Mannheim
Compact Memory

Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1979-04-01 · No. 45 (April-Mai 1979) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1979
Issue
No. 45 (April-Mai 1979)
Date
1979-04-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/7411685-7412686-7496861--0815-7412698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Reiseeindrücke Frau M. Kammermann, Präsidentin der „Schlomith Hamalkah“ Loge (Bnei Brith) berichtete nach ihrer Rückkehr umfassend über ihre Reiseeindrücke. Wir bringen heute Teile ihres Berichtes — Erlebnisse während 3 Tagen in USA und Kurzbericht über Aufenthalt in Holland. Wir sind überzeugt, dass der Bericht unsere Leser interessieren wird. (Anm. d. Red.) ...Heute war wieder ein reicher Tag. New-York, Fahrt durch Harlem, das ich mir viel bunter vorstellte. Die schwarze Bevölkerung ist da nicht bunt, aber zerrissen, schmutzig, mit verfilzten Haaren, sitzen ganze Familien auf den Stufen zerfallener Häuser. Zu ihnen gehören alte grosse Autos. — Broadway am Tage, verspricht was es in der Nacht hält. Menschenmengen, Jeder Art, Lokale. Theater, Kinos. Eines Abends sah ich ihn beleuchtet. Timesquare-Gegend! Das Hellste und Dunkelste, was man sich vorstellen kann. Taghell fast durch die vielen Lichtreklamen an Eingängen zu den vorwiegend zweifelhaften Vergnügungslokalen, erleuchteten Laufschriften, offenen Geschäften, meist Foto und Radio — und die Menschen: 95% Farbige, da sammelt sich alles, was in der Stadt gestrandet ist. Zurück zu unserer Tagesfahrt. Vorbei am Riesenkomplex der Columbiauniversität. Eine Stadt für sich. Mehrere grosse Gebäude, jedes einer anderen Fakultät bestimmt. Die ganze Umgebung, gehört dem Studium und den Studenten. Der Wille zum Lernen steht ihnen auf der Stirn geschrieben. Sie müssen die höchste Intelligenzstufe haben, um an dieser Universität zugelassen zu werden. (Vor dem eindrucksvollen Tor, steht ein Falafelverkäufer. Seine Intelligenzstufe, scheint auch nicht niedrig zu sein, um ausgerechnet auf diesem Platz zu stehen, ständig umgeben von Jugend mit gutem Appetit und eben solchem Benehmen). Eine Parallelstrasse führt am Hudson vorbei und der teuersten Wohngegend — mit Blick auf Parkanlage und Fluss. In diesen Häusern wohnt man nicht, da residiert der alte sagenhafte Geldadel von N.Y. In naher Umgebung das Lincolncenter. Hier verliert man leicht den Begriff von Nah und Fern, schon weil man kaum aus dem Auto kommt. Das Lincolncenter: Eine Ansammlung modernster Architektur, jedes Gebäude einer anderen Kunst gewidmet. Die berühmteste Tanzschule der Welt, die berühmteste Oper, Metropolitan, die ich mir übrigens im Stil der Pariser oder Wiener-Oper vorgestellt hatte. Hier hat man das alte Gebäude abgerissen und dieser Prachtbau ist erstanden. Von Teppichen rede schon nicht mehr. Von der Decke hängt sich nach unten verkleinernd, ein Riesenkristalleuchter, alles in Formen, ja wovon? Am ehesten zu vergleichen, mit den Eisblumen, die der europäische Winter, an die Fenster zaubert. Dieser Lüster ist ein Geschenk der österreichischen Regierung zur Eröffnung gewesen. Reiseführererklärung für das Lincolncenter: Lincolncenter ist mehr als eine herrliche Zusammenfassung moderner Gebäude. Es ist ein Center für bildende Kunst jeder Art, für jung und alt. Im Sommer finden hochqualifizierte Vorstellungen, kostenlos, im Freien statt. In dem Komplex befinden sich die Metropolitan, N.Y.ker Philharmoniker, die Juillardschule bekannt als beste Musikschule der Welt, die N.Y.ker City-Oper, Ballet und Shakespeare-Festival, Filmsocieties, öffentliche Bibliothek und