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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1979-04-01 · No. 45 (April-Mai 1979) · p. Seite 7

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1979
Issue
No. 45 (April-Mai 1979)
Date
1979-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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UNTERGRUND IN BERLIN Die Gedenkstunde, die am 9. November 1978 im Rahmen des Jad WaSchem in Jerusalem abgehalten wurde, dem Institut, das dem Gedenken der Vernichtung gewidmet ist, war einem Jugendkreis Vorbehalten, der versuchte, im Untergrund in Berlin die Jahre des Krieges zu überleben. Es wurden die ‘Organisatoren’, wenn man rückblickend dieses Wort anwenden darf, geehrt, und damit die Erinnerung an die Tat und die Tatsache wachgerufen, die ‘technische Leiterin’, Edith Wolff, und der Lehrer und Erzieher Jizchak Schwersenz, die Repräsentanten, denen es gelang, den Kindern und Jugendlichen Mut zuzusprechen, Hoffnung zu geben, in Berlin der Kriegsjahre, ‘Trotz allem’, wie die Parole hiess, zu überleben. Für alle, die glücklich genug waren, während der Jahre des Krieges ausserhalb Europas zu sein, und die von dem, was geschehen ist, erst viel später erfuhren, hört sich das, was Jizchak Schwersenz zu erzählen welss, wie eine Traum und Geistergeschichte an, die er aber mit Bildern und Briefen belegt. Die Jahre haben ihn und alle die anderen, mit denen er noch im regen Briefwechsel stand, geformt. Allen, die es mit- und durchgemacht haben, fällt es schwer, sich von den persönlichen Erlebnissen zu befreien und zu distanzieren, und er betont in der Unterhaltung immer wieder, dass er kaum versteht, wie er es fertig bringen konnte, er und die Schüler und Schülerinnen der Gruppe, mit falschen Papieren, fremder Identität, Tarnung und Anpassung an die äusseren Formen, so, zu nachtschlafender Zeit jede Kontrolle mit einem strammen Hitlergruss zu begrüssen. Das Verlagshaus des Kibbutz Lochamei Hageta’ot hat vor einigen Jahren seine Erlebnisse und die der Gruppe in der hebräischen Übersetzung herausgebracht, zu der Dr. Schaul Esch die historische Einführung und die Anerkennung beigesteuert hatte. Die jüdische Bevölkerung Deutschlands, insbesondere die in den grossen Städten, wie: Berlin, Frankfurt, Hamburg, in die man aus den Kleingemeinden übersiedelt war, glaubte bis zum November 1938 sich mehr oder weniger in die gegebenen Verhältnisse einzuleben. Das jüdische Gemeindeleben war intensiviert, der ‘Kulturbund’ konnte die kulturellen Bedürfnisse befriedigen, die jüdischen Sportgryppen — bis 1933 ein ‘Hobby’ der zionistischen Grupen, gaben der jüdischen Jugend Möglichkeiten körperlicher Betätigung und des Wettstreites, die jüdischen Schulen, die überall entstehen, haben die besten Lehrkräfte zur Verfügung. Man lebte zwar in der eigenen Welt, aber diese bot den Gemeindemitgliedern alle Bedürfnisse. Die jüngeren Menschen wandern aus, auch solche mit persönlichen Beziehungen draussen und Mitteln, sie werden nicht immer mit offenen Armen aufgenommen, und so sind ihre Briefe und Berichte. Der Mittelstand des deutschen Judentums, und das waren die meisten, weder zu reich noch zu arm, aber mittellos, um draussen eine neue Existenz aufbauen zu können, versucht, sich, recht und schlecht durchzuschlagen, viele fürchten vor dem entscheidenden Schritt der Auswanderung, weil man nicht der Unterstützung draussen zur Last fallen wollte. Das alles ändert sich schlagartig mit dem 9. November 1938, die Zeit der ‘Endlösung’, die mit der ‘Kristallnacht’ eingeleitet wird. Ein Wort und eine Bezeichnung, die nach Schwersenz ironisch gewählt