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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 12

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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bin ich Sie ganz unschuldig! Ist sich eiserner Topf geflogen an Kopf von Frau, ganz allein!“ Da gab es dann einmal eine besondere Sache. Vater kam von einem Besuch von Hermann Rosenthal mit einem kleinen Paket, übel riechendem Zeugs in Papier eingewickelt und ich musste das Zeug in unserem Waschbecken waschen und heraus kam goldgelbe Wurzelfaser. Ein Schiff von Mexico nach Hamburg hatte Feuer am Bord gehabt, das mit Seewasser gelöscht worden war, was der Reiswurzel nicht gerade gut bekommen war. Sie wurde für sehr billiges Geld angeboten. Vater kaufte zwei Eisenbahnwaggons voll und Hess sie nach Myslowitz schicken. Der Hof stank fürchterlich, die Gefangenen drohten mit Aufruhr, Vater wurde hingeholt und hatte eine Idee: Wenn die Gefangenen die Wurzel schnell waschen, gibt es eine Prämie! Das war eine Neuheit, die bei der Behörde schwer Gehör fand, aber was blieb übrig? Was sollte sonst mit der Wurzel geschehen? Die Gefangenen arbeiteten wie wild, die Wurzel wurde in Rekordzeit sauber und nun ging der Kantinenwirt von Zelle zu Zelle mit Notizbuch und Stift und schrieb auf, was der einzelne Gefangene anordnete, und das war der Trick! Diese Leute, die ja nur noch Nummern und keine Personen mehr waren, hatten auf einmal die Möglichkeit, etwas zu bestellen, nach ihrem Wunsch, ein Stück Wurst, einen Hering, Kaut.ahak oder was sie gern hätten. Vater setzte durch, dass das Prämiensystem beibehalten wurde. Manchmal wusste mein Vater ger nicht, was er mit so viel Ware machen sollte. Doch dann kam ein neuer Direktor, der fand, dass eine Gefängnisstrafe sein müsste und verbot die Prämien und der alte Notstand war wieder da. Die Gefangenen in Myslowitz haben meinem Vater seine Bemühungen reichlich gedankt: „November 1918. Extrablatt: Gefängnis in Myslowitz von polnischen Insurgenten gestürmt“. Mein Vater war einem Herzanfall nahe. Alle Räume waren vollgestopft mit Rohmaterial und fertiger Ware. Aber da kam schon ein Telegramm des Werkführers: „Aller Besitz von L & Co gerettet! Brief folgt". Was war geschehen. Die Gefangenen hatten sich als Wachen gestellt und von den Eindringlingen erreicht, dass der Besitz von L & Co nicht angegriffen wird, was auch geschah. Mein Vater verlor nicht einen Groschen. So. das war Myslowitz, aber auch Uber das Arbeitshaus in Lauban glbts eine Geschichte, tim von Breslau nach Lauban zu fahren, muss man in Kohlfurt umsteigen. Da sass nun eines Tages Vater und wartete auf den anderen Zug, als ein Mann an seinen Tisch kam und sagte: „Herr London, kennen Sie mich nicht, ich hab’ doch in M. so lange für Sie gearbeitet?" Natürlich lud ihn Vater zu einem Glas Bier ein, „Es ist eine Schande, sagte der Mann, wie man in I,auban. ich komme ja grade von dort, mit Ihren Sachen umgeht. Der Inspektor passt nicht auf, da sind die Leute zu faul das, was von den Auftragsbürsten (die kleinen Bürsten, mit denen die Stiefelwichse aufgeschmiert wurde) abfällt, noch einmal zu verwenden, das wird alles aufgekehrt und kommt in die kleine Kammer im Keller ganz hinten rechts, die ist schon halb voll“. „Danke schön", sagte Vater und stieg in seinen Zug. „Nicht wahr, Herr London, so einen Musterbetrieb, wie Lauban haben Sie nicht noch einmal!“, meinte stolz der Inspektor. „Wirklich sehr hübsch", sagte Vater, „aber kommen Sie doch einmal in den Keller“, und er führte den sprachlosen Beamten in die Kammer, die der noch nie gesehen hatte. Zu gern hätte er gewusst, wieso mein Vater darum Bescheid wusste, aber mein Vater gefiel sich zu sehr in der Rolle eines Wahrsagers und Hexenmeisters. Dann ging er befriedigt zum Mittagessen zu den Verwandten. Nun zurück auf die Oderstrasse zu einem anderen Grosskampftag, an dem die neuen Rekruten sich einfinden mussten. Breslau war eine grosse Gamisonsstadt. Ausser den vornehmen Kürassieren, die nur adlige Offiziere hatten, und wo die Rekruten, reiche Bauernsöhne, meist mit dem eigenen Pferd in die Kaserne kamen, waren noch die 12. Artillerie, die Infanterie 51, der Train. Alle Rekruten bekamen vom Staat 5 Mark zum Ankauf von Reinigungsgeräten, die 5 Mark nahm der Kantinenwirt, aber den „Neuen“ wurde von den erfahrenen Kameraden der gute Rat gegeben, sich die Sachen bei L & Co zu holen, da kosten sie nur 3.60, bleibt also 1.40 für Bier. Vor 80 Jahren war die Fliessarbeit noch nicht modern, aber mein Vater erfand so etwas ähnliches für den Rekrutentag. Italienische Weintrauben wurden in kleinen Holzkisten exportiert um diese Jahreszeit. Vater kaufte eine grosse Menge davon, die wurden im Hof aufgeschichtet. An dem einen Tag, wurde alles