Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Journal
- Yediʿot shel Irgun ʿOle Breslau be-Yiśraʾel
- Volume
- 1978
- Issue
- No. 44 (Oktober 1978)
- Date
- 1978-10-01
- Page
- Seite 22 (sequence 2391)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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(Fortsetzung von Seite 21) Westen. Keine Inflation aber doch Preisangleichung? Aber das ist doch daselbe. Das Leben geht doch weiter und da die Jugend keine Möglichkeit hat zu vergleichen glauben 6ie der Propaganda dass alles besser ist als wo anders. Das beweist die Qualität der Propaganda aber nicht ihre Wahrheit. Auf der Laufbriicke über die Oder (wo die Gegend war wo ich einmal jeden Tag auf der Oder hinauf und hinunter gerundet war), da sah ich ein Junges Paar von ungefähr 21 oder 22. Mit verklärten Gesichtszügen, die die Tiefe ihrer Gefühle zeigten, die Liebe, die ihre Augen ausstrahlten und die Innigkeit mit der sie sich umarmten. Kommunismus hat doch nicht alles Menschliche ausrotten können. Der Breslauer Zoo hat die grösste Anzahl von Orangutans die ich je sah. Da war der Kommunismus erfolgreich. Warum mit Orang-tans und nicht mit Menschen? Diese Orangutans sind wahrscheinlich die Einzigen in Breslau, die in ihrer eigenen Sprache gegen das Regime protestieren dürfen. Genau wie in Egypten wo die Griechen und die jüdischen Gechäftsleute eliminiert worden sind hat man in Polen auch die Konkurrenz eliminiert. Konkurrenz verlangt Ambition und wo sie fehlt wird das Leben farblos. Nur Idealisten können den Mut aufbringen ohne Konkurrenz doch Ambition zu haben. Aber wieviele gibt es von denen? Besonders ln einem Land wo doch das Paradies “um die Ecke” versprochen wird? Die Polen die jetzt in Schlesien leben scheinen es nicht als eine Heimat zu betrachten. Sie haben das Land vergewaltigt und behandeln es wie ein Pimp der die Prostituierte verachtet. Der Wiederaufbau ist weit zurück, und nirgens ist Schönheit. Ein paar vernachlässigte Blumenbeete bei der Pergola neben der Jahrhunderthalle, aber sonst nichts... überhaupt nichts. Der 71 Jahre alte in Posen geborene Mann erinnert sich an die goldenen Zeiten vor 1914 wo man nichts wusste wie gut man es hatte. Die polnische Sprache die man privat erlernen musste war der einzige Grund zur Unzufriedenheit. Er war schon zweimal eingesperrt weil er zu offen spricht, beide Male als ihn junge Leuee von der DDR anzeigten, denn die sind katholischer als der Pabst. Ein früherer Bromberger hat eine kleine Andenkenwerkstätte im frühren Brückenberg das jetzt nach dem 1. Präsidenten von Polen Bierrute heisst, er verkauft seine Dinge in einem kleinen Laden nahe der Kirche Wang. Ich fragte ihn wie es kommt dass er ein Geschäft führen kann. Er sagte “Man weist nicht wie lang noch; vielleicht geht’s nächstes Jahr zu Ende“. Für 10 Zloty (30 US cents) kann man im Sessellift nach der Schwarzen Koppe hinaufgleiten. Die geht aber fast nur zwischen Bäumen die die Aussicht verhindern bis man dann oben im Nebel ankommt. Am Nebel sind die Kommunisten nicht schuld, den gab es schon damals dort. In Breslau sprach mich ein früherer Nazijugend Breslauer an der bei der Verteidigung der “Festung” von der Schulbank direkt an die Front gebracht wurde und einer der 200 Überlebenden war, die anderen 20.000 