Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1980
- Issue
- No. 46-47 (Mai 1980)
- Date
- 1980-05-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin bleibt Berlin. 750 ehemalige Berliner besuchen ihre ehemalige Heimatstadt Von FRIEDEL SCHWARTZ Um Mitternacht trifft sich im Ben-Gurion Flughafen eine Gruppe ehemaliger Berliner Bürger in nicht mehr ganz „jugendlichem“ Alter, um einer Einladung des Berliner Senats zu folgen, eine Woche in ihrer ehemaligen Heimatstadt zu verbringen. Für viele war es das erste Mal nach 45 Jahren, für einige sogar der erste Flug ihres Lebens. Sie waren aus Israels Städten, Dörfern und Kibbuzim gekommen — auch 3 Knessetmitglieder waren dabei — Benjamin Halevy, Josef Tamir und Moshe Meron. Eine T.V. Equipe von 4 Personen aus Deutschland gekommen, machte eitrigst Aufnahmen und Interviews. Sie hatten vom Berliner Senat den Auftrag, einen T.V.-Film — Zeitdauer 22 Minuten — herzustellen mit dem Titel „Begegnung mit der alten Heimat“. Im Flugzeug herrschte trotz Nachtzeit beste Stimmung. Doch je näher wir Berlin kamen, machte sich eine gewisse Unruhe — beinahe Spannung bemerkbar. „Angst vor der eigenen Courage“ möchte man sagen. Doch als der Pilot in Tegel aufsetzte, klatschten alle wohlgelaunt wieder in die Hände. Bereits im Flugzeug begrüsste Dr. Meyen, Sprecher des Senats als auch Heinz Galinski, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlins, der bereits sein 30jähriges Amtsjubiläum gefeiert hat, die Gäste. Und von reizenden, jungen Berliner Stewardessen begleitet und jeder mit einer Rose beschenkt, wurden die Gäste in die 7 vorbereiteten Hotels verteilt. In jedem Zimmer befanden sich namentlich das Programm und Einladungen zu den verschiedensten Aktivitäten, von denen später berichtet wird. Die musterhafte Durchführung befand sich in Händen des Berliner Presse- und Informationsamtes als auch der jüdischen Gemeinde. Sie war von „preussischer Ordnung“. Die Woche begann mit einem Empfang in der jüdischen Gemeinde Fasanenstrasse. (Wer erinnert sich nicht an die alte Synagoge Fasanenstrasse und der berühmten Predigten von Rabbiner Prinz?) Lange vor der angegebenen Zeit fanden sich die 750 Gäste, die aus allen Teilen der Welt — Amerika — Israel — England — Australien und Neuseeland gekommen waren, ein. Es hatte etwas Rührendes an sich zu beobachten, wie Freunde aus alter Zeit sich suchten und fanden — „Kinder aus derselben Klasse — aus derselben Gegend“. Der offizielle Teil umfasste die Begrüssung durch den Sprecher des Senats Dr. Meyen, der betonte, dass er die Einladungen von Ex-Berlinern in ihre ehemalige Heimatstadt als eine Brücke der Verständigung betrachte. Dieses Mal besonders, da bereits 10 Jahre vergangen sind, seit die ersten Einladungen ergingen und bis heute 8400 davon Gebrauch machten. Heinz Galinski sprach im Namen der Berliner jüdischen Gemeinde, die mit 5800 Mitgliedern, die grösste in der Bundesrepublik sei — auch heute noch mit Zuwachs — 4 Synagogen — 2 Rabbiner, Schule mit angeschlossenem Tagesheim besitze und ein Seniorenheim mit 1600 Wohnungen im Bau, das 1980 fertig gestellt sein würde. Herr Galinski fügte hinzu, dass die Berliner Gemeinde eng mit dem Schicksal Israels verbunden sei — sich als einen Teil des Jischuws betrachte. M. K. Moshe Halevy