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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1980-05-01 · No. 46-47 (Mai 1980) · p. Seite 9

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1980
Issue
No. 46-47 (Mai 1980)
Date
1980-05-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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AKTUELLE NACHKLAENGE Juden aus Schlesien WAS AUS IHNEN WURDE... Mitgeteilt von Dr. E. G. Lowenthal (Berlin) I. Der Paul -Ehrlich -Preis für 1979, erstmals mit 80000 Mark dotiert und nicht mehr mit dem Ludwig-Darmstädter-Preis gekoppelt, wurde 14. März, nämlich dem Geburtstag des aus Strehlen stammenden, Salvarsan-Entdeckers Ehrlich (1854— 1915), den Preisträgern ,den japanischen Professoren Tomoichiro Akiba und Hamao Umezawa, in Frankfurt feierlich überreicht. Beide Wissenschaftler haben sich mit dem Problem der Bakterienresistenz gegen Arzneimittel beschäftigt. Der Preis wird solchen Forschern zuerkannt, die sich durch ihre Arbeiten insbesondere auf dem Gebiet der experimentellen Chemotherapie, der Blutforschung, der klinischen Bakteriologie, der Immunitätslehre und der Krebsforschung hervorgetan haben. 1929 gestiftet und 1954 „wiederaufgelebt“, ist der Paul-Ehrlich-Preis die höchste naturwissenschaftlich-medizinische Auszeichnung, die in der Bundesrepublik Deutschland vergeben wird. Zuständig ist jetzt das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit, Bonn. Bis zu ihrem Tode, 1963 beziehungsweise 1966, waren Ehrlichs Töchter Ehrenmitglieder des Kuratoriums der Stiftung: Marianne Landau (Zürich), Frau des ehemaligen Göttinger Mathematikprofessors Edmund Landau (1877—1938) und Stefanie Schwerin (New York), Witwe des Kommerzienrats Ernst Schwerin (1869—1946), des früheren Präsidenten des Bundes schlesischer Industrieller. II. Dem in Wien lebenden Schriftsteller Dr. Günther Anders ist der neugeschaffene österreichische Staatspreis für Kulturpublizistik zuerkannt worden. Anders ist vor allem durch seine kulturkritischen Essays und seine 1967 erschienenen Tagebücher (1941/66 („Die Schrift an der Wand“) bekannt, in denen er auch Eindrücke vom Wiedersehen mit Breslau schildert. Dort kam er 1902 als Sohn des Kinderpsychologen Professor William Stern (später Hamburg; 1938 in USA gest.) zur Welt. 1978 erhielt er den Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (München). 1933 über Frankreich nach Amerika emigriert, kehrte Anders 1950 nach Europa zurück und lebt seitdem in Wien. III. Zusammen mit anderen prominenten Hamburger Kommunalpolitikern grüsst, im Foto, Professor Dr. Herbert Weichmann (aus Landsberg O/S vom Einband der vor kurzem erschienenen „Berichte aus fünf Jahrzehnten hamburgischer Geschichte“ („Miterlebtes“, Hans Christians Verlag, Hamburg 1979). Heiter, kritisch-schmunzelnd, j weltmännsch blickt er drein, so wie man den ewig ■ jung wirkenden, dabei fast 84jährigen Altbürgeri meister heute zuweilen erleben kann. Gegenstand i j seines Beitrags zu diesem (vom Verein für Hami burgische Geschichte herausgegebenen) Heft „Vori träge und Aufsätze“ ist seine erste Begegnung mit , Hamburg 1928, das heisst 20 Jahre bevor er, der; jüdische und politische Emigrant in New York, : 1948 auf den*P6lÄfen des Präsidenten des hambur- | gischen Rechntiftgsttof berufen wurde.! Jener erste Besuch fand im Zusammenhang j mit der sogenanntegj, Gross-Hamburg-Frage statt, I wobei es in der I^guptsache