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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1979-04-01 · No. 45 (April-Mai 1979) · p. Seite 14

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1979
Issue
No. 45 (April-Mai 1979)
Date
1979-04-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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Eine Erinnerung aus den dunklen Tagen des 9. und 10. November 1938 Die Schicksalswoche, die mit dem Pogrom in der Nacht vom 9. zum 10. November begann, als ich in dem Büro des Palästina-Amtes für die Provinz Oberschlesien in Beuthen O/S angerufen worden bin, bleibt unvergesslich. Das Palästina-Amt leitete Arnold Wiener s.A. und ich. Am Telefon sprach die seit Jahren zionistische aktive Frau Olly Schweiger s.A., die mich dringend bat, mit ihr am 10. November zur Zionistischen Vereinigung für Deutschland nach Berlin zu fahren, da sie es nervlich nicht mehr durchhalten kann, auf das seit sehr langer Zeit beantragte Certificat für die Einwanderung nach Palästina mit ihrer Familie zu warten. Meine Einwände, dass am Freitag die Büros verkürzt arbeiten, halfen nichts. Ich entsprach ihrem Wunsch. Wir verabredeten mit dem frühesten FD Zug, der um 5 Uhr von Beuthen abging, abzureisen. (Es war der einzige Zug des Tages, aus welchem noch nicht alle Juden herausgeholt wurden). Bereits auf der Fahrt hörten wir von Mitreisenden Bemerkungen über Synagogenbrände, Verhaftungen und Zerstörungen. Als wir im Taxi in Berlin nach der Meineckestrasse fuhren, sahen wir zerbrochene Fensterscheiben, zerstörte Jüdische Geschäfte und ahnten, welches Unheil heraufgezogen war. Im Palästina-Amt, der Z.V.f.D. angekommen, erwartete uns ein furchtbarer Anblick. Alle Schreibmaschinen, Akten, Schriftstücke aus allen Etagen und Büros lagen herausgeschmissen im Hof des Gebäudes, demoliert und zerstört. Wir fuhren sofort in die Privatwohnung von Benno Cohn s.A., dem letzten Vorsitzenden und Kleine Philosophie des Alltags. Tägliches, allzutägliches einmal näher betrachtet. von Ilse Lehmann Rothschild DRINGLICHKEIT Es ist Tatsache, dass unter einem augenblicklichen Druck, unter echter oder vorgetäuschter Dringlichkeit, oft etwas erreicht, oder erzwungen wird, was normalerweise unterblieben wäre. Manchmal ist es gut sich schnell zu entscheiden oder entscheiden zu müssen. Oft ist es aber auch schlecht, ohne richtige Überlegung zu handeln. Dringlichkeit ist kein Gradmesser für den Wert oder die Wichtigkeit einer Sache. Wir sind ihr aber insofern preisgegeben, als sie eine durchaus nötigende Wirkung auf uns ausübt, ohne dass immer ein berechtigter Grund dazu vorliegt. Aus dem Inhalt der Broschüre: haben wir nur einige Zeilen herausgegriffen, um dem Leser einen Einblick zu geben. Es folgen Überschriften von Kapiteln: Uber die Unendlichkeit und über die Vollkommenheit und Zerstörung in der Natur und im menschlichen Leben. Gedanken zum täglichen Erleben. Gedanken zum Tod. Betrachtungen über menschliche Beziehungen. Menschliche Gefühle, Eigenschaften und Verhaltungsweisen. Alterseinsicht. Wir können Jedem Menschen diese Broschüre, die einem zum Nachdenken anregt, empfehlen. NOCHMALS: EUGEN SPIRO Nachdem in Nr. 44 unseres Mitteilungsblattes das Erscheinen von Ernst Scheyer’s Buch: EUGEN SPIRO — CLARA SACHS erwähnt wurde, wurde uns mitgeteilt, das sich in Israel im Besitz der Familie auch Ölbilder von Emil und Fanni Ephraim (fr. Breslau), von Spiro im Jahre 1911 gemalt, befinden. Leiter der Z.V.f.D. und des Palästina-Amtes, der uns von dem Geschehen berichtete. Er bekam aus allen Teilen Deutschlands grausige Nachrichten. In Berlin begannen die Verhaftungen und wir alle waren gefährdet, wechselten deswegen dauernd unsere Unterkunft. 2 Tage später fuhr ich nach Beuthen zurück. Dort waren alle Jüdischen Familien verhaftet. Es war nicht ratsam auf die Strasse zu gehen, da man damit als Jude erkannt, sofort gleichfalls verhaftet wurde. Ich hielt das mir selbst auferlegte Ausgehverbot nicht länger als 3 Tage aus. Arnold Wiener war durch Zufall auch nicht verhaftet worden und ich ging zu ihm, um ihm meinen Plan — den ich später als „Ritt über den Bodensee“ — bezeichnet habe, zu unterbreiten. Ich wollte zur Zentrale der Gestapo, die ihre Zelte in Beuthen in der ehemaligen Kaserne aufgeschlagen hatte, hingehen, und versuchen, eine Genehmigung für Arnold Wiener und mich zu erlangen, dass wir uns frei bewegen und fahren dürfen, zum Zwecke der Tätigkeit für die Auswanderung der Juden nach Palästina. Wir verfassten gemeinsam den Antrag, und ich fuhr zur Gestapo. Als sich das übliche eiserne Tor des Eingangs zu den Büros hinter mir schloss, wusste ich nicht, ob ich diese Tür noch einmal frei verlassen würde. Nach langem