Schüler sind dabei umgekommen. Er war bis 1957 in Sibirien, hat aber nicht gesagt wieso er dann ln Breslau bleiben konnte. Vielleicht waren seine Grosseltern aus Oberschlesien oder aus Posen und er hatte seine Herkunft beweisen können, er hat es mir aber nicht zugegeben. Er machte Jagd auf Besucher vom Westen die nach Breslau kommen um die alte Heimat wieder zu sehen. Er verheimlichte seine Gefühle nicht gegen “Rot-Amerika” (Russland) noch seine Erinnerung wie schön es früher in Breslau war als der Führer den Jungen die Welt versprach. Vergewaltigt ist das einzige Wort das ich finde wenn ich daran denke wie er mir sagte dass seine Kinder unter sich nur polnisch sprechen und dass die deutsche Sprache in seiner eigenen Famüie schon verloren gegangen ist. Der Traum der Weltbeherrschung durch die Übermenschen ist mit der deutschen Sprache verloren gegangen, und die nächste Generation in Polen wird nur noch sehr wenig mit der deutschen Vergangenheit zu tun haben, grade so wenig wie wir in der Schule über die Anwesenheit Polens in Breslau vor einigen hundert Jahren etwas wussten. Ich habe kein Mitleid mit dem Mann, aber ich hatte sehr zwiespältige Gefühle als ich die Klosterstrasse wieder sah. Dann fuhren wir auch nach Sagan, wo wir ein erschütterndes Denkmal sahen das den dort umgekommenen Russ. Poln. Jugosl. Englischen, Französischen, Canadischen Gefangen gewidmet war und sogar die Zigeuner erwähnte. Juden sind nicht erwähnt, denn die waren wohl nicht der Ehre wert mit alliierten Gefangenen zusammen zu verhungern. Das Denkmal besteht aus einem Museum das nur am Samstag offen ist und aus einer liegenden Figur eines sterbenden Mannes. Da war auch eine Blumenwidmung mit den Worten “A nos camerades”, wohl von einer besuchenden Resistance Gruppe. Krummhübel und Brückenberg wo es einmal so schön und erfrischend war ist jetzt ganz proletarisiert. Man schickt nur Arbeiter zur Erholung hin und Restaurants und Geschäfte gibt es kaum noch. Ein früherer Fremdenlegionär der als Portier für das Krummhübler “Orbis Hotel” arbeitete schüttete mir sein Herz aus. Er sprach ausgezeichnetes französisch und kritisierte alles, vom Krakauer Boss bis zur Unfähigkeit der Sekretärinnen Sprachen zu sprechen, schimpte auf das Regime, auf den Mangel an Kaffee usw. usw. Natürlich weiss man nicht ob es alles wahr ist, aber meine eigenen Beobachtungen scheinen zu bestätigen was er sagte. Er hat mir auch erzählt dass als die Fremdenlegion in 1943 in Cassino eingesetzt wurde und die Nazis die in der Legion waren sich weigerten hat man sie füsiliert. Aber da waren auch Anti-Nazis dabei die weiterkämpften und einige von denen sind ihn schon seit dem Kriege in Krummhübel besuchen gekommen. Der polnische Portier des Panorama Hotels in Breslau behauptete viele Telephongespräche geführt zu haben um herauszufinden ob es noch eine Synagoge in Breslau gibt, aber er hat herausgefunden dass so etwas schon seit 8 Jahren nicht mehr existiert... und als ich ihm sagte dass es ja eine Gemeinde und eine Synagoge gibt, da wollte er trotzdem sein Trinkgeld haben... Er hat sich auch als Führer nach der Liebichshöhe angeboten. Da habe ich aber die Geduld verloren und ihm gesagt dass ich meinen Weg zur Liebichshöhe schon kannte als er noch nicht auf der Welt war. Jetzt nähern wir uns