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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1979-04-01 · No. 45 (April-Mai 1979) · p. Seite 13

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1979
Issue
No. 45 (April-Mai 1979)
Date
1979-04-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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gen in beängstigender Nähe zwischen und über erleuchteten Wolkenkratzern. Unbeschreibliche Naturaufnahmen amerikanischer Wälder. Ein Segelflieger dicht unter den Bäumen, darüber, zwischen steilen, engen Felsen, man fürchtet, er Schlägt Jeden Moment dagegen. Kommt man aus diesem Museum, muss man sich erst einmal auf die Stufen davor setzen, um die Welt wieder in den alltäglichen Proportionen zu erfassen. ★ Ich wusste, N.Y. ist nicht Amerika, genau so wenig, wie Tel-Aviv Israel ist. Meine Kinder wollten mir soviel als in der kurzen Zeit möglich war, von Amerika zeigen. Grosstädte ähneln sich immer etwas, ausser Washington. Wir machten eines Tagestour nach Connecticut. Endziel dieses Tages Essex. Ein Fischerstädtchen, so alt, wie Amerika. Weisse Holzhäuser aus dem 17. Jahrhundert. Weisse Kirchen mit nadelspitzen Türmen. Ein kleiner Hafen, Jachten und Segelboote überwintern dort. Viele Häuser führen die Namen berühmter Kapitäne alter Zeiten. Breite, sehr saubere Hauptstrassen mit nach aussen hin altmodischen Bankfilialen, vor einem Restaurant, als Kuriosum, ein hohes Pferdegespann, wie wir es aus Cowboyfilmen kennen. Denkt man sich die Menschen in heutiger Kleidung vom Strassenbild weg, glaubt man, sich 200 Jahre zurück. Der Typ der Gegend, trägt Fischermütze, raucht Pfeife, und behält auch am Steuer seines Autos sein Phlegma. Es war ein wunderschöner Ausflug auf das Land zu einem Teil des amerikanischen “Way of life” in Vergangenheit und Gegenwart ausserhalb der Grosstadt! HOLLÄNDISCHE MINIATUREN Die Ausgänge des Amsterdamer-Flughafens ziehen sich endlos. Hinter der Glastür zum Ausgang, winken aufgeregte Hampelmänner. Es sind die wartenden Verwandten und Freunde. Der Arm ist schwer, von dem Gepäck. Trotzdem hebt man Ihn mit Anstrengung, ungewiss, wem man zuwinkt, aber irgendjemanden wird es schon erfreuen. Endlich sitze ich mit meinen lieben Freunden im Auto. Grüne Wiesen, feiste Kühe, Windmühlen, viel Blumen, entsprechen genau der Vorstellung einer holländischen Landschaft. So sieht der Weg von Amsterdam nach Scheweningen, dem Wohnort meiner Freunde aus. Man vergisst das Wort Umweltverschmutzung. Mit Unrecht. Das Wasser in Scheweningen ist ungeniessbar und die Getränkefabrikanten beten, dass es so bleibt. Für den vielen Hundedreck auf den Strassen betet niemand und viel zu wenig wird dagegen getan, trotz energischer Proteste, aber offensichtlich machen sie auf die Hunde keinen Eindruck und es ist ihre Art gegen fehlende Bäume zu protestieren. Diesen Eindruck bekamen wir bei einem Spaziergang zu dem besonders weitläufigen und gepflegten Rosengarten. Unser Weg führte durch eine typisch holländische Wohngegend des Mittelstandes. Sicher ist es bezeichnend für die Lebenseinstellung der Holländer und ihres offenen Charakters, dass sie sich in ihre Heime sehen lassen. Hohe Fenster bilden einen geschlossenen Erker mit viel Blumenschmuck. Man sieht Parterreräume, gewöhnlich Salon und Esszimmer, die in einen Garten voller Blumen führen. Vom Rosengarten gehen die Erinnerungen zu Blumen im Gebrauch. Wagen, die an einem Blumenkorso teilnehmen sollten, waren in einer geschlossenen Halle ausgestellt. Die Aussteller konnten ihrer Freude an Farben und Phantasie überzeugenden Ausdruck verleihen. Auf den ersten Blick schokierend wirkte die