dankte im Namen der Gäste. Es folgten angefüllte Tage und Abende. Den Höhepunkt bildete das Bankett mir vorangehender Feierstunde im neuen Congress Centre, bei der von Kammermusik umrahmt, der Regierende Bürgermeister der Stadt Dietrich Stobbe, der ehemalige, heute in Tel-Aviv als Botschafter Deutschlands Klaus Schütz lebende, unter dessen Aegide die Aktion der Einladungen begann, als auch Heinz Galinski zu den Gästen sprachen. Man hörte durch ihre Worte, dass sie sich der Bedeutung dieser Stunde bewusst waren, der unterschwelligen Emotionen auf beiden Seiten. Mosche Meron, Vizepräsident der israelischen Knesset wies in seiner Antwort noch einmal auf die ernste, politische Forderung Israels hin, rach Nichtaufhebung der Verjährungsfrist für N. S. Verbrechen (in der Zwischenzeit zur Tatsache geworden) . Plaketten wurden von Bürgermeister Dietrich Stobbe an die verschiedensten verdienstvollen Ex- Berliner verteilt, wie z.B. an Aufbau Redakteur Dr. Hans Steinitz, New York, an Sigi Gross. Express-Tours Tel Aviv, dem Urheber des Gedankens für Aktion-Einladungen, die unter der Aegide von Klaus Schütz ihren Anfang nahmen. — Stadtrundfahrten, Schauspiel („Der Geizige“ von Moliere), Oper (Zauberflöte), Havelrundfahrten auf Einladung des Präsidenten des Abgeordnetenhauses Berlin Peter’ Lorenz — womit die Überparteilichkeit der Aktion von seiten der Gastgeber gezeigt wurde — dies alles füllte die Tage. Ferner Empfang in der Berliner BNAI-BRITH Loge, Sonderempfänge für Presse und Ehrengäste und nicht zuletzt, ein Besuch mit Lunch im Reichstag, der unmittelbar an der Mauer liegt und einen weiten Ausblick nach Ost-Berlin gibt. Begrüsst vom Chef des Hauses, Heinz Jürgen Hess, konnten die Gäste eine permanente Ausstellung „Fragen an die Deutsche Geschichte von 1803 bis jetzt“ besuchen — eine ungeheure Fülle von Material zusammengetragen. Besonderes Interesse fand der Teil 1933—45. Dr. Max Flesch, Landespräsident des Vereins ehemaliger Berliner in Israel, sprach seine Bewunderung und den Dank der Gäste aus. Die freie Zeit wurde mit alten Freunden, Bummel und Einkäufen auf dem Kurfürstendamm verbracht. Für viele noch die Suche nach ehemaligen Wohnstätten, die sie zum grössten Teil nicht mehr vorfanden, als auch der schmerzvolle Besuch, des in Ostberlin gelegenen Friedhofs Weissensee. Darüber zu berichten würde zu weit führen. Es waren gewiss nicht nur fröhliche Stunden, die die Besucher diese Woche durch'ebten. Erinnerungen waren wach geworden, traurige, schmerzliche und böse, die man längst verdrängt geglaubt hatte. Aber auch gute. Doch schieden alle Besucher mit grossem Dank für alle diejenigen, die diese Aktion „der ausgestreckten Hand“ möglich gemacht hatten — unmöglich alle namentlich aufzuzählen. Mit Hemmungen hatten viele diese Reise angetreten, mit Hemmungen „die ausgestreckte Hand“ ergriffen, doch verliessen sie ihre frühere Heimat mit dem Gefühl richtig gehandelt zu haben, ein neues Berlin mit neuen Berlinern mit gutem Willen kennengelernt zu haben. Zu erwähnen wäre noch das grosse künstlerische wertvolle Geschenk — politisch nicht unwichtig — das der in Argentinien lebende Ex-Berliner Bildhauer Pablo Hansemann seiner Stadt brachte eine 360kg schwere Skulptur „Versöhnung“, die in Bälde im Garten des Rathauses Wilmersdorf