Museum. Parkanlagen, Brunnen, Wasserspiele, Von Margot KAMMERMANN sehr moderne Bildhauerarbeiten dekorieren die Plätze, zwischen den Gebäuden. Nach dieser Umgebung, welches Kaufhaus, welcher Laden, ist würdig besucht zu werden? Meine Tochter fand die Antwort, Tiffany, der Juwelier und Steuben-Glas. Tiffany hat den grossen auserlesenen Schmuck in der ersten Etage. Aufgang nur für V.I.P.’s. Es kann auch das sehr importante Bankconto gemeint sein. Nach dortigem Masstab. Mir genügte und würde sehr genügen, was ich im Parterre sah. Runde Verkaufstische, hinter denen jeder Verkäufer, wie ein Diplomat aussieht und die Verkäuferin, wie eine Prinzessin, in Pension. Neben jedem ein Telefon mit vielen bunten Knöpfchen. Schönen Schmuck, überaus kostbaren, grossen Schmuck, habe ich schon bei den grössten Juwelieren, in London, Paris und Milano gesehen. Was ich nun zu sehen bekam, sah ich noch nie. — „Steuben-Glas“. Ein Geschäft, man hat den Eindruck in ein kleines Museum u. nicht in einen Verkaufsraum zu kommen. Stellen Sie sich geschliffene Glasblocks vor, in der Grösse von Ziegelsteinen, geschliffen wie Brillanten, in den Blocks eingearbeitet, Tierfiguren, Blumen, auch Gestalten, von jeder Seite, anders wirkend. Nicht etwa herausstehend und in Farben, sondern im Block selbst. Vögel, man erkennt jede Feder, eine Eule mit offenen Augen, so ausdrucksvoll. Jedes Stück in einer mit dunklem Samt bespannt und beleuchteten Vitrine. Die genialsten Bildhauer, der Welt, schicken ihre Entwürfe, die dann ausgewählt, in der Glasbläserei von Steuben geformt werden. Ich vermeide das Wort Kristall, weil es nicht das vorstellt, was wir gemeinhin unter Kristall verstehen; Es sind glatte Flächen und Linien. Es gibt auch Service für den Gebrauch. Schwer vorzustellen, wer sich solche kostbaren Gebrauchsgegenstände leisten kann. ★ Ein geschulter Journalist, sagte einmal zu mir: Hüten Sie sich in Ihren Artikeln vor Superlativen. Ich hätte ihn gern gelesen N.Y. und Washington beschreibend. So gerne ich möchte, dass Sie diese Reise mit erleben, durch meine Schilderungen, wenigstens etwas mit mir mitsehen, je mehr ich herumkomme, umso schwerer erscheint es mir. Wir haben die Tour in 5 Stunden von N.Y. gemacht. Im Auto. Interessant die vielen Überkreuzungen, weniger die zahlreichen Strassenzölle. Heraus aus N.Y. geht es wieder über die Verrazano-Hängebrücke, durch New-Jersey, als Staat grösser als Israel, viel öl, viel Industrie, sehr wenig Farmhäuser, über den Delawayfluss. Diesen Fluss überquerte Washington bei einem Rückzug. Jetzt gibt es eine Brücke mit einer Erinnerungstafel. Ich sah so wenig Landwirtschaft, dass ich fragte, wo der Überfluss herkommt, den man in den Lebensmittelgeschäften sieht? Antwort: Landwirtschaft liegt in anderen Staaten, und die Bauern, werden häufig vom Staat entschädigt, um nicht anzubauen, da noch grösserer Überfluss, die Preise zu sehr senken würden“. Im Allgemeinen sind die Einfahrten zu den Grossstädten, auf der ganzen Welt, ob von der Bahn oder vom Auto aus gesehen, schmutzig, verraucht, deprimierend. Häuser, aus denen nicht nur die Armut stinkt. Washington ist nicht anders. Wir kamen durch eine Einfahrt (es gibt angeblich auch etwas weniger abschreckende) mit Häusern ohne Fenster, mit Abfall davor statt der ehemaligen Gartenanlage und mit tatenlosen Negerfamilien, verschmutzt, zerrissen, in bunten Fetzen herumstehend oder auf den ausgetretenen Stufen sitzend, furchterregend. Dabei sind es Ziegelhäuser und waren einmal gut bürgerliche Familienwohnungen. Die Verwahrlosung, der Zustand dieser Bevölkerung erschreckend. Und dann um die Ecke, wirklich nur um