Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1979
- Issue
- No. 45 (April-Mai 1979)
- Date
- 1979-04-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jugend-Erinnerungen an Frankfurt am Main l ■■ i. Meine Kindheits-Erinnerungen beginnen kurz vor dem Tage, an welchem ich als ABC-Schütze in die in. Vorschulklasse (im Frankfurter Dialekt „unterste Klass“ genannt) aufgenommen wurde. Diese wenigen Jahre bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges kann man wohl als die glücklichsten Jahre meiner Generation bezeichnen. Meine Barmitzwah fiel bereits mitten in diese Periode (Dezember 1916), zu einer Zeit der strengsten „Zena“. Ich erinnere mich genau an den Kiddusch in meinem Elternhaus, im engsten Familienkreis. Den Höhepunkt dieses „Festmahles“ bildeten Platten mit kaltem Fleisch-Aufschnitt, mit aus weissem Mehl!! gebackner Challah, alle diese Delikatessen natürlich für teures Geld auf dem schwarzen Markt erworben. Im übrigen wurden nicht nur damals, sondern auch in den späteren Jahren Familienfeiern, ob es sich um Hochzeiten, Barmitzwoth oder was sonst immer handelt in weit bescheidener Weise gefeiert, als es heute nicht nur in Israel, sondern auch in der Golah der Fall ist. Mit besonderer Freude und Genugtuung will ich an dieser Stile erwähnen, dass von den Erziehern und Lehrern, die in meiner Generation an der „Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft“ — abgekürzt unter dem Namen „Hirsch- Realschule“ bekannt — wirkten, noch 3 heute in voller geistiger und körperlicher Frische in New York leben; alle bereits im Alter von über 90 Jahren AD MEAH WE’ESRIM und zwar in erster Linie Raw Dr. Joseph Breuer, geistiger Führer der KEHAL ADATH JESHURUN in Washington Heights (New York-Manhattan), von der später nochmals die Rede sein wird. Ferner Dr. Markus Elias, der letzte Direktor der Schule und schliesslich Studienrat Dr. Max Baer. Zu Ende Jedes Schuljahres, nach Absolvierung der „Prima“, wurden Prämien in Buchform an die besten Absolventen verteilt. Der beste Schüler erhielt die sog. „Kaiserprämie", bestehend aus einer Haggadah in rotem Einband mit Goldschnitt. Diese wahrhaft „letzte“ Kaiserprämie (April 1918) erhielt mein Klassen-Kamerad Dr. Siegfried Strauss, der heut in Tel Aviv lebt. Die Schule wurde am 1. April 1853 von Rabbiner Samson Raphael Hirsch s.A. gegründet und behielt deshalb bis zum Ende dessen Namen bei. Nach seinem Ableben (31. Dezember 1888) wurde sein Sohn Dr. Mendel (Menny) Hirsch Direktor der Schule und nach ihm Dr. Gerson Lange s.A., der im Jahre 1923 sehr jung (er war erst Anfang der Fünfziger) abberufen wurde (am Abend vor Erew Sukkoth stand er beim Maariv-Gebet und mit dem OSEH SCHALOM zum Schluss der SHMONE ESRE haucht er sein Leben aus). Sein Nachfolger war Dr. Elias Fink und nach dessen Ableben der bereits oben erwähnte Dr. Markus Elias. II. Frankfurt hatte 4 grosse Synagogen, abgesehen von kleineren Batei Midrasch und chassidischen „Stieblech“. Die sog. Haupt-Synagoge (mit Orgel und Frauenchor) stand in der Börnestrasse. In der Königsteiner Strasse (jetzt Freiherr vom Stein Strasse) befand sich die Westend-Synagoge. Es ist dies die einzige der grossen Synagogen, die in der Kristallnacht nicht zerstört wurde. Es war dies