Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1980
- Issue
- No. 46-47 (Mai 1980)
- Date
- 1980-05-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Betrachtungen zum Jahr des Kindes (Bei Martin Buber s.A. muss man in die Schule gehen) Vf Auch bei uns in Israel war und ist viel die Rede von dem am 31. Dezember 1979 endenden „Jahre des Kindes“. — Liest und hört man zu diesem Thema die Stimmen aus aller Welt, so darf man dankbar und zufrieden resümieren, dass wir gerade auf diesem Gebiet viel Positives zu konstatieren haben: Es ist kein Geheimnis, dass das Gros der israelisch-jüdischen Kinder ausgesprochen begabt ist, sowohl geistig als auch manuell (welch letzteres bei Jüdischen Kindern in der einstigen Galuth meist gar nicht so selbstverständlich war!), und dass diese Kinder in ihrer jeweiligen Begabung im Alter von etwa 6—14 Jahren oft ihren Altersgenossen(innen) in der übrigen Welt etwas überlegen sind. Während es in den westlichen Ländern bei allem Wohlstand heute fast zum guten Ton gehört, nicht viele Kinder, sondern höchstens 1—2 pro junge Familie, sein eigen zu nennen, steht dies im krassen Gegensatz zu unseren ebenso kinderliebenden als kinderreichen Familien in Israel; es sind nicht nur die sephardischen Eltern, die die Vielzahl ihrer Nachkommen dankbar — als vom Schicksal bestimmt — akzeptieren, sondern sind auch heute in vielen Fällen die aus aschkenasischen Kreisen stammenden Jungfamilien, aus denen durchschnittlich drei bis fünf Sprösslinge hervorgehen. — Es lässt sich kaum abschätzen, welche Fülle von Licht und natürlicher Freude, Ja, von optimistischer Lebensauffassung aus diesen Kinderkreisen in die Welt der Erwachsenen ausströmt, selbst dann, wenn diese Erwachsenen sich in momentan schwierigen Situationen befinden. .. Kein Geringerer als Martin Buber erzählt in seinen bekannten und berühmten „Chassidischen Geschichten“ gar manches „vom Kind“: So z.B. in der kurzen Schilderung „Die zehn Grundsätze“, in der er u.a. postuliert: „Drei Dinge wirst du von dem Kinde lernen: cs ist fröhlich, ohne eines Antriebs zu bedürfen; keinen Augenblick verweilt es müssig; und woran es Mangel hat, weiss es kräftig zu begehren“. Wären wir nicht glücklich, wenigstens die beiden erstgenannten Dinge in die „Welt der Grossen“ herüberzuretten?! — Die hier von Buber zitierte „Geschichte“ belehrt übrigens da weiter von alledem, dass man von einem Dieb lernen kann... — Eine andere dieser chassidischen Erzählungen, betitelt „Die Versäumnis“, berichtet — in diesen Wochen wiederum aktuell — von einem Kol-Nidre-Abend im Bethaus von Sassow, an dem man ungeduldig auf das Eintreffen des Rabbi wartet. Eine der Beterinnen, die ihr Kind alleine zu Hause Hess, wird ängstlich und läuft rasch noch einmal heim. Was findet sie in der Wohnung? „Da stand der Rabbi und hielt ihr Kind im Arm, dessen Weinen ihn auf dem Weg zum Bethaus hergelockt hatte; er hatte mit ihm gespielt und ihm vorgesungen, bis es einschlief“. Eine herrliche Geschichte! Wie ungeheuer wichtig schien dem Rabbi das weinende Kind... Besonders ergreifend zu lesen ist folgende kurze Schilderung „Die weinende Frau,“ die man eigentlich während der beiden, dieses Jahr soeben vergangenen, Rosch-Haschana-Tage sich immer erneut vornehmen sollte, lesen, sagen und hören wir doch selbst im Bethaus alljährlich in diesen Stunden mit immer gleichbleibender Ergriffenheit die oft zitierte Stelle vom „Lieblingssohn Efraim“. Es sei daher gestattet, die wundersame Geschichte hier wörtlich anzuführen: „Der Berditschewer erzählte; Einmal, kurz vor Rosch-ha-schana, ist zu mir eine Frau gekommen, die weinte und weinte. Frag’ ich sie: „Warum weinst du? Warum weinst du?“ Antwortet sie: „Wie soll ich nicht weinen? Der Kopf tut mir weh! Der Kopf tut mir weh!“ Sag’ Ich zu ihr: „Wein’ nicht! Wenn du weinst, wird dir der Kopf noch mehr weh tun. Antwortet sie: „Wie soll ich nicht weinen? Wie soll ich nicht weinen? Ich habe einen einzigen Sohn, und da kommt der heilige und furchtbare Tag, und ich weiss nicht, wird mein Sohn bestehen vor Gottes Gericht?