Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/7411685-7412731-7496867--0859-7412741
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Zur Geschichte der Breslauer Damenkonfektion Von FRANZ PEISER, Berlin Frankreich (!), England, Italien und auch nach Übersee exportiert. Da die Regierungen Devisen benötigten, begünstigten sie die Exportanstrengungen der fast ausschliesslich in jüdischen Händen liegenden Branche durch Subventionen; es ging so weit, dass unsere Breslauer Firma noch Anfang 1938 keine Erlaubnis zur Liquidation bekam, ihr Bestehn sei „lebenswichtg für den Deutschen Osten". Die Breslauer Damenkonfektion war über die Grenzen Deutschlands hinaus ein Qualitätsbegriff. Ihre Blütezeit lag aus Gründen, die ich später zu erläutern versuchen werde, in der Zeit bis zum ersten Weltkrieg und später nochmals von 1925 bis 1933. Den nachfolgenden Versuch, etwas über die Breslauer Damenmäntelfabrikation zu berichten, habe ich aus zwei Gründen unternommen: sicherlich -interessiert es viele Leser, an diesen Berufszweig, der in Breslau viele Jahrzehnte lang bis in die ersten Jahre der Nazizeit eine grosse Bedeutung hatte und Tausenden von Angestellten und Arbeitern Beschäftigung gab, erinnert zu werden; lag doch die Damenkonfektion in Deutschland, die ihren Sitz hauptsächlich in Berlin und Breslau hatte, fast ausschliesslich in Jüdischen Händen — wie auch viele Einzelhandelsgeschäfte der Konfektionsbranche. Zweitens — weil es heute — mehr als 40 Jahre nach der Pogromnacht und nach dem Ende dieses Konfektionszweiges in Breslau überhaupt, es kaum noch Personen gibt, die aus ihrer eigenen Erfahrung über die Breslauer Damenkonfektion berichten können. Ich hatte mich an meinen Vetter Herbert Peiser (1898) und an meinen Bruder Fritz E. Peiser, die in den USA bzw. Südafrika leben und die ebenfalls in unserem väterlichen Geschäft tätig gewesen sind, um Beihilfe für diesen Aufsatz gewandt; leider ohne bisher Antwort zu bekommen, sodass ich mich allein auf mein eigenes Gedächtnis verlassen muss. Ich selbst (1908) war nur bis 1927 ständig in Breslau; allerdings war ich bis 1938 in der Berliner Zweigniederlassung des väterlichen Geschäfts tätig und bin zu meiner Auswanderung (1938 nach Montevideo) mehrmals im Jahr nach Breslau gefahren; daher bin ich selbst über die Geschichte der Damenkonfektion in Breslau gut informiert. In den Gründerjahren (etwa ab 1865) sind in Breslau und in noch stärkerem Mass in Berlin die ersten sogen. Damenmäntelfabriken entstanden. Was war eine solche Damenmäntelfabrik? Sie hatte eigentlich mit der heutigen Vorstellung einer Fabrik nichts zu tun* Kein Fabrikgebäude mit Maschinen sah man dort. Es waren Betriebe, die Stoffe und Zutaten in Heimarbeit, meist an sogen. Zwischenmeisterbetriebe vergaben und die die angefertigten Mäntel, Kostüme usw. en-gros verkauften. Die Breslauer Firmen kauften ihre Mantelstoffe gewöhnlich bei den in Breslau ansässigen Vertretern der Stoffabriken; bedeutende Fabrikationsorte für Mantelstoffe waren Sagan, Sommerfeld, Sorau, Forst, Spremberg, Crimmitschau, Greiz, Gera, M.-Gladbach u.a.m. Futterstoffe und Knöpfe wurden zumeist bei Berliner Grossisten eingekauft, die ihre Vertreter nach Breslau sandten, oder selbst kamen. Wie hiessen die zuerst gegründeten und die bedeutendsten Damenmäntelfabriken in Breslau? Die ältesten Firmen waren H. Aufrichtig und R. G. Leuchtag. Weitere bedeutende Damenmäntelfabrlken waren Louis Lewy Jr. und Albert Michaelis (die auch Detailgeschäfte hatten), Gebr. Peiser, Janower & Blumenfeld, Lewin & Sieradsky, Leopold Berman, Bobrowsky & Guttmann, M. Centawer (ebenfalls auch ein Detailgeschäft), Adolf Ebstein u.a.m. Es gab sicherlich zeitweilig mehr als 20 Firmen in der Damenmäntelbranche in Breslau. Meistens wurden diese Firmen von einem Konfektionär und einem Verkäufer gegründet; auch meine väterliche Firma entstand auf diese Weise. Mein Onkel Martin Peiser, der bei H. Aufrichtig im Jahre 1877 als Lehrling eingetreten war und den Posten eines Konfektionärs innehatte und mein Vater Artur Peiser, der bei R. G. Leuchtag 1887 gelernt hatte und dort bereits mit 18 Jahren Reisender war, gründeten im Jahr 1893 in einem Haus am Ring, aus dem sie bereits nach wenigen Jahren in ein viel grösseres Lokal in der Schweidnitzerstrasse übersiedelten, die Firma Gebr. Peiser, die bis 1938 bestehen sollte. Auf dieselbe Art entstanden später die meisten Firmen der Branche. In Breslau spielte damals der Konfektionär nicht die wichtige Rolle, die heutzutage der Modeschöpfer hat; es war wichtig, dass eine gute und gleichmässige Produktion und pünktliche Lieferung