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Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel · 1979-04-01 · No. 45 (April-Mai 1979) · p. Seite 2

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Journal
Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
Volume
1979
Issue
No. 45 (April-Mai 1979)
Date
1979-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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(Fortsetzung von Seite 1) ERZÄHLE DEINEM SOHNE VON DIESEM TAGE... unsere Vorfahren aus Ägypten vertriebn wurden und nicht einmal so lange verweilen durften, bis das Brot gesäuert und der Proviant für die Reise bereit war. Dessen ist das Hauptsymbol des Pessachfestes, die Mazza, Zeuge. Obwohl der Hausherr die Sederfeier eröffnet, in dem er die Mazzoth emporhebt und ausruft „Ha lachma anja“ — dies ist das Brot des Elend, der Sklaverei, das unsere Väter gegessen haben im Lande Ägypten, so erklären wir jedoch im weiteren Verlauf des Abends dieselbe Mazza mit der Eile, zu der die Ägypter die Vertriebenen drängten, so dass sie nicht Zeit hatten, ihr Brot vor der Fiucht gebührend zu hacken. War der Auszug aus Ägypten nun Vertreibung, oder Flucht? Wir sehen ihn als einen Akt göttlicher Befreiung an. In keinem Falle war die Befreiung eine Tat Mosches oder Israels. Das Volk verhielt sich passiv, und dies im eigentlichen Sinne: Noch ihr Weg in die Freiheit ist ein Leidensweg, und die Freiheit, die sie zunächst erwartet, ist — die Wüste. Der Weg zur physischen Freiheit ins gelobte Land führt über die Wegstation des Berges Sinai, der Thora-Gesetzgebung, welche einstige Sklaven erst geistig zu freien Menschen machte. Das Warum des Geschehens ist vergleichsweise nebensächlich gegenüber dem Wozu. Nicht, dass es aus Ägypten gezogen ist, ist die Tatsache, die Israels Erinnerung festhalten soll, sondern dass G’tt es aus Ägypten geführt hat. Auch dieser Akt jedoch würde uns noch nicht zu unserem Sonderschicksal prädestiniert haben, würde unsere Separatgeschichte noch nicht begründen. Hat doch der Ewige, nach des Propheten Amos Wort, „die Philister aus Kaftor und die Aramaeer aus Kiv geführt“, d.h., auch anderen Völkern einen Auszug zwecks Volkswerdung ermöglicht. Uns jedoch hat Er zu dem Zwecke befreit, damit „der Ewige Israel zum G’tt, und Israel zum Volk wurde“. So offenbart erst Bund vom Sinai den Sinn der Befreiung aus der Knechtschaft: Israel ist nicht befreit worden, um frei zu sein, sondern um statt Menschenknecht — G’ttes Knecht zu werden“. »Ägypten — Mizraim“, das Land, mit dem wir im Begriff sind endlich einen Friedensvertrag abzuschliessen, ist uns nicht nur ein geographischer Begriff, sondern ein Symbol für die Geschichte unseres Volkes. Israel liebt den Frieden und die Freiheit, wie nur irgend ein Volk der Erde, obwohl, oder weü es mehr als irgend ein anderes den Druck der Unfreiheit und das Leid des Krieges erfahren hat. Aber wie viel das jüdische Volk gelitten hat, es hat in seiner Geschichte immer wieder die Führung G’ttes erkannt, dessen Wege uns oft dunkel erscheinen, der uns jedoch stets auf den Weg zu einem grossen Ziele zwang. „Geschiacht für Geschlecht ist der jüdische Mensch verpflichtet, sich so anzusehen, als wäre er selbst aus Ägypten gezogen“. Wenn wir diese Worte der Haggada im rechten Geiste sagen, gerade und insbesondere dieses Jahr, in dem wir — hoffentlich — an der Schwelle einer neuen, friedlichen Epoche stehen, dann wird uns die Erinnerung and die Befreiung aus Ägypten zu einem religiösen Erlebenis werden, dann wird Erinnerung — „Secher