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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1979-04-01 · No. 45 (April-Mai 1979) · p. Seite 26

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1979
Issue
No. 45 (April-Mai 1979)
Date
1979-04-01
Page
Seite 26 (sequence 26)
Language
German
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der Gemeinde standen vor der ersten Hakafah im Halbkreis auf dem mit Teppichen belegten Vorraum des Aron Hakodesch. In ihrer Mitte standen Raw Dr. Salomon Breuer s.A. und Oberkantor Peissacho witsch. Ausser diesen Beiden musste JEDER mit Prack und Zylinder erscheinen, andernfalls wurde er zur ersten Hakafa nicht zugelassen. Ein weiters Beispiel, wie Jede Kleinigkeit ausgerechnet war, um Alles schön und ordnungsmäsig durchzuführen: Die Alijoth zur Torah und andere Ehrenbezeugungen wurden nicht einfach mündlich dem Betreffenden gesagt: Der Erste Schamasch, David Ginsberger (eine fürstliche Erscheinung mit abgemessenem Schritt) übergab dem zu Beehrenden ein kleines Messingplättchen mit der Eingravierung, welche Alijah oder sonstige Ehrung ihm zuteil wurde. Dies für Schabbath! Oberkantor Benno Pessachowltz Zu den Schalosch Regalim bestand dieses Blättchen aus einem mit rotem Samt überzogenen Karton, auf dem mit Goldbuchstaben die Gravierung zu lesen war. Dasselbe, nur mit weisser Seide, für die Jamim Noraim. Für die Hakafot zu Simchat Torah wurden ähnliche Plättchen mit der Bezeichnung (Hakafa Beth, Gimmel etc.) ausgeteilt. Und die Verteilung erfolgte reihenweise, sodass keiner zu kurz kam. Aber Herr Ginsberger wusste genau, ob auf dem Platz, wo er die Verteilung vornahm, ein zahlendes Gemeindmitglied stand! Dasselbe galt für die Lewi’im (ich welss es, denn ich gehöre diesem Stamm an), wenn es galt, den Kohanim die Hände überzugiessen. Im Jahre 1918 verstarb in hohem Alter der begnadete Chasan Julius Friesländer, den ich leider nur noch ganz selten in seinen letzten Lebensjahren (wenn er Jahrzeit hatte) vorbeten hörte. Aber selbst aus diesen Gebeten an einem gewöhnlichen Wochentag konnte man heraushören, mit welcher Kawanah und Schönheit er die Gottesdienste jahrzentelang führte. Sein Nachfolger Benno (Baruch) Peissachowitsch hatte einen herrlichen Bariton und seine „AWODAH“ am Jom Kippur zu hören, war ein einzigartiger Genuss. Das hier abgedruckte Photo zeigt ihn, wie er auf einen grossen' Schemel steigen musste, um die Chanuka-Menorah anzünden zu können. Der zweite Kantor, Salomon Steinberger, war der meisterhafte Bai Kri’ja, der Hunderte Barmitzwah-Knaben lehrte und ihm verdanke ich es, dass ich noch heute diese Mitzwah voll beherrsche. Er starb vor ca. 7 Jahrn in London im gesegneten Alter von 88 Jahren. Einmal in 4 Wochen, jeweils am Schabbath Meworchim, hielt Raw Salomon Breuer, seine monatliche Draschah, vor Mussaf und kurz vor Schluss derselben, wandte er sich an die im vergangenen Monat „angesammelten“ Barmitzwah- Knaben, die zitternden Herzens auf einer Bank vis a vis der Redner-Kanzel sassen und — auf einen Wink des Herrn Ginsberger, der neben ihnen sass — wie elektrisiert aufsprangen, um die an sie gerichteten Mahnworte zu hören. — Manche Einzelheiten meines Berichtes in diesen Zeilen stützen sich auf das Buch „Erinnerungen 1870—1920“ von Jacob Rosenheim und „Aus der Schützenstrasse“ aus der Feder des begnadeten Schriftstellers Hermann Schwab, Halberstadt, der auch ein Frankfurter Kind war. Neben den Chewroth Kadischa (die einzigen Institutionen, die von Friedberger Anlage und Börr.cplatz gemeinsam geführt wurden), bestand bei der IRG. seit Nissan 1922 eine Chewrah, deren einzige Aufgabe darin bestand, in Todesfällen, vom Augenblick des Ablebens bis zur Beerdigung, die Ehrenwache zu übernehmen. Es war dies keine leichte Aufgabe, denn es musste manchmal bis zu 72 Stunden gewacht werden (tagsüber 2 und nachts 3 Mitglieder). Diese Chewrah wurde von Raw Breuer ins Leben gerufen, nachdem es sich gezeigt hatte, dass bezahlte Wächter ihre Pflicht gröblich vernachläsigt hatten. Mitglieder dieser Chewrah waren meist Unverheiratete, um ihnen die Möglichkeit