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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1979-04-01 · No. 45 (April-Mai 1979) · p. Seite 33

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1979
Issue
No. 45 (April-Mai 1979)
Date
1979-04-01
Page
Seite 33 (sequence 33)
Language
German
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Dr. Conrad Cohn - MITGETEILT VON E. Unter den nur wenigen „Wichtigen Auktionshinweisen", mit denen das rennommierte Koelner Kunst- und Buchantiquariat Venater seinen umfangreichen, mit Abbildungen augestatteten Katalog der Februar-Versteigerung von Büchern, Graphik und Manuskripten einleitet, findet sich an zweiter Stelle der kleine, unscheinbare Satz „Aus der bedeutenden Sammlung alter Drucke von Dr. Jur. Conrad Cohn (Breslau, 1901 bis 1942, Oranienburg), blieben der Familie nur die unter (1) verzeichneten Werke erhalten: Sie allein kennzeichnen ihn schon als einen feinsinnigen und umfassend gebildeten Bücherfreund“. Bei diesen Werken handelt es sich im wesentlichen um Inkunabeln, rund 40 Stück, d.h., früheste Erzeugnisse der Buchdruckerkunst (aus der Zeit vor 1.500), die ein besonderes Mass von Kennerschaft und Sachverständnis voraussetzen. Jene Vorbemerkung wäre leicht zu überlesen, enthielt sie nicht — in Verbindung mit dem Namen Cohn — die Angabe „Oranienburg 1942“. Man stutzt, denkt einen Augenblick nach, blickt in Gedanken 40 Jahre zurück, auch nach Breslau, und erinnert sich: In der Tat, es gab damals in dieser Stadt einen jungen Juristen namens Conrad Cohn: Er war der einzige Sohn eines Sanitätsrats und hatte beide juristische Staatsprüfungen „mit Prädikat“ bestanden — das war eine Seltenheit. Auch war er bekannt dafür, dass er, ein ausgesprochener Schöngeist, Kunst sammelte und bibliophile Interessen hatte. Als der Junganwalt (am Ober-Landesgericht Breslau) nach nur fünfjähriger Tätigkeit 1933 kurzerhand aus dem Berufsregister gestrichen wurde, trat er in den leitenden Mitarbeiterstab der Synagogen-Gemeine, Breslau, ein, etwa 1936 war er deren Verwaltungsdirektor geworden. Ein Jahr danach erging an Conrad Cohn der ehrenvolle Ruf, das Fürsorge- oder Wohlfahrtsdezernat der Reichsvertretung der Juden in Deutschland (Sitz Berlin) zu übernehmen, das für die offene Fürsorge, wie für die Betreuung der jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen zuständig war. Dr. Cohn entzog sich diesem Auftrag nicht, er blieb bis weit in den Krieg hinein auf diesem Posten, als aus der frei- NORA Wir haben auf vielfachen Wunsch die oben Genannte interviewt und folgendes erfahren: Sie ist in Chemnitz geboren, hat das dortige Gymnasium mit Erfolg besucht, ist mit ihren Angehörigen nach Rumänien geflüchtet und wurde von dort mit ihrer Familie nach Transniestrien deportiert. 