die Ecke, ist man in einer anderen Welt. Keine drei Autominuten vom WhitehoUse, von den herrlich gepflegten Parkanlagen, umgeben von Regierungsgebäuden, jedes für sich ein Prunkbau. Wir kennen alle von Bildern, das Washington-Jeff erson und Lincoln-Denkmal, das Kapitol usw. Diese Gebäude in ihrer Umgebung zu sehen, in den Anlagen, in ihrer Gegenüberstellung, dass kann kein Foto, nicht einmal ein Film wiedergeben. Sie stehen in der Mitte einer kilometerlangen, sehr breiten Allee, auf einer Seite das Kapitol, gegenüber das Washingtondenkmal. In einem Halbrund das Jefferson- und Lincolndenkmal. Alles hellweiss mit breiten Stufen-Aufgängen. Alles umrahmt von Grün, Grün und Grün und künstlichen Seen. Ich bin eine schlechte Schätzerin für Entfernungen, nur ein kleiner Teil entspricht der Grösse unseres Park Leumi. Die Anlage ist so, dass die Denkmäler und Bauten, von überall ganz oder teilweise in ihrem schneeigen Weiss und ihren majestätischen Aufgängen sichtbar sind. Einige breite Strassen mit hohen Geschäftshäusern, aber wenig Hochhäuser, dazwischen kleine, sehr gepflegte, alte Häuser, meist an exclusive Mode- oder Schönheitssalons vermietet. Sie wirken wie alter Adel zwischen neuem Reichtum. Ich war in keinem der Regierungsgebäude, die Zeit war zu kurz, und um alles zu beschreiben, wäre Buchformat nötig. In einem Museum waren wir, und dieses allein ist nicht nur die Reise von N.Y., sondern von der ganzen Welt wert. The National Air and Space-Museum. Das Nationale Luft und Raumfahrt-Museum. Alle Wände aus Glas. Sie glauben die ausgestellten Flugzeuge fliegen über ihren Kopf. Sie verfolgen den Fortschritt in der Luft von der ersten Zeichnung Leonardo Davincis, vollkommen korrekt für unseren heutigen Helikopter, bis zum Flug zum Mond. Sie sehen alles im Original, was sich jemals in die Luft erhob, bis auf die zerschellten oder verbrannten, wie der deutsche Zeppelin Hindenburg, von denen gibt es Attrappen. Alle Flugzeugtypen, des ersten Weltkrieges, Bomber über Verdun — ein langer Weg zu Werner von Brauns Raketenabschussrampe im zweiten Weltkrieg. Das erste Passagierflugzeug für 35 Personen, der heutigen TWA. Das Flugzeug St. Louis, in dem Lindbergh, als erster und allein den Ozean überquerte. Vor allen Dingen aber die Raumschiffahrt. Treppen führen zu der Kapsel des Raumschiffes. Unverständlich für mich die tausend technischen Einzelheiten, daher kann ich sie nicht erklären. Nur stellen Sie Bich bitte vor, Sie stehen in der Kapsel, die auf dem Mond war. Nur soviel, es ist alles da, was der Mensch braucht, um lange Zeit in einem kleinen verschlossenen Raum zu verbringen. Bewegungsmöglichkeit durch ein Rad für Gymnastik, W.C. die Waschmöglichkeithen, alles für diese ungewöhnlichsten aller Umstände, erdacht und ausgeklügelt, überall Knöpfe, tausende von winzigen Drähten, einander verbunden, oder streng isoliert, für mich unfassbar, dass Menschenhirne diese aufeinander abstimmen konnten. Man sieht die russische und amerikanische Kapsel, die sich im Flug vereinigten, und von der die Raumschiffahrer zueinander umstiegen. Diese Kapseln hängen ebenso im Original, wie der Teil steht aus dem die Astronauten sich auf dem Mond niederliessen, ausstiegen, um Muster der Mondoberfläche zu nehmen. Im Museum wird ein 20 Minuten langer Film gezeigt über die Eroberung der Luft. Eine Riesenleinwand, angelegt in einem Saal, wie ein Amphitheater. Sie haben das Gefühl, in der Maschine zu sitzen, die auf sie zufliegt. Aufnahmen vom Flugzeug über Manhattan. Wir sitzen darin und flie- (Fortsetzung auf Seite 13) 12

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.