Personal, sogar die Buchhalterinnen von oben und die Arbeiter unten zum Keller in den Verkaufsraum beordert, nur ich durfte an dem Tag nicht kommen, es könnte doch irgend ein rohes Wort fallen, wenn einer betrunken war. Nun ging die Sache so vor sich. Der eintretende Rekrut winde nur gefragt, welches Regiment, dann griff die erste Verkäuferin ein Holzkistchen, tat eine Bürste hinein, schob die Kiste der zweiten zu und so weiter bis zum Schluss einer der Arbeiter die Kiste zumachte, in vorher geschnittenes Papier tat, zuschnürte und der Mann damit an die Kasse ging und seine 3.60 zahlte. Es war eine gehörige Arbeit, aber sie machte allen Spass. Mittags bekam jeder 2 Paar Würstchen und Semmel und um 4 Uhr gabs Kaffee und Kuchen. Ein anderes, bemerkenswertes Ereignis war jedes Jahr der Verkauf der „Glückspakete“. Gross in den Zeitungen angekündet; Fünf fehlerhafte Handbürsten für 10 Pfennig! Das konnte sich doch niemand entgehen lassen, wo doch eine Handwaschbürste 15 Pfennig kostete! Und man bekam wirklich ein sauber eingepacktes, verschnürtes Paket mit fünf Stück, von denen bestimmt zwei oder drei brauchbar waren, zwei aber direkt in den Mülleimer kamen. Viele Jahre wurden die jedes Jahr einmal verkauft, in rauhen Mengen verdient wurde daran nicht viel, aber es war eine ausgezeichnete Reklame. Woher stammen die? Nicht aus der eigenen Produktion, denn es war Stanzware und dazu braucht man Maschinen, die L & Co nicht besessen, die stammten aus Striegau, wo die grösste Bürstenfabrik war, die einem elsässischen Juden gehörte, der nicht grade die Sympathie der Striegauer Stadtväter besass, nicht nur, weil er Jude, sondern weil er, trotz seines kapitalistischen Grossunternehmens, Sozialist war. Es war eine Riesenfabrik, die hauptsächlich für Export arbeitete und Bürsten, vor allem schiffsweise nach Amerika sandte, das damals vor etwa 80 Jahren industriell noch nicht sehr entwickelt war. Der Clou des Betriebes war eine, für diese Fabrik extra konstruierte Maschine, die sich das Holz schnitt, Löcher bohrte, die Fibre einstanzte und glatt schnitt. Sie fabrizierte nur Handwaschbürsten in erstaunlichen Mengen. Natürlich gab es dabei viel Abfall, und das war ein Problem, wohin damit? Verbrennen Hess sich das Zeug nicht, und die Striegauer Ratsherren hatten einen triftigen Grund zur Klage gegen die Fabrik. Als Vater nun wieder einmal in Striegau war, klagte ihm der Chef, leider habe ich seinen Namen vergessen, sein Leid und fragte ihn um Rat. Da kam meinem Vater ein Gedanke, und er sagte: „Wenn Sie mir das Zeug auf Ihre Rechnung nach Breslau schicken, nehme ich Ihnen alles ab“. So entstanden die „Glückspakete”, später musste Vater zwar den Transport bezahlen. So sah London & Co aus, als die Firma auf der Höhe war, und Vater sagte zu mir: Das ist eben der Vorteil, dass es keine Konjunkturschwankungen bei uns gibt, selbst wenn der Umsatz mal kleiner ist, Bürsten und Besen wird man immer brauchen. Das sind keine Modesachen. Und dann kam der Krieg, das männliche Personal wurde eingezogen, und, bis auf einen älteren Reisenden und einen dummen Lehrling, fielen alle im Krieg, dazu mein Bruder. Rohstoffe wurden knapp. Die Produktion eingeschränkt. Nach dem Krieg, politische Unruhen, die Hauptabsatzgebiete Oberschlesien, Posen, Pommern und Westpreussen gingen verloren, und die Inflation brachte den Betrieb an den Rand des Ruins. Die Produktion hatte aufgehört, dazu hatte sich auch die Art der Reinigung geändert, man brauchte vor allem kaum noch Scheuerbürsten. Den Zerfall habe ich selbst nicht mehr aus der Nähe erlebt. Schliesslich kamen die Nazis, und der dumme Junge, den mein Vater nur auf die Bitte des Vaters des Jungens, aus Mitleid, angenommen hatte, und aus dem auch nichts geworden war, der wurde Nazi, eignete sich den, schon heruntergekommenen, Betrieb an, den er innerhalb eines halben Jahres zu Grunde richtete. Mein Vater, völlig verarmt und fast blind, erhielt als besondere Vergünstigung von den Nazis, da sein Sohn als Freiwilliger im Krieg gefallen war, die Erlaubnis, zur Übersiedlung nach Berlin. So schwer die Zeiten waren, meine Tante war glücklich, endlich den geliebten Bruder ganz für sich zu haben, meine Mutter war schon 33 an einem Schlaganfall gestorben nach 45jähriger, glücklicher Ehe. Vater starb an einem Herzschiag im Jahre 41, vier Wochen später holten die Nazis die 75jährige Schwester nach Theresienstadt, wo sie starb. Ich besitze noch die Geburtsanzeige meines Ur-Urgrossvaters Mendel London geboren in Breslau 1799. Vera Rosenbaum « I PAPIERWAREN ROTKOWITZ BÜROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ | I Office Equipment and Stationery | Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. 625420 |

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