“ Sag’ ich zu ihr: „Wein’ nicht! Wein’ nicht! Er wird gewiss bestehen vor Gottes Gericht! Denn sieh, es steht geschrieben: „Ist mir Efraim doch ein Lieblingssohn, ein Kind der Freude! Dieweil ich gegen ihn rede, gedenke ich sein noch. So erregt sich mein Inneres ihm zu — erbarmen, erbarmen, will ich mich sein, spricht ER“. Diese Begebenheit erzählte der Berditschewer mit einer wundersamen Melodie, und mit dieser selben Melodie wird sie heute noch von Chassidim berichtet“. Bis hierher Martin Buber. „Ein Kind der Freude“ schien auch uns allen seit Jahrzehnten Efraim, der Zweitgeborene Josefs, der schon durch den berühmten Grossvater-Erstlings-Segen auserkoren wurde. (Alle diejenigen Leser aber, die die zitierte Erzählung kennen öder kannten, mögen deren ausführliche Würdigung entschuldigen — der Stoff bleibt immer aktuell!) Vielleicht darf man noch einen Schritt weitergehen und sagen oder besser fragen: Ist nicht jedes hier geborene jüdische Kind „ein Kind der Freude“ für uns, die uns ein gnädiges Schicksal aus der furchtbaren Nazihölle die rettenden Gestade Palästinas einst erreichen liess? Und weiter: Bedürfen wir Israelis wirklich eines besonderen Jahres des Kindes, um uns bewusst zu werden, wie glücklich wir in unserem Lande mit der immer wachsenden Zahl israelischer Kinder als Nation sein dürfen? Nein, wir wussten es in unserer Gesamtheit schon lange vorher, welchen Schatz diese „innere Aliya" für uns bedeutet, lange bevor jene vielgerühmten Organisationen es für nötig befanden, hier ein Sonderjahr „für’s Kind“ einzulegen. und zu proklamieren. Was man hier vielleicht mitbetonen sollte, ist die Tatsache, dass das Kinder-Problem vor allem auch den Aufgabenbereich der Eltern mitumfasst und so gesehen diese Eltern, manchmal noch sehr jung, manchmal schon reifer, vor eine grosse Verantwortung stellt. Nicht immer, nicht in allen Kreisen und auch nicht hierzulande sind sich alle Eltern dieser hohen Verantwortung bewusst, werden oft Pädagogen oder sonstigen Jugendbildnern, evtl, auch von religiöser Seite zu dieser eher ethischen Erfüllung ihrer natürlichen Pflicht veranlasst. Mit anderen Worten: selbstverständlich empfindet jedes Elternpaar von der ersten Minute der Existenz seines Kindes auch die persönliche Verantwortung für dieses Kind, nur sind nicht immer oder nicht in jedem Fall die Lebensumstände und Lebensbedingungen dieser Verantwortung entsprechend, müssen dann so weit als möglich den gegebenen Tatsachen angepasst werden. Und da dürfen wir bei uns in Israel wiederum ein Positivum registrieren, hier sind die Eltern effektiv durchweg bestrebt, ihrem Liebling alles nur erdenklich Gute angedeihen zu lassen — im Ausland mit den jetzt so hohen Scheidungsziffern im Durchschnitt ist solch moralische Haltung gar nicht so selbstverständlich, und oft bleiben die Kinder aus solchen Ehen die einzig Notleidenden, leider, leider... Und abschliessend — nicht umsonst beten und bitten wir in diesen Wochen zu Anfang eines neuen Jahres, dass unsere Jugend gesund bleiben möge, von Krieg und Unbill verschont; es sind unsere Kinder, die einzige wirklich reale Hoffnung unseres Volkes in dieser wirren und verwirrenden Epoche. Möge Beten und Bitten Erfüllung finden — besonders in diesem „Friedensjahr“ 5740! Dafür wären wir neben allem anderen tief dankbar... Immer darf man es wünschen, dieses „L’schana tova“! Frieda Hebel Ein vergessenes Wunder in Israel OSCAR GRAU Diese kleine Skizze schrieb ich — als fehlender Beitrag .zum Film über die „JEKKES“ ... Die Jüdischen Feiertage sind sehr oft Gedenktage, an denen sich ein WUNDER zur Rettung der Juden offenbarte. Ich will Ihnen heute von einem Wunder erzählen, welches in unserer Zeit geschehen ist — und dessen ich heute gedenken will. Es soll als ein „HOHELIED“ der Mütter und heutigen Grossmütter bezeichnet werden... Ihr Mütter und Frauen in Israel, wie viel Schweres habt ihr in den Anfangsjahren mitgemacht — ohne zu murren — oder gleich die Flinte ins Korn zu werfen — denn manchesmal habt auch ihr die Flinte handhaben gelernt — gerade in ländlichen Siedlungen, und habt tapfer an der Seite eurer Männer mitgekämpft. Mit eurer Liebe und Geduld habt ihr eure Lebensgefährten, die die erste Zeit noch immer in Gedanken in der Vergangenheit lebten — in die WIRKLICHKEIT, die harte, zurückgebracht. Ihr habt die Männer aufgerichtet mit eurem Mut und Optimismus. Wisst ihr noch — und heute könnte ihr in Freuden davon erzählen, wie viele Silber- und Goldsachen ihr heimlich verkauft habt — vielleicht sogar den Trauring — denn äussere Zeichen eurer Verbundenheit waren damals überflüssig. Die Perserbrücken verschleudert — ach — wozu brauchten wir denn diese Brücken — wenn wir eine Brücke des Übergangs ins neue Leben, im neuen Lande dringender benötigten. Mitgebrachte Werte für ein Butterbrot verkauft — um dem Mann und den Kindern — ein Butterbrot geben zu können... Und die Umstellung hier im Lande. Die Wohnverhältnisse. Sand — überall Sand und Steine — Steine des Anstos- 20