierte ich in Breslau, Heidelberg und Würzburg, dessen Architektur mich besonders beeindruckte. Meine medizinische Ausbildung setzte ich an Berliner Krankenhäusern fort, wurde Oberarzt am Reinickendorfer Hospital, dessen Chefarzt Felix Klemperer ich oft zu vertreten hatte, da er an häufigen Herzattacken litt. Später praktizierte ich als Internist bis ich endlich 1938 das ersehnte Visum für Amerika bekam. Ich hatte inzwischen geheiratet, meine Frau hatte ihren Doktor in Bern gemacht. Wir beide hatten schon etwas englischen Sprachunterricht genommen und bestanden das Sprachexamen schnell. Als der Examinator mich nach den „Krupps“ in Deutschland fragte, verstand ich „crops" und versicherte, dass die Ernten in Deutschland meistens sehr gut seien. Für die medizinische Prüfung musste ich mich lange und gut vorbereiten, da hier auf bestimmte Gebiete (z.B. allergische Erkrankungen) mehr Wert gelegt wird als in Europa Hier sind z.B. „ragweed“ und „poison ivy“ sehr verbreitete Pflanzen, die schwere Hautreizungen hervorrufen und in Mitteleuropa fast unbekannt sind. Nach einem Jahre bestand ich auch dieses Examen und startete mit meiner Praxis in einer Gegend in Brooklyn, in der mehr Jiddisch als englisch gesprochen wurde. Während meines ersten Sommers noch vor meinem Examen bekam ich eine Camparztstelle (hier werden die Kinder statt mit den Eltern in einen Erholungsort zu fahren in ein Camp geschickt, wo sie Sport treiben und mit ihren Altersgenossen unter Aufsicht zusammen sind). Das Camp war herrlich, an einem See gelegen. Allerdings verstand ich wenig von dem, was die Jungens mir zu sagen hatten, sie sprachen ein Kinder-kauderwelsch, das man hier „slang“ nennt. Ich hatte das Glück, dass eine Krankenschwester die Beschwerden meiner jungen Patienten in literarisches Englisch verdolmetschte. — Hier ist es üblich, dass ein Arzt in Praxis auch freiwillig an einem Krankenhaus arbeitet, sodass er mit den Fortschritten auf medizinischem Gebiete mehr vertraut wird als es — jedenfalls zu meiner Zeit in Deutschland — der Fall war. Als ich anfing in Brooklyn zu praktizieren, hatte ich kein Auto, da ich weder das Geld dazu hatte noch fahren konnte. Nach einigen Monaten kam ich mit meinen Kollegen, die mir anfangs aus Konkurrenzgründen ziemlich reserviert gegenüber standen, mehr in Kontakt. Einer wohnte nahe zu meiner Office, war recht nett zu mir und nahm mich manchmal in seinem Auto mit. Leider hörte das eines Tages plötzlich auf, da er im Gefängnis landete. Er hatte einer Patientin einen Abortionist empfohlen. So streng waren damals die Abortgesetze. — Meine Frau bekam für kurze Zeit eine Stelle als Pathologin. Allmählich besserte sich meine Praxis und ich arbeitete auch an einer Tuberculose-Clinic. In der ersten Zeit meiner ärztlichen Tätigkeit hatte ich einige Patienten, die vor Neugierde platzten, unsre Wöhnräume zu sehen. Sie sagten sich zu einem Abendbesuch an, den man nicht immer ablehnen konnte, betrachteten uns als ihre Freunde und blieben so lange, dass ich mehr müde von diesen Besuchen als von meiner Praxis war. Bezüglich meiner Arbeit als Campdoctor möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass eines Tages einer von meinen Camp-jungen auf die Idee kam, 20 seiner Freunde, die in derselben Baracke schliefen, während sie tief im Schlafe waren, mit einer Pflanze zu bestreichen, die eine sehr intensive Hautreizung am ganzen Körper zur Folge hat. Den nächsten Tag oder besser die nächsten 4 Wochen hatte ich kaum eine ruhige Minute, bis alle diese 20 Patienten wieder in Ordnung waren. — Als der Krieg gegen Hitler ausbrach, wurde ich für militärischen Dienst als Doktor untersucht, aber wegen eines harmlosen Schattens an der Lungenspitze zurückgestellt. Besonders deprimierend war die Tatsache, dass alle Anstrengungen, meine Eltern oder Schwester mit ihrer Familie nach Amerika zu bringen, erfolglos waren. Mein Vater hatte immer sehr viel für allgemeine Krankenversicherung übrig, was wir hier „National health insurance“ nennen. Diesen Enthusiasmus habe ich wohl von ihm geerbt, denn ich war noch in Deutschland Vertrauensarzt an einer Ortskrankenkasse und fing bald an, mich auch in US dafür zu interessieren. Eines Tages fragte mich ein Kollege, ob ich interessiert wäre, einer Gruppe beizutreten, die auf dem Prinzip der health insurance auf gebaut werden sollte. Nach langem Suchen fanden wir endlich ein geeignetes Gelände. Das Prinzip war, dass ein bestimmter Betrag von dem Gehalt der Arbeiter und Angestellten abgezogen wurde, der den Grundbestand für die Bezahlung des Hauses in dem ca 30 Aerzte praktizieren sollten, der Gehälter der Aerzte und der Angestellten (Sekretärinnen, Laboranten etc.) bilden sollte. Ich arbeitete für unsre Aerztegruppe in Brooklyn, deren Mitbegründer ich war — im ganzen existieren in New York heute etwa 30 solche Gruppen — das erste Jahr ganz umsonst, ein paar Jahre später waren meine Einnahmen ganz gering, was ich nur machen konnte, da ich auch Privatpraxis hatte. Aber von Jahr zu Jahr stieg die Zahl unserer Patienten-Mitglieder, sodass wir allmählich eine gut fundierte Gruppe von ca 30 Aerzten bildeten, die Hälfte davon waren Spezialisten, die andre in Allgemeiupraxis. Die Gegend, in der ich meine Privatpraxis hatte, war weit entfernt von dem Gruppen-Institut, was natürlich recht anstrengend war. Die Tätigkeit in der Gruppe war in jeder Hinsicht sehr befriedigend. Während ich in den ersten Jahren auch Nachtbesuche machen musste — was nicht immer gefahrlos war — wurden diese später von den jüngeren Kollegen übernommen. Das Gruppen-System, das ausser in New York nur in California an einigen Plätzen existiert, hat viele Vorteile für den weniger bemittelten Teil der Bevölkerung und sollte, meiner Meinung nach, die Grundlage für die Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung, die in diesem sonst so fortschrittlichen Lande nicht existiert, bilden. Seit 1969 musste ich krankheitshalber meine Tätigkeit etwas einschränken. Seit 1972 bin ich in den Ruhestand getreten und habe meinen Wohnsitz nach Plainfield, New Jersey verlegt. Da ich durch meinen Ruhestand mehr Zeit zur Verfügung hatte als je bevor, wurde es mir möglich, meinem Interesse für Musik mehr nachzugehen. Ich machte Fortschritte im Klavierspiel, war 7 Jahre lang Mitglied des Pfainfield Symphony Orchesters als Viola- und Violinspieler und hatte oft Gelegenheit zu Kammermusik mit einer recht guten Gruppe. Ich bin froh, dass ich mich musikalisch immer noch so aktiv betätigen kann. 26

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