Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1979
- Issue
- No. 45 (April-Mai 1979)
- Date
- 1979-04-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zelt dreimal verneigte. Dann kamen die Festtage anlässlich der Hochzeit der Kaisertochter mit dem Herzog von Braunschweig. Auch ich stand stundenlang „Unter den Linden“ Spalier und beteiligte mich an den Hochrufen, wenn die Fürstlichkeiten vorbeikamen. Ausser dem Kaiser und anderen Familienmitgliedern sah ich auch den König von England und den russischen Zaren mit ihren Ge. folgen. Besonders stürmisch wurde der deutsche Kronprinz begrüsst, dessen Auto in der Menschenmenge stecken blieb. Viele Menschen aber sagten damals: „Wenn sich Fürsten umarmen und küssen, gibt es meistens Krieg". Das war im Jahre 1913. Geschäftlich hatte ich sehr viel im Fabrikationswesen und auch im kaufmännischen Handel zugelernt und war auch mit den Söhnen meines Chefs, von denen der zweite sehr leidend war, befreundet und genoss auch unbeschränktes Vertrauen. Da erkrankte mein Vater wieder, und an mich erging der Ruf, heimzukehren und daheim wieder zu arbeiten. Sehr ungern verliess ich Berlin, wo ich 3 Jahre gearbeitet hatte und viel gelernt und erlebt hatte. Aber besonders der Wunsch meiner Mutter ging mir über alles, auch über meine eigenen Wünsche. Als ich mich von meiner Freundin verabschiedete, sagte sie zu mir: „Versprechen Sie mir, was auch kommen mag, immer mein guter Freund zu bleiben, auf den ich mich verlassen kann?" Sie streichelte meine Hand, und ich versprach es ihr und ging. Die Begrtissung daheim war sehr herzlich, und wieder ging ich, nunmehr reifer und männlicher an die Arbeit. Die Kunden schätzten mich, und auch innerhalb der Gemeinde war ich beliebt und gern gesehen. Meine jüngere Schwester war.inzwischen verheiratet, mein jüngerer Bruder besuchte die Baugewerbeschule und der Jüngste das Gymnasium. Im Elternhaus sah man in mir nicht mehr den Lehrling von einst, sondern den Mitarbeiter. In der Stadt selbst war iclx Mitglied mehrerer christlicher Vereine. Überall schätzte man mich und brachte mir Achtung entgegen. Ich war ein guter Sänger, ein guter Schachspieler, aber auch ein fairer Kollege in den Fachvereinen. Auch bei den Jungen Mädchen in der Gemeinde war ich beliebt, und wir machten gemeinsame Ausflüge und auch jüdische Vergnügungen mit. Als ich eines Tages von einer geschäftlichen Radtour, bei der ich einen schönen Strauss Kornblumen geplückt hatte, heimkehrte, begegnete ich einem bekannten Jungen jüdischen Mädchen; an deren Seite ein mir fremdes, aber bildschönes Mädchen. Als die erstere mich begriisste und mir ihre Cousine vorstellte, sagte diese zu mir: „Würden Sie mir einige Blumen schenken?“ worauf ich ihr den ganzen Strauss gab. Am nächsten Abend lud sie mich zu einer Bootsfahrt ein, natürlich in Gemeinschaft anderer Freundinnen. Ich nahm meine Mandoline mit, spielte und erzählte von Meiningen und Berlin. Als wir bei der Heimkehr uns verabschiedeten, sagte sie lächelnd: „Nennen Sie mich doch Irmgard“. Und so spann sich ein feiner, seidener Faden zu einem Schleier, der uns umwob, und als sie wieder zu ihren Eltern fuhr, schenkte sie mir zum Abschied einen goldenen Ring, der eine gewundene Schlange darstellte. Dann sagte sie noch: „Sie werden mir immer schreiben, ich werde antworten“. Ich sagte zu. In den nächsten Tagen und Wochen dachte ich nur an sie. Briefe kamen und gingen, es waren romantische, verträumte Liebesbriefe, die sie mir schrieb, und ich antwortete ebenso liebevoll. So verging der Sommer, und es kam der Schicksalstag des deutschen Volkes heran. Der erste August 1914. (Fortsetzung folgt) NACHMERKUNG DER REDAKTION Herr Edwin Landau s.A. hinterliess eine ausführliche Beschreibung seines Lebensweges, die weit Reich-Ranickls Auswahl moderner deutschsprachiger Literatur In den 30er Jahren sagte Walter Benjamin voraus, „dass es mit der Kunst des Erzählens zuende gehe“. Denn das Radio — Fernsehen gab es damals noch nicht — versorge den Menschen pausenlos mit einem Reichtum von Informationen, und es bleibe keine Aufnahmefähigkeit mehr für die Erzählung. Und doch werden Geschichten weiter geschrieben. „Ich brauche Geschichten, um die Welt zu verstehen“, sagte Siegfried Lenz. Unter Berufung auf ihn, veröffentlicht Marcel Reich- Ranicki seine Sammlung von deutschen Geschichten, die zwischen 1960 und 1975 erschienen, unter dem Titel „Verteidigung der Zukunft“ im Verlag Piper; München, als Antwort auf die, welche immer noch das Ende der Literatur verkünden. Auch das heutige Deutschland kann man besser verstehen aus der Dichtung als aus Zeitungsartikeln oder politischen Erklärungen. Der rasche Wiederaufbau und die radikale Abkehr vom Dritten Reich waren das überraschende. Aber eine innere Wandlung war damit nicht verknüpft. Daher gerieten die Schriftsteller und die intellektuelle Jugend, so verschieden sie auch in den beiden deutschen Staaten eingestellt waren, in Opposition zur herrschenden Gesellschaft. Diese Kritik findet in der vorliegenden Anthologie ihren Ausdruck. Restlos verschwunden ist die nationalistische Romantik, die früher für einen grossen Teil der deutschen Intellektuellen charakteristisch war. Jedoch ist die gesellschaftliche Funktion der Literatur, die Ende 1960 hervorgehoben worden war, nicht das Entscheidende. Grade ein gesellschaftskritischer Künstler, wie Brecht, hielt es für „das Geschäft des Theaters, wie aller andern Künste, die Leute zu unterhalten“, worauf der Herausgeber im Nachwort mit Recht hinweist. Die Erzähler verdanken die Kunst des Unterhaltens der Gestaltung ihrer Erfahrungen: diese sind allerdings meist erschreckend. Der Herausgeber suchte 60 zeitgenössische Erzählungen und Anekdoten unter dem Gesichtspunkt „Qualität und Aktualität“ heraus. Von den Schriftstellern der älteren Generation erscheinen in der Sammlung: Otto Flake, Ernst Bloch, Anna Seghers, von der Gruppe „1947“: Günter Gras, Heinrich Böll, aus Ostdeutschland: Bobrowski und Biermann, aus der Schweiz: Max Frisch, auch von denen, die eine zeitlang in Israel gelebt haben: Wolf gang Hildesheimer und Jakob Lind, um nur einige bekannte Namen zu nennen. Reich-Ranicki gewährt uns in seiner Anthologie von über 500 Seiten (zum Preis von DM 19.