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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 16

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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DIE EVAKUIERUNG Die Evakuierung der Breslauer Juden nach Tormersdorf bei Görlitz Kreis Rothenburg, Oberlausitz, 1941142 Aus der Arbeit: Zur Geschichte der Breslauer Juden im 2. Weltkrieg Von Bernhard Brüling Leo Erman—einer der „Stillen im Lande“ Und ein begnadeter Dichter und Autor dazu ist der seit Jahrzehnten in Jerusalem ansässige, s.Zt. aus Deutschland eingewanderte Leo Erman, Mitglied ebenso des hiesigen Verbandes Deutschsprachiger Schriftsteller in Israel, wie auch des P.E.N.-CIub, London. Seine Bücher, bis Jetzt genau 25 (!) an der Zahl, erschienen und erscheinen alle im Verlag R. Mass, Jerusalem. Er schreibt sie in einer freiwillg gewählten Zurückgezogenheit in seiner Jerusalemer Wohnung wird aber gerade von diesem „Dichter-Eiland“ aus oft direkt mit den Kontroversen unserer bekanntermassen heterogenen Bevölkerung, — Folge des durch Ben-Gurion berühmt gewordenen „Kibbuz Galujot“ (auch „Misug-Galu- Jot“) konfrontiert. Mit den durch die Volksvermischüng entstandenen Problemen beschäftigt sich unser Autor sehr eingehend in seinem soeben erschienenen Roman „Die Fliegerjacke oder die bedingt ehrenvolle Tragödie der Heim gekehrten“, in dem er auf 406 Seiten die verschiedenen Betrachtungsweisen, vornehmlich die „aschkenasischen" gegenüber den „sephardischen“, analysiert und auslotet. Doch steht im Vordergrund des Romans die immer und überall existente Allverbundenheit unseres Volkes, getragen von gemeinsamer Jüdischkeit und Zionsliebe! Es gelingt dem Autor, in geschliffenem Stil und lebensnahen Dialogen (verfuhr übrigens ein Thomas Mann in seinem „Zauberberg“ nicht ähnlich, um in Dialogen Erkenntnisse und Belehrungen zu vermitteln?!) den Leser mit der Atmosphäre des Geschehens vertraut zu machen; es geht um das Schicksal eines jungen, einer kurdischen Familie entstammenden Nachbarsohnes, Soldat und Co-Pilot in der israelischen Luftwaffe, der aus seiner inneren Spannung und an sich sehr introvertierten Anlage heraus versucht, im knappen Gespräch mit dem Autor an Probleme heranzugehen, wobei er sich meist auf die ihm bekannte Ansicht seines „Majors“ — hier jugendliches Idol! — beruft. Auch die erste, zarte Zuneigung zu einem schönen, jungen Mädchen aus aschkenasischem Hause spielt „unterschwellig“, die scheue Beziehung hält an bis zum viel zu frühen Ende des in Wahrheit Unvollendeten. — Nichts bleibt als die blutgetränkte Fliegerjacke, eine verzweifelte Mutter, trauernde Geschwister, Verwandte, Kameraden und Freunde. Die Liebe zu Land und Volk Israel, die auch Leo Ermann beseelt, bleibt auch das Uranliegen des jungen Helden, den der Leser mitliebt, um den man mittrauert, wenn man den Roman aus der Hand legt. Ein schmaler, ebenfalls 1979 entstandener Lyrikband, „Späte Frucht vom Baum der Träume — schnell gepflückt eh’ mans versäume“ führt mitten hinein ins Dichterdasein, wäre in vielen Teilen des Zltierens würdig, kann aber hier leider aus räumlichen Gründen nicht detailliert besprochen werden. Man kann nur — wie bei seinen früheren Büchern — dem Autor auch zu diesen beiden Neuschöpfungen herzlich gratulieren und ihn bitten, seinen Lesern und Anhängern noch weitere seiner geistreichen Gaben zu bescheren! Ad mea w’esrim!“ Frieda Hebel Bis 1941 hatte Tormersdorf in der Geschichte der schlesischen Juden keine Rolle gespielt. Dort war 1899 von einer evangelischen Brüderschaft eine Pflegeanstalt „Zoar“ (in der NS-Zeit wegen des hebräischen Namens in „Martinshoff“ umbenannt) für geistig behinderte, epileptische und sozial gefährdete Jungen und Männer errichtet worden. Diese Anlage, die aus mehreren Gebäuden bestand, erschien nach ihrer (anscheinend im Verlauf der Euthenasieaktion) erfolgten Räumung als ein geeigneter Unterkunftsort für diejenigen Juden, die man aus Breslau 1941 vorerst zu evakuieren gedachte. Nach dem Sieg über Polen verstärkte sich die Tendenz, die Juden möglichst zu konzentrieren und zu isolieren, sowie aus den Städten des Reiches zu vertreiben. Allerdings vollzog sich dieser Prozess in mehreren Stufen. In Breslau begann er 1941. Damals lebten in Breslau noch ca. 8000 Juden in 1800 Wohnungen. Im Mai des Jahres 1941 begann der Gauleiter Hanke darauf zu drängen, Breslau in absehbarer Zeit von Juden freizumachen. Kurz zuvor, im April 1941.' hatte die Wehrmacht, die sich auf den Krieg gegen Russland vorbereitete, wahlweise die Übergabe des jüdischen Kinderheims in Krietern oder des Beate-Guttmann-Altersheims für Lazarettzwecke gefordert. Obwohl