aufgestellt werden soll. Eröffnung des Goethe- Instituts in Tel Aviv Mai 1979 wurde in Tel-Aviv das Goethe- Institut offiziell eröffnet. In Anwesenheit des Weltpräsidenten Dr. Klaus von Bismark (früher Intendant des Nordwestdeutschen Rundfunks) und des Tel-Aviver Direktors Dr. Albert Wassener, von Frau Dr. Rheker, erster Kulturattache' an der Tel-Aviver Deutschen Botschaft, heute verantwortlich im Auswärtigen Amt in Bonn für alle Goethe- Institute, und des jetzigen Kulturattaches der Deutschen Botschaft Dr. Albert Spiegel wurde die Presse in den neuen Räumlichkeiten im Asla-Haus in Tel-Aviv, begrüsst. Sie wurde über die vergangenen Aktivitäten im Rahmen des Deutschen Kulturzentrums als auch über zukünftige Pläne und Ziele informiert. Ausserdem wurden die vorzüglich geplanten Räume besichtigt. Am 1.1.1969 wurde auf Anregung von Frau Dr. Rheker das Kulturzentrum in Tel-Aviv gegründet. Zu Grunde lag die Hirsch-Bibliothek, eine Erbschaft für deutschsprachige Leser, die von der Botschaft verwaltet, hochfrequentiert wurde. Das Kulturzentrum umfasste die Bibliothek, Vorträge von israelischen und Gast-Professoren auf den verschiedensten Gebieten, Künstlern, Filmabende und Deutsch-Sprachlehrgänge mit modernsten Lehrmethoden. Wie Dr. Wassener betonte, konnte er bei seiner Ankunft in Israel, Oktober 1978 eine qualifizierte Vorarbeit übernehmen, die sich nicht nur auf Tel-Aviv, sondern auch auf Haifa und Jerusalem erstreckte. Am 1.2.1979 wurde zwischen dem Israelischen Aussenministerium und der Botschaft der Bundesrepublik der Vertrag geschlossen, eine Zweigstelle des „Goethe-Institutes zur Pflege der Deutschen Sprache im Ausland als auch zur Förderung der Kulturbeziehungen in Zusammenarbeit zwischen den jeweiligen Ländern“ (so der offizielle Name) zu gründen. Das Goethe-Institut, dessen Hauptsitz in München liegt, hat 140 Zweigstellen, davon lll im Ausland. Dem neugegründeten Institut in Tel- Aviv kommt eine besonders schwierige, aber sehr wichtige Aufgabe zu, da nur 3% der Bevölkerung Deutsch sprechen oder verstehen. So muss hier ein Weg gefunden werden, die Kontakte zu der Jungen nicht Deutsch sprechenden Generation und es sind hauptsächlich die Jungen, die auch nicht mit Hilfe von Jiddisch, das hier gebotene verstehen. Das neue Goethe-Institut besitzt ausser der Bibliothek, die 25 000 Bände umfasst (davon 1700 in Hebräisch 2600 in Englisch), — mit 600.000 Ausleihungen jährlich — eine Kassettenabteilung — auch für Verleih —, ein Vidiogerät und eine neue simultane Anlage und Schulklassen, ausgestattet mit den modernsten Geräten. Für die ca. 600 Sprachschüler — es bewerben sich eine viel grössere Anzahl — fehlt es aber leider noch an der genügenden Anzahl der Lehrer. Eines der neuen Ziele des Goethe-Institutes Ist es, die hier vorhandenen Gegebenheiten, nicht nur wie bis jetzt in Tel-Aviv, Haifa oder Jerusalem auszunutzen, sondern auch in kleineren Städten, wie z.B. Beer-Schewa und auch den Entwicklungsorten. Bei der Eröffnungszeremonie sprachen der Botschafter Herr Klaus Schuetz — sogar teilweise in Hebräisch, Herr Dr. Klaus von Bismark und Herr Dr. Wasener. Eine Ausstellung des Kieler preisgekrönten realistischen Malers, Peter Nagel, im würdigen Rahmen der neuen Räume fand allgemeines Interesse. Friede! Schwartz — Tel-Aviv 19