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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 21

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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Bes — wir Jekkes — weil wir die Landessprache noch nicht beherrschten — vielleicht heute noch Schakale — Schlangen und räudige Hunde — und dazwischen unsere Kinder, die sich draussen herumtrieben, weil ihr Frauen euch Arbeit gesucht hattet — als Dienstmädchen — Ehrentitel „OSE- RETH“ genannt... Seit ihr es nicht mehr macht, scheint dieser Beruf unter den europäischen Frauen ausgestorben zu sein. Ihr habt wohl selbst zu Hause dienstbare Geister gehabt — ach — die Geister, die ich rief — ich werd’ sie nicht mehr los. Auf der Lischka bettelt der Mann um einen Tag Arbeit — denn die Bonzen von damals, die auch heute noch immer auf ihrem Bänkel sitzen — haben uns — die wir deutsch sprachen, nicht sehr geliebt — bis wir sie lehrten, was wir alles zu dulden — aber auch zu leisten imstande waren. Jetzt aber komme ich wieder auf die tapferen Mütter zurück. Wie oft habt ihr den „MIL" umgedreht — und wichtige Ausgaben hinausgezögert — Ihr habt dem Manne Zigaretten gekauft — die er nicht entbehren konnte — und seid hungrig zu Bett gegangen — und er hat’s nie erfahren... WANN seid ihr einmal ins Kino gekommen? Immer gab es Arbeit und keine Ruhepausen — und jetzt — wo ihr es Euch leisten, und gemütlich und geruhsam eure späten Jahre geniessen könntet — sorgen Eure Kinder wieder für Beschäftigung. Seit aus Euch Müttern glückliche Grossmütter geworden sind — will man euch nicht arbeitslos werden lassen — und gibt euch die Beschäftigung, die ihr niemals von anderen verlangt habt — als Babysitter. Man sorgt sich nicht viel um euch — aber man sorgt wenigstens für euch im Alter — dass ihr nach den neuesten Erkenntnissen der Gerontologie und der Medizin voll beschäftigt seid — bei den Enkelkindern... Ach, ihr tapferen Mütter, eure Kinder haben Ja jetzt Zeit ins Kino zu gehen — möglichst sehr oft, sie haben auch durch euch etwas überflüssiges Geld, um sich Silber- und Goldsachen anzuschaffen — und auch wieder Perserbrücken und Teppiche. Sie sparen sich nicht das Geld vom Munde ab, um ihren Männern Zigaretten zu kaufen, nein, sie nehmen es den Männern ab, um selber zu rauchen... Heute will ich diese ERINNERUNG ZU EU¬ REM EHRENTAG wählen. Wir wollen und dürfen nicht vergessen — wie tapfer und mitbestimmend ihr für das Wohl des Landes, für das Aushalten und Festhalten am Lande gewesen seid. EUCH Müttern kommt das Verdienst zu, den Staat mitgebaut zu haben, denn ihr habt Eure Söhne und Töchter zu aufrechten und das Land liebenden Menschen erzogen. Habt DANK, ihr Mütter in ISRAEL, ihr heutigen ewig jungen und fröhlichen Grossmütter — und seid gesegnet für ALLES, was ihr getan... m ID ili m § llj Ob es Briss ist, oder Chuppe, jji Lieber Freund, das ist ganz schnuppe, üj {fl Du musst dich an Tcheleth wenden, jü [fl dort bist Du in besten Händen. H] jj- Denn das Fest im Tcheleth - Saal jjj ist erfreulich allzumal. ilj Hl “ | JCHEIET" | | TEL-AVIV, SHEINKINSTR. 59. Öj TEL. 22 05 45 Gedenkfeie Zusammenfassung der Ansprache von Rabbiner Israel Egon Löwenstein bei der Gedenkfeier der CENTRA in Schoresch am Dienstag, d. 15. Mai 1979 Nach Dankesworten an Herrn Erich Lewin für die herzliche Begrüssung gab der Redner seiner Freude über die Anwesenheit von Pastor Achenhach und seiner Gattin Ausdruck. Ihn charakterisiert das G’ttesvertrauen, das ihn ein hohes Alter erreichen liess und ihm die Kraft gebe, auch nächstes Jahr bei seinem 22. Besuch in Israel wieder mit uns zusammen zu. sein. Mit vollem Recht versammeln wir uns zum Gedenken an unsere in Deutschland zerstörten Gemeinden beim Gedenkstein des KKL. Köln ist uns als die älteste Gemeinde in Deutschland bekannt und besass schon im Jahre 321 n. eine Gemeindeverfassung. — Wir müssen tief in der Geschichte unseres Volkes graben, um ein Bild zu zu finden, das der Situation entspricht, in der sich unser Volk in jenen Jahren der Barbarei und Vernichtung befunden hat. Vor uns steht das Ringen in der Nacht unseres Stammvater Jakob' mit dem „Mann“ (1. B. Moses, Kap. 32, V. 25) „Jaakov blieb allein und ein Mann rang mit ihm bis zum Aufgang der Morgenröte“. Zwei Elemente sind für dieses Ringen kennzeichnend: die Nacht und das Morgengrauen. Sie sind auch für unser eigenes Leben charakteristisch. In der finstersten Nacht unserer Geschichte waren auch wir allein. Niemand nahm zur Kenntnis, was mitten im Herzen Europas geschah. Wir gedenken unserer in dieser Nacht zerstörten Gemeinden nicht aus Nostalgie und nicht nur darum, weil sie unsere geistige und seelische Zufluchtsstätte waren. In ihnen wurde modernes Judentum