Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 44 (Oktober 1978)
- Date
- 1978-10-01
- Page
- Seite 30 (sequence 2399)
- Language
- German
- Belongs to
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Rosch Haschana - Der Feiertag, der seinen Begriff und seinen Namen änderte Im siebenten Monat, am ersten Monatstage, 6el euch eine heilige Berufung. Ihr sollt keine Arbeitsleistungen vollbringen, es soll euch ein Tag des Hörnerschalls sein.’ Nach der Schrift wird Rosch-ha-schana am ersten Tag des siebenten Monats begangen — Monatsnamen kennt man noch nicht. Der Jahresanfang fällt mit dem Frühling zusammen, in dem nicht nur der Bauer mit der Getreideernte beginnt. Das Pessachfest beziehungsweise der Schaltmont Adar 6cheni, wurde nach dem Fruchthalm bestimmt. War nach dem zwölften Monat, heute Adar genannt, der Halm noch nicht gefüllt, legte man einen vollen Mond, einen Monat ein, um am 14. Tag des ersten Monats, am Pessach, mit dem Schnitt beginnen zu können. In der Schrift wird dem Jom Hasikaron, dem Tag des Gedenkens, am 1. Tag des 7. Monats kaum Bedeutung beigemessen, der ihn von anderen Feiertagen unterscheidet. Im Tempel wurde ein zusätzliches Opfer, Musaph, dargebracht, während Jom Hakipurim, das Versöhnungsfest, der Tag der Versöhnung, die Bedeutung im Namen hat, der Tag der Reinigung, der Busse, der Einkehr. Die Vorschriften für den Tag des Gedenkens, des Tag des Schofarschalls, lesen und hören wir. Was muss also geschehen sein, um aus diesem Tag ein zweitägiges Neujahrsfest zu machen, das schon im Talmud kodifiziert wurde, in der mündlichen Lehre, in der die Dinge festgelegt wurden, die sich in jenen Tage beim Volke eingebürgert hatten, die zur Halacha gehörten, zum way of life, wie wir heute sagen, die gängig waren. Nach dem Verlust des Tempels sollten sie so der Zukunft erhalten bleiben, den kommenden Generationen überliefert bis auf den heutigen Tag. Die Stämme Israels und Juda kannten keinen Kalender. Die Mondmonate wurden nach dem Ablauf der Natur bestimmt, und den landwirtschaftlichen Bedingungen angepasst. Die Feste waren Erntetage. In der Verbannung, ln Babylon finden die Juden einen astronomischen Kalender, mit Monatsnamen. In der Schrift werden nur drei erwähnt Aviv, der Frühlingsmonat, Siv und Bul, von denen man nicht genau weiss, auf welche Monate sie sich beziehen. Manche nehmen vielleicht mit Recht an, dass es Bezeichnungen für Jahreszeiten waren. Nach der Rückkehr aus dem Exil, mit Esra und Nehemia, treten die uns bekannten Monatsnamen auf. Es bestehen Annahmen, wie der Tag des Gedenkens zum Rosch-ha-schna, zum Neujahrtage wurde. Bei Nehemia lesen wir, dass die Reparatur der Stadtmauer Jerusalems am 25. Ellul beendet wurde. Am ersten des 7. Monats tritt Esra vor das versammelte Volk und liest die Tora vor. Er macht, so will es scheinen, diesen Festtag nach der Rückkehr nach Jerusalem zum nationalen Feiertag: ‘Dieser Tag ist dem Ewigen heilig, eurem Gotte. Seid nicht traurig und weint nicht... esset fette und süsse Speisen, sendet Geschenke denen, die nichts vorbereitet haben...’