Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/7411685-7412731-7496867--0866-7412748
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

18 entity mentions

wurde auf dem christlichen Friedhof beigesetzt). Nach Mitteilung seiner Angehörigen, soll der in Tormersdof verstorbene Georg Hirschberg, der frühere 1. Vorsteher der sog. „Landschul“ in Breslau, von Tormersdorf nach Breslau überführt, und an der Seite seiner Frau auf der Lohestrasse beerdigt worden sein. Die bekannte Leiterin der Verfolgungsfürsorge des Caritas-Verbandes, Frau Dr. Gertrud Luckner aus Freiburg (die aufgrund ihres Eintretens für die Verfolgten in der NS-Zeit vor kurzem zur Ehrenbürgerin der Stadt Freiburg ernannt worden ist) hat in den Jahren 1941/42 auch Tormersdorf besucht. Sie berichtet, dass „das Lager in Tormersdorf verhältnismässig günstig in bezug auf die damaligen Umstände“ war. Aus einzelnen Mitteilungen feeht hervor, dass die Juden innerhalb der Anlagen Spazierengehen konnten, wobei es getrennte Wege für Juden und Christen gab. An der Neisse gab es einen Spazierweg, der nur von den Juden benutzt werden durfte. Von Tormersdorf konnte man auch Briefe schicken und dort auch Briefe erhalten. Im Jahre 1941 konnte von Tormersdorf aus die Witwe des verstorbenen Bremer Rabbiners Rosenak, Bella, geb. Carlebach nach Berlin fahren, um dort in letzter Stunde vom amerikanischen Konsul das Einreisevisum nach den USA zu erhalten, wohin sie dann auch asuwanderte. Dieser vergleichsweise ruhige Zustand in Tormersdorf dauerte leider nicht sehr lange. Die ca. 700 Juden, die dort nach den Angaben des Anstaltsleiters, des Pastors Zitzmann gelebt haben sollen, wurden im Jahre 1942 weiter und zwar wohl nach Theresienstadt verschickt. Mit dem ersten Breslauer Transport nach Theresienstadt vom 27. Juli 1942, (110 Personen) fuhren auch Juden aus Tormersdorf, von denen 11 überlebten und zwei 1945 befreit wurden, bzw. überlebten: Getzel, Elise, geb. 1869 und Hochfelder, Marie, geb. 1866; beide gingen zuerst nach Deggendorf. Auch bei dem zweiten Breslauer Transport nach Theresienstadt vom 31. August 1942 (mit 1065 Teilnehmern, von denen 33 überlebten), befanden sich Insassen von Tormersdorf, von denen vier die Befreiung von Theresienstadt 1945 überlebten: Blassberg, Flora, geb. 1868) und Daniel, Lucia (geb. 1878), beide gingen damals nach Deggendorf, während zwei weitere: Kronthal, Rosa geb. 1878) und Pese, Isidor (geb. 1871), sich in die Schweiz begaben. Im Anhang bringe ich das Verzeichnis der vierundzwanzig in Tormersdorf in der Zeit vom 16. Dezember 1941 bis 25. September 1942 verstorbenen „Nichtarier“, das der verstorbene Pastor Zitzmann aus den Listen des Standesamts Rothenburg zusammengestellt und mir liebenswürdigerweise zur Verfügung gestellt hat. A N G Verzeichnis der 1941/42 in Tormersdorf bei Rothenburg (Oberlausitz) verstorbenen Juden (Die Sterbeurkunden dieser Personen müssen beim Standesamt Rothenburg/Oberlausitz — DDR — bestellt werden) Name: j Geb. Datum: Geb. Ort; Sterbedat. 1. Berger, Mose Markus 23.10.1870 Orzesche Krs. Pless 16.9.1941 2. Bandmann, Fanny Laura, geb. Freund 21. 8.1858 Myslowitz Krs. Kattowit 1.10.1941 3. Laskowitz, Selma, geb. Stein 12. 7.1861 Stettin 17.10.1941 4. Maschkowski, Hanne, geb. Israelski 14. 1.1857 Gersdorf Krs. Könitz 12.11.1941 5. Perkowitz, Lina 11.12.1864 Pieschen Krs. Jarotschin 13.11.1941 6. Ruppin, Selma, geb. Böhm 10. 7.1876 Ratibor 20.11.1941 7. Engel, Rosa, geb. Freund 24. 3.1879 Breslau 12.12.1941 8. Hartmann, Martha, geb. Holländer 5. 5. 1870 Bentschen/Posen 19.12.1941 9. Neumann (oder Heumann), Ernst 13. 5.1886 Breslau 1. 1.1942 10. Richter, Alma Emma, geb. Berliner 26. 4.1861 Gröbnig Krs. Leobschütz 14. 1.1942 11. Schwalbe, Matthias 18. 2.1868 Wreschen/Warthegau 1. 2.1942 12. Lippmann, Rosa, geb. Waldmann 25. 4.1866 Breslau 4. 2.1942 13. Fabian, Fanny 1.12.1865 Elbing 7. 2.1942 14. Rosenbaum, Adelheid, geb. Hurtig 25. 4.1871 Berlin 15. 2.1942 15. Mehrländer, Leopold 13. 5.1855 Rosenberg/Oberschlesien 2. 