Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1979
- Issue
- No. 45 (April-Mai 1979)
- Date
- 1979-04-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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(Fortsetzung von Seite 9) neue Bewertung aller Bestände und Eigentümer vorgeschrieben wurde. Danach betrug damals das Vermögen der Fa. S. Goldstein nahezu 2 Millionen Rentenmark. Das Kapital der OHI musste ein vielfaches hiervon gewesen sein. Diese Ziffern waren wohl etwas optimistisch. Aber die Firma S.G. war bereits 2 Jahre nach der Inflation in Schwierigkeiten. Das Ende wurde hinausgeschoben durch die persönliche finanzielle Hilfe meines Onkels Hermann, jedoch nur für kurze Zeit, die Firma kam dann unter gerichtliche Geschäftsaufsicht und wurde später liquidiert. Um diese Zeit geriet auch die grösste Konkurenz der OHI, die Fa. S. Grünfeld A.G. in Beuthen in Schwierigkeiten und auf Drängen der Banken erwarb die OHI die Aktien dieser Fa., und war weiterhin sehr erfolgreich unter der Leitung der 4 genannten Direktoren. Einer von diesen, Eduard Gillis war nicht jedermanns Liebling, aber sicher ein Mann von ungewöhnlicher Energie und kaufmännischen Fähigkeiten. Er war die witzigste Persönlichkeit, die ich kannte. Er war jahrelang mein persönlicher Vorgesetzter und ich erinnere mich, wie ein Käufer einmal sagte: Ich würde lieber mit Eduard Geld verlieren als mit einem anderen verdienen. Das war vielleicht ein etwas übertriebenes Kompliment. Er stellte die grössten Ansprüche an seine Untergebenen, die ihm jedoch alle loyal folgten. Über meinen Onkel Hermann Goldstein möchte ich die Worte eines Mitarbeiters anführen: Alle seine Pläne sind unmöglich, aber mit seiner unglaublichen Willensstärke und Unnachgiebigkeit macht er von Zeit zu Zeit das Unmögliche möglich und das entschädigt dann bei weitem für alle vergeblichen Bemühungen. Wie sein Vater, verstand er es sich Freunde zu schaffen, die sich auch in den dunklen Stunden der Hitlerverfolgung bewährten, als er 1938 im K.Z. Buchenwald war. Sie verhallen ihm 1939 nach England auszuwandern, wo er noch einige Jahre im Holzhandel in kleinerem Masse tätig war. Er starb im Jahre 1969. Doch zurück zur OHI, die im schicksalsschweren Jahre 1928 durch ihre polnische Tochtergesellschaft und zusammen mit den Gräflich Schaffgottschen Werken je zur Hälfte die Waldgüter des Barons von Liebig in den Ostkarpathen, südlich von Lemberg kaufte, ca 35 000 ha. Ich selbst war damals einer der 3 Delegierten, welche alle Bauten, Werke und Bestände übernahmen. Es handelte sich um 5 Sägewerke, mit ca. 75 Klm eigener Schmalspur-Eisenbahn, zum Transport der Hölzer. Zur Ausbeutung wurden weitere ca. 25 Klm Gebirgsbahn gebaut, ein schwieriges und kostspieliges Unternehmen. Erhebliche Investitionen und Reparaturen bei den veralteten Sägewerken waren ebenfalls nötig. Anfangs verlief jedoch alles gut und diese Waldgüter schienen ein gutes Geschäft zu sein, trotz gewisser Schwierigkeiten mit der polnischen Regierung. In der zweiten Hälfte von 1929 kam jedoch der grosse Krach an der New Yorker Börse, der Anfang einer Weltwirtschaftskrise ohne Vorbeispiel, ein katastrophaler Fall aller Werte; Holzpreise wurden ganz besonders betroffen. Beim Erwerb der Waldgüter rechneten die Käufer ca. 3 USA $ für jeden stehenden Kubikmeter gezahlt zu haben, was bei den damaligen Weltpreisen einen guten Profit gegeben hätte. In den Jahren 1930/31 fiel der Wert der stehenden Hölzer auf 1 $ per cbm, also 1/3 des erhofften Wertes. Solch einen Verlust, verbunden mit anderen, konnte die OHI nicht ertragen. Um sich zu helfen, überliess sie ihren Anteil von 50% an den Gütern ihrem Partner, der Godulla AG, der polnischen Tochterfirma der Gräfl. Schaffgottschen Werke, und erhielt als Gegenleistung nur eine Befreiung von ihren Verpflichtungen im Zusammenhang mit den Waldgütern. Eine zeitlang half dies und die OHI vegetierte einige Monate weiter. Es entstanden Streitigkeiten zwischen den Direktoren, insbesondere zwischen Eduard Gillis (teilweise unterstützt durch David G.) und meinem Onkel Hermann, der ihm vorwarf, das Vertrauen der Schwerindustrie- Partner der OHI untergraben zu haben. Die langjährigen Grubenlieferung-Verträge wurden einer neuen Tochtergesellschaft (kontrolliert