. Hier wird, sicherlich zum ersten Mal — und das muss man als Zeichen einer Assimilation an babylonische Sitte ankreiden, ‘fette und süsse Speisen’ als äusserer Genuss des Festes erwähnt, wie auch das Versenden von Geschenken, Dinge, die sich wie keine der anderen biblischen Forderungen erhalten haben — bis auf den heutigen Tag! Die Gemeinde Jerusalem kommt am zweiten Tag wieder zusammen. Esra erklärt ihnen die Vorbereitungen zum Sukkofest, wie für einen ‘Fast- und Trauertag’ am 24. des Monats. Auffallend ist, dass Esra nicht den Jom Hakipurim erwähnt, während er dem Laubhüttenfest, dem letzten der Wallfahrt-und Erntetage lange Erklärungen widmet. Wann, warum und wie der Tag des Gedenkens der Tora zum Rosch-ha-schana, zum Neujahr wurde, wissen wir nicht mit Sicherheit zu sagen. Man kann nur Mutmassungen anstellen, die vielleicht ein Körnchen Wahrheit in sich tragen, und die helfen, eine Erklärung zu finden, wie ein Tag, von dem es mehrmals in der Schrift heisst, ‘der erste Tag des siebenten Monats’, zum Jahresanfang wurde, nachdem das religiöse Jahr gezählt wird. Für ein Volk von Bauern ist die Tatsache sicherlich entscheidend, dass mit dem Festmonat Ein Buch wird hier vorgelegt, von dem man sich wünschen möchte, dass es Übersetzer findet — auch einen 4ns Ivrith. Denn es wird zweierlei nicht getan: Es wird weder beschönigt, was den deutschen Juden in den Jahren vor Beginn der "Endlösung” angetan wurde, noch werden die Deutschen pauschal verdammt. Die Widmung bereits lässt dies erkennen. “Meinen Freunden und Verwandten”, heisst es in ihrem ersten Teil, "die in den Jahren der Judenverfolgung umkamen, weil Politiker des In- und Auslandes den Nationalsozialismus falsch eingeschätzt hatten.” Der Widmung zweiter Teil: “Den Beamten des ehemaligen Reichswirtschaftsministeriums und des Auswärtigen Amtes, die schon früh die Gefahren ahnten und die mit ihrer verspotteten Bürokratie zwischen 1933 und 1942 tausenden Juden das Leben retteten”. Das Buch “Ein Stempel hat gefehlt. Dokumente zur Emigration deutscher Juden” von Rolf Vogel, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München /Zürich 1977 ist, wie der Untertitel kundtut, in erster Linie eine Sammlung von Dokumenten, die auf 250 Seiten darüber Auskunft geben, was bis zur berüchtigten Wannsee-Konferenz vom 20. Januar 1942 zuungunsten der deutschen Juden geschah, aber auch darüber, was zu ihren Gunsten in Deutschland wie im Ausland versucht wurde. Erstmals werden Pläne und Dokumente vorgelegt, die der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich waren und die einen Einblick in die damaligen Verhandlungen gestatten. Die Lektüre dieser Dokumentation erschüttert, weil sie mehr als viele dicke Wälzer deutlich zu machen vermag, wie die Unmenschlichkeit langsam und leise daherkam und wie die Menschlichkeit langsam und leise zurückwich. Erschütternd auch, wie viele Deutsche ihre Menschlichkeit nicht preisgeben wollten und sich dennoch in Schuld verstrickten, weil sie das Letzte nicht riskieren mochten. Wer in aller Welt mag schon Idealen anhängen, zumal wenn er für eine Familie verantwortlich ist, wenn dies das Leben kosten kann? Rolf Vogel, Sohn einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters — eine schreckliche Unterscheidung in meinen Augen —, der Brückenbauer zwischen Israelis und Deutschen, sagt es so: “Hatte sich Gerechtigkeit” — er spricht von der “Allee der Gerechten” in Yad Vashem — “im Dritten Reich nur im sehneeweissen Gewand erklärter Widerständler gezeigt oder nicht