Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1979
- Issue
- No. 45 (April-Mai 1979)
- Date
- 1979-04-01
- Page
- Seite 37 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Freunde meiner Eltern (San. Rat — Dr. Albert Sachs n. Clara geb. Goldstein) Meine Eltern waren von jeher, in vorbildlicher Ehe lebend, gesuchte Partner für Freundschaften, für Geselligkeit und Kontakte. Abgesehen von der Zugehörigkeit zu gesellschaftlichen Vereinigungen, wie Loge, Gesellschaft der Freunde, Studenten-Verbindung Allemania, Ärzte-Verein und ähnliche, war ihr privater Freundeskreis nicht gering. Ihre Freundschaften mit vielen hochwertigen Persönlichkeiten verbanden sie, hielten sie hoch bis ans Lebensende. Es seien einige Namen genannt: Mit dem Haus des Rabbiners Dr. Ferdinand Rosenthal verband meine Eltern eine jahrelange Freundschaft. Mit Sohn Theodor, dem bekannten Frauenarzt, haben wir hier in Israel diese noch fortgesetzt. Die Freundschaft begann bereits in Beuthen O/S, wo Dr. F. Rosenthal meine Eltern getraut hatte. Meine Mutter war mit der Tochter Recha Rosenthal in Beuthen in eine gemeinsame Schulklasse gegangen. Recha heiratete nach Florenz und meine Eltern haben sie dort besucht. Die Tochter Hannchen trafen wir auch in Tel Aviv. Ein Logenbruder meines Vaters, Leo Schlesinger, Direktor der Breslauer Spritfabrik, gehörte zum Freundeskreis meiner Eltern. Erinnerlich ist mir dessen Dichterlesung „Enoch Arden“ mit Klavierbegleitung (am Flügel Leo Schlesingers Gattin) im Logensaal (szt. in der Heinrichstrasse). Auch John Levi u. Frau Anna gehörten zum engsten Freundeskreis meiner Eltern. Er war Mitinhaber der Schlesischen Furnierwerke. Ständige freundschaftliche Besuche, Schachpartien, gemeinsame Ausflüge u. abendliche „Gesellschaften“ — so nannte man dies damals — bekräftigten diese grosse Freundschaft, die bis ans Lebensende währte. Stets wurde bei diesen Zusammenkünften wertvoll Künstlerisches geboten, Vater verfasste reizende Carmina, meine Schwester Edith bot Klassiker am Flügel, meine Mutter las mit Frau Levi Nietsche u. Paulsen. Auch unsere Mutter hatte das Klavierspiel erlernt, zuletzt noch bei der bekannten Breslauer Pianistin Mathilde Hirsch-Kaufmann, Göthestrasse 23. Unser Bruder Carl war in seiner menschlich liebenswerten Art gesellschaftlich hochgeschätzt, ebenso als hochkünstlerischer Violinist in Musikkreisen. Zu den Gesellschaften bei uns wurde der Flötist des Philharmonischen Orchesters, Ernst Tschirner gebeten mitzuwirken, Mutter begleitete am Flügel. Auch Familie Nathan u. Regina Schall gehörten zum Freundeskreis. Schalls waren Besitzer von Schlesischen Steinwerken. Ferner die Familie San. Rat Kayser (Hals-, Nasen-, Ohrenarzt) mit Kindern Kurt u. Vally. Eine bemerkenswerte Freundschaft unterhielten meine Eltern zu dem Breslauer „Theatergewaltigen“ Direktor Dr. Theodor Loewe. Vater wurde oft in dessen Büro ins Stadttheater gerufen, zwecks Beratung in Personalü. Spielplan-Angelegenheiten, nicht nur zur Behandlung in Krankheitsfällen. Da ich ihn oft bei diesen Besuchen begleitete, ist zu entnehmen, dass mein Wissen und mein Interesse für das Theaterwesen auch daher rührt. Mein Vater gehörte viele Jahre hindurch zum Gremium der Theaterärzte. Die Eltern nahmen auch an Jubiläen der Theater teil u. Vater hielt hierbei festliche Ansprachen. Ein grosser Teil der Theater - künstler verkehrte im