zu geben, wenigstens einen Teil der Pflichten, die nur für Ba’alei Batim als Chewrah Kadischah-Mitglieder vorgesehen waren, zu erfüllen. Raw Breuer gab dieser Chewrah den bezeichnenden Namen: CHEWRAH SCHOMER MITZWAH, aufgrund des Passuk in Koheleth 8, 5: SCHOMER MITZWAH LO JEIDA DAWAR RA. Im Nissan 5685 (1925) versammelte sich eine grosse Menge im Schul-Vorhof zu dem einmal in 28 Jahren stattfindenden KIDUSCH HACHAMAH, wobei die Brachah OSE MA’ASEH BERESCHITH gesprochen wird. Es ist dies der Tag in der Tkufat Nissan, an welchem die Sonne genau an derselben Stelle steht, wie am Mittwoch, dem Tag der Schöpfung, an welchem Sonne, Mond und Sterne geschaffen wurden. Interessante Einzelheiten über die Berechnung dieses Tages und die Genauigkeit, mit der dies berechnet wird, können in Talmud Bawli, Berachoth 59 B mit der ausführlichen Raschi- Erklärung nachgelesen werden. Und was ist von all diesen Erinnerungen geblieben? Schutt und Asche, so wie alle Hunderte Gotteshäuser, die im November 1938 zerstört wurden. III. Zum Schluss noch ein paar Worte über den Weg, den jeder Sterbliche zu gehen hat: Dreimal besuchte ich den Friedhof der Isr. Rel. Ges. in der Rat Beil-Strasse zum Zweck, das Grab meines Vaters und meiner Gross- und Urgrosseltern zu besuchen (meine Mutter ist in Theresienstadt umgekommen). Das Grab meines Vaters konnte ich trotz stundenlangem Suchen nicht finden. Der Grabstein wurde zusammen mit Dutzenden anderer Grabsteine von dem Luftdruck eines Bombardements englischer oder amerikanischer Flugzeuge von seinem Fundament weggeschleudert. Der Stein ist fast 100% erhalten geblieben und ist an eine Mauer gelehnt, jedoch konnte ich das Fundament nicht eindeutig finden, nachdem keine Listen mehr aus dem Jahr 1930 (dem Todesjahr meines Vaters) vorhanden sind. Dagegen fand ich die Gräber meiner Grossmutter väterlicherseits, Grosseltern mütterlicherseits und Urgrosseltern väterlicherseits: alle in annähernd 100%ig erhaltenem Zustand. Ferner fand ich die Gräber von Samson Raphael Hirsch und Gattin, Schlomoh Salomon Breuer und Gattin und viele, viele anderer. Bei meinem zweiten Besuch in Fft. im August 1969 besuchte ich das über 700 Jahre alte Beth Hakwaroth am Börneplatz. Dort sind allerdings viele Grabsteine umgeworfen und auch zerstört worden. Kurz vor Kriegsausbruch 1939 gelang es, einige Matzewoth von dort zu retten und in die Rat Beil-Strasse zu überführen. Als man diese Matzewoth nach Kriegsende zurückbrachte, konnte man die Gräber nicht mehr finden und stellte sie deshalb in einen kleinen halbkreisförmigen Hof auf. Soviel mir erinnerlich, waren dies die Matze- Rabbiner Dr. Josef Breuer if-09.s woth des Hafla’Ah (Rabbi Pinchas Halevi Ben Zwi „Isch Horowitz“), Pnei Yehoschuah, Amschel Mayer Rothschild u.a. Bei den 3 Besuchen in Frankfurt (1968, 1969 und 1974) stand ich jedesmal am Tag meiner Rückreise nach Israel an dem Platz in der Friedberger Anlage vor dem schwarzen Marmorstein, den die amerikanische Besatzungsbehörde nach Kriegsende aufstellte und auf dem zu lesen steht, dass an diesem Platz die Synagoge stand, die im November 1938 zerstört wurde (in deutscher und englischer Sprache). Stumm und gebeugten Hauptes stand ich dort und sprach zu mir selbst: DAS Ist aus der IR WE’EM BE’JISRAEL geworden! Und ich antwortete mir selbst: Diese IR WE’EM BE’JISRAEL ist im Jahre 1939 neu auferstanden in Washington Heights und ich habe mich selbst zweimal davon überzeugt, zum erstenmal, als ich 1969 von vor Rosch Haschanah bis nach Simchath Torah dort war und zum zweiten Mal im Winter 1973/74. Das Beth Haknesset der Breuer-Gemeinde heisst im Volksmund: Frankfurt on the Hudson, trotzdem Hunderte der Mitglieder aus anderen Städten stammen. Und ich schliesse mit den Worten des Talmud Bawli, Megillah 29, A. (in freier Übersetzung): Einst werden die zerstörten Gotteshäuser aus Babel in Eretz Jisrael neu aufgebaut werden). Und diese Worte sind bereits in Erfüllung gegangen: In Tel Aviv in der Ben-Yehuda-Strasse steht das grosse Beth Haknesseth „Ichud Schiwath 16

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