geboren. In ihnen lernten wir als treue Söhne unseres Volkes im 20. Jahrhundert leben. Aber diese Gemeinden waren auch die ersten Opfer der Katastrophe, die über uns und die Welt kam. Am Höhepunkt dieser Tragödie steht Auschwitz. Wohin immer wir uns gerettet haben — ob hier oder in anderen Ländern, — wir sind gerade noch an Auschwitz vorbeigekommen. Damals waren wir ganz allein. Damit müssen wir leben. In dieser Nacht wurden unsere Familien ausgelöscht. Sinnlos. Dafür gibt es keine Wiedergutmachung. Darum dürfen wir auch nicht zulassen, dass diese Blutschuld vergessen wird. Wir und unsere Kinder können nicht vergessen. Aber wir dürfen auch nicht zulassen, dass in dem Volk, das diese Blutschuld auf sich geladen hat, diese Nacht vergessen wird. Auch sie müssen damit leben. Es mag schwer sein. Aber auch dieses tragische Kapitel ist Teil ihrer Geschichte. Sie kann nicht ausgeklammert werden. Es gibt nur eine Wiedergutmachung, soweit diese denkbar ist. Israel darf nicht mehr allein gelassen werden. Die Bäume des Märtyrerwaldes des KKL in den Bergen Jehudas sind das Symbol für das Morgengrauen in unserer Geschichte, für die Wiederauferstehung Israels. Nach der Nacht des Alleinseins ist uns die Gnade zuteil geworden — eines neuen Morgenrots. Für alle Zeit wird unsere Geschichte neu eingeteilt werden: Vor Auschwitz und nach Auschwitz. Wir hoffen, dass wir nach Auschwitz nie mehr allein bleiben werden in unserem Ringen im Morgengrauen. Heute sind nur Pastor Achenbach und seine Gattin mit uns. Aber sie begleiten uns in Stellvertretung für alle Jene, die uns in den Bergen Jehudas nicht allein lassen. Uns war die „Endlösung“ ÖS Ul i m r der Centra als einzige Alternative zugedacht. Wir hoffen dass nunmehr das „Leben“ uns als einzige Alternative bestimmt sein möge. Der Redner schloss mit einer chassidischen Geschichte: Rabbi Levi Jizchak von Berditschew wurde gefragt, welches ist der rechte Weg: der der Freude oder der des Leides? Der Rabbi antwortete: „Es gibt zweierlei Leid und zweierlei Freude. Es gibt das Unglück desjenigen, über den Unglück gekommen ist. Er verzweifelt in Gram und hockt im Winkel. Aber Gott wohnt nicht inmitten der Schwermut. Und es gibt den Kummer desjenigen, der weiss, was ihm fehlt. Dann gibt es die leere sinnlose Freude ohne Inhalt. Die wahre Freude empfindet derjenige, dem das Haus abgebrannt ist und der seine Not in der Seele litt. Dann aber begann er ein neues Haus zu bauen. Und über jeden, Stein, der gelegt wird, freut sich sein Herz. Unser Haus ist uns abgebrannt. Wir gedenken mit Schmerz dieser Vernichtung. Aber wir dürfen ein neues Haus bauen, über jeden Stein, den wir hinzufügen dürfen, wenn auch oft unter Schmerzen, freuen wir uns. Dieses Haus des Morgengrauens möge uns und unseren Kindern ein Haus des Lebens und Friedens sein. GEBET ZUM GEDENKEN AN DIE OPFER DER „SCIIOA“-EPOCHE DER VERNICHTUNG Gedenke, G’tt, der Seelen aller Gemeinden Deines Volkes, des Hauses Israel in der Zerstreuung Europas, die als Brandopfer in der Heiligung Deines grossen Namens aufgestiegen sind, in den Jahren 1939—1945, sechs Millionen Männer, Frauen, Jungens und Mädchen, Alte und Kinder und die ermordert wurden, tun den Namen Israels auszulöschen. Höre auf das Flehen und habe Barmherzigkeit, damit Deine Söhne und Töchter Ruhe finden in Deiner Herrlichkeit in der Welt des ewigen Lebens. Amen. EIN WERTVOLLER SIDDUR (GEBETBUCH) Nach dem 2. Weltkrieg ist im Büro des, leider umgekommenen Martin Gluskinos aus Breslau, in Amsterdam, von wo aus er verschickt wurde, ein handgeschriebener Siddur aus dem Jahre 1763 gefunden worden. Herr Willi Gluskinos, dem es mit seiner Familie noch gelang, nach Holland zu fliehen, und der im Jahre 1940 nach Palästina einwanderte, hat dieses Prachtstück nach Amsterdam aus Breslau mitgenommen . Es war ihm nicht mehr möglich, durch die Grösse und Schwere des Siddurs, ihn mitzunehmen. So fand ihn die Witwe von Martin G. nach dem Kriege und hat ihn nach Israel mitgenommen. Wir haben die Absicht, dieses wertvolle Stück entweder dem Israel Museum, oder einem anderen würdigen Platz weiterzugeben, mit der Forderung, diese einmalige Ausgabe zum Andenken an die Gemeinde Breslau zur Ausstellung zu bringen. Der Sofer (Schreiber) hiess Schlomo Salman und hat als Thoraschreiber in Lissa in Posen gelebt. Der Siddur wurde in der bekannten Gemeinde Zuelz O/S verwandt. Später wurde er in der bekannten Sklower Schul in Breslau vom Vorbeter benutzt. Er ist in einem verhältnismässigen guten Zustand und enthält sämtliche Gebete des Jahres. Wir werden in unserer nächsten Ausgabe unseren Lesern Mitteilung machen, wohin wir dieses überaus wertvolle Stück weitergegeben haben. 21

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