Haus meiner Eltern freundschaftlich, so wie Dirigenten: Weintraub, Herzt, Pruewer, Rosenberg, ferner die Künstler: Slezak, Fanchette, Verhunk, Marga Neisch, Genie v. Groessel, Fanny Mayerhofer u.a. Auch der Leiter des Theaterbüros Rendant Tsehunke verkehrte, bei uns. Zu weiteren Freundschaften gehörten: Albert u. Selma Hahn aus dem Kreis um Dr. Loewe, Dr. med. Korn, Dr. Kaliski, Dr. Bach, Dr. Bujakowski u. Dr. Bandinan (Stadtverordneter), ferner Bürgermeister Trentin u. Gattin. Nicht zu vergessen seien die Freunde: Reg. Baumeister Ehrlich, die Malerin Grete Ehrlich, Logenbruder Strobel u. Lehrer Drischel. Auch in der eigensten Familie, mit Geschwistern der Eltern, war Freundschaft u. Frieden. Man traf sich bei der Grossmutter Sachs mit Rosenbergers, Nelkens, Isidor Sachs u. man besuchte sich allwöchentlich mit Mutters Verwandten, Dr. Nathan u. Frieda Mendelssohn, ebenso mit Familie Hugo Lesser. Eine grosse Zahl von Freunden u. dankbaren Patienten gratulierten dem Vater zu seinem 70ten Geburtstag (6. Januar 1933), einschliesslich einer Studentengruppe der Allemania in vollem Wichs. Es war sehr feierlich. Die Eltern waren voller Wärme u. Herzlichkeit, voller Liebe u. Hilfsbereitschaft zu uns u. wie es der Arztberuf erfordert, zu allen Sie haben sich nie jemandem verweigert, trotz Arbeitsüberlastung (Vater war prakt. Arzt, Vertrauensarzt von Versicherungen, städt. Impfarzt u. Theaterarzt). Mutter besuchte vielfach Kranke. Sie liebten Menschen von Niveau, aber jede Überheblichkeit war ihnen fremd. Für jeden hatten sie ein offenes Ohr. Sie sagten nie: „Ich habe keine Zeit“ oder „Nein“. Menschliche Kälte war ihnen verhasst. Ich gedenke der Eltern mit Liebe u. Stolz, ebenso ihres stattlichen Freundeskreises. Julius Sachs, Tel Aviv Dr. Fritz Feige s.A. Dr. Fritz Feige hat in seiner Geburtsstadt Kempen in der Jüdischen Gemeinde die Fülle der jüdischen Tradition aufgenommen. Er besuchte das humanistische Gymnasium, dann lernte er als Student der Medizinischen Fakultät an der Universität, Breslau bei berühmten Lehrern: Oskar Minkowski, Erich Frank, Jadassohn. In Breslau heiratete er Rosa aus der Familie Weyl u. eröffnete eine Praxis als Arzt. Schon früh verliess er Nazi-Deutschland 1933 und als Zionist wanderte er in Palästina ein. Anfangs arbeitete er als Landwirt in Pardess Chana. Nachdem er von der Mandats-Regierung die ärztliche Licence erhalten hatte, begann er als Arzt zu arbeiten, viele Jahre zunächst als Vertreter von Ärzten im Emek Jesreel, im Emek Hayarden, im Galil, bis er in Jawniel eine eigene Praxis als Dorfarzt eröffnen konnte. Es war noch die Zeit, in der Tropenkrankheiten, wie: Malaria, Amoebiasies u.a. weit verbreitet waren, auch ansteckende Kinderkrankheiten, wie: Diphterie, Scharlach, Kinderlähmung den Arzt beschäftigten, der auch seine Geschicklichkeit in der Ersten Hilfe bei: Schlangenbissen, Hitzschlag, Arbeitsunfällen der Bauern beweisen musste. Von Jawniel verlegte Dr. Feige seine Arbeitsstätte nach Ramoth-Remes, bis er in Pensionierung ging. Er war ein von seinen Patienten und Mitarbeitern (Schwestern, Arztkollegen) geachteter und geliebter Arzt. Tag und Nacht stand er den Kranken zur Verfügung, alle liebten seine Güte, seine Hingabe an den leidenden Patienten. Mit endloser Geduld konnte er die Klagen der Kranken anhören, sein zarter Humor war oft ein Trost für den Kranken und seine