Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1979
- Issue
- No. 45 (April-Mai 1979)
- Date
- 1979-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE SYNAGOGEN IN (Fortsetzung) Die vierte der grossen Hamburger Synagogen war der bereits erwähnte "Tempel”, das religiöse Zentrum der zahlenmäsig bedeutenden liberalen Hamburger Judenheit. Die erste offizielle deutsche Reformsynagoge mit Orgel, deutscher Predigt und gemischtem Chorgesang wurde am 18. Oktober 1818 ln der Brunnenstrasse ln Hamburgs Innenstadt eingeweiht. Der erste Prediger dieser Synagoge war Dr. Eduard Kley, der gleichzeitig der Direktor der Jüdisch-liberalen Schule ln der Innenstadt war. Die Synagoge war bald zu klein, um namentlich an den Hohen Feiertagen alle Besucher zu fassen, und so wurde etwa 30 Jahre später der geräumige Tempel in der Poolstrass.e, 3 Minuten Entfernung von der orthodoxen “Kohlhöfen Synagoge” eingeweiht. Es amtierten hier u.a. die Prediger Gotthold, der blinde Dr. Sänger und zu den Vorstandsmitgliedern gehörte der Vorkämpfer für die Emanzipation der deutschen Juden und spätere Reichstagsabgeordnete Gabriel Riesser, dessen Grabstein auf dem Grindelfriedhof durch seine Höhe weit hinausragte. Der Stein ist nach der Auflösung des Grindelfriedhofes mit zahlreichen anderen nach Ohlsdorf überführt worden und dürfte in seiner äusseren Aufmachung für einen jüdischen Friedhof einzig dastehen: die Göttin der Freiheit und des Rechts zeigt hoffnungsvoll und richtunggebend in die Zukunft. Es wäre interessant zu erfahren, wie der Grabstein mit der Darstellung einer menschlichen Figur, die stets aufs strengste untersagt war, auf dem Friedhof zugelassen wurde, vielleicht kann einer der geschätzten Leser hierüber Aufschluss erteilen, denn Rieses Aufmachung war umso auffallender, als die Führung der Gemeindeinstitutionen stets in gesetzestreuen Händen lag. überhaupt muss hervorgehoben werden, dass die liberalen Juden in Hamburg stets wirklich “liberal” waren, — auch und insbesondere den religiös-orthodoxen Kreisen gegenüber. Die sogenannten „Machtansprüche“, die die religiösen Gemeindemitglieder oft in Gewissenskonflikte in anderen Gemeinden brachte, haben die Hamburger Liberalen niemals erhoben, und dies war einer der Gründe, dass extrem- Orthodoxe und fanatische Reformisten in allen Verwaltungsapparaten stets friedlich Zusammenarbeiten konnten. Allerdings brachte die Gründung des Reformtempels — anfangs, wie die “Dammthor Synagoge” als privater Verein gegründet — in den ersten Jahrzehnten nach der Eröffnung gewaltige Proteststürme, und erregte Diskussionen in das friedliche Gemeindeleben Hamburgs, die sich erst legten, als auch andere Grossgemeinden Deutschlands Orgelsynagogen bauten. Man hatte zu meiner Jugendzeit immer behauptet, — und diese Behauptung war schon lange als “Überlieferung” in Hamburg tradiert worden, — dass auf den Hamburger Tempel, der ersten offiziellen deutschen Reformsynagoge, ein Cherem, ein Bannfluch seitens bedeutender damaliger Talmudgelehrten gelegt worden sei. Ich konnte trotz eifrigen Suchens niemals ein solches Dokument auftreiben, und niemand konnte mir sagen, wie der eigentliche Text dieses Cherem eigentlich lautete und wer ihn unterzeichnet haben soll. Ich habe lediglich ein “Rabbinatllches Gutachten” über das vom Tempel herausgegebene Gebetbuch gelesen, in dem eindringlich darauf hingewiesen wurde, dass "niemand seiner religiösen Pflicht genügt habe, wenn er seine Gebete aus diesem Gebetbuch verrichte”. Mein Gross- Von RÜBEN MALEACHI vater väterlicherseits gehörte in seinen letzten Lebensjahren zu den eifrigen Besuchern dieses Tempels, und ausser dem Gebetbuch befand sich in unserer häuslichen Bibliothek auch noch das "Gesangbuch” des Hamburger Tempels. Eine grosse Anzahl von Psalmen