—) eine umfassende Übersicht über die moderne deutschsprachige Literatm-. Anni Loewenstein Betr. Schallplatten der Kantoren Cerini u. Wilkomirski Bitte um die Adressenangabe des Suchenden An: E. Lewin, 27 Mazadastr., Ramat Gan, Israel. mp arr av gw iu» <0BR9* «*«• mtmr -iiy mt*t «p * SUCHANZEIGEN: Wer kennt Hertha Noskowski aus Breslau? Sie wird von ehemaligen Mitschülerinnen ler Cecilienschule gesucht. Zuschriften an: Betty Boehm S:t Eriksgatan 34, II S - 112 34 Stockholm, Schweden mehr ist als eine persönliche Biographie. Wir finden diese Schrift typisch für das Leben vieler in Kleinstädten Deutschlands und bringen diese in Fortsetzungen. Wir sind überzeugt, dass unsere Leser viel Interesse daran finden werden. Bezwungene Grenzen Von Jörg Breuer. Erich Schmidt Verlag, Berlin, Bielefeld, München. „Ein Abenteuer aus unseren Tagen“ nennt der Verfasser diese Geschichte. Es ist ein Jugendbuch, aber es ist auch für Erwachsene, wie es gute Jugendbücher sind. In ihm wird das Schicksal von Vertriebenen nach dem Ende des 2. Weltkriegs erzählt. Der Held der Erzählung, ein Knabe von 14 Jahren, nimmt eine fast unmöglich scheinende Aufgabe auf sich. Sein Vater, zurückgekehrt aus russischer Gefangenschaft, ist so leidend, dass er die Familie nicht ernähren kann. Der Knabe hat erfahren, dass seine Mutter wertvollen Schmuck in der Aufregung und Eile der Flucht im Keller ihres Hauses in Breslau liegen gelassen hat. Heimlich tritt er die Fahrt in das fremde Land ohne Geld und ohne Pass an, um die zurückgelassenen Brillanten zu holen. Seine Begegnungen mit grausamen und mit hilfreichen Menschen und seine Abenteuer an den Grenzen werden spannend und mit Humor erzählt. Verraten sei nur, dass er sich an einer Zirküsvorstellung in einer Grenzstadt beteiligt, um über die Grenze zu schlüpfen. Ehemalige Schlesier wird auch interessieren, wie die zerstörte Geburtsstadt Breslau auf den Knaben wirkt. Anni Loewenstein NOCHMALS: ÜBER SCHLESISCHE KURORTE UND DEREN JÜDISCHE ÄRZTE Frau Lotte Lewin (London) schreibt uns dazu, dass ihr Onkel Dr. Gotthelf Marcuse, jahrelang in Kudowa praktizierte. Dr. Marcuse hatte auch in Wien bei Prof. Winternitz Wasserheilmethoden studiert und in Breslau aine Wasserheilanstalt gehabt. Er galt als hervoragender, sehr menschlicher Arzt in der Gegend der- Grafschaft Glatz. Er war, wie gesagt, Badearzt, aber auch Geburtshelfer und Landarzt. Nach einigen schlimmen Monaten in Buchenwald gelang es ihm 1939 nach London zu kommen, wo er 1948 starb. Seine nähere Familie ist leider in Deutschland umgekommen. Frau Lotte Lewin erinnert sich auch, dass es in Landeck ein Sanatorium gab, dessen leitende Ärzte Dr. Sandberg und Dr. Landsberg waren. Herr Gerald Jablon (Spartenburg S. C.) teilt uns noch mit, dass er sich an Dr. Milch in Bad Landeck erinnert. Vielen Dank für diese Hinweise. J. S. Wir begrüssen in Israel unseren Freund Max Berger, früher Beuthen O/S, zuletzt New- Jersey und wünschen ihm und seiner Frau alles erdenklich Gute zur Eingliederung im Lande. Wir gratulieren unserem Landsmann, Dr. Jacob Golan, Jerusalem, fr. Schorsch Golinski, Beuthen O/S, zu seinem 70. Geburtstag. Alles erdenklich Gute u. Gesudheit „Ad Mea w. Esrim“. Wir gratulieren unserem langjährigen Mitglied Arthur Neumann, Bat Jam, berzlichst, zur Geburt des 1. Enkels. Allen unseren Mitgliedern, Freunden und Gönnern angenehme Feiertage und einen erholsamen Sommerurlaub. Bitte denken Sie an Ihre Beitragszahlungen an untenstehende Adresse: Verband ehemaliger Oberschlesier Karl Heinz Kornfeld, Tel Aviv, Lipastr. 8 24