Le’jeziat Mizraim“ zur Hoffnung auf das „Pessach der Zukunft“, wo die Befreiung von allem „ägyptischem“ Druck, von allem Leid und innerem und äusserem Unfrieden und Krieg sich endlich mit dem ewigen Weltfrieden des Schabbat begegnen wird. Uns scheint, dass diese Gedankengänge, die im Bewusstsein unseres Volkes im Laufe tausender Jahre vorhanden waren, in unserer Zeit eine höchst aktuelle Bedeutung besitzt. Sich am Pessach dieses Jahres all dessen bewusst zu werden, ist wohl des Nachdenkens, des „Secher“ und des „Sikaron“ wert. Abraham Frank, Ramat Chen Durch die Hagada, der so volkstümlichen Erzählung und Zusammenstellung religiöser Symbole, zieht sich ein Grundmotiv, mit dem sich unsere Generation, die eine Vernichtung, die den Hass, die Sklaverei, überleben durfte, immer wieder beschäftigen sollte. Es wird von den vier Söhnen erzählt, vier verschiedenn Charakteren, vier Typen, die jede ihre Einstellung zu der Tradition der Vätergeneration zeigen. Vier Auffassungen, die, so will es scheinen, noch immer so aktuell sind, wie vor Jahrhunderten, als die Hagada in der uns bekannten Form fixiert wurde. Der wichtigste Hinweis bezieht sich auf den Gleichgültigen, der nicht fragt, den nichts interessiert, und mit dem man ein Gespräch beginnen soll... Einige Seiten später wird es noch klarer ausgedrückt. Es wird gefordert, dass jeder, in jedem Geschlecht, in jedem Zeitalter verpflichtet sei, die Ereignisse so zu sehen, als ob er selbst aus Ägypten geführt wurde, ‘erzähle deinem Sohne von diesem Tag, und was mir der Ewige getan hat, bei meinem Auszug aus Ägypten’. Man kann über die stilistische Form der Hagada diskutieren und verschiedener Meinung sein... In diesen wenigen Worten, die wie ein Befehl, ein Gebot, eine imperative Forderung klingen und doch im Plauderton gesagt werden, liegt das Geheimnis des Sederabends, und, wenn man will, des Judentums. Nur, wenn die Ereignisse von Geschlecht zu Geschlecht weitergegeben werden, und nur solange sich der Einzelne verbunden fühlt mit der Vergangenheit seiner Gemeinschaft, lässt sich das gemeinsame Band erhalten. Der Auszug aus Ägypten, zu dessen Erinnerung der Seder abgehalten wird, hat vor mehr als drei Tausend Jahren stattgefünden, es ist das historisch erste gemeinsame Erlebnis der Hebräerstämme, des Volkes. Bis zu den Tagen, an denen die Hagada geschrieben wurde, gab es viele politische Erschütterungen, das zentrale Heiligtum wurde zweimal zerstört, das Volk zerstreut, aber die Forderung ‘Erzähle deinem Sohne von diesem Tag...’ blieb aktuell, und wurde in jeder Generation weitergegben. Vor drei Jahrzehnten endete eine der grössten Katastrophen, die das jüdische Volk durchlebt hat. Ein Rest konnte aus der Knechtschaft geführt werden, konnte die Ereignisse überleben, — wir sind ein Teil von denen, die ‘aus Ägypten geführt’ wurden..., die zeitig genug das ‘Land der Knechtschaft’ verlassen konnten. Uns wurde eine neue Generation geboren, die glücklicherweise in Freiheit aufwächst, die nichts mehr von dem weiss, was die Elterngeneration durchgemacht hat. Auch heute finden wir unter uns die ‘vier Söhne’, von denen die Hagada erzählt, die, die sich für das Schicksal ihres Volkes, ihrer Vorfahren, ihrer Familie interessieren, die fragen, lesen, lernen, aber auch andere, denen alles gleichgültig erscheint, wenn man sie nur leben lässt und erleben, und für die ein Espresso wichtiger erscheint als Kenntnisse des Schicksals ihrer Vorfahren und des Geschehens der nahen Vergangenheit. Einige spotten über die angebliche Feighit der Juden Europas, die sich haben