Zusammenstellung seltener edelster Blüten mit Gemüsepflanzen. Diese schienen in der ausgewählten Gesellschaft nicht weniger edel und einmal an den Anblick gewöhnt, blieb die Mischung besonders apart. Einen starken Eindruck aus dem 16. Jahrhundert hinterlässt das Schloss Duivenvoorde. Es gehört altem Adel und wurde um die Kosten der Erhaltung zu decken, teilweise zur Besichtigung freigegeben. (In England soll es so etwas häufiger geben und flüsternd wird erzählt, dass die bedauernswerten Schlossherren ihr Taschengeld mit diesen Einnahmen (abrunden), auf runden). In einem kleinen Saal finden Kammerkonzerte statt. Ein anderer Raum dient als Rahmen für Ministergespräche, wenn sie diskret bleiben sollen. In einem Speisesaal stand eine gedeckte Tafel, an der Prinz Bernard einige Tage vor unserer Besichtigung mit Industrikapitänen gespeist hatte. Der richtige Rahmen um mit Milliarden zu jonglieren. Über dem Tisch ein venizianischer Leuchter. Man bekommt eine Vorstellung, was tafeln heisst In tausend Lichtern spiegelt sich der Leuchter im Silber und Kristall der Gedecke. Die Gläser haben eingeschliffene Monogramme. Handgemalt die kleinen Gemälde auf dem Essservice, jedes Stück ein anderes Motiv. Kein Raum, der nicht durch seine Eigenart und Kostbarkeit überrascht. Trotz aller Pracht wirkt dieses Schoss nicht aufdringlich und menschlicher als viele Prunkschlösser. Hier hat man das Gefühl, dass Menschen gelebt und die vielen schönen Dinge benutzt haben. Mit der heutigen Wohnkultur vergleichend wird verständlich, dass moderne Innenarchitekten auf dunkles, schweres Holz mit Schnitzereien zurückgreifen. Leider kann sich zu so künstlerischer Kleinarbeit keine Industrie Zeit nehmen. Vor den Waffen an den Wänden schwindet der Zauber. Sie stehen an Grausamkeit den heutigen Mordinstrumenten nicht nach. Damals mordete man „En detail“. Versöhnend wirkt der Blick aus dem Fenster auf einen Teich mit blühenden Wasserlilien. Auch ein Gruss aus vergangenen Jahrhunderten ist „Urk". Das kleine blitzsaubere Fischerdorf, mit seinem anspruchslosen Hafen, Häusern aus dem Puppenkasten, an den Mauern die Holzpantoffeln, bunte Trachten mit gestärkten Häubchen, wenn nicht die Antennen auf den Dächern wären, könnte man glauben, die Zeit ruht sich hier aus. Das Gefühl der Zeitlosigkeit bestärkt die Rathäuser von Bolswart, von Gouda und viele andere. In Gouda werden Kerzen fabriziert, deren Qualität Weltruhm geniesst. Von der Haushaltskerze, die bei Kurzschluss helfen muss bis zu Kerzen, mit denen man dankt, feiert oder sich erinnert, auch der Popmode haben sich Kerzen angepasst. Wer an Delft denkt, denkt an Porzellan, blaugemustert. Das Porzellan ist kein Porzellan, sondern Steingut in feinster Ausführung und die Farbe ist nicht nur blau, sondern seit Jüngster Zeit auch rot und grün, der Vorstellung entsprechen nur die Preise, die sind gepfeffert. Es gibt Grachten und Patrizierhäuser, wie in Amsterdam, Lokale mit teppichbelegten Tischen und es gibt vor allen Dingen, wie überall in Holland, den liebenswürdigen, genussfreudigen Holländer. Wohlproportioniert, auf strammen Beinen, fest in der Wirklichkeit verankert, umstehen ganze Familien, mit fröhlichen Gesichtern den Verkaufsstand von Jungen Heringen. Es kann ein Mann oder eine Frau sein, in der Tracht ihrer Provinz, die appetitlich und schnell die Gräten entfernen und den Hering anbieten. Da stehen sie nun die Geniesser reissen den Mund weit auf, werfen den Nacken nach hinten und lassen den Hering in den Schlund gleiten. Eine bedächtig ausgeführte Zeremonie. Touristen bemühen sich vergeblich um Nachahmung. An einer Strassenecke kann Ihnen ein Leierkastenmann begegnen. Modernisiert, aber