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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 18

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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Enthüllung einer Gedenkplatte für die ehemaligen Juden des Dorfes Billigheim am 19.11.1978 Wie wir bereits in der vorigen Ausgabe unseres Mitteilugnsblattes bekannt machten, wurde in Billigheim, eine Gedenkplatte zum Andenken an die ehemaligen Juden des Ortes enthlilt. Initiator und Entwerfer der Tafel war Dr. F. Zimmermann, der die tatkräftige Unterstützung des Bürgermeisters Herrn H. Rieth fand Am 40. Jahrestag des 10. November 1938 fand auch ein Sondergottesdienst statt. Beide Ereignisse wurden verschiedentlich in der Presse gewürdigt. Das hier veröffentlichte Material überliess uns dankenswerterweise Frau Lea Lorbeer, geb. Woll. ANSPRACHE VON HERRN BÜRGERMEISTER H. RIETH Über die aktuellen historischen Ereignisse, die den eigentlichen Anlass zur Enthüllung einer Gedenkplatte gaben, berichteten die Dokumentationen in Presse, Funk und Fernsehen in der vergangenen Woche. Bei den einen erzeugte dies Erinnerung— uns allen aber bedeutete dies eine verpflichtende Mahnung. Schon seit dem Dreissigjährigen Krieg lebten in Billigheim Juden. Noch bis 1933 lebten 10 jüdische Familien in einem freundlichen, zumindest korrekten Verhältnis mit ihren Nachbarn Haus an Haus. Als religiöse Minderheit genossen sie den Respekt der katholischen Mitbürger im Dorf. Sie waren bei der Bevölkerung geachtet. Deshalb wirkten sich auch die vom nationalsozialistischen System verordneten Massnahmen zum Boykott der Juden zunächst kaum aus. Diese Tradition des guten Zusammenlebens schützte sie nach 1933 nicht mehr. Denn nach Hitlers Machtübernahme wurden die Juden in Deutschland durch Gesetze und Verordnungen immer mehr entrechtet, durch Lügen und Verleumdungen in Angst und Schrecken versetzt. Wer sich der Verfolgung nicht durch Auswanderung entziehen konnte, musste die Leiden und Qualen der Ächtung, der Deportation und des geplanten Mordes erleiden. Und dabei waren es Juden, die sich Stets als Deutsche gefühlt und betrachtet haben. So sind z.B. im 1. Weltkrieg zwei Juden aus Billigheim als pflichtgetreue Soldaten gefallen. Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 10 jüdischen Bürger aus Billigheim im Rahmen des sogenannten Madagaskar-Plans, nach Südfrankreich abgeschoben, in der Tat wurden sie in KZ’s deportiert. In Wahrheit hatte damit die sog. „Endlösung“ der Juden, das ist die programmierte totale physische Ausrottung der Juden, begonnen. Hunger, Kälte und Krankheiten setzten den Alten, Kranken und Kindern in diesen Lagern entsetzlich zu. Die Überlebenden wurden im Sommer 1942 von Frankreich nach dem Osten verbracht, wo die letzten der Billigheimer Juden in den Gaskammern von Auschwitz und Lublin Maydanek ermordet wurden — das ist belegt. Von den anderen jüdischen Bürgern, die 1933 noch im Dorf wohnten, überlebten nur wenige, wenn sie durch Auswanderung nach USA, England oder Palästina der Verfolgung und Vernichtung entrinnen konnten. Wir dürfen und können unmöglich schweigen von dem, was wir gesehen und gehört haben. Alle Anstrengungen, geistige und materielle Wiedergutmachung zu leisten und Verbrechen zu sühnen, vermögen die schrecklichen Ereignisse der Jahre 1933 bis 1945 nicht ungeschehen zu machen. Mit tiefer Scham muss es uns erfüllen, dass im Namen unseres Volkes so furchtbares sich zutragen konnte. Wir sollten uns endlich daran erinnern! Was bedeutet unsere Erinnerung. Forderung: die Toten durch unser Totschweigen nicht ein zweites Mal sterben lassen. Hoffnung und Handlung: die Aufgabe unserer Generation und die unserer Kinder wird es sein, alles zu tun, damit in unserem Vaterland niemals wieder Recht und Menschenwürde mit Füssen getreten werden! In Ehrfurcht gedenken wir der ehemaligen jüdischen Bürger unseres Dorfes! Ich habe den ehrenvollen Auftrag, im Namen des Gemeinderates und auch namens der Bürgerschaft unseres Dorfes Billigheim aus Anlass des Volkstrauertages 1978 eine Steinplatte zum Gedächtnis