durch die Schwerindustrie) abgetreten gegen Zahlung einer massigen jährlichen Kommission. Diese genügte, um alle Schulden der OHI nach 3 oder 4 Jahren abzuzahlen, aber für die Goldsteins war das Geschäft verloren. Mein Grossonkel David über 80 Jahre alt musste sich mit einer bescheidenen Pension begnügen. Er starb 1939 wenige Wochen vor Kriegsausbruch. Ich bin tief überzeugt, dass der Zusammenbruch 1930 unnötig und vermeidbar gewesen wäre, wenn die Leitung entschlossen und einig gewesen wäre. Beweis für diese Meinung ist das Schicksal der polnischen Tochtergesellschaft unter der alleinigen Führung von Hermann Goldstein. Er hatte vorher seine Deutschen Aktien gegen die der Polnischen- Gesellschaft mit David Goldstein ausgetauscht. Hermann weigerte sich trotz des Anratens der Banken und fast aller Freunde, den Kampf aufzugeben, oder ein gerichtliches Moratorium zu beantragen, obwohl die Schwierigkeiten noch grösser waren als bei der Deutschen Muttergesellschaft. Wie schon gesagt, trat er seinen Anteil an den Baron-Liebigschen Gütern an die Godulla-Schaffgottsch Gruppe, aber er vermochte die Firma und die Grubenlieferungen aufrecht zu erhalten. Mit gewisser Hilfe seines Schwiegervaters Adolf Danziger, Breslau, formte er eine gemeinsame Tochtergesellschaft, Silabor A.G. Kattowitz, die nach kurzer Zeit aufblühte, bis Hitler und der Krieg 1939 allem ein Ende machte. 1945 wurde die Fa. von den Kommunisten ohne Entschädigung übernommen. So endet die Geschichte eines grossen Familien-Holzgeschäftes, zurückgehend fast 100 Jahre auf das Vektoranzgeschäft meines Urgrossvaters Jonas Goldstein. Mein jüngerer Cousin, Wolfgang Lesser (früher Breslau) und ich sind heute die einzigen Überlebenden der dramatischen Begebenheiten und es gibt mir eine gewisse Genugtuung, dass Wolfgang in Holland im Holzgeschäft geblieben ist. Abschliessend muss ich die grosse Liebe und Fürsorge der Goldsteins für Zion unterstreichen. Sie hatten alle das Elend und die Armut der Juden in den östlichen Ländern mit eigenen Augen gesehen. Angefangen mit meinem Grossvater Siegismund, arbeiteten sie grosszügig und tatkräftig für dieses Ideal. Bereits im Winter 1914 besuchte mein Onkel Hermann das damalig türkische Palästina und nahm Fühlung mit den damals führenden Persönlichkeiten der Zionistischen Organisation. Mein Onkel Hugo Lesser war jahrelang Vicepräsident der Beuthner Ortsgruppe (Vater von Wolfgang). Etwa 1927 kam Chaim Weizman auf einige Tage nach Beuthen um (mit grossem Erfolg) eine Aktion für den Keren Hajessod einzuleiten. David Goldstein, als Präsident der Kultusgemeinde empfing ihn und er wohnte bei meinem Onkel Hermann und empfing dort die führenden jüdischen Persönlichkeiten in Oberschlesien. Die erste Kontribution kam von unserer Familie. Es würde hier zu weit führen, alle Nachkommen meiner Grosseltern Sigismund und Johanna Goldstein zu nennen. Ich möchte aber noch folgendes erwähnen. Meine Grosseltern hatten 12 Kinder. Jenny heiratete Rabb. Dr. John Cohn, Wreschen, später Rawitsch u. Breslau (7 Kinder). Sara heiratete Rabb. Dr. Samuel Landau, sie lebten in Bielitz (3 Kinder). Clara heiratete San.-Rat Dr. Albert Sachs, sie lebten in Breslau (3 Kinder). Frieda heiratete San.-Rat Dr. Nathan Mendelsohn, sie lebten in Breslau (3 Kinder). Ida heiratete San.-Rat Dr. Salo Friedmann, sie lebten in Beuthen (2 Kinder). Martha heiratete R.-A. u. Notar Dr. Jacques Skalier, sie lebten in Beuthen (2 Kinder). Else heiratete Kfm. Emil Ebel, sie lebten in Beuthen (5 Kinder). Recha heiratete Kfm. J. Jakobowitz, sie lebten in Gleiwitz (2 Kinder). Hermann heiratete Else Danziger, sie lebten in Beuthen (2 Kinder). Bruno heiratete Hilde Friedmann, sie lebten in Beuthen (1 Sohn). Bruno starb im 1. Weltkrieg. Hertha heiratete Kfm. Hugo Lesser, sie lebten jn Beuthen u. Breslau (4 Kinder). Walther ist als Kind gestorben. BOX ABTEILUNG BAR KOCHBA, Breslau 1928 von links nach rechts: 1. Max Hochhäuser, 2. unbekannt, 3. Friedlaender, 4. unbekannt, 5. Isaaksohn, 6. Georg Pechwasser, 7. Rotenberg, 8. Dago Reich, 9. Berr. Nachbemerkung: Obiges Bild haben wir Herrn Georg Pechwasser, Petach Tikwah, Schapirostrasse 22, zu verdanken. Wer die Namen Nr. 2 u. 4. bzw. das Bild erkennt, bitten wir Herrn Pechwasser dies mitzuteilen. 10