um die preussischhamburgische Zusammenarbeit in der Hafenausbaupoljtik ginj* ^Jl^pals als Ministerialrat im preussischen' Staatsministerium der persönliche I Referent des^ sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Otto Braun, war Weichmann einer der Unterhändler in Berlin. Weichmanns Erinnerungen an das Jahr 1928 sind ein Musterbeispiel dafür, wie gehaltvoll, dabei aber sehr persönlich und anekdotenreich-amüsant dazu, man einen doch an sich akademischen Vortrag über einen komplizierten, trockenen, verwaltungspolitischen Gegenstand gestalten kann. Am 30. Januar, einem denkwürdigen Datum, enthüllte in der Staatsbbiliothek Preussischer Kulturbesitz in Berlin, eine Gedenktafel für Otto Braun. IV. Neuer Präsident (für zwei Jahre) des gesamten britischen Bnai-Brith-Distrikts ist Werner Max Lasch (Leschziner). Der 1911 in Beuthen geborene Finanz- und Bankfachmann, seit 1939 in England, jetzt im Ruhestand, ist seit Jahrzehnten mit Initiative und besonderer Einsatzbereitschaft in der Logenbewegung sowohl in der englischen „Provinz“ als auch in London angespannt tätig. Zuletzt war er der Präsident der auf sozialem und kulturellem Gebiet vorbildlich rührigen Leo-Baeck-Loge in London. Der britische Logen-Distrikt umfasst gegenwärtig mindestens 60 Logen. Lash, ein auch im Gemeindeleben stehender Jude, ist bemüht, Möglichkeiten weiterer Logengründungen zu erkunden. V. Dr. Frank (Franz) Rosenthal, 1911 in Beuthen geboren und kürzlich in Chicago gestorben, war — nach Dr. Max Gruenewald und Karl Richter — 1938/39 der letzte Rabbiner der früheren Israelitischen Gemeinde Mannheim. Aus dem „Ring“, der deutsch-jüdischen Jugendbewegung, hervorgegangen, hatte er in Breslau studiert und das dortige Jüdisch-Theologische Seminar (Fraenkelscher Stiftung) absolviert. Vermutlich war er der letzte jüdische Student, der von der Friedrich-Wilhelms- Universität zum Dr, phil. promoviert wurde. In Amerika wirkte Dr. Rosenthal in den Bundesstaaten North Carolina und Michigan, bevor er 1956 das Rabbinat einer angesehenen jüdischen Gemeinde in Chicago übernahm. 1966 besuchte er auf Einladung der Bundesregierung Schulen und andere pädagogische Einrichtungen in Deutschland und äusserte sich damals sehr beeindruckt von seinen zahlreichen Begegnungen mit Jugendlichen. Später empfing er in Chicago auch deutsche Jugendgruppe/i. Der Verstorbene war Träger des Bonner Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse. Am 26. Januar 1942 wählte der emeritierte Bonner Mathematikprofessor Felix Hausdorff mit seiner Frau den Freitod, um so der ihm drohenden Deportation durch die Nazis zu entgehen. 1868 in Breslau geboren und seit 1895 an der dortigen Universität als Privatdozent niedergelassen, war Hausdorff 1902 Ausserordentlicher Professor in Leipzig geworden und 1910 in gleicher Eigenschaft nach Bonn übergesiedelt. Seit 1913 Ordinarius in Greifswald, kehrte er 1921 nach Bonn zurück; seine „Grundzüge der Mengenlehre“ wurden berühmt, Vor kurzem wurde in der Universität Bonn eine Tafel im Gedenken an Professor Hausdorff enthüllt. * Frankfurt/M. scheint zusehends „Paul-Ehrlichbewusster“ zu werden: Zwei sichtbare Ehrungen sind im Gespräch, eine Gedenktafel am Haus in der Westendstrasse 62, in dem der gelehrte Entdecker von 1899 bis zu seinem Tode (1915) wohnte, und ein Denkmal in Gestalt einer Büste auf dem nahegelegenen Westendplatz. An den Plänen sind die „Gesellschaft der Freunde Paul Ehrlichs“, städtische Instanzen und das Chemie-Unternehmen Hoechst A.