Warten wurde ich zum Leiter der Gestapo vorgelassen, der mich lange in Augenschein nahm, den Antrag durchlas und — welche bange Minuten waren dazwischen — akzeptierte und uns einen solchen Ausweis — wie wir ihn wollten, — ausstellte. Wir konnten nun frei über die Strassen gehen und die Verbindung mit Berlin wieder aufnehmen. Durch eine Bestätigung, dass wir für den Betreffenden im Sinne der Auswanderung einen Certificatsantrag gestellt haben, konnten wir Viele vorzeitig aus der Haft befreien. Aber, wie wenige im Verhältnis zu der riesigen Anzahl, die erst jetzt begriffen, dass sie sich durch Auswanderung, ganz gleich wohin, retten müssen. Leider verschlossen sich mehr oder weniger alle Länder der Einwanderung. Auch die wenigen erreichbaren Certificate nach Palästona waren unzureichend. Es war eine unendlich schwere seelische Belastung zu wissen, wie Wenigen man helfen konnte. Auch für meine geliebten Eltern galt das leider. Familie Schweiger siedelten mit uns ln Beth Jitzchak, einer 1939 errichteten landwirtschaftlichen Siedlung in Israel, in welcher meine Frau und ich noch heute leben. Fritz Tau, Beth Jitzchak BIOGRAPHIE UBER RABB. DR. LEO BAECK Soeben ist im Verlag Macmillan, New York, die erste gründliche und wissenschaftlich fundierte Biographie über den einstigen Oppelner Rabb. Dr. Leo Baeck (1873—1956), dem Präsidenten der Reichsvertretung in Deutschland, der wie durch ein Wunder die Lagerhaft in Theresienstadt überlebte, erschienen. Verfasser ist der amerikanische Autor Leonard Baker, Washington, der in fast sechjähriger Arbeit dieses Werk geschaffen hat. Seine sorgfältigungen Forschungen und Nachforschungen, sowie seine Interviews mit zahlreichen Zeitgenossen, die Baeck kannten, oder nahestanden, führten Baker in viele Länder der Welt, vor allem auch nach Deutschland, England und Israel, Ja, sogar in die, heute zu Polen gehörend, ehemalige Provinz Posen, in der Baeck aufwuchs. E.G.L. WAS AUS IHNEN WURDE... VON JUDEN AUS BRESLAU UND SCHLESIEN (DR. E. G. LOWENTHAL) „75 Jahre F. V. Gruenfeld“ lautete 1937 ein vierseitiger, mit historischen Fotos ausgestatteter Prospekt des damals noch international bekannten Spezialgeschäfts für Leinen und Wäsche in Berlin (mit Hinweisen auf die Gründungsfabrik in Landeshut in Schlesien und die Verkaufsfiliale in Köln). Wer heute über das ehemals führende deutsche Einzelhandelgeschäft, Inbegriff, für Qualität, Zuverlässigkeit und Wertbeständigkeit, im September 1938 zwangsweise „arisiert“, mehr erfahren will, muss auf Erinnerungsliteratur zurückgreifen. Dem überwiegend unternehmungshistorisch-wissenschaftlichen Dokumentenwerk „Das Leinenhaus Gruenfeld“ (Berlin 1967), das den Aufstieg und das Ende des mit der Entwicklung der früheren Reichshauptstadt eng verbundenen Familienbetriebes schildert, folgen jetzt, aus der Feder der gleichen Verfasser, Dr. Fritz V. Gruenfeld (Zahala-Israel und Lenk- Schweiz), weitaus persönlicher gehaltene, auch mit persönlichen Schriftstücken belegte Aufzeichnungen, betitelt „Heimgesucht-heimgefunden“ (Arani- Verlag, G.m.b.H., Berlin 1978), enthalten sie eine längere „Betrachtung im Rückspiegel“ und einen etwas kürzeren Bericht über Heimisch- und Wiedertätigwerden in Palästina — Israel, wo der (jetzt 81jährige) Autor vor fast 40 Jahren seine neue Heimat fand. Vor dem Hintergrund der Geschichte des ursprünglichen Vaterlandes und der Entwicklung der neuen Heimat zeichnet das Werk den Werdegang und das Schicksal von mehrern Generationen einer emsig arbeitenden, kultivierten deutsch-jüdischen Kaufmannsfamilie nach. EIN VEREIN Ein Verein zur Erforschung der Geschichte der Juden Oberschlesiens ist vor kurzem gegründet worden. Er setzt sich die wissenschaftliche Erforschung und Darstellung dieses Gegenstandes zur Aufgabe. Den Vorstand des Vereins bilden Prof. Dr. Ludwig Petry (Mainz), Dr. Ernst Prlngsheim (Marburg) und Dr. Ernst Lustig, Rossittenweg 10, D-3340 JÜDISCHE FRIEDHÖFE IN DEUTSCHLAND UND IN DEN OSTGEBIETEN Wie wir erfahren, arbeitet der Historiker Adolf Diamant an einer Bestandsaufnahme aller jüdischen Friedhöfe in Deutschland. EB werden auch die Friedhöfe inventarisiert, die einst zum Deutschen Reich gehörten und jetzt in Polen sind. Die Leser unserer Zeitung werden gebeten, alle Informationen ' über diese jüdischen Friedhöfe — wie zum Beispiel, Schändungen in der Nazizeit, derzeitiger Zustand, Grösse usw. — sowie Fotos und Berichte, die möglichst detailliert sein sollen, an Adolf Diamant, Völkerstrasse 9, 6000 Frankfurt 1, zu senden. 8 PAPIERWAREN ROTKOWITZ «i BÜROBEDARF ROTKOWITZ GESCHENKE ROTKOWITZ ROTKOWITZ << Office Equipment and Stationery;;j | Tel-Aviv, Rambam Str. 24 Tel. 625420 ij; 14

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