erreicht wurde. Die Breslauer Konfektionäre waren damals auch keine Modeschöpfer; die Modelle wurden meist in Berlin bei Modellfirmen gekauft oder nach Zeichnungen von in-oder ausländischen Modezeitschriften angefertigt. Die wichtigsten Persönlichkeiten in den Firmen waren die bei der Kundschaft in der Provinz gut eingeführten Reisenden, die mindestens zweimal — mit der Winter - und der Sommerkollektion, die in Liegekoffern verpackt war — die Kunden besuchten oder in Hotels der grösseren Städte ausstellten. Später, als der Schrankkoffer in Mode kam, reisten viele Vertreter mit Mannequins zur Kundschaft. (Vor dem 1. Weltkrieg begleitete meine Mutter meinen Vater häufig auf der j.Tour“ und erzählte, wie sie, auf Pferdeschlitten im strengen Winter durch das Erzgebirge von Städtchen zu Städtchen fuhren...), Dies hatten die Berliner Konfektionäre nicht nötig. Dort hatte das „Lagergeschäft“ einen wichtigen Anteil am Umsatz, die Berliner Firmen „bauten“ Läger an und es kam häufig vor, dass von einem einzigen Kunden Posten von Tausenden von Mänteln gekauft oder am Ende der Saison „geramscht“ wurden. Im Laufe der Jahre bürgerte sich der Lageranbau auch in Breslau ein; dadurch konnten die Zwischenmeister fast das ganze Jahr hindurch beschäftigt werden und man konnte die zuviel disponierten Stoffe aufarbeiten. So war es den Firmen möglich, durch „Kasseverkäufe“ liquide zu werden, denn denjenigen Kunden, die vororderten, wurden gewöhnlich Kredite von 90— 120 Tagen eingeräumt. Dies wirkte sich in den Inflationsjahren von 1921—1923 sehr nachteilig am, verkauften doch die Stofflieferanten damals ausschliesslich auf Basis des holl. Gulden, während die Konfektionäre ihre Kredite an die Detailleure auf Mark-Basis geben mussten. Durch die Verbesserung der Verkehrsmittel und das Entstehen der grossen Einkaufskonzerne (H. Tietz, Karstadt, Leonhard Tietz, Wertheim, Gebr. Alsberg, Mitex, Konitzer, C. & A. Brenninkmeyer u.am.) verlagerten sich die Einkaufsgewohnheiten auch vieler kleiner und mittlerer Provinzgeschäfte von der Ordererteilung am Platz zu Einkaufsreisen an die Produktionsstätten, in grösserem Mass nach Berlin, wo die Provinzler ein grosses kulturelles und Vergnügungsangebot erwartete. Mit der Entwicklung der Damenmode nahm der Bedarf an Fertig-Konfektion im Lauf der Jahre zu; im Genre Frauenmäntel beherrschte Breslau den deutschen und sogar teilweise den europäischen Markt. Es wurde nach den skandinavischen Ländern, nach Holland, aber auch nach Mehr als sechs Jahrzehnte sind vergangen, seitdem jüdische Menschen diesen für die Stadt Breslau so wichtigen Wirtschaftszweig begründet haben, den sie immer mehr ausbauten. Allein in der Rubrik Damenmäntel wurden weit mehr als eine Million Stücke im Jahr hergestellt. Und mehr als 40 Jahre ist es her, dass die letzten jüdischen Firmen, die bis zur Pogromnacht bestanden hatten, aufgehört haben, zu existieren. Am 9. November 1938 tobte in Breslau, wie auch in allen deutschen Städten, in den jüdischen Geschäften der Mob. Gemeinsam mit der SA drangen organisierte Menschenhorden, wie in alle anderen jüdischen Unternehmen, auch in unser in der Schweidnitzerstrasse 38/40 gelegenes Geschäftslokal ein, zerstörten die gesamte Einrichtung: Schreibmaschinen wurden gegen die Spiegel geschleudert, Stoffballen und fertiggestellte Mäntel wurden auf die Strasse geworfen, wo man schon auf die Waren wartete, in ganz Deutschland plünderten die braunen Horden... Sicherlich werden sich noch manche Leser an jene Epoche erinnern, in der die Breslauer Damenkonfektion nicht nur in Deutschland, sondert» auch im Ausland ein Begriff für sehr gute Qualität gewesen ist; aber auch für viele, die diese Zeit selbst nicht miterlebt haben, dürfte diese Chronik, die vom Fleiss und Unternehmungsgeist breslauer jüdischer Bürger berichtet, von Interesse sein. Als ich wiederkam Als ich Abschied nahm als ich Abschied nahm war mein Herz schwer; als ich wiederkam als ich wiederkam war es leer. Ich musst zum Städtle hinaus ich musst zum Städtle hinaus mein Schatz blieb hier; als ich wiederkam als ich wiederkam war leer die Tür. Spieglein an der Wand Spieglein an der Wand was zeigst du mir? Was geschah im Land was geschah im Land or.r' srsi! was geschah mir? - iJiloo hau urioaibüt „Dein Leben ist ve^pf^ä’tn..,;; ,,jp dein Leben ist verpf&B&itf'ffecH nrio?!n', du löst’s nimmer aus!1 ei -to nmX, » isiaifini VflteS nouip* ••--f) lirfOBigtvd Der rote Faden en&%*tnßtl3J’!ns ’!9l> oTT pn, der rote Faden end’t -JtnsauN ■’.KiiUGa Stella feötenbfcrit, Leeds' ‘ ,itf ul "‘ilK usdoeif-aueifi 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.