Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1979
- Issue
- No. 45 (April-Mai 1979)
- Date
- 1979-04-01
- Page
- Seite 41 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/7411685-7412686-7496861--0844-7412727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Rektor Max Sertasohn s.A. In hohem Alter ist der Genannte ziemlich plötzlich verschieden und haben wir in Nr. 42 im September 1977 ihm zu seinem 90ten Geburtstage gratuliert. Wir wollen von dieser Stelle aus der Familie Raw Dr. Aron Keller, Nahariya und seiner Gattin, sowie der weiteren Familie, unser innigstes Beileid entbieten. Ein Erzieher ersten Ranges, der das Schulwerk der Adass Israel in Berlin durch Generation führe, seine imgebrochene seelische Kraft, trotz schwerer Schicksalsjahre im 2. Weltkrieg, seine Bücher über die Entstehung der Adass Israel-Gemeinde in Berlin, über die Privat-Synagogen in Berlin und viele andere Dokumente, die er hinterlassen hat, seine ausserordentlich starke Arbeitskraft bis in die letzten Tage, trotz schwerster körperlicher Behinderung, haben diesem ausgezeichneten Manne einen Ehrenplatz in der Geschichte des Mitteleuropäischen Judentums verschafft. Max Sinasohn bleibt uns unvergessen. RÜCKBLENDE AN ERNST JULIUS MEYER Motto: Erinnerung ist viel, ist alles... Von JULIUS SACHS Filme aus der früheren Zeit verzeichnen jetzt Hochkonjunktur. In Tel-Aviv gibt es oft ausgesuchte deutschsprachige Filme, die viele anlocken. Rin solcher Film war „Mädchen in Uniform“ zu jener Zeit, wo sie noch nicht, Soldatinnen, Polizistinnen, Stewardessen usw. waren. Frau Anni Gordon-Meyer aus Tivon erinnert daran, dass ihr Gatte, der Film-Regisseur Ernst Julius Meyer, als Regie-Assistent bei Carl Froehlich diesen Film drehte. Die Produktionsleitung hatte der Gatte der Henry Porten, Dr. v. Kaufmann, von der Froehlich-Filmgesellschaft. Meyer war 1901 in Hamburg geboren u. drehte in Berlin vor 1933 Kulturfilme. Er war mit allen damaligen arrivierten Schauspielern auf Tuchfühlung. Er wanderte nach Bogota aus u. empfing dort u.a. als Presse-Fotograf den berühmten Sänger Richard Tauber. In einer Operette von Weinberger, in der neben Tauber lauter Stars auftraten, führte, wie Frau Meyer berichtet, ihr Gatte erfolgreich Regie. Emst Julius Meyer war Zionist u. wir schliessen diese Erinnerung mit einem Gedicht an seinen Sohn Peter, der heute Raw Seren bei der Luftwaffe ist. Er ist verheiratet u. hat 3 Töchter. Hier die Verse: AN MEINEN SOHN! Zum ersten Jahrestag des Staates Israel — 4. Mai 1949 Von Julio E. MEYER-MEERY Zweitausend Jahre hat man uns gejagt, gequält, gefoltert und verhöhnt. Zweitausend lange Jahre klagt man uns nun an und schreit und lästert und verleumdet ...verleumdet uns, das auserwählte Volk! Zu was hast Du uns auserwählt, oh Gott? Dass siebenzig Geschlechter nun gepeinigt, verfolgt, getreten, schmerzzerquält, zerrissen, ruhelos, geplagt, von Ort zu Ort, von Land zu Lang gejagt...? Hast Du uns dazu auserwählt? Zweitausend Jahre hat die Qual gedauert, dass man uns anspie und dass man uns mied; zweitausend Jahre hat ein Volk getrauert, geweint, gehofft, gebetet und geklagt. Das auserwählte Volk, es hat verzagt... ...Und ich bin dieses Volkes letztes Glied. Das letzte Glied... Denn Du, mein Sohn, beginnst mit neuer Kraft, beginnst mit neuer Kraft auf alter Erde, in Deinem Land beginnst Du jetzt, mein Sohn. Was zwei Jahrtausend lang die Väter träumten, es wurde Dir zur Wirklichkeit u. zum Vermächtnis. Bewahr es gut, Du, aus erwähltem Volk! Du bist ein Kind und kannst noch nicht verstehen, vielleicht schon ahnen, was ich heut’ Dir schreibe. In ein paar Jahren, die so bald vergeh’n, bist Du ein Mann. — Ich weisst nicht, ob ich bleibe und Dich ein wenig noch begleiten kann. So kann es sein, dass, wenn Du alt genug, um zu verstehen, ...ich nicht mehr bei Dir bin. Wenn meine armen Worte Dir, mein Blut, einst nur ein leises, schwaches Echo geben von alledem, was mich so grenzenlos erfüllt, ...ein schwaches Echo nur... dann ist es gut. Dann weine nicht um mich, mein Kind! Dies aber ist mein Testament: Sei stolz! Denn aus erwähltem Volk bist Du, mein Sohn, und das verpflichtet! Lass nicht zweitausend Jahre Leiden Deiner Väter und Schmerz und Not und ungezählte Wunden umsonst gewesen sein! Es dürfen nicht Millionen Deiner Brüder umsonst gepeinigt und vergast gestorben sein! Und Du, Dein Kind und Deine Kindeskinder Ihr baut das Monument für sie, die letzten Opfer in zweitausend Jahren: Ein eignes Land auf freier Erde... in freiem Geist ein freies Volk! Der Gruss in Deinem Land heisst: Frieden! So trage denn den Frieden in die Welt des