doch auch Tischri ein landwirtschaftlicher Zyklus abgeschlossen wird, die Getreide, Gemüse-und Obsternte ist beendet, aber auch die Weinlese. Man erwartet, erbetet, erbittet den ersten Regen, um ein neues Arbeitsjahr, und die Aussaat beginnen zu können. In diesem Sinne ist der Neubeginn nicht nur symbolisch gemeint. Der Kalender bestimmt die Festtage, der ewige Rythmus von Werden und Vergehen, vom Absterben in der Natur und Wiederneuentstehen findet in ihm seinen Niederschlag, und in diesem Sinne leitet Rosch-ha-schana den Festmonat ein, der mit den Sukkottagen, dem Fest der Weinlese, abgeschlossen wird. Zum Abschluss des Sukkotfestes, am Schemini Azereth, welches der Halacha nach ein besonderes Fest ist, an dem auch „Schehechejanu“ gesagt wird, wird das Gebet um Regen gesprochen, auf dass er sei zum „Segen und nicht zum Fluch“. Heinzwemer Goldstern, Haifa im grauen, verwaschenen Kleid kompromissbereiter, taktierender, lavierender, sich windender Durchschnittsmenschen, die für den Heldentod vielleicht zu schwach waren, denen aber doch viel an der ‘Gerechtigkeit’ lag?” Vogel lässt uns nicht allein mit der Dokumentation. Er erklärt, kommentiert, deutet — 100 Seiten lang. Hjalmar Schacht, Hans Globke, Ernst Freiherr von Weizsäcker, Helmuth Wohlthat — Deutsche wie diese haben einiges erreicht, haben vieles verhindert, doch ohne Zweifel nicht genug. Weizsäcker sagte auf Vorhaltungen des amerikanischen Anklagevertreters Robert M.W. Kempner, er sei mit seinem Namen beim Mord tausender Unschuldiger dabeigewesen: “Ich bin lieber vor diesem Gericht, als dass ich mich zurückgezogen hätte”. Und Rolf Vogel ergänzt: “Was wäre geschehen, wenn all die Weizsäckers durch Eichmänner ersetzt worden wären?” Das genau ist das Thema dieses Buches. Von den 503.000 deutschen Juden, die 1933 in Deutschland lebten, gelang — meist mit amtlicher Hilfe — rund 270.000 zwischen 1933 und 1942 die Auswanderung. Den anderen hat der heissersehnte Stempel im Pass gefehlt. Das Haavara-Abkommen, der Madagaskar- Plan, die Kontakte von Hjalmar Schacht 1939 in London — die vielfältigen Bemühungen, die deutschen Juden zu retten, werden in diesem Buch nachgezeichnet. Gewiss, vollständig ist es nicht, kann es nicht sein. Manches geschah, was in Dokumenten und Archiven nicht verzeichnet steht, mehr Böses als Gutes. Doch das Gute verliert, auch wenn es im Verborgenen geschieht, nicht an Gewicht. Das Buch, das Rolf Vogel Juden und Christen, Israelis und Deutschen gewidmet hat, ist Graben und Brücke zugleich. Der Rezensent, ein Deutscher aus der Übergangsgeneration, hofft, dass viele es lesen werden, den Graben sehen und trotzdem die Brücke beschreiten werden. F*ür Israelis ist das Buch zu teuer. Es müssen Wege und Mittel gefunden werden, es der deutsche* Öffentlichkeit schmackhaft und der israelischen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Tragödie der deutschen Juden und die Versuche von Deutschen, diesem Unrecht entgegenzutreten, dürfen nicht im Niemandsland der Geschichte untergehen. Sie sind zu wertvoll — als Zeugen des Leides, aber auch der Hoffnung auf Versöhnung. Bernhard Ohse l=lll=lll=lll=lll=lll==ill=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=lll=IIIEIII=lll=lll=lll=lll=lll=III=IIIEIIEIII=lll=in Dokumente zur Emigration Deutscher Juden 30