doch Leierkasten und das Äffchen scheint dasselbe unserer Kindertage. Auch die Wirkung ist dieselbe. Nur der zerbeulte Hut zum Einsammeln der Münzen ist eine Nescafedose. Wir gehen ihm nach, vorbei an Pufferchens und Eierkuchen-Buden. Die Eierkuchen haben überdimensionale Grösse, verschiedene Füllungen und nichts kann die Magenfreude stören, nicht einmal der Geruch von ver- Postkarte als Dokument Breslau, den 25. September 1941. Meine liebe, gute Frau M. Durch Frl. M. ging mir Ihre so angenehme Karte vom 22.8.1941 zu. Es ist der erste Brief aus dem Auslande seit langer Zeit. Desto grösser war meine Freude darüber. Ihr Interesse für mich ist beglückend, besonders in so aufregenden Zeiten. Gern hätte ich eine Epistel gezimmert, bin dafür jedoch nicht genügend gesammelt. Seit Juli wohne ich in einem Raum mit meinen Kindern. Das ist für sie u. mich höchst unangenehm. Die Gemeinde, die die Wohnungslage zu erledigen hat, hat mich hintergangen. Sie hatte versprochen eine Wand zu ziehen u. hinterher sich geweigert, die Kosten zu tragen. Alle Schwiegersöhne sind nicht so liebevoll, wie die Ihrigen, so werden Sie begreifen, dass ich mich nicht wohlfühle. Meine letzten Tage hätte ich mir anders gedacht. Dass Beate Guttmann Heim befindet sich seit der andersweitigen Besetzung seiner Räume in Tormersdorf b/Rothenburg, Ober-Lausitz. Wahrscheinlich werde ich dorthin übersiedeln. Zwar wohnen dort acht bis neun Herren in einem grossen Zimmer, aber was bleibt mir übrig? Da ich mit Frau Anny K. sehr gut stehe, hoffe ich, mich trotzdem einzurichten. Frau Fr. dürfte meinem Beispiele folgen. Über kurz oder lang müssen wir alle unsere Stadt verlassen. Was Sie von Magda berichten, war mir lieb zu hören, umsomehr, als dabei Dorchen genannt wurde. Dass Ihr Kinder u. Enkel aufrichtig für Ihren Unterhalt sorgen, ist bezeichnend für die gute Erziehung. Das Wetter hat sich dem vielen Regen nach unseren Feiertagen gebessert. Es ist ganz kühl, aber auch heiter. Hierbei nehme ich Gelegenheit, Ihnen u. Ihren Angehörigen anlässl. des jüdischen Neujahres alles Gute zu wünschen. Mit Herrn B. bin ich oft zusammen. Ihre Grüsse habe ich bestellt. Ebenfalls grüssen meine Kinder, Frau Fr. u.a. Ihr. G. H. Nachbemerkung: Diese Karte ist uns als Dokument von den Kindern des leider Umgekommenen übergeben worden. Er gehörte mit zu den feinsten Persönlichkeiten der Gemeinde Breslau. Wir haben mit Absicht den vollen Namen nicht erwähnt, wissen aber, dass Tormersdorf die 1. Station war, von der aus die Deportationen erfolgten. Nach Redaktionsschluss erhielten wir von Frau Lea Lorber, Tel Aviv, einen umfassenden Bericht,- betreffs der Enthüllung einer Gedenkplatte für die ehemaligen Juden in Billigheim, am 19.11.1978. Wir werden in der nächsten Ausgabe unseres Mitteilungsblattes eingehend darauf zurückkommen. branntem öl, gebratenen Zwiebeln, Fisch und Chips aus den Nachbarbuden. Nicht ganz Holland nährt sich von Eierkuchen, die andere Hälfte, Nachkommen des „Fliegenden Holländers" treibt die Sehnsucht nach fernen Ländern in die zahlreichen indischen, indonesischen und chinesischen Restaurants. Die Bedienung sieht so exotisch aus, dass der Gast sich schon auf einem fremden Erdteil fühlen muss. Jedes Gericht ist für den europäischen Gaumen eine gewürzte Überraschung. Es wird gewarnt nach den Zutaten zu fragen. Man geht durch die Strassen eines nördlichen Landes. Die Ruslagen der Obst- und Gemüsegeschäfte sind Süden auf Hochglanz poliert. Selbstbewusstsein, Lebensfreude, Respekt vor der Vergangenheit sind die Eindrücke, die, die Streifzüge durch Holland hinterlassen. 13

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