Kriegs, des Neides und der Rache... als Sendung Deines auserwählten Volkes. Wir waren auserwählt, nur um zu leiden. Doch Ihr seid auserwählt, um aufzubau’n. So baut denn auf in stolzem Dienen und zeigt der Welt, dass Gott uns auserwählt, Den Frieden zu verkünden dieser Welt! Vergiss das ICH... bgreif’ das WIR, verkünde es in aller Welt, und Deine Brüder hast Du dann gefunden! Du bist mein Sohn, mein Freund, mein Volk; und Deine Sendung, sie heisst Frieden! In Frieden lebe, WIR KON Frau Käte Kaatz geb. Wolff, Pardess Channa — Megged, u. ihren Kindern zum plötzlichen Ableben ihres Mannes u. Vaters, RA. Dr. Emmerich Kaatz. Der Verstorbene ist uns persönlich bekannt u. in bester Erinnerung. Er ist der Sohn des unvergessenen Rabb. Dr. Saul Kaatz aus Hindenburg O/S, dessen überaus grosses Wissen, seine besondere Gabe mit Menschen umzugehen, seine ausgezeichneten Predigten u. seine Verbundenheit mit seiner Gemeinde uns stets in Erinnerung bleiben. Der Heimgegangene Dr. Emmerich Kaatz war in seiner grossen Bescheindenheit ein tiefreligiöser Mensch, der. als Anwalt durch seine besondere Rechtschaffenheit äusserst beliebt gewesen ist. Seine innige Verbundenheit mit der Gattin (bis 120), die ihm wahrhafte Kameradin gewesen ist, u. mit seinen Kindern war vorbildlich. Familie Dr. Walter Landsberg, 46, Dortmund 41, Genferweg 6, zum Ableben ihres Dr. Ludwig Landsberg. Der Heimgegangene hat sich für unsere Arbeit immer ausserordentlich interessiert u. stand Frieden gebe, mein Sohn, mein Volk der wirren Welt! Schalom, mein Volk! Schalom. mein Sohn! Schalom, Schalom! Denn Ihr seid auserwählt! Schalom! Dr. Erich Schalscha in Memoriam Erich Schalscha wurde am 17. Februar 1899 in Kattowitz geboren. Der Vater hatte eine Spirituosenfabrik. Die Mutter war eine hochkultivierte Frau, anspruchsvoll in Fragen der Kunst und Musik. Nach Absolvierung des Gymnasiums wandt e sich Erich dem Universitäts-Studium zu. Er schrieb seine Doktorarbeit über den Komponisten Schobert. In den zwanziger Jahren wurde er zunächst als Korrepetitor ans Breslauer Stadttheater geholt. Sein Klavierspiel war hervorragend. Zum Dirigieren kam er zuerst am Stadttheater in Liegnitz, dann wurde er erster Kapellmeister des Operettentheaters Bochum, es folgten Duisburg (Leitung Theo Bachenheimer) und Gastspielreisen in vielen grösseren Städten Westdeutschlands. Schalscha war in vielen Sparten und Epochen der Musik zu Hause. 1932 wurde er wieder unter Leitung Bachenheimers erster Kapellmeister am Breslauer Schauspielhaus. 1933 brachte auch eine leitende Stellung bei Gastspielen in Italien mit dem weltbekannten Regisseur Miksa Preger, die mit grossem Erfolg absolviert wurden. In den folgenden Jahren wurde ihm die musikalische Leitung des Stadttheaters Bielitz übertragen und danach die musikalische Leitung des Raimund Theaters in Wien. Ebenfalls in Wien führte Schalscha im Theater „Die Insel“ alte und Kleinopern auf. Später ging es auf Umwegen in die USA, wo Erich leider allzufrüh starb. Er war mit Ilse geb. Clusius aus Ereslau verheiratet. Es war eine harmonische, glückliche Ehe. (Nach seinem Tode heiratete die Witwe Erichs Freund, Walter Grabowski, und lebt jetzt in San Francisco. Leider verstarb auch Walter Grabowski vor Kurzem). Schalscha war ein hochgebildeter Dirigent und Musiker. Er hat viele Jahre lang im Musikleben Breslaus eine profilierte Rolle gespielt. Er war der Musik innerlichst zugetan und war einer von denen, die wirklich etwas wussten und zu sagen hatten. Erich war ein guter Freund, ebenso ist es Ilse bis heute geblieben. Er ist unvergessen. Julius Sachs D O L I E R E N ■■MHBMBHHnBnanBBK.- als Nichtjude in vorderster Reihe für die christlichjüdische Verständigung. Er wurde 1911 in Berlin geboren u. war auf dem Rittergut Mangschüetz im Kreise Brieg in der landwirtschaftlichen Lehre. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde er stark verfogt. Er war der Brückenbauer zwischen den Konfessionen^ Deutschen, Juden u. Slawen. Er setzte sich mit ganzer Kraft für die Vertriebenen ein, und war Vorsitzender des Wangener Kreises. Familie Kedar, Natania, zum Ableben von ihrem teuren Kalman Kedar (Kurt Kauders), früher Breslau. Der Heimgegangene war der Präsident der Bnej Brith Loge Nathan Strauss in Natania und war durch seine Menschenliebe, sein grosses Wissen und seine Hilfsbereitschaft besonders beliebt. Familie Jaffe, Herzliah, Haawodastrasse 9, zum Ableben von Martin Mordechai Jaffe, der ein erfülltes Leben gehabt hat. Ein starker Charakter, der sein Ziel immer auszuführen gewillt war. Als Nicht-Breslauer hat er starks Interesse für unsere Arbeit gezeigt. 41