wurde, um, sozusagen, auszudrücken, das nur etwas Kristall zerschlagen wurde, aber nicht alle jüdischen Gotteshäuser, Geschäfte und viele Wohnungen, Tausende werden in der Nacht abtransportiert, die ‘Generalprobe’ für die, was kommen sollte. (Wobei viele von denen, die damals bedroht waren, alles einsetzten, um nur herauszukommen, damals begannen die Transporte nach Shanghai abzugehen). Die Schulen der Jugendalija, auf denen junge Menschen, die ohne ihre Familien damals nach Palästina geschickt wurden, sozusagen, als Vorläufer, denen die Eltern folgen wollten, aber es nur in wenigen Fällen schafften sich mit den Kindern zu vereinigen, wurden wie alle Gemeindeinstitutionen am 9. November geschlossen. Die Jugendalija wurde schon 1932, als der Aufstieg der Nazis fast gewiss war, in Berlin auf Anregung und unter tätiger Leitung von Frau Recha Freier gegründet, und dieser Initiative verdanken tausende damals Jugendliche ihr Überleben. Im Mai 1939 wurde die Erlaubnis gegeben, diese Schulen wieder zu eröffnen. Der damalige Junglehrer, Jizchak Schwersenz, übernimmt die Leitung der Schulen. Er gehörte lange der hündischen zionistischen Bewegung an, und so ging er 1934 nach Holland, um eine landwirtschaftliche Hachscharah zu beginnen, die Vorbereitung, die gefordert wurde, um ein Einwanderungszertifikat nach Palästina zu bekommen. Der Bund, Makkabi Haza’ir, ernennt ihn 1935 zum Leiter des Jugendalijaheims in Köln, wo er gleichzeitig das jüdische Lehrerseminar besucht. Zwei Jahre später, nach Abschluss der Ausbildung in Köln, wird er Lehrer am Landschulheim der jüdischen Oberrealschule in Herrlingen, 1938 kehrte er nach Berlin zurück, er ist Madrich, Jugenderzieher im Bund und lernt weiter im jüdischen Lehrerseminar, insbesondere Bibelkunde und jüdische Geschichte, bald ist er gleichzeitig Lehrer an der Volksschule der jüdischen Gemeinde und Madrich an der Jugendalijaschule. Das jüdische Leben in Berlin kommt nach dem 9. November zu einem plötzlichen Stillstand. Viele der jüdischen Einwohner werden verhaftet, ein Ereignis, das für viele zu ihrer Rettung beiträgt, denn jetzt hat man den Ernst der Lage erkannt, und versucht Deutschland auch mittellos zu verlassen, die Transporte nach Shanghai bringen einige Tausend heraus. Zu der Initiatorin der späteren illegalen Gruppe wurde Edith Wolff, die Tochter des bekannten Mathematikers, Theodor Wolff. Als Halbjüdin, entscheidet sie sich nach 1933 für das Judentum. Sie arbeitet aktiv in der Jugendalija, insbesondere bemüht sie sich für die kulturelle Ausbildung der Zöglinge. Im Mai 1939 kreuzt sich ihr Weg mit dem von Jizchak Schwersenz. Sie ist es, die ihn überreden und überzeugen muss, in den Untergrund zu gehen, was ihr erst im August 1942 gelingt, als er die Aufforderung erhielt, sich in dem Sammellager zur Deportation zu stellen, und sie ist es, von der die Anregung ausgeht, am 28. Februar 1943, dem Tag der ‘Endlösung des Berliner Judentums’, dem Tag der ‘Fabrikation’ als die letzten Juden aus den Fabriken geholt werden, den Chug Chaluzim, die Pioniergruppe zu schaffen, der den kleinen Kreis der Jugendlichen, die sich der Deportation entziehen konnten, zu vereinigen, ihnen einen geistigen Halt zu geben. Die Gruppe vergrössert sich und hat Verluste hinzunehmen, in den folgenden Jahren gehen fast hundert Jugendliche hindurch von denen ungefähr die Hälfte überleben konnten, während die, die sich auf den von den ernannten jüdischen ‘Ältesten’ bestimmten Listen befanden, fast alle umkamen. Schwersenz, der damals offiziell in der jüdischen Volksküche arbeitete, die Schule wurde im Oktober 1941 geschlossen, und die Jugendlichen zu Zwangsarbeit