ebenfalls eine Reform-Synagoge und ist heute die zentrale Betstätte in Frankfurt; soweit mir bekannt, nicht mehr nach Reform-Ritus. Die dritte war die Synagoge der Gemeinde-Orthodoxie am Bömeplatz (Rabbiner Dr. Jakob Hoffmann). Er musste 1937 „unter unwürdigen Umständen“ Deutschland verlassen und ging in die Vereinigten Staaten. Von 1938—1952 war er Rabbiner in New York, wanderte 1952 nach Israel ein und starb am 22.6.56 in Tel Aviv. (Diese biographischen Notizen stammen aus dem im Jahre 1974 in Frankfurt am Main erschienenen Werk „Neunhundert Jahre Muttergemeinde in Israel“ des Herrn Dr. Paul Arnsberg, der am 10.12.78 in Frankfurt verstarb am 15. desselben Monats in Tel Aviv auf dem Friedhof in Nachlath Yizchak beerdigt wurde). — Die Gründe, warum diese Synagoge als „Gemeinde- Orthodox“ bezeichnet wurde, näher zu erklären, würden den Rahmen dises Artikels sprengen. Es geht dies bis in die Zeit des sog. Austritt-Gesetzes zurück. — Von den kleineren Batei Knesset möchte ich nur erwähnen: Die Klaus-Synagoge in der Ostendstrasse, deren Rabbiner Dr. Lorsch in jungen Jahren verstarb und dessn Nachfolger einige Jahre Raw Dr. Joseph Breuer war. Ferner eine kleine Synagoge in der Unterlindau und im Hermesweg. Diese Liste kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Das vierte der grossen Gotteshäuser war die Synagoge „K’HALL ADATH JESHURUN' der Israelitischen Religionsgesellschaft, d.h. der Austrittsgemeinde, an der Friedberger Anlage. Diese Synagoge war das Herz und der Mittelpunkt unseres Gemeindelebens. Sie wurde im Herbst 1907 eingeweiht und stand nur 31 Jahre!! Ein Prachtbau mit ungefähr 1300 Männersitzen und 600 bis 700 Sitzen auf der Frauen-Empore. Rabbiner Dr. Salomon Breuer S-A. 4* > Der Pasuk KOL ISCH ASCHER JIDWENU LIBO (SCHEMOTH 25, 2) wurde hier wörtlich erfüllt: Die Spenden für den Bau bestanden zu 90% nicht aus Bargeld, sondern die meisten der begüterten und sehr reichen Familien stifteten Original: Eine Familie gab für die schweren kupfernen Eingangstüren, eine andere für die Beleuchtungseinrichtung, Aron Hakodesch, Gitter für die Frauenschuh Almemor etc. und so wurde der ganze Bau mit spontanen Originalspenden errichtet. Alle diese Einzelheiten stammen aus den Erzählungen meines Vaters s.A. Der Pasuk SEH ELI WE’ANWEHU (SHE- MOTH 15, 2) wurde auch hier wörtlich erfüllt, indem jede kleinste Kleinigkeit mit Liebe und Sorgfalt ausgewählt und fertiggestellt wurde: Die prächtigen Kandelaber, Bestuhlung, die verschiedenfarbigen PAROCHOT für Wochentag, Schabbath, Rosch Chodesch, Jamim Noraim, Schalosch Regalim etc. Die Bänke waren zu den Jamim Noraim mit weissen Servietten belegt und wenn man am Kol Nidre-Abend die Synagoge betrat, strahlten Hunderte von elektrischen Birnen und die Weisse des Parochet strahlte zurück. Wenn der Aron Hakodesch geöffnet wurde, der mit weissem Satin ausgefüttert war, so strahlte von innen installierte Beleuchtung auf die weissen Mäntelchen der ca. 30 Sifrei Torah... Alles in Allem: ein atemberaubender Anblick. — Am Sukkoth: Hunderte von Lulawim in den Hakafoth und dasselbe am Simchath Torah mit den Tora-Rollen. Die Mitglieder des Vorstands und der verschiedenen anderen Gremien Synagoge Friedberger Anlage, Frankfurt a/Main * Kill mm mm. w/v}/ 25