-G. beteiligt. Professor Ehrlich stammte aus Strehlen. Zweimal Lucas aus Clogau Der 1974 gestiftete, jetzt mit etwa 15000 Mark ausgestattete Leopold-Lucas-Preis der Universität Tübingen ist für dieses Jahr Profesor Dr.h.c. Eberhard Bethge (Rengsdorf) zugesprochen worden; die Verleihung ist für den kommenden Oktober vorgesehen.- Der Jetzt 70jährige Theologe, der als Auslandspfarrer in London in den Jahren 1953/61 auch in guter Beziehung zu manchen jüdischen Emigrantenkreisen stand, hat sich vor allem als Biograph von Dietrich Bonhoeffer (1906—1945), dem von den Nazis ermordeten Vorkämpfer der Bekennenden Kirche, einen Namen gemacht. Zu den bisherigen Empfängern des Lucas-Preises gehören u.a. Schalom Ben-Chorin (Jerusalem), Pfarrer Dr. Andreas Nissen (Tübingen) und Bischof D. Kurt Scharf (Berlin). Dr. Lucas ist der 1943 in Theresienstadt umgekommene langjährige frühere Glogauer Rabbiner, er war einst Absolvent der Universität Tübingen und immer auch jüdischwissenschaftlich tätig, sogar noch von 1940 bis zu seiner Deportation, als er, Seite an Seite mit Dr. Leo Baeck, an der Hochschule (Lehranstalt) für die Wissenschaft des Judentums, Berlin, dozierte. II. „Oro, Estano Y Moneda“ (Gold, Zinn und Geld) nennt sich die 1978 in La Paz in Buchform erschienene Sammlung von Aufsätzen, die Franz D. Lucas in spanischer Sprache während der letzten Jahre über die Wirtschaft Boliviens geschrieben hat: Essays, die erkennen lassen, welch gründliche Kenntnis und Beurteilungsfähigkeit der Autor von den schwierigen ökonomischen Zusammenhängen in diesem Teil der Erde besitzt. In seiner Emigrationszeit hat es Lucas, in Glogau geboren und bei Beginn der NS-Zeit am Weiterstudium der Wirtschaftswissenschaften in Königsberg gehindert, zu einer höchst angesehenen Stellung im bolivianischen Wirtschaftsleben gebracht; in La Paz gehörte er u.a. zum Vorstand der bolivianischen Handelskammer; auch fungierte er lange Zeit als thailändischer Generalkonsul in La Paz und war als solcher der Doyen des konsularischen Korps in dieser Stadt. Er ist Träger thailändischer und belgischer Auszeichnungen. F. D. Lucas ist einer der beiden Söhne des 1943 in Theresienstadt umgekommenen, langjährigen Glogauer Rabbiners Dr. Leopold Lucas, der auch Jüdischwissenschaftlich interessiert und tätig war und nach dem 1974 ein Wissenschaftler Preis der Universität Tübingen benannt wurde — Dr. Lucas war einst Absolvent dieser Hochschule. Dr. E. G. Lowenthal Oberkantor Richard Cohn beging am 10. Dezember in Astoria, N.Y., seinen 80. Geburtstag. Vielen wird dieser einst auch als Oratorien- und Liedersänger bekannte Künstler aus der Zeit in der Erinnerung sein, in der er als Kantor an der Synagogengemeinde Gleiwitz wirkte, von 1925 bis 1936. Danach konnte er noch weitere 36 Jahre an Synagogen in New York tätig sein. Seit 1972 lebt er im wohlverdienten Ruhestand. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kuratoriums für den Hansischen Goethepreis sprach der aus Schlesien stammende Dr. Herbert Weichmann, Hamburg, der frühere Erste Bürgermeister der Hansestadt, im Schloss Charlottenburg in Berlin die Einführung bei der feierlichen Überreichung des diesjährigen Preises an Staatssekretär Hans-Georg Wormit, den ehemaligen Präsidenten der Stiftung Preussicher Kulturbesitz. E.G.L. 9

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