3 Jahre war sie im Todeslager bei har-- ter Arbeit. Nach Einnahme des Lagers durch die Russen haben diese die Menschen ohne Ansehen der Person und des Alters, nach Sibirien in die Wälder zur Arbeit geschickt. Nora Hauben konnte sich 365 Tage versteckt halten. Ihr Lebensweg kann als ein Roman gelten. Trotz schwerster Jugenderlebnisse war ihr Mut nicht zu brechen. Sie hat sich durch eigene Kraft illegal in das damalige Palästina eingeschmuggelt. Sie begann aus eigener Kraft lyrische und satirische Gedichte zu schreiben. Sie hat ein ausgezeichnetes Buch herausgegeben mit dem Titel: Aktuelle Zeitgedichte. Ihr reiches Innenleben hat, trotz vieler Enttäuschungen, die Glauben an den Menschen nicht verloren. Sie ist im Besitz von Briefen und Unterschriften hunderter Persönlichkeiten aus der ganzen Welt, ob sie in der Politik, in der Wissenschaft und auch auf den verschiedensten Gebieten eine Auktion erinnert 1. LOWENTHAL, BERLIN. gewählten „Reichsvertretung“ längst eine der jüdischen Gemeinschaft aufoktroierte „Reichsvereinigung“ geworden war, Ja, er schlug sogar Auswandermjgsmöglichkeiten, die ihm durch Freunde im Ausland angeboten waren, für sich und seine Frau (Leonore geb. Sandberger) und seine Tochter Marianne aus, er, ein stolzer Jude, mochte an das Ende des deutschen Judentums nicht glauben. Am 14. Juli 1939 fand man seinen Namen, zusammen mit dem Namen von Leo Baeck, Otto Hirsch, Cora Berliner, Arthur Lilienthal, Hanna Karminski, Julius L. Seligsohn und einer Reihe weiterer R. V.-Mitarbeitern, die als „Träger der jüdischen Arbeit“ vorgestellt wurden, in dem von den Nazi- Behörden verordneten „Jüdischen Nachrichtenblatt“. Cohns Beitrag handelte von der Bedeutung der Berufsumschichtung. Als während des Krieges eine Kontrolle jüdischer Anstalten in Berlin durch die N. S.-Stellen stattfand, wurden, so ist überliefert, gewisse Lebensmittelvorräte gefunden, die angeblich nicht ordnungsgemäss verbucht waren. Conrad Cohn wurde zur Verantwortung gezogen, er habe die ihm obliegende Aufsichtspflicht verletzt. Dies hatte zur Folge, dass er anfang 1942 von der Gestapo verhaftet und in das KZ Oranienburg bei Berlin verschleppt wurde. Dort habe er sich um die Mitte des gleichen Jahres das Leben genommen, indem er sich der elektrisch geladenen Einzäumung zu sehr genähert habe... (Nach anderen Informationen fand sein Leben im KZ Mauthausen ein tragisches Ende). Nunmehr also taucht der Name von Conrad Cohn in Verbindung mit Oranienburg und der Jahreszahl 1942 wieder auf, fast zum ersten Mal wieder — in einem Auktionskatalog des Jahres 1979. So haben auch Reste einer privaten Drucke-Sammlung, wie Bücher, von denen man das sonst zu sagen pflegt, ihr eigenes, ihr sonderbares Schicksal. Hier erinnern sie an ihren einstigen Erwerber und fürsorglichen Besitzer, der durch sein schreckliches, schrecklich frühes, gewalsames Ende von ihnen für immer getrennt wurde. Welches das Schicksal der Inkunabeln war, seit dem sich Dr. Conrad Cohn von ihnen trennen musste, wer will das rekonstruieren können, oder aufhellen wollen? HAUBEN führend waren und sind. Sieben grosse Tageszeitungen haben ihre Laufbahn geschildert. Bereits als 6jähriges Kind ist sie in Chemnitz in einer Kinderoper aufgetreten. Im Museum in Haifa war eine Ausstellung ihres, auf hohem Niveau stehenden Briefwechsels mit Albert Einstein, stellvertretend für die Grössen der Welt. Ihre Zionsliebe drückt sich in vielen Aufsätzen und Gedichten stark aus. Nach ihrer Einwanderung hatte sie das Glück, einen Grosskaufmann in Haifa zu heiraten, der leider nach lOjähriger Ehe sehr jung starb. Aus dieser Ehe ist ein Sohn hervorgegangen, der ebenfalls künstlerisch überaus begabt ist. Ihre literarischen Abende, die sie des öfteren in