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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1979-04-01 · No. 45 (April-Mai 1979) · p. Seite 6

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1979
Issue
No. 45 (April-Mai 1979)
Date
1979-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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r Vorübergehend in Schlesien Dichter, Künstler, Geistige Auch Goethe Ist in Schlesien gewesen. Zwischen seine berühmten Italien-Reise und der nicht minder bekannten „Campagne in Frankreich“ zu Beginn der Revolutionskriege fällt, im Jahre 1790, seine einzige Fahrt nach dem Osten, auch diesmal in Begleitung einer hohen Persönlichkeit. Das Reisetagebuch erwähnt Tarnowitz und einen Besuch in den Salzbergwerken des galizischen Wieliezka. Auf den Höhen des Riesengebirges warf der Dichter folgende Verse aufs Papier: Grün ist der Boden der Wohnung, Die Sonne scheint durch die Wände, Und das Vögelchen singt über dem leinenen Dach. Kriegerisch reiten wir aus, besteigen Schlesiens Höhen, Sehen mit mutigem Blick vorwärts nach Böhmen hinein. Aber es zeigt sich kein Feind — und keine Feindin — o bring, Wenn uns Mavors betrügt, bring uns Cupido den Krieg! (Anmerkung: Mavors — altrömische Form für Mars, den Kriegsgott). Hector Berlioz, der Vorkämpfer der romantischen Musik in Frankreich, konnte sich anfangs in seinem Heimatlande nicht durchsetzen. In den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts unternahm er ausgedehnte Konzertreisen nach Deutschland, Österreich und Russland. Dabei lernte er den um sechs Jahre jüngeren, aber schon früh zum Publikumsliebling avancierten Komponisten Felix Mendelssohn kennen. Aus Prag richtete er an den Freund folgendes Schreiben, das der Musikhistoriker Heinrich Eduard Jacob zum ersten Mal in seiner — 1957 erschienenen — Mendelssohn- Biographie veröffentlicht hat: Permittez-moi de vous dire qui j’ai entendu a Breslau votre Songe d’une nuit d’ete et que je n’ai jamais vien entendu daussi profondement Shakespeare que votre musique“. (Gestatten Sie mir, Ihnen mitzuteilen, dass ich in Breslau Ihren „Sommernachtstraum“ gehört habe und dass ich bisher noch nie etwas so zutiefst Shakespearisches gehört habe, wie es Ihre Musik ist), Berlioz fährt fort: „Als ich das Theater verliess, hätte ich gerne drei Jahre meines Lebens darum gegeben, Sie zu umarmen. Adieu! Adieu! Glauben Sie, dass ich Sie ebenso liebe, wie ich Sie bewundere — und das ist viel. Ich gehöre Ihnen mit Herz und Seele — Berlioz". Dieser Brief ist datiert am 14. April 1846. Der junge, hochbegabte hebräische Dichter, Micha Josef Lebensohn (Michal) wurde 1828 in Wilna geboren. 1849 unternahm er eine Reise nach Deutschland, um Heilung zu finden, da er schon früh von einer Lungenschwindsucht befallen war, der er schon in seinem 24. Lebensjahre erlag. Michal besuchte Berlin (in dem auch eines seiner bekanntesten Gedichte Chag Heaviv — das Frühlingsfest entstand) und nahm dort Verbindung mit namhaften jüdischen Gelehrten, wie Leopold Zunz und Senior Sachs auf. Zwei Sommer, die von 1849 und 1850, hat Michal in schlesischen Bädern zugebracht, den ersten in Salzbrunn und den folgnden in Reinerz. Aus Reinerz richtete er an Sachs folgenden (hebräisch geschriebenen Brief): „O fliege doch zu mir bis zu den Spitzen des hochragenden Riesengebirges. Dort werden deine Augen einen sitzenden Jüngling schauen, der einsam brütet, sein gebeugtes Haupt dem Winde zugewandt. In seiner Rechten hält er den alten Homer und seine Augen schweifen in die Weiten, um die erhabenen Wunder und den majestätischen Schauer zu gemessen. Aber bald vergisst er die Pracht der ihm umgebenden Natur. Wenn er an Dich, den ewig-treuen Freund denkt, und ein wundersames Sehnen zieht durch sein Gemüt. O, steige mit mir doch hinunter in die Höhlen und Felsenklüfte, in die unwegsamen verschlungenen Pfade, in das Reinerzer Labyrinth, fern den Menschen und ihrem Lärmen...