einer Periode wo Hitler verheiligt werden wird und so wie Napoleon sein Denkmal erhalten wird. Napoleon wurde schon 1840, 19 Jahre nach seinem Tode zum Dome des Invalides gebracht. Bei ihm ging es schneller, denn er hat durch seine Kriege nur ein paar MUlionen verloren. Bei dem Erfinder der Gaskammern, der Tötung unschuldiger Zivilisten wird es ein wenig länger dauern. — Die Devise hinter dem eisernen Vorhang erinnert mich an das Wort: “To Hell and back.” — “Back“ war die österr. Grenze mit der CSR bei Linz, wo ein einzelner Zöllnpr die Grenze bewachte. Er lachte uns nur an als er unsere U.S. Pässe sah. Ich dachte daran wie vor 1938 die Flucht vom terrorisierten Österreich nach der CSR in umgekehrter Richtung stattfand. Kurt Jacques Gadiel P.O.B. 146 Route 39 SHERMANN, CT 06784 FRED UHLMANN: REUNION. (WIEDERVEREINIGUNG.) 1977 VERÖFFENTLICHT VON WILLIAM COLLINS, GLASGOW 1978 POCKETAUSGABE, FONTANA BOOKS. Am Beginn der Novelle “Reunion” von Fred Uhlmann befreunden sich zwei Schüler der Oberklasse des Eberhard Ludwig-Gymnasium in Stuttgart, das der heute in Amerika lebende Autor selbst besucht hat. Der eine, Hans, ist der Sohn einer kultivierten bürgerlichen Familie. Der andere, Konradin, stammt aus einem alten Adelsgeschlecht. Beide machen nicht die üblichen Schülerstreiche mit und sind vereinsamt. Es könnten Figuren aus einem Roman von Thomas Mann sein. Jedoch besteht ein Unterschied: die bürgerliche Familie ist jüdisch. In dieser Novelle geht es nicht um die Bildung junger Menschen, sondern um die Tragik, in die das deutsche Judentum und auch ein Teil des deutschen Adels in den dreissiger Jahren verflochten waren. Auf die Freundschaft der beiden Schüler fallen bald Schatten. Der Vater von Hans verrät die innere Schwäche des assimilierten Judenums durch seine Anbiederung an den Grafensohn. Umgekehrt enthüllt sich die Mutter von Konradin als begeisterte Anhängerin von Hitler und warnt ihren Sohn vor der jüdischen Verderbnis. Doch wird hierdurch die Freundschaft von Hans und Konradin nicht gestört. Nach der Machtergreifung der Nazis bereitet der Vater von Hans dessen Auswanderung nach Amerika vor. Sein Freund schreibt ihm zum Abschied: Er, Konradin, glaube an eine Erneuerung Deutschlands, sei aber überzeugt, dass nach einigen jahren des Übergangs Hans wieder zurückkehren und sich am erneuten Deutschland beteiligen könne. Nach dem Weltkrieg erhält Hans eine Liste seiner Schulklasse. Weil er in die Verschwörung gegen Hitler verwickelt war, ist sein Freund hingerichtet worden. Mit Recht nennt Arthur Köstler das Buch ein Meisterwerk. Sein Urteil zählt um so mehr, da er ja die Judenfrage in der Diaspora leugnet. Anni Loewenstein Das Buch von Hse Lehmann-Rothschild: “Kleine Philisophie des Alltags” wird zum Preise von IL. 12.80 plus Mehrwertsteuer in folgenden Geschäften verkauft: In allen Filialen von Steimazky in Tel Aviv: Buchhandlung ABC, Allenbystr. Braun, Allenbystr. Freyhan, Ben Jehuda 60 Landsberger, Ben Jehuda 7 Dr. Lichtenstein,, Scheinkin 12 in Ramat Gan: Ilse Blumenfeld, Bialikstr. in Natania: Pompan in Jerusalem: Ludwig Mayer, Schlomzion Hamalkastr. Religionsschule der jüdischen Gemeinde Berlin — Steglitz. Hildegard Ricken, Schülerin der Klasse 1 erhält die Prämie für Fleiss u. Wohlverhalten Berlin, den 8. April 1924. 22