Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1979
- Issue
- No. 45 (April-Mai 1979)
- Date
- 1979-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Moschawa Raanana als „Wahlheimat” mm amt am mm mm mm am mm flr mm mm mm mm mm mm mm mm mm Mm mm mm mm am mm mm mm m durch viereinhalb Jahrzehnte Wie in fast allen anderen Landesteilen ist es nun auch in Raanana, das man in früheren, zwar schwereren, aber idyllischeren Zeiten das „Herz des Scharon“ nannte, zur rasanten Entwicklung gekommen. Diese einstige Siedlung oder Kolonie wurde vor ca. 57 Jahren von einer Handvoll mutiger, einsatzbereiter Menschen gegründet, liegt heute wie damals genau in der Mitte zwischen den Städten Kfar-Saba östlich und Herzlia westlich und markiert nicht nur den Knotenpunkt in diesen beiden Richtungen, sondern verbindet die grossen Verkehrsadern des Landes — Tel-Aviv im Süden und Haifa im Norden — miteinander, besonders seit der vor einigen Jahren gegründeten Zentralstation „Zomet Raanana“. Die alteingesessenen Raananeser nannten die damals noch bescheidene Kreuzung ganz einfach „Sibuv Raanana“: Da gab es einst eine runde gemütliche Bank mit einem alten, schattenspendenden Baum, dem sich später eines der bekannten zierlichen „Egged- Häuschen“ zugesellte. Hier trafen sich die „Watikim“ abends oder besonders am Schabbat, um auszuruhen und den für damalige Zeiten „lebhaften“ Verkehr zu bestaunen. Indessen gibt es in unserer schnellebigen Zeit — dies besonders im unentwegt raschen Tempo unserer Landesentwicklung — nur selten noch einen Moment besinnlichen Verweilens. Kein Platz mehr für Sentiments, Emotionen und ähnliche, eher nostalgische Begriffe! Man darf nur noch mit Tatsachen aufwarten, irgendwelche Betrachtungen oder ruhige Überlegungen scheinen im Zeitalter der Massenmedien, besonders der Television, verpönt und deplaziert zu sein. (Allerdings, gerade jetzt, in der Pessachzeit, soll es Ja bekanntlich am Sederaben der Vater alljährlich wieder seinem Sohn künden, was es mit unserem Volk und seinem einstigen Auszug aus Ägypten für ein Bewandtnis hatte, und diese historische Erzählung bewirkt erfreulicherweise noch immer jeweils einen Unterbruch im täglichen Hasten und Jagen...). Aber zurück zu den „Tatsachen": In Raanana, heute ein Platz „zur Stadt unterwegs“, gibt es nun an den weit auseinanderliegenden Peripherien grosstädtische Hochhäuser an beiden Seiten breiter Autostrassen mit dem dazugehörigen hochmodernen Beleuchtungsnetz; es gibt u.a. 3 grosse Volksschulen und 2 Gymnasien mit von Jahr zu Jahr weiter hinzukommenden neuen Klassen, ohne dass dadurch andere grosse Gebiete ständiger Weiterentwicklung infolge der riesigen Aufwendungen für die Ziele der Erziehung und Jugendausbildung Einbusse erleiden müssen. Im Gegenteil: Das bekannte, jetzt bereits viele Bauten umfassende „Beth-Lewenstein“ (dem auch das neue, grosse Mischan-Gebäude z.T. angeliedert ist!) repräsentiert heute, auch nach Ansicht europäischer und amerikanischer Experten, das grösste Rehabilitierungs-Zentrum im gesamten Middle-East, breitet sich immer mehr aus und beschäftigt einen noch immer zunehmenden grossen Stab von Mitarbeitern, vor allem Ärzte, Schwestern, Beamte und sonstige Fachkräfte. An dieser Stelle ist auch geographisch vieles entstanden, hier zweigen die Chausseeen ab nach Herzlia, aber auch nach dem religiösen Kinderdorf Kfar-Batja und weiter nach der relativ neuen Siedlung Kiriat-Scharet, und neuerdings auch zu einer direkten Verbindung nach Rischpon mit seinem grossen Hinterland (Kfar-Schmarjahu, Nof-Yam, etc.). Wandert man aber ein bisschen zu Fuss in Raanana umher und wirft einen verstohlenen Blick „hinter die Kulissen“, entdeckt man gar bald all das, das trotz der modernen, „glänzenden Fassaden“ noch immer dörflich-idyllisch geblieben ist: Die relativ nur noch wenigen Zitrushaine in ihrem früchtereichen Dunkelgrün zwischen alten, engen Gassen und Gässchen mit dem Ausblick auf einst angelegte Gärten, eigentlich nur Gärtchen. Heute scheint sich diese ganze „Welt von gestern“ verbergen zu wollen vor den schönen Parks, den Kinder-Spielplätzen, dem Sportviertel und vor allem dem grossen Industriebezirk („Schetach-ha-taasia“) — all dies Verdeutlichung eines jetzt rasch und endlich erblühten Platzes, der durch Jahrzehnte stagnierte, von dem es hiess, er sei in einen „Dornröschenschlaf“ versunken. Er ist erwacht, hat zu einer ziemlich rapiden Entwicklung hingefunden! Der noch jugendliche Bürgermeister, Herr Benjamin Volvowitsch — schon in zweiter Kadenz! — macht bei jedem Anlass und jeder Pressekonferenz immer erneut klar, dass er die evtl. Ernennung zur Stadt Raanana gar nicht anstrebe und zwar nicht nur wegen der damit verbundenen Steuererhöhung, sondern auch deshalb, um hier eine besondere Atmosphäre weiter zu erhalten, diese eher bedächtige, entspannende Stille als dem Ausdruck des Geistes der einstigen Ortsgründer und ihrer demokratischen Gesinnung... Sie kamen damals aus Amerika und nannten sich als Gruppe „Achusa“, bis heute trägt die Hauptstrase diesen Namen! Ihnen gesellten sich später Menschen zu, wie David Green (David Ben-Gurion s.A.) und Pinchas Koslowski (Sapir s.A.), damals Bewohner einer gemeinsamen Baracke zwischen den gerade entstehenden Plätzen Raanana und Kfar-Saba. So schilderte es der vor noch nicht sehr langer Zeit dahingegangene Pinchas Sapir, als er seinen leider letzten „Rundgang“ (per Auto und „per pedes“!) mit dem Bürgermeister und uns Journalisten an Raananas Peripherien unternahm. Auch vom schweren Kampf mit den damals — 1922 — fast unüberwindbaren Schwierigkeiten sprach er, von der arabischen Arbeit (heute nicht wieder dasselbe?), der Malaria, der Entsumpfung, etc. — Für unsere heutige Jugend oder Neueinwanderer ist dies alles kaum mehr zu fassen oder zu glauben, bekanntlich oft zu Kontroversen führend zwischen den noch verbliebenen „Watikim“ und den jungen, oft anspruchsvollen Israelis und vielen ähnlich denkenden neuen Olim. — Im Jahre 1972 wurde das 50jährige Bestehen Raananas gross gefeiert, der bedeutendste Gast war Golda Meir s.A., die an diesem Abend zu Raanana’s Ehrenbürgerin ernannt wurde und die später auf der Tribühe des Amphitheaters ganz herrliche Geschichten aus der Vergangenheit erzählte (u.a. eine solche von ihrem Vater und dessen Plan, in Afula einst ein Opernhaus zu errichten!!). In den frühen Zwanziger Jahren kam es dann zur Gründung der bekannten Pardessgesellschaft „Achusa“, der der gleichzeitig, aus Amerika . gekommene, ehrenamtlich als Bürgermeister amtierende Baruch Ostrowski s.A. Vorstand. Dass er trotz dieser beiden Ämter auch noch regelmässig für ein amerikanisch-jüdisches Organ von hier aus schrieb, erzählte er mir schmunzelnd viel später. Nach ihm fungierten als Ortsvorsteher zunächst Michael Passwig (heute Direktor bei „Jachin-Chakal“), dann Jizchak Skolnik, der sein Amt an Benjamin Volvovitsch weitergab. Unter seiner Leitung entstand vieles: Im Dezember 1977 wurde ihm endlich für Raanana eine eigene Polizeistation versprochen; beim damaligen Besuch hoher Polizeioffiziere berichtete der Bürgermeister dem polizeilichen Oberbefehlshaber für den Nordbezirk, Herrn Mordechai Ron, dass sich der Platz seit 1970 enorm vergrössert habe und die Einwohnerzahl jetzt 24,000 betrage! Auch die grossen medizinischen Zentren kamen zur Sprache, vor allem das schon genannte „Beth--Levenstein" und das damals ganz neue „Mischan“ -Krankenhaus (d. Kupath Cholim) neben dem bereits seit 195fi in Raanana bestehenden grossen Heim für heute ca. 300 geistig labile Kinder, dem „Schikma“ (einst mit seinem unvergesslichen, tiefreligiösen Gründe: und langjährigen Leiter Mes-chulam Langermann s.A. an der Spitze!). Ein Novum im Raanana bedeutet das letztes Jahr von der Sochnuth eröffnete Einwanderungszentrum („Misrad-ha-klita“), grosse, moderne Bauten, fast stets überbesetzt, in denen auch ein „Ulpan“ zur Erlernung der Landessprache und dem jeweils Smonatigen Aufenthalt existiert. Selbst der Name der Strasse, in der das Institut erbaut wurde, ist schon historisch: Opster-. landstrasse, nach der holländischen Stadt Opster - land genannt, die vor Jahren anlässlich des Besuchs nichtjüdischer Holländer (damals grösstenteils ivrit sprechend!) zur Schwesterstadt Raana nas erwählt wurde! Zum 30jährigen Bestehen unserer Medina waren 85 holländische Gäste als Delegierte in Raanana anwesend. Im Mai 1977 konnte die hiesige Ortsleitung nach zweijähriger Unterbrechung wieder Stipendien verteilen: Damals erhielten 58 junge Studenten und Studentinnen eine Beihilfe zwischen IL. 300.— und IL. 1000.— (heute leider durch Inflation etwas „unterwertet“). Von diesen jungen Paaren studieren oft beide Teile! Vermutlich wird Raanana nun bald zur Stadt erklärt werden. Die Häuser werden höher, die Preise auch, die Entwicklung geht rasant weiter, wie auch in allen übrigen Landesteilen. Zu vieler Bedauern verschwindet die Idylle mehr und mehr; Tempo und Hast, das Streben nach Geld und Besitz — die Hauptkriterien heutiger Existenz, auch in Israel, beherrschen unser Leben. Soll man dem Vergangenen nachtrauern oder das Neue freudig begrüssen? Eine offene Frage... Wie aber immer dem allen, hoffen wir besonders zu diesem Pessachfest auf wirtschaftliche und politische Wendungen zum Guten, bitten und beten dafür und wünschen unseren Freunden und Lesern ein herzliches „Chag sameach!“ Frieda Hebel ALLE NEUERSCHEINUNGEN LIEFERT LANDSBERGER TEL-AVIV, BEN JEHUDASTR. 9. TEL. 563 30 SPEZIALABTEILUNG FÜR DEUTSCHES ANTIQUARIAT AN- UND VERKAUF ZU GÜNSTIGEN PREISEN 4