ehemaliger jüdischer' Bürger und deren Opfer zu enthüllen. ANSPRACHE VON DR. F. ZIMMERMANN Ein Gedenken Den zu Tod Verfolgten Den leidbedrängten Juden des Dorfes! Dieses Memento steht auf der soeben vom Bürgermeister enthüllten Gedenkplatte aus fränkischem Muschelkalkstein. Niemand von uns weiss es, was sie erdulden — was sie leiden mussten. Wir vermögen es nur zu erahnen! Man muss überlebenden begegnet sein, die durch die Flucht der Verfolgung entrinnen konnten, Man muss den für sie schmerzlichen, den für uns sehr unangenehmen Dialog gesucht haben. Man muss in ihre weinenden Augen gesehen haben, Um zu spüren, was sie gelitten haben und was sie heute noch bedrückt und quält: Angst — Furcht — unsagbares Leid. Man muss die hier Geborenen, die hier als Kinder mit uns spielten, dort aufgesucht haben, wo sie heute leben, Um zu spüren, dass sie heute noch in dieser, ihrer Heimat wurzeln, dass sie uns, ihre Nachbarn, aus Furcht vor uns verlassen haben, Man muss es erlebt haben, dass sie trotz allem Unrecht und trotz allem Schmerz kein Wort des Hasses und der Unversöhnlichkeit über ihre Lippen bringen, obwohl sie nicht und sicherlich nie vergessen können, was zwischen uns und ihnen liegt! Man muss in ihrem Hause nach 40 Jahren wie ein guter Bekannter — von früher — von daheim, —7 aufgenommen, wie ein lieber Gast bewirtet, und dann wie ein neuer Freund mit herzlichem Händedruck verabschiedet worden sein, Um zu spüren und auch überall zu sagen. Allen jenen — bis in den Tod Verfolgten — und den wenigen heute noch lebenden — im Leid bedrängten ehemaligen Juden unseres Dorfes. Unter dem starken Einruck einer eben nur angedeuteten und menschlich so wertvollen Begegnung mit den aus Billigheim stammenden Geschwistern Woll in 1976 in Israel. unterbreitete ich Ihnen, den Bürgern und dem Gemeinderat, den Vorschlag, an einer würdigen Stelle — und sei es mit ein paar Worten nur — der ehemaligen' Juden zu gedenken. Ich halte dies für angebracht und für ehrenhaft. Meine Idee fand spontan Anklang und verständnisvolle Unterstützung. Der Bürgermeister, der Pfarrer und der Gemeinderat — sowie tüchtige Handwerker und Freunde haben bei der Verwirklichung geholfen. Allen gebührt an dieser Stelle und heute Dank dafür! Diese Gedenkplatte ist keine Anklage — sie sei ein Mahnmal! Denn: Zu allem Unrecht, das geschehen ist, dürfen wir nun nicht noch das Unrecht des Vergessens hinzufügen! Die Textbänder mit der Kerze in der Mitte stilisieren eine Menora, einen 7-armigen Tempelleuchter, ein uraltes jüdisches religiöses Sinnbild — ein Symbol. Das flammende Licht hat bei den Juden seit eh’ und je eine ebenso grosse symbolische und rituelle Bedeutung wie bei den Christen. Möge uns die symbolische Flamme dieser Kerze zumindest soviel bedeuten, dass die Betroffenheit über die den Juden widerfahrene Unmenschlichkeit und das Gedenken an die ehemaligen jüdischen Bürger dieses Dorfes — nie erlöschen mögen! Unsere persönliche Trauer sehe ich als ein Stück Menschlichkeit, unser Gedenken als ein Gebot der versöhnungsbereiten christlichen Brüderlichkeit an. Wollen wir alle über diesen Tag hinaus Trauer empfinden! Das Heine-Haus an der Elbchaussee Im schön angelegten Prospekt, der mit Erklärungen betr. d. Geschichte des Hauses und Bildern versehen ist, heisst es: Anfang Dezember 1979 ist das kleine „Heinehaus“ an der Elbschaussee 31, der Öffentlichkeit übergeben worden. Es soll an seinen vormaligen Besitzer, den Hamburger Bankier Salomon Heine, Onkel des Dichters Heinrich Heine, erinnern. Schon im Jahre 1962 war dieses bescheidene Haus unter Denkmalschutz gestellt worden. * Besitzer des Hauses ist der am 28.10.1975 gegründete Verein „Heine-Haus“ e.V., Hamburg. (Vorsitzender Erich Lüth), der es sich zur Aufgabe gesetzt hat, das Haus, als ehrendes Andenken an Salomon Heine und seinen Neffen, Heinrich Heine, zu erhalten. | NEUERSCHEINUNG j | GEDICHTBAND j I „Die wir übrig sind“ | | Von Stella Rotenberg | I Verlag: Bläschke I | A-9143 St. Michael, Austria | | (Preis: DM 9.80. | | NEUERSCHEINUNG | I k 18

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