3.1942 16. Oppenheimer, Erich 24. 5.1894 Berlin 24. 4.1942 17. Oppenheimer, Charlotte Amalia, geb. Cohn (Beide vergiftet an der Neisse gefunden) 4. 1.1896 Moys bei Görlitz 24. 4.1942 18. Böhm, Paul (evangelisch), Kunstmaler 14. 3.1868 Breslau 5. 5.1942 19. Hirschhain, Aurora, geb. Ladendorff 24. 8.1856 Breuss.-Holland/Ostpreussen 31. 5.1942 20. Hannes, Amanda Scharne, geb. Auerbach 13. 8.1861 Posen 13. 6.1942 21. Loewy, Bianca 30. 9.1865 Rawitsch 18. 7.1942 22. Engel, Hedwig, geb. Block 24. 7.1864 Breslau 24. 7.1942 23. Lissner, Jachil Joachim 11. 3.1870 Obersitzko Krs. Samter 9. 8.1942 24. Horn, Wally, geb. Brinnitz 16. 5. 1883 Bernstadt Krs. Oels 25. 9.1942 RABBI MEIR LOEB BEN JECHIEL MICHAL (MALBIM) ZU SEINEM 100. TODESTAGE Am ersten Tage Rosch Haschana war der hunderdste Todestag dieses überragenden Bibelexegeten. Er starb in Kiew auf der Reise von Königsberg nach Kremenzug, wohin er einen Ruf als Rabbiner erhalten hatte. Malbim war in Voloshik in Wolhynien im Jahre 1809 geboren, und wurde schon in frühester Jugend als „Hui“ (jugendliches Genie) gefeiert. Im Jahre 1834 besuchte der Jugendliche Gelehrte Westeuropa und hielt sich u.a. in Presburg, Amsterdam und Breslau auf. Im Jahre 1839 wurde er auf Empfehlung des Breslauer Rabbiners Salomon Salman Tiktin Rabbiner in Wreschen (Distrikt Posen), wo er 7 Jahre verweilte. Von dort ging er nach Kempen, und von damals an wurde er mitunter „der Kempener“ genannt. Im Jahre 1858 verliess er die Rabbinerstelle in Kempen und folgte einem Rufe der Gemeinde von Bukarest und wurde dort zum Oberrabbiner von Rumänien ernannt. Seine scharfe Stellungnahme gegen die damals aufkommende Reformbewegung trug ihm viel Feindschaft ein, und seine Gegner verleumdeten ihn bei der Regierung mit der Begründung, dass er den Fortschritt der rumänischen Juden hindere. Die Regierung schloss sich den Verfolgern an, und Malbim muste Rumänien im Jahre 1864 verlassen. In verschiedenen polnischen Gemeinden konnte er sich auch auf die Dauer nicht halten, da er sowohl von den Haskalaanhängern als Reaktionär als auch von Chassidim, gerade ungekehrt, als zu weltaufgeschlossen und fortschrittlich bekämpft wurde. Einer Einladung nach Mainz wollte er Folge leisten, aber blieb auf der Reise während vier Jahren in Königsberg. Malbim war ein „Gaon" der Gelehrsamkeit auf den verschiedensten Gebieten der Thorakunde. Seine Werke umfassen sowohl halachische als auch philosophische Abhandlungen, auch als Prediger, Dichter und Grammatiker zeichnete er sich aus. Seine profunde Kenntnis der hebräischen Sprache kommt besonders in seinem Hauptwerk zum Ausdruck, dem Kommentar zur Bibel, noch heute allgemein als „der Malbim“ bekannt und in unzähligen Jüdischen Häusern studiert, vor allem beim Studium des Pentateuch. Seine oft sehr originellen Erklärungen beruhen auf einer unerschütterlichen Überzeugung von der Wahrheit der mündlichen Überlieferung und der Tatsache, dass den Weisen des talmudischen und midraschischen Schrifttums die Eigenheiten und Tiefen der hebräischen Sprache so vertraut waren, dass sie in der Lage waren, ihre Lehren auf manchmal auch geringe Abweichungen von der üblichen Ausdrucksweise der biblischen Schriften zu stützen, für die er ein ausgesprochenes Gefühl hatte. Malbim lehrt, dass was besonderes im Stil der Propheten als Parallelismus-Wiederholung des gleichen Gedankens in verschiedener Form bekannt ist — nicht etwa eine stilistische Form sei, sondern dass Jeder Ausdruck eine andere, von dem ersten abweichende Bedeutung habe, und er weist diese Grundidee in sehr zahlreichen Stellen seines Kommentars nach. In einem besonderen Werk „AJeleth Haschachar“, dem Kommentar zu Leviticus (Wajikra) beigegeben, zeigt Malbim die Bedeutung von 613 hebräischen Verben, Synonymen und Sprachwendungen auf. Sein monumentales Werk der Bibelerklärung sichert Malbim einen Platz in der Ehrenreihe der klassischen Kommentatoren. Mordechai Noy, Ramat Chen 17

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.