die Breslauer Jüdische Gemeinde geglaubt hatte, durch einen Verzicht auf das Kinderheim das Altersheim vor der Beschlagnahme retten zu können, wurde doch das Altersheim noch im Mai von der Wehrmacht konfisziert. Jetzt erhob sich die Frage der weiteren Unterbringung der älteren Leute, die geglaubt hatten, im Altersheim vor weiteren Verfolgungen sicher zu sein. Die Behörden, die damals nicht vorhatten, diese älteren und pflegebedürftigen Leute auf die Strasse zu setzen oder umzubringen, suchten nun „geeignete“ Unterbringungsmöglichkeiten für sie. Nachdem der Plan, sie im ehemaligen Kloster Leubus unterzubringen, aufgegeben wurde, beschlossen sie, die Insassen des Altersheims in die freigewordenen Räume des inzwischen beschlagnahmten Martinhofs in Tormersdorf einzuweisen. Über die mit diesem „Umzug“ verbundenen Formalitäten und Vorgänge ist nichts bekannt. Die Altersheiminsassen wurden Jedenfalls im Juni 1941 dorthin überführt und durften auch ihre Möbel mitnehmen. Bei der Primitivität der für Geisteskranke geschaffenen Anlagen mussten die zwangsweise einquartierten Jüdischen Insassen auf viele Bequemlichkeiten verzichten. In einem Bericht heisst es: „Man konnte keine Fenster öffnen, keine Tür schliessen, die Toiletten funktionierten nicht, Wasser musste man von der Strasse holen“. Bei der Enge der Räumlichkeit gab es keine Einzelzimmer; auch konnte man die Möbel in den engbelegten Räumen nicht unterbringen und musste sie in der ehemaligen „Kapelle" einstellen. Weitere Transporte von Breslauer Juden nach Tormersdorf, bei denen sowohl die Ordnungspolizei als auch die Gestapo mitwirkten, folgten. Aber jetzt handelte es sich nicht um die Insassen eines Altersheimes, sondern um einzelne Wohnungsinhaber, die ihre Wohnungen räumen mussten. Nachdem die Gauleitung, die für die Vertreibung der Juden aus ihren Wohnungen zuständig war, dem Polizeipräsidenten und der Gestapo die Adressen der zu räumenden Wohnungen mitteilte, veranlasste die Gestapo die Benachrichtigung der betroffenen Judenhaushalte durch den Judenältesten, der für alles weitere verantwortlich war, d.h., für das Sammeln der Juden im Polizeipräsidium, für den Abtransport der zum Mitnehmen erlaubten Möbelstücke usw. Der erste Sammeltransport bestand aus ca. fünfzig Personen (Insassen von zehn Wohnungen), die zum 31. Juli 1941 auf den Hof des Polizeipräsidiums bestellt wurden und dann mit dem Zug nach Tormersdorf fuhren. Bei der nächsten Wohnungsräumungs-Aktion mussten einunddreissig jüdische Familien bis zum 16. August 1941 sich nach Räumung ihrer Wohnungen bei der Polizei stellen. Auch sie wurden mit der Bahn nach Tormersdorf gebracht. Ein dritter Transport, von dem zweiunddreissig Wohnungszimmer (darunter auch Einwohner der jüdischen Wohnsiedlung in der Roonstrasse) betroffen waren, ging am 11. September 1941 nach Tormersdorf ab. Auch danach dürften noch Transporte nach Tormersdorf erfolgt sein. Wie erwähnt, winden die Juden bei der Ankunft in Tormersdorf bzw. ,Zoar“ an die Beamten der Gestapo übergeben. Dieser unterstanden wohl die beiden Diakone, die als Direktoren der Judenansiedlung eingesetzt waren, und auch der Judenälteste Saul aus Breslau, der die Befehle weitergab. Es wurden dort Appelle abgehalten. Der damalige Vorsteher des Brüderhauses, Pastor Zitzmann, gestattete, wie er mir berichtete, die Aufstellung von Bänken in der Halle während der Appelle, weil die alten Leute, die man zu den Appellen zu kommen zwang, nicht solange stehen konnten. Die Breslauer jüdische Gemeinde betrachtete die nach Tormersdorf evakuierten Juden als eine mit ihr verbundene „jüdische Wohngemeinschaft“, um deren Mitglieder sie sich weiterhin kümmerte. Auf Veranlassung der Breslauer jüdischen Gemeinde erhielt ein jüdischer Friseur aus Breslau, Joseph Friedland, die Genehmigung zur Übersiedlung nach Tormersdorf, um dort seinen Beruf auszuüben. Kranke Juden wurden in das jüdische, von Dr. Hadda geleitete Krankenhaus in Breslau gebracht. Für die religiösen Bedürfnisse, bzw. für den Gottesdienst wurde in Tormersdorf, bzw. im Martinshof ein Betraum eingerichtet. Es ist allerdings nicht bekannt, wer die Anregung dazu gab und wer dort fungierte. Ebenso weiss man nicht, wer das für die Beerdigungen benötigte Fried hofsgrundstück jenseits der Neisse (unmittelbar neben dem Tormersdorfer Waldfriedhof) von dem Gutsherrn H. von Martin erworben hat. Dort wurden die vom 16. September 1941 bis zum 25. September 1942 verstorbenen Juden beerdigt, ohne dass ihnen Grabsteine gesetzt wurden. (Der zum Christentum übergetretene Kunstmaler Paul Böhm, der als Nichtarier evakuiert worden war, 16

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