befand sich darin in dichterischer Form übersetzt, — die Herausgeber werden es mir verzeihen, wenn man rückschauend heute feststellt, dass diese Art von Gedichten mehr einen Anfall von Heiterkeit auslöste als „der religiösen Erbauung des Gemüts des israelitischen Mannes und der Frau“ diente, wie die Herausgeber es Bich vorstellten. Ausser den erwähnten Psalmen waren noch zahlreiche choralähnliche Gesänge in dem „Gesangbuch“ gedruckt, deren dichterischer Wert nicht viel grösser war, als der der übersetzten Psalmen. Diese Gesänge waren in einem besonderen Kapitel zusammengestellt, „für alle Gelegenheiten religiöser und weltlicher Art, während des öffentlichen und häuslichen G”tesdienstes“. Da gab es Gesänge beim Betreten des G'tteshauses, vor und nach der „stillen Andacht“ (gemeint ist wahrscheinlich das bekannte Sch'mone essreh, das tägliche und sabbatliche Hauptgebet), beim Ein- und Ausheben der Thorarollen, vor, nach und während der „Totenfeier“ vor und nach dem Kaddischgebet, zu sämtlichen Feiertagen, zu der kaiserlichen Geburtstagsfeier usw. Die G'ttesdienste wurden, was besonders in unserer Zeit besonders interessant zu hören ist, zu Anfang in hebräisch-sefardischer Aussprache abgehalten. Den Grund dafür konnte ich nie erfahren, — es waren stets Vermutungen, und am einleuchtendsten erschien mir diese: die offizielle Sprache, die an den allgemeinen Universitäten an den theologischen Lehrstühlen gesprochen wurde, war die hebräisch-sefardische, und da der damalige Zeitgeist stets das Einigende mit der übrigen Bevölkerung in den Vordergrund stellte, wollte man das Hebräische nicht nur als Trennungsmoment in den Synagogen beibehaiten. Es ist aber auch möglich, dass man den portugiesisch-jüdischen Teil der Gemeinde heranziehen wollte, indem man die bei diesen gebräuchliche sefardische Aussprache dort einführte. Hierfür spricht auch die Tatsache, dass man im Tempel eine Anzahl Bräuche einführte, die man nur bei den portugiesischen Juden in Hamburg kannte (Emporheben der Thorarolle vor der Vorlesung usw). Aber schon 30 Jahre nach dieser Einführung wich die sefardische Aussprache der aschkenasischen. Anfangs, bis in die 60er Jahre, hinein, wurden am Freitag Abend 2 G'ttesdienste abgehalten. Der erste mit der üblichen Freitag Abend Liturgie, bei Dunkelwerden, während der 2. zu später Abendstunde angesetzt wurde. Hier wurden Teile aus der Schabbat Morgen Tefilah zelebriert, im Anschluss daran wurde der Thora- Wochenabschnitt verlesen und eine Predigt gehalten. Dieser 2. Freitag-Abend G'ttesdienst war eine Konzession an die Geschäftsleute und Angestellten, die infolge ihrer Berufsarbeit am Besuch des Schabbath G'ttesdienstes verhindert waren... Immerhin, anfangs waren diese G'ttesdienste gut und regelmässig besucht, und es zeigte sich, dass man mit dieser Einrichtung in der damaligen Zeit einem Bedürfnis entsprochen hatte. Der Tempel in der Poolstrasse lag in einem Hof, etwa 30 Meter von der Strasse entfernt, von Wohnhäusern umgeben. Die Frontseite war für die Begriffe der damaligen Zeit auffallend einfach gehalten, die Spitze bestand aus drei turmähnlichen Verzierungen, und über dem Portal war die Jahreszahl des Baujahres in hebräischen Lettern aus dem Psalmwort „Gesegnet, der da kommt im Namen G'ttes" eingraviert. Ein kleiner, enger Vorraum führte in den Gebetsraum, der ca. 500 Männer und 300 Frauenplätze enthielt. Die Innenausstattung war schlicht, das Gestühl, Aron Hakodesch und Almemor waren dunkel gehalten, was mir immer als Gegensatz zu der hellen und freundlichen Atmosphäre der „Grossen Synagoge“ am Bornplatz in Erinnerung bleiben wird. Die Ausstattung war, wie das bei der Bauart sämtlicher libepSnsU ÄäS&Ö-'V*' Synagoge am Bornplatz, Hamburg gezeichnet von Armin Behrens, jetzt New York. lf 1964