“. Von Literatur und Natur handelt auch der Brief, den die grosse Sozialistin Rosa Luxemburg im Sommer 1917 schrieb. Aber sie schrieb ihn hinter Kerkermauern, aus einem Breslauer Gefängnis. In Berlin, wo sie seit Ende des 19. Jahrhunderts lebte, war sie schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges ihrer Pazifistischen Propaganda wegen verhaftet worden, wurde zuerst in Wronke (Provinz Posen) gefangen gehalten und dann nach Breslau überführt. Von dort schrieb sie viele Briefe, u.a. auch an ihren Freund Hans Diefenbach. Zufällig fiel eine Nummer Ihrer Zeitung in meine Hände in der kleinen Hafenstadt in Süd- Ost England, wo ich jetzt lebe und noch arbeite. Ich bin der Sohn des ehemaligen Ober-Schammes Champanier, mit dem die Herren Kantoren Zerini und Borin Kiddusch machten, wie ein Gedicht in dieser Nummer erinnert. In dieser Ausgabe werden Erinnerungen an das Johanneum gedruckt und als ehemaliger Schüler von 1920 bis 1931 fühle ich mich veranlasst, zu einigen Ergänzungen. Es ist wahrscheinlich unbekannt, dass der Direktor Dr. A. Gabriel ein grosser Judenfreund war. Als die Frage eines Landheims aufkam, arrangierte er vorher eine Versammlung der orthodoxen Eltern im Hause eines der Eltern, um sie zu fragen: Welche Bedingungen für koscher erfüllt werden müssen, und wenn die Eltern zwei Küchen verlangten, war klar, dass das Landheim nicht weiter durchgeführt werden konnte, ohne einige der Schüler auszuschliessen. All dies wurde auf Dr. Gabriels Wunsch geheim gehalten, um zu verhindern, dass die Schuld den Juden zugeschrieben werde. Es war 1927, soweit ich mich erinnere, und In einem dieser Schreiben — sie wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg aufgefunden und 1950 von Benedikt Kautsky herausgegeben — spricht sie zuerst von ihren literarischen Beobachtungen, erwähnt das Werk von Romain Rolland und Gerhard Hauptmann und geht dann zu ihren Lieblingen, den Tieren und Vögeln. Sie erzählt von den Wespen, die täglich an ihr Fenster kommen und denen sie ein- „Näpfchen mit Naschwerk“ bereitstellt. Dies der Schlus des Briefes: „Wissen Sie, dass bei solchen Herbstwanderungen oft Raubvögel — Sperber, Falken, Weihe — in einem Haufen mit Singvögeln, die sie sonst zu fressen pflegen, die Reise machen und dass auf dieser Reise eine Art renga dei, allgemeiner Waffenstillstand herrscht? Wenn ich so etwas lese, bin ich erschüttert und lebensfreudig gestimmt, dass ich sogar Breslau für einen Ort halte, in dem Menschen leben können. Ich weisst selbst nicht, warum das auf mich wirkt, vielleicht, weil es mich daran erinnert, dass das Leben doch ein schönes Märchen ist. Im Anfang hätte ichs hier beinahe vergessen, jetzt kommt es mir aber wieder. Ich lasse mich nicht unterkriegen. das Geld wurde für mehrtägige Reisen nach Städten verwendet, die jede Klasse wählte. Wir fuhren nach Wien. Als auf einem Klassenausflug paar Jungens antisemitische Lieder sangen, wurden alle mit Arrest bestraft. Und endlich, nach 1933, kamen „völkische“ Mitschüler sogar in SA- und SS-Uniform an mich heran, grüssten mich und zeigten, es gäbe Nazis ohne Antisemitismus, da wir uns alle zu gut kannten. Dr. Gabriel verunglückte tödlich in den Alpen, vielleicht war es Selbstmord. Unsere Schule musste aufgelöst und mit dem Zwinger-Gymnasium vereint werden, um den Geist der Toleranz und Freiheit zu unterjochen. Männer, wie Dr. Wenzel u. Dr. Juettner entpuppten sich beim 1. Fackelzug als alte Parteimitglieder. Diesen späten Nachruf sind wir unserem lieben „Grabs" schuldig. Emest Mitschel (als Schuljunge „Champus“) 58 Meeching Road, Newhauen Sussex, England P.S. „Tschaskes Name war Czezatka, Nr 43. A. Tobias, Natania DAS JOHANNEUM ‘loljmuies JSymrtaöium Widjtsr. tfux OTalie*. '1871 - 1197. jfG? 1872 - 1922 rtsssu Aett -H1#. fi.lauAiot!»01 - 1917 phol, HKakujthfce. 6

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