ihrem Hause gibt, werden von massgebenden deutschsprachigen Schriftstellern, wie: Alexander Czerski u. vielen anderen besucht. Ihr Lebenslauf ist auch in der Biographie: Wer ist wer? 1977 in iwrith und 1978 in englisch, erschienen. Unsere Absicht ist es, diese ausserordentlich begabte Frau durch diese Zeilen mehr in das Rampenlicht zu bringen. Sie ist in gewissem Sinne nicht so sehr bekannt, und wollen wir durch unseren Aufsatz diese Lücke ausfüllen. Die Redaktion Datscher Auf Veranlassung Ihrer Redaktion gebe ich Ihnen nachstehend Kenntnis von einer Anfrage und deren Beantwortung im Rahmen des Briefkasten vom .Aufbau“ New York. Ich nehme an, dass auch Ihre Kreise sich für Gebräuche jüdischer Gemeinden ausserhalb Schlesiens interessieren. In meiner südwestdeutschen Heimat, hauptsächlich in Rhein-Hessen bzw. in der Frankfurter Umgebung, nannte man die Schabbatbrote „Datscher“. Ich konnte mir die Herkunft dieses Wortes nicht erklären und bat die Leser des Aufbau, wer von ihnen eine Erklärung dafür wusste. Daraufhin gingen 11 Antworten ein und zwar aus Californien, New York, Strassburg, Jerusalem, Tel-Aviv, Brooklyn, Cinncinatti, Ohio, Chicago, San Paulo und Ramat Gan. Die übereinstimmende Erklärung aller Beantworter verwies auf Sprüche (Mischle) 10,22: Birkat Haschern hi taaschir — „Der Segen G“ttes macht reich“. Eine weitere Erklärung in dem selben Sinne gab mir in einem persönlichen Brief Dr. Julius Picard, Massassuchets, früher, Mainz, der in seiner Jugend von seinem Vater s.A. die Erklärung erhielt, es handle sich um ein verwelschtes „Tedascher“, worin das Substantiv „Oscher“ (Reichtum) zu erkennen sei, im Sinne, der uns bereichert hat. In manchen Gegenden nennt man die Schabbatbrote auch „Berches“, abgeleitet von Brachoth- Segnungen. Ich hoffe, dass ich mit diesen Zeilen den werten Lesern dieses Blattes einen kleinen Hinweis auf „Minhagim“ (Gebräuche), gab. O. I. WERKE JÜDISCHER AUTOREN DEUTSCHER SPRACHE, VON DESIDER STERN Der Verfasser dieses ausserordentlich lehrreichen Verzeichnisses, in Form eines gross angelegten Werkes, hat in Jahrelanger Arbeit etwas geschaffen, das eigentlich als einzig dastehend zu betrachten ist. Hunderte Namen von Jüdischen Schriftstellern deutscher Sprache sind mit allen Einzelheiten ihres Lebensganges und der Namen ihrer Werke zu finden. Der Autor hat persönlich unserem Sekretär diese Broschüre als Geschenk übergeben. Wir danken ihm von dieser Stelle aus für diese einzigartige Arbeit und benützen im Rahmen unserer Tätigkeit die bis ins Kleinste gehende Forschung als Nachschlagwerk. Wir wünschen ihm weiter Erfolg in seiner grossen Tätigkeit, die er nur als Hobby betreibt. (Herausgegeben anlässlich der Bne Brith- Buchausstellungen von Deslder Stern, Wien, Wollzeile 20). VORANZEIGE Wie wir erfahren, erscheint in Kürze im Blaescke Verlag, St. Michael ein neues Buch unseres hochverehrten Dr. Walter Goldstein, Jerusalem „1000 Jahre Venedig — ein europäisches Märchen“. Wie wir erfahren, ist ein Vortrag von Dr. Walter Goldstein, Jerusalem über Breslau für den bayrischen Rundfunk in München auf Tonband aufgenommen worden. Der Vortrag soll im Mai in einer Sendung „Zwischen Breslau und Wroclaw“ gesendet werden. 33

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