verpflichtet, kann noch zweimal wöchentlich in einen Gartenbetrieb nach Wannsee fahren, um Unterricht zu erteilen, offiziell als landwirtschaftliche Anleitung getarnt. Die Leitung des Hechaluz, die damals noch sogenannte illegale Transporte nach Palästina durchführt, ist gegen jedes ‘Untertauchen’, das sie als einen Verrat an der Gemeinschaft ansehen, und als Versuch, sich persönlich abzusetzen und zu retten. Er muss kämpfen, bis man ihm ‘erlaubt’, und für Schwersenz ist die hündische Disziplin heilig, als erster den Versuch des unterirdischen Daseins in Berlin anzutreten. Aus Sicherheitsgründen will man keine Kinder unter 14 Jahren aufnehmen, denn man fürchtete, dass sie, bei einer Verhaftung, nicht den Qualen einer Gestapo-Untersuchung standhalten und die Gruppe verraten würden. Nach langen Diskussionen machte man eine Ausnahme, ein neunjähriges Mädchen, die mit ihrem 15jährigen Bruder um Aufnahme bat! Edith Wolff gab ihr ‘Privatunterricht’, bis sie sich den neuen Namen und die neue Identität eingeprägt hatte. Das Schicksal wollte es, dass sie überleben konnte, während der Bruder geschnappt wurde, der sich, wie alle, beim Verhör tapfer wehrte, und nicht die Gruppe preisgab. Es gelang Edith Wolff durch ihre persönlichen Beziehungen die Hilfe einiger wohlgesinnten Deutschen, insbesondere christlicher Frauen zu finden, die, sozusagen, das gut machen wollten, was im Namen ihres Volkes geschah, darunter einer Mutter, die beide Söhne, Offiziere, an der Ostfront verloren hatte. Rückblickend zeigt sich, dass das Überleben in der Illegalität von fast unlösbaren und schweren Problemen begleitet ist. Es beginnt, mit dem Beschaffen von Adressen, wo man Kleidung abstellen konnte, den ‘Aufbewariern’, denn man durfte niemals zerlumpt oder abgerissen aussehen, dem Beschaffen von Essen und Essensmarken, Übernachtungsmöglichkeiten, insbesondere während der Wintermonate, in denen man schwer in den Parks oder in den Vororten nächtigen konnte, oder in Strassenhahnfahrten, wo man von den verschiedenen Endstationen zu den anderen lief, Geld musste beschafft werden, das man für alles benötigte, wie auch Ausweise und Arbeitspapiere, was für die Jugendlichen leichter war als für die Erwachsenen. Sie kannten einen .Fachmann’, der Bilder in den Ausweisen änderte. Edith Wolff wurde am 19. Juni 1943 verhaftet und durch 17 Zuchthäuser und Konzentrationslager geschleppt, bis die Amerikaner sie zwei Jahre später befreien konnten, sie wird verdächtigt, Manipulationen mit Essensmarken vorgenommen zu haben, aber trotz der vielen Qualen, denen sie ausgesetzt war, wird die Identität der Gruppe nicht verraten. Es hört sich heute, wie ein Traum an, wenn Jizchak Schwersenz erzählt, dass der Kreis neben den täglichen Sorgen zum Überleben so etwas, wie ein Erziehungsprogramm durchführen konnte, eine Aufgabe, die vielleicht erst den Willen zum Lebenskampf gab. Bei den Treffen gab es eine bestimmte Ordnung, dass niemals gleichzeitig mehr als zwei zusammen waren. Der sonntägliche Ausflug gehörte in Berlin bis fast zuletzt zu den Gewohnheiten der Bevölkerung, in den Massen der Ausflügler konnte der Einzelne leichter untertauchen. Sie nutzten auch eine andere ‘Gewohnheit’ der Berliner aus. Am Sonntag früh wurden die billigen Karten für das Opernhaus verkauft, und hunderte Berliner zogen in der Nacht mit Stühlen und Decken aus, um bei Kasseneröffnung dabei zu sein. Der wöchentliche Opernbesuch gehörte zum Teil der ‘Kulturarbeit’ des Chug Chaluzim. Ihr Wochenprogramm, das sie sich bemühten einzuhalten, sah am Sonntag ein Treffen ausserhalb der (Fortsetzung auf Seite 8) 7

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