Angehörigen. Stets war das Haus eine Stätte der Bildung. Er liebte die klassische Literatur und wusste bei jeder passenden Gelegenheit Goethe, Schiller, Heine und a. zu zitieren, vertiefte sich in die Werke von Strindberg, Tolstoy und Dostoyewski, sowie von Thomas Mann. Eine besondere Neigung hatte er zur philosophischen Literatur, die Werke von Kant, Hegel, Fichte standen nicht nur in den Bücherregalen seiner Wohnung, sondern wurden auch eifrig von ihm gelesen. Homer und Platon waren ihm noch vom humanistischen Gymnasium wohl vertraut. Er begann mit Leidenschaft in regelmässigen Kursen die italienische Sprache und Literatur zu lernen. Musik war für ihn ein zentraler Lebensinhalt. Sein Klavierspiel war für ihn, wie für seine Familie und Besucher, stets ein Genuss. Welches Unglück hatte er zusammen mit seiner Frau zu überstehen. Im zweiten Weltkriege fiel sein jüngerer Sohn als Opfer eines Unfalles, sein hochbegabter ältester Sohn, Professor der Physik, erlag plötzlich einem Herzanfall. Dr. Fritz Feige verbrachte die letzten Jahre seines Lebens im Kibbutz Doroth, wo seine Tochter mit ihrer Familie ihm und seiner Frau Rosa ein schönes Heim zu schaffen wusste. Am 7. Juni 1977 erlag er einem plötzlichen Herzanfall. Rosa Feige, geb. Weyl, stammte aus einer angesehenen Breslauer Familie. Das Haus, in dem sie aufwuchs, am Karlsplatz, nahe dem Rimbergshof, war das Geburtshaus von Ferdinand Lassallc. Noch in ihrer Jugend war sie zugegen, als der Sozialistenführer, Eduard Bernstein, eine Gedenkplakette an Lassalle an der Hauswand einweihte. Rosa lernte an der Kunst-Akademie in Breslau die Malkunst, in der sich ihr Bruder Hermann bereits ausgezeichnet hatte. Leider, fiel ihr Bruder, der begabte Künstler, als Soldat im 1. Weltkriege. Rosa heiratete also Fritz Feige schon in Breslau und schuf für ihn und ihre Kinder nach ihrer Einwanderung nach Palästina ein gastliches Heim, erst in Haifa, dass in Pardess Chana, Jawniel, Ramoth Remes bei Haifa und in den letzten Jahren bei ihrer Tochter im Kibbutz Doroth. Rosa entwickelte eine besondere Kunst in der Darstellung von Landschaften, von Araber- und anderen Drucken in der Form von gestickten Bildern und setzte die Ölmalerei auch bis in die letzten Jahre ihres Lebens fort. Ausstellungen ihrer Kunstwerken wurden in Jerusalem und Rechowoth veranstaltet. Rosa trug mit ihrem Manne Fritz das erschütternde Unglück des frühen Todes ihrer beiden Söhne und hatte dann noch das Hinscheiden ihres Mannes zu erleben. Ihre Tochter Channah Joel, ihre Kinder und Enkel, sorgten für sie bis zu ihrem Ende im Kibbutz Doroth. Rosa wurde am 24. Dezember 1978 in Doroth zur ewigen Ruhe bestattet. Dr. Ludwig Nelken, Jerusalem, Rechow Jbn Schaprut 21 Raw Dr. Aron Keller, 70 Jahre alt Wenn auch gerade in diesen Tagen durch den Verlust des Schwiegervaters Max Sinasohn die Feier im Familienkreise und in der Gemeinde Naharia getrübt ist, bzw. deshalb ausfällt, so können wir an der Tatsache des 70ten Geburtstages unseres hochverehrten Raw Dr. Aron Keller, nicht vorübergehen. Der Jubilar ist uns bereits von seiner Studienzeit am Hildesheimer Rabbiner-Seminar, gut bekannt und fiel schon szt. wegen seiner grossen talmudischen Kenntniss etc. auf. Als Gemeinde Rabb. in Beuthen O/S hat er dort ausserordentlich segensreich gewirkt. Nach seiner Einwanderung in Eretz Israel ist er in Raanana als Rabbiner und 37