vernichten lassen. Es müssen die Eltern und Erzieher sein, die den ‘Mund öffnen’, die das Gespräch beginnen, die die Jungen zum Fragen anregen. Leider gibt es unter uns Menschen, die selbst Schreckliches durchgemacht haben, aber ängstlich bdacht sind, ihre Erlebnisse und Schicksäle vor den Kindern zu verheimlichen. Sie furchten, die Jugend seelischen Erschütterungen auszusetzen. Die Geschichte des jüdischen Volkes beweist aber, dass es niemals geschadet hat, der jungen Generation die Vorgänge der Vergangenheit zu übermitteln, sie wahrheitsgetreu zu berichten. Der Bann, der eine Wieder - ansiedlung in Spanien untersagte, war Jahrhunderte aktuell, denn die Väter erzählten ihren Söhnen, was ‘ihnen’ in Spanien geschehen war. Der Sederabend ist vielleicht nur deshalb so in der Tradition verankert, und wird von vielen gehalten, die sonst sehr wenige Feiertage begehen, weil er zu einem Familientreffen wurde, das jung und alt an der festlich geschmückten Tafel vereinigt. Es gibt Gelegenheiten, Symbole zu erläutern, gemeinsam die Lieder und Festgesänge zu singen, der Jugend von der Vergangenheit zu erzählen, der eigenen und der der Gemeinschaft, dass sie sich eingegliedert fühlen in die lange Schicksalskette, die mit dem Auszug aus Ägypten beginnt, die Haman überlebte und die Schrecken des Dritten Reiches. Grade, weil es kaum Gebete für den Sederabend gibt, — das Hallelgebet wird geteilt, und vor und nach dem Essen gesagt, — konte er seinen ‘Seder’, seine Ordnung erhalten. Das Gebot der Hagada, dem ‘Sohne von diesem Tage zu erzählen’ wendet sich an uns, die wir unseren Kinder etwas zu erzählen haben. Die Form, die unsere Weisen wählten, sollte zur Anregung dienen. Ein Familienessen, vielfach das einzige im Jahre, zu dem sich die entferntesten Mitglieder der Familie einstellen, bei dem der Hausherr das Gespräch führt, erfüllt den Abend erst, wenn die anderen zum Fragen angeregt werden. Mit denen, die nicht fragen, und die sich nur zum Essen einstellen, und denen alles andere gleichgültig erscheint, soll man die Unterhaltung beginnen, wie es die Hagada vorschricb. Man verlängert den ‘Seder’, aber nur dann füllt man alle Gebote aus, die gefordert werden, auch das, das verlangt ‘erzähle deinem Sohne von diesem Tage’. Heinzwerner Goldstein ZU PESSACH 1979 Fröhlicher Purim — kaum ist er vorbei schon kommt Pessach an die Reih’ die Hausfrau ist im Haus gefangen Pessachputz — springcleaning wird beizeiten angefangen alle Schränke alle Kasten alles muss man gut erfassen darf man doch kein Krümchen lassen kommt die Mazze erst ins Haus mus der ganze „chomez“ raus und wie denkt man jedes Jahr zurück sieht noch die Mutter strahlend dann vor Glück wenn der Vater mit der Gänsefeder putzte aus den Ecken raus jedes Restchen Brot flog hinaus aufregend war die Vorbereitung bis zuletzt mit dem Mazzenschalet mit den Mazzeklösen keine Ruh’ bis zu Tisch man hat sich hingesetzt auch wenn Tradition oder wie modern wir es mögen nennen und wenn wir auch alle die Hagada kennen wie sich die Geschichte immer wiederspiegelt der Auszug aus Ägypten unser Schicksal hat besiegelt Gott hat das Joch der Sklaverei uns abgenommen auch 40 Jahre in der Wüste liess ER uns nicht verkommen heute wo auf dem gleichen Boden wir es erleben wissen wir wie hart es war das Leben mit ungesäuertem Brot hat er uns erhalten Seine Weisheit liess ER walten Zum Gedenken und zum Dank halten wir daran fest lesen die Hagada — lieben den Seder